Hallo, ihr alle
Ich bin verzweifelt und brauche mal dringend Hilfe. Hoffentlich habt ihr viel Geduld, um meine lange Geschichte zu lesen:
Ich bin 39 Jahre alt und habe mich vor 11 Monaten von meinem Mann getrennt, mit dem ich 16 Jahre verheiratet war (und noch bin). Wir haben eine Tochter, die im Herbst 13 wird. Zu ihr war er immer sehr, sehr lieb, auch wenn ich oft fand, dass er ihr zu viel erlaubte und zu viele materielle Wünsche erfüllte.
Die ganze Geschichte meiner Ehe hier nachzuerzählen, wäre zu viel, deshalb nur kurz: Nach vielen Jahren Psychoterror kam es im Frühjahr 2009 zu zwei Situationen, die mir klar machten, wir müssen ihn verlassen, sonst gehe ich zugrunde. Auch meine Tochter sagte „Mami, ich weiß nicht, ob ihr zwei jemals wieder miteinander glücklich werdet.“
Also suchte ich eine neue Wohnung für uns beide und fand schließlich eine ganz süße nur ein paar Bushaltestellen weiter. Die Wochen, die wir noch gemeinsam in der Wohnung verbrachten, waren für mich die Hölle, weil mein Mann mich ganz subtil psychisch terrorisierte. Er schaffte es, unsere Tochter so zu beeinflussen, dass sie offensichtlich glaubte, ICH wäre die Böse, die dem Papa keine Chance gibt, obwohl er verzweifelt versucht die Ehe zu retten.
Von da an zeigte sie mir immer öfter die kalte Schulter und gab mir keine Gelegenheit mehr, mit ihr alleine zu sein. Wenn ich ihr irgendwelche Anweisungen gab (Hausaufgaben machen, Zimmer aufräumen etc.), fragte sie erst noch den Papa, ob sie das wirklich machen müsse. War er nicht da, rief sie ihn sogar auf der Arbeit an! Papa sagte ihr dann meistens, dass sie nicht auf mich hören müsse. Alle Autorität, die ich jemals gegenüber unserer Tochter hatte, hat er untergraben.
An dem Wochenende, an dem ich umziehen wollte, fuhr mein Mann mit unserer Tochter weg, sie sollte das nicht alles so mitbekommen. Ich nahm die Möbel meiner Tochter mit, und einen Teil ihrer Bücher, Spielsachen und Kleider, weil wir uns geeinigt hatten dass sie bei mir wohnen würde, ihren Papa aber jederzeit besuchen dürfte, ich wollte da keine Einschränkungen machen.
Als erstes richtete ich in der neuen Wohnung das Zimmer meiner Tochter ein. Zwei Tage später fuhr ich wie abgesprochen in unsere gemeinsame Wohnung zurück, wollte dort noch ein paar Kleinigkeiten holen und auf meine Tochter warten, bis sie von der Schule heim käme. Und was war? Mein Schlüssel passte nicht mehr in die Wohnungstür! Mein Mann hatte einfach das Türschloss austauschen lassen, obwohl ich noch die Hälfte der Miete zahlte!
Also wartete ich vor der Tür auf meine Tochter, statt dessen kam nur mein Mann, das Kind saß weinend im Auto und wollte nicht mit mir reden. Als ich ihr sagte, dass ich sie jetzt mitnehmen möchte in unsere neue Wohnung, teilte sie mir mit, das sei nicht ihre neue Wohnung, sie würde beim Papa bleiben und definitiv nicht zu mir ziehen. Obwohl mir das Herz brach, habe ich versucht ganz ruhig zu bleiben und habe es tatsächlich geschafft, nicht zu weinen, ich weiß nicht mehr wie. Selbst als ich das Gesicht meines Mannes sah, der mich so selbstgefällig, fies und gehässig angrinste …
Ich sagte meiner Tochter noch, ich würde ihr ein paar Tage Zeit lassen, das alles ein bisschen zu verarbeiten, und wir würden dann nochmal reden. Aber sie hat ihre Meinung nicht geändert.
Was seitdem alles geschah, war für mich der schlimmste Psychoterror, den ich mir nicht mal in meinen Albträumen ausgemalt hätte:
Am Anfang habe ich meine Tochter alle paar Wochen mal kurz gesehen, aber immer nur wenige Stunden, dann wurde es immer weniger, sie schob andere Verabredungen vor. Inzwischen verweigert sie fast jeden Kontakt zu mir, sie beantwortet keine SMS, keine Emails, keine Briefe, keine Anrufe …
Was sich zwischen mir und meinem Noch-Ehemann in diesen elf Monaten ereignete, ist zu viel, um alles hier zu beschreiben. Ich hätte nie gedacht, dass ein anderer Mensch einen ohne körperliche Gewalt sooo fertig machen kann. Und er tut nicht das Geringste, um unsere Tochter mal wieder in meine Richtung zu bewegen. Sieht er nicht, dass unser Kind auch seine Mutter braucht?
Seit ich entschieden hatte, dass ich meinen Mann verlasse, stehe ich im Kontakt mit Jugendamt und Erziehungsberatung. Dort wird mir geraten, meine Tochter „an der langen Leine“ zu lassen und ihr Zeit zu lassen, damit sie wieder Vertrauen zu mir fasst. Das klingt auch logisch, aber es tut so weh und es hat sich elf Monate lang nichts verändert.
Seit zehn Monaten zahle ich auch Kindesunterhalt (er ist sofort zum Anwalt gerannt, kaum dass ich ausgezogen war), obwohl eigentlich mein Mann mir noch Geld schuldet. Er spricht nichts mit mir ab, erzählt mir nicht, dass unsere Tochter letzten Winter wegen einer Gehirnerschütterung drei Tage im Krankenhaus lag, dass sie in der Schule große Probleme hat und evtl. sitzen bleiben wird. Das habe ich von der Lehrerin erfahren, die ich zufällig beim Einkaufen traf. Sie wusste gar nicht, dass meine Tochter seit elf Monaten jeglichen Kontakt zu mir verweigert!
Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll.
Soll ich meiner Tochter weiterhin Zeit lassen und meinem Mann die Gelegenheit geben, ihr einzureden, dass ich SIE im Stich gelassen habe und ein tolles, lustiges Leben ohne Verantwortung führe, dass ich es genieße, meine Freiheit zu haben?
Oder soll ich vor Gericht ein Umgangsrecht einklagen und meine Tochter so zwingen, mich regelmäßig zu sehen?
Ich habe auch große Angst davor, welchen Schaden meine Tochter nehmen wird, wenn sie eines Tages aufwacht und erkennt, dass ihr geliebter Papa sie nur als Waffe gegen mich missbraucht hat.
Das einzig Positive, was bei der ganzen Geschichte herauskam ist, dass ich wieder viel Kontakt zu meinen vier Schwestern und alten Freunden habe, die mich stützen, mir zuhören und mich ablenken. Von ihnen hatte ich mich während meiner Ehe immer weiter entfernt, weil mein Mann so eifersüchtig war.
Ich hoffe, ich finde hier gute Ratschläge und danke euch schon mal, dass ihr meine lange Geschichte durchgelesen hab.
Lonely Mom

