Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Der Treffpunk für Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Hier können Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht werden.

Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Seelenbrand 19. Juni 2010 13:44

Hallo,

ich habe mich im März 2009 von meinem Mann getrennt und bin mit meinen beiden Kindern (ein Mädchen, inzwischen 10 Jahre alt, nicht seine leibliche Tochter und ein Junge, inzwischen 5 Jahre alt, sein leiblicher Sohn) aus unserem gemeinsamen Haus ausgezogen.

Wir haben beide inzwischen neue Partner - die Kinder, mein Partner und ich wohnen zusammen in einer Wohnung und die Freundin meines Noch-Ehemannes (wir warten eigentlich nur noch auf den Scheidungstermin, Unterlagen sind alle eingereicht) zieht heute mit ihrem Sohn in sein Haus ein, welches ich ihm bereits kurz nach der Trennung überschrieben habe.

Mein Sohn ist alle 2 Wochen über´s Wochenende bei seinem Papa, er holt ihn dann freitags aus dem Kindergarten ab und bringt ihn mir sonntags nachmittags nach Hause oder ich hole ihn ab, das läuft immer recht flexibel. Praktisch ist, dass wir nur ein paar hundert Meter auseinander wohnen, so kann man relativ schnell irgendwelche Sachen hin und her tauschen und die Übergaben spontan gestalten.

Leider ist es bei den Übergaben so, dass wir uns so gut wie gar nicht unterhalten. Er schaut fast permanent auf den Boden, hat Probleme, mir in die Augen zu schauen. Er gibt mir zur Begrüßung auch die Hand - d.h. bis vor kurzem, ich finde das nämlich ziemlich bescheuert. Entweder so kurz "hi" sagen oder kurz in den Arm nehmen. Okay, in den Arm nehmen kann/will er wohl nicht, ist auch verständlich, will ich mich auch gar nicht beschweren. Also reicht jetzt ein kurzes "hi".

Für unseren Sohn ist das so total doof, er ist recht introvertiert, wenn er von Papa kommt, verzieht sich erstmal in sein Zimmer, ist auch dann beim Abendbrot einerseits eher verhalten und versucht andererseits seine Grenzen zu testen, meckert vor sich hin á la "bei Papa darf ich das aber...".

Was ich an der Sache ziemlich blöd finde, ist, dass ich überhaupt gar nicht weiß, was am Papa-Wochenende dort so vorgefallen ist. Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Auseinandersetzungen gab oder ob er in irgendeiner Art und Weise versucht hat, seine Grenzen zu testen oder traurig war oder wie auch immer. Hier schreit er bei Stress immer nach Papa - wie ist es dort? - Schreit er da nach mir? Ich weiß es nicht. Und das letzte was ich will, ist, meinen Sohn auszufragen. Entweder er erzählt von alleine etwas oder gar nichts.

Mir ist es wichtig, dass ich weiß, was mein Sohn am Wochenende so erlebt hat, damit ich sein Verhalten verstehen und auch dementsprechend reagieren kann.

Auch wenn mein Noch-Mann und ich viel Streit hatten - in der Erziehung waren wir uns immer einig. Jetzt ist es so, dass dort (durch die "Umstände"? durch seine Freundin? - ich weiß es nicht) ein recht inkonsequentes Verhalten an den Tag gelegt wird und m. E. kaum Regeln gelten bzw. diese auch gebrochen und so hingenommen werden, "weil es die Kinder ja gerade so schwer haben" (deren Zitat).

Gehe ich zu weit, wenn ich gerne erfahren möchte, was dort am Wochenende so ablief und den Wunsch habe, in bestimmten Situationen gleich oder ähnlich zu reagieren? Mein Sohn weiß doch schon gar nicht mehr, was man darf und was man nicht darf.

Mein Partner ist recht streng - zu streng wie ich finde. Ich versuche das so gut es geht zu unterbinden, wobei es den Kindern dabei gut zu gehen scheint, sie mögen ihn sehr und fingen von sich aus schon an, dass sie ja zu ihm Papa sagen könnten, weil er ja jetzt eigentlich ihr Papa ist. Das geht meiner Meinung nach zu weit, aber ich habe ihnen freigestellt, ob sie ihn beim Vornamen nennen oder mit Papa ansprechen. Er fühlt sich bei "Papa" natürlich geschmeichelt.

Ich habe Ende nächster Woche ein Termin bei der Erziehungsberatung, um unsere Situation mal darzulegen und um nachzufragen, was wir schon ganz gut handhaben und wo Verbesserungsbedarf besteht. Im Großen und Ganzen denke ich, dass wir das alles schon ganz gut im Griff haben, mein Sohn fährt mit seiner "neuen Papa-Familie" (ich nenn es jetzt einfach mal so...) in einer Woche für eine Woche in den Urlaub - selbst das ist möglich.

Im Netz habe ich viel recherchiert, wie man aus unserer Situation das beste für die Kinder machen kann und bin unter anderem auch auf das sogenannte "Wechselmodell" gestoßen.

Für alle diejenigen, denen das jetzt gar nichts sagt: Das Kind lebt z.B. zur Hälfte bei einem Elternteil und zur anderen Hälfte beim anderen Elternteil - oder auch 40-60, 30-70 etc. pp.
Man könnte z. B. vereinbaren, dass das Kind eine Woche bei der Mutter lebt und eine Woche beim Vater - immer im Wechsel. Oder dass das Kind montags und dienstags bei Mama ist, mittwochs und donnerstags bei Papa und freitags, samstags und sonntags im Wechsel bei Mama oder Papa, aber halt fest geregelt. Ein Tag geht immer bis zum Morgen des Folgetages.

Was haltet ihr davon? Gut? Nicht gut? Wenn gut - wie regeln? Wochenweise, tageweise wie beschrieben? Ganz anders?

Am Wichtigsten ist mir, dass mein Sohn so wenig wie möglich unter seiner neuen Lebenssituation leidet. Es tut mir unendlich leid, dass ich aus meinen Kindern Scheidungskinder machen musste, aber ich konnte es einfach nicht mehr verantworten, dass meine Kinder in einer Umgebung groß werden, in der viel Streit an der Tagesordnung war und ein niveauloser Umgangston herrschte. Selbst meine Tochter sagte 1 Monat nach der Trennung, dass es ihr viel besser geht, weil man sich zu Hause wohler fühlt, es ist ruhiger, ich habe bessere Laune. Manchmal sei sie traurig, dass wir nun in einer Wohnung und nicht mehr im Haus wohnen, aber daran wird sie sich schon gewöhnen.

Falls ihr Euch jetzt wundert, dass sich hier fast alles um meinen Sohn dreht und nicht um meine Tochter:
Ihr Vater und ich waren in "Jugendzeiten" 2,5 Jahre zusammen - ich war 14 als wir uns verliebten und er 18. Mit 16 wurde ich ungeplant schwanger, wir entschieden uns für das Kind, weil wir dachten wir heiraten mal und weil unsere Eltern voll und ganz hinter uns standen. Es ist dann irgendwie doch alles anders gekommen und er trennte sich von mir als ich hoch schwanger war. Trotzdem haben wir ein super gutes Verhältnis, ich würde fast behaupten, dass er mein bester Freund ist. Wir sind beide froh, dass wir so eine tolle gemeinsame Tochter haben und unternehmen auch gemeinsam etwas, auch sie ist alle 14 Tage am Wochenende bei ihm.

Gratulation an alle, die bis hier gekommen sind.

Ich freue mich auf Eure Antworten.
Seelenbrand
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Yvaine 19. Juni 2010 23:10

Liebe Seelenbrand,

herzlich Willkommen hier im Forum :winken:

Ich glaube, für deine ganzen Fragen bin ich als Scheidungskind eher der falsche Ansprechpartner, ich habe aber deine Geschichte gelesen und möchte dir auch kurz etwas schreiben:

Ich finde es schön, wieviele Gedanken du dir um den Schaden, den dein Sohn tragen könnte, machst.
Zur Anregung schicke ich dir hier den Link zu den "20 Bitten eines Scheidungskindes", wie du bei den Reaktionen darunter lesen kannst, fühlen sich viele davon angesprochen und egel in welcher Altersstufe wurde es hier schon von vielen Betroffenen "unterschrieben".

Wenn das Verhältnis zu deinem Ex soweit okay geht, kannst du ihm ja auch einen Ausdruck davon geben, mit ein paar netten Zeilen über wie du dir den Umgang bei der "Kindesübergabe" wünschen würdest und was du denkst, was eurem Sohn gut tut und wie er das denn sieht und sich wünscht?

Soweit alles Gute und bis bald.
Yvaine

Für die 20 Bitten hier klicken:
http://scheidungskinder.de/viewtopic.php?f=1&t=3465
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Seelenbrand 19. Juni 2010 23:31

Hallo Yvaine,

vielen lieben Dank für Deine Antwort.

Du wirst lachen - ich habe bereits an dem Tag an dem ich dieses Forum hier entdeckt habe die 20 Bitten gefunden, gelesen, geweint, meinen Noch-Ehemann angerufen, ihm davon berichtet, er bat mich, ihm die 20 Bitten per E-Mail zu schicken, hab ich sofort gemacht mit dem Kommentar, dass wir das alles denke ich schon ganz gut hinbekommen, nur dass wir an den Übergaben etwas ändern müssen.

Bisher kam leider keine Antwort darauf...
Seelenbrand
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Yvaine 19. Juni 2010 23:33

Liebe Seelenbrand,

oh, das ist traurig und schön zugleich. Immer wieder faszinierend, was diese Bitten doch auslösen-

Ich mag jetzt altklug klingen, aber vielleicht braucht er noch ein bisschen Zeit? Für die Übergabe. Solange du die Ampel auf grün hast und er das weiß (im Sinne von "Signalisier ihm, dass ein kleiner Drücker für dich das schönste wär, er aber entscheiden soll, ob und wann er das kann oder was er anstelle schönes (im Sinne des Kindes) wöllte).

Ich drück die Daumen - bis jetzt finde ich euch ja vorbildlich, ihr telefoniert! Wow!!
LG,
Yvaine
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Seelenbrand 20. Juni 2010 00:26

Ich vermute ja auch, dass er noch etwas Zeit braucht. Ein "Drücken" fände ich wohl evtl. auch nicht so angebracht, weil ich nicht wüsste, ob´s von Herzen kommt oder unter Zwang - wie das Küsschen bei der Begrüßung zwischen seiner Mutter und mir. Furchtbar find ich sowas. Hab auch schon mal überlegt, ob ich ihr sage, dass ich das nicht möchte, aber ich denke ich werde auch nicht sterben, wenn wir das weiter so praktizieren. Ich bastel halt nicht mit ihr, deswegen mag sie mich wohl nicht. (Sorry - Galgenhumor!)

Klar telefonieren wir - das muss er auch. Eigentlich müsste er mir unendlich dankbar sein. Ich habe etwas getan, was mir sehr sehr wehtut, aber ich hab´s für meinen Sohn getan: Meinen eigenen Urlaub storniert, damit er mit Papa, seiner neuen Freundin und ihrem Sohn Urlaub machen kann. Gedankt wurde es mir nicht. Tut weh, aber ich überleb´s.
Seelenbrand
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Gerda 20. Juni 2010 11:27

Liebe Seelenbrand,

herzlich willkommen hier im Forum :winken:

Ich finde, dass du nicht zu viel verlangst, dass du Informationen bekommst, wie es bei Papa war. Allerdings würde ich dazu nicht die Situation nutzen, wenn das Kind zu dir begleitet wird oder du es abholst - das Wort "Übergabe" finde ich sehr unangenehm, weil sich das nach Waren anhört oder wie eine dienstliche Handlung und vermeide es. Aber so, wie du es beschreibst, ist es eher eine "Übergabe" als ein liebevolles nach Hause Begleiten. Ich möchte jetzt nicht wortklauberisch sein damit, sondern eher es so verstanden wissen, dass die "Überschrift" auch Einfluß auf den Inhalt haben kann. Wenn man an ein liebevolles nach Hause Begleiten denkt, dann tut man es vielleicht auch eher, weißt du, was ich meine?

Wenn dein Mann immer auf den Boden guckt, wenn er Euren Sohn zu dir begleitet, dann kommt bei mir die Idee, dass da noch etwas mit der Trennung nicht so richtig besprochen ist? Kann das sein, dass da noch unausgesprochene Trauer ist oder Wut? Vielleicht meldet er sich nicht auf die Email mit den 20 Bitten, weil er sehr traurig geworden ist dadurch? Weil er dadurch fühlt, wie es eurem Kind geht?

Für die Informationen, wie es dem Kind geht, ist es ratsam, ein Mal in der Woche einen Termin - kann auch telefonisch sein - auszumachen und darüber zu sprechen, die Erfahrungen erzählen. Dadurch fühlt das Kind auch eine Kontinuität, denn es spürt den Austausch der Eltern im Rücken sozusagen. Das könntest du deinem Mann vorschlagen. Außerdem ist es für Kinder sehr schön, wenn die Eltern auch mal etwas mit ihm zusammen unternehmen. Etwas, was man auch in der noch intakten Familie zusammen unternommen hat, und sei es nur, eine Stunde auf den Spielplatz zu gehen, gemeinsam.

Zum Wechselmodell habe ich gute Erfahrungen gemacht, allerdings halte ich da es für ganz notwendig, dass die Eltern perfekt miteinander kommunizieren, was jeweils beim anderen Elternteil geschehen ist.

Bei einem kleinen Kind - ich weiß das Alter nicht, aber du schreibst "Kindergartenkind" - ist es sicher gut, zwei Tage hier/zwei Tage dort und dann das Woe bwechselnd. Denn dadurch ist die Zeit bis es wieder zu Papa oder zu Mama geht, wesentlich überschaubarer - "noch zwei mal schlafen" kann ein kleines Kind besser verstehen als "in 7 Tagen".

ERzähl mal, wie es weiter geht! (oder was du sonst noch schreiben magst)

Liebe Grüße
Gerda
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Seelenbrand 20. Juni 2010 20:43

Hallo Gerda,

danke für Dein Statement zu meinem Beitrag.

Ja, ich weiß was Du meinst. Klar ist das Wort "Übergabe" furchtbar - so kühl und wie Du sagst als spräche man über Ware. Leider läuft es aber ebenso kühl ab, wie ich es formuliere. VOR meinem (5-jährigen) Sohn muss so ein Gespräch ja auch nicht laufen. Ich empfinde es unangebracht, über Personen zu sprechen in deren Anwesenheit - wäre ja dann so als seien sie gar nicht da. Das gilt bei mir sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

So ein Haus oder eine Wohnung hat ja nicht nur ein Zimmer. Ich stell es mir so vor, dass mein Sohn mitbekommt, dass ich da bin, wir ihm aber sagen, dass wir uns noch ein wenig unterhalten und er noch so lange spielen kann. So kann er sich auch darauf einstellen, dass er nicht mehr lange Zeit hat und es bald nach Hause geht und ein Spiel muss nicht aprupt abgebrochen werden. Genauso wäre es bestimmt schön für ihn, wenn er von Papa nach Hause gebracht wird, kurz Papa was noch in seinem Zimmer zeigen kann und er dann sieht, dass Mama und Papa nicht böse aufeinander sind.

Ganz furchtbar finde ich es z. B. auch, wenn mein Sohn abends im Bett liegt und sagt, dass er Papa vermisst und dass er ihn dolle lieb hat und er mich dann als eine Lügnerin hinstellt, wenn ich ihm sage, dass auch ich den Papa vermisse und lieb habe. Ich versuche ihm dann zu erklären, dass Papa ganz toll ist und dass Papas Freundin auch ganz toll ist und dass es uns allen besser geht, dass er ja immer zu Papa darf, wenn er möchte und wenn Papa Zeit hat. Er sagt schon manchmal, dass er möchte, dass wir 4 wieder im Haus wohnen. Ich erkläre ihm dann, dass das leider nicht geht und dass wir auch so beide für ihn da sind, wenn er uns braucht.

Ich denke schon, dass bzgl. der Trennung alles ausgesprochen ist und wir sind auch der Meinung, dass das mit uns einfach nicht klappen kann. Natürlich war nicht immer alles schlecht, wir hatten auch schöne Zeiten, aber seine Krankhafte Eifersucht und seine Familie, die mich überhaupt nicht akzeptiert hat, hat mich einfach aufgefressen. Mir wurde permanent unterstellt, dass ich ihn betrügen würde (also von ihm) - irgendwie habe ich mich immer um alles gekümmert, er kam fast nur am Wochenende nach Hause (Soldat) und wenn dann etwas geplant war abends kam er nicht mit. Ich konnte mir Sachen anhören wie "aus welchem Bett kommst Du denn jetzt" etc. pp., hab dann ausgeschlafen nach so nem Abend, er unternahm am nächsten Tag allein etwas mit den Kindern und schon war ich die Rabenmutter, die ständig (Zitat) nur "Halli Galli" machte.

Die Art wie er erfahren hat, dass ich einen neuen Partner habe, war allerdings sehr sehr blöd und wahnsinnig verletzend - das war so nicht geplant, habe ich ihm auch mehrfach gesagt. Mein neuer Partner und ich waren mit den Kindern im Zoo als alles noch ganz frisch war. Abmachung zwischen uns: Kein Anfassen, küssen, in den Arm nehmen vor den Kindern! Meine Tochter hatte eine Freundin dabei, die dann ganz frech auf der Rückfahrt fragte, ob wir verliebt seien. Mein Partner drehte sich um, grinste und sagte "Jaha!". Sehr doof, ich fand seine Antwort auch mehr als unangebracht, aber passiert ist passiert.

Am nächsten Tag gingen die Kinder zu meinem Noch-Ehemann und blieben dort eine Woche (es waren Sommerferien). Dort wurden sie gefragt, was sie am Vortag gemacht hätten, sie antworteten, dass sie im Zoo waren und dass A. auch mit gewesen wäre. Auf die Frage meines Noch-Mannes, wer das denn sei fingen sie an zu schwärmen, dass das mein neuer Freund sei und wie toll er doch ist und was er alles kann, beruflich macht usw. Das war natürlich ein megamäßiger Schlag ins Gesicht, weil er sich wohl bis dato immer noch ein wenig Hoffnung gemacht hat, dass das mit uns doch noch wieder etwas wird.

Es kann schon sein, dass er nach dem Lesen der 20 Bitten traurig ist - war ich ja auch. Er bat mich, sie ihm zu schicken. Allerdings ist ja gestern seine Freudin zu ihm gezogen, da denke ich mal, dass er den Rechner einfach noch nicht angemacht hat oder den Kopf nicht frei hat, sich bei mir zu melden. Ich weiß auch nicht, wie eifersüchtig sie ist. Sie scheint ziemlich viel zu wissen über uns, anfangs haben sie sich wohl recht regelmäßig und lange zum Reden oder gegenseitig ausheulen oder wie auch immer getroffen. Sie ist in der gleichen Situation wie er - die verlassene Ehefrau - und das im gleichen Monat.

Ich werde ihm vorschlagen, regelmäßig zu telefonieren, damit wir uns bzgl. unseres Sohnes austauschen können. Er ist ein recht launischer Mensch, vielleicht sollte ich ihm einfach vorschlagen, dass er sich meldet, wenn er dafür gerade bereit ist und dass die Abstände ca. 1 Woche betragen sollten. Dass wir etwas gemeinsam unternehmen kann ich mir hingegen überhaupt nicht vorstellen. Er kann das nicht. Ein gemeinsames Kinderfest oder selbst ein Elternabend - alles nicht möglich.

Das Wechselmodell könnte ich mir auch eher tage- als wochenweise vorstellen. Na ja, schauen wir mal. Da haben unsere Partner dann ja auch ein Wort mitzusprechen bzw. seine Freudin. Das betrifft sie ja evtl. auch - falls er mal Termine hat, wenn unser Sohn bei ihm ist - sie würde dann ja quasi mit auf ihn aufpassen...

Aber sonst bin ich schon der Meinung, dass wir klären sollten, wie was laufen soll und nicht unsere neuen Partner.
Ist das egoistisch?
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Gerda 20. Juni 2010 21:58

liebe Seelenbrand,

nein, das kommt mir überhaupt nicht egoistisch vor. Das Wohl des Kindes oder der Kinder sollte an erster Stelle stehen, vor allem jetzt am Anfang, aber es wäre natürlich gut, wenn jede/r von Euch beiden im Laufe der Zeit die Bedürfnisse der jeweils jetzigen PartnerIn mit berücksichtigen könnte.

Dass Dein Sohn abends traurig ist, wenn er im Bett liegt, ist ganz natürlich. Gerade dann, wenn die Kinder von ihrem Papabesuch wiederkommen, wird es besonders deutlich, dass die Eltern jetzt getrennt sind. Das tut dann weh und das beste, wenn etwas weh tut, ist zu weinen. Dann löst sich der Schmerz, und nach einer Weile wird das auch besser. Wichtig ist es, diese Gefühle zu verstehen und zu sagen, "Liebling, ich verstehe, dass du so traurig bist", halt in deinen Worten. Verständnis und Liebe lassen den Schmerz auf die Dauer kleiner werden. Dass du ihm sagst, dass du auch traurig bist, dass Papa nicht mehr da ist, kommt mir ungünstig vor und auch, ihm zu erklären, dass es Euch besser geht jetzt. Das sind Erwachsenenthemen und wichtig scheint es mir vor allem, dass der kleine Sohn die MÖglichkeit hat, seine Traurigkeit zu zeigen, solange sie da ist.

Deine Idee mit den Anrufen, die laufen sollen, wann es für ihn passt, kommt mir sehr schön und gut ausgedacht vor.

Ich hoffe, du hast nicht allzuviel Schuldgefühle, dass dein Mann von deiner neuen Liebe so unglücklich erfahren hat. Nein, es ist nicht schön gewesen von deinem neuen Partner, dass er sich an Eure Abmachung nicht gehalten hat, aber andererseits, frisch verliebt, wer kann da lügen bei so einer Frage? Jetzt ist es so und dein Mann wird auch das verkraften. Vielleicht braucht er einfach Zeit. Wenn er von dir so viel Verständnis bekommt, wie du das offenbar hast, dann wird er hoffentlich zur Ruhe kommen mit sich selbst und auch mehr Offenheit haben, ein guter Vater auch nach der Trennung zu sein.

Alles Liebe
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Re: Bin neu hier und habe ganz viele Fragen

Beitragvon Ansa 21. Juni 2010 08:30

Liebe Seelenbrand,

Kinder in Trennungssituationen müssen und sollen von den Großen geleitet und geführt werden, das ist ganz wichtig.....

Leiten und führen bedeutet für mich, liebevolle Anleitung auch bei schwierigen Themen. Wenn Kinder den Lebensgefährten Papa nennen wollen, wäre es, in meinen Augen, eine liebevolle Anleitung zu sagen "ich finde Deinen Vorschlag sehr schön, aber Du hast schon einen Papa. Einen den Du lieb hast und der immer Dein Papa sein wird. Der xxx, kann nicht Dein Papa sein aber er ist bestimmt Deine allerbester größter Freund!" Und wenn es perfekt läuft, dann sagst das nicht Du, sondern Dein Partner. Kinder brauchen diese Klarheit um sich und ihr Umfeld sortieren zu können. Sie brauchen auch ganz sicher die Unterscheidung zwischen Papa und Lebensgefährten, man kann den einen durch den anderen nicht ersetzen...........

Möglich das solche Vorschläge den Großen schmeicheln, aber das ist der falsche Ort. Papa und Mo, so ist das bei uns geregelt, meine Töchter brauchten für meinen Liebsten einen eigenen, ganz persönlichen Namen, aber Papa ist einfach besetzt, für alle Zeit. Und so ist es auch gut, finde ich. Ich glaube auch, das solche Vorschläge durch Kinder einen anderen Hintergrund haben, als wir Großen uns das denken. Bei ihnen ist das Unsicherheit und die Angst, austauschbar zu sein.

Zu den unterschiedlichen Regeln bei Dir und bei ihm? Auch das ist richtig...... Kinder kennen das, überall gibt es unterschiedliche Regeln, im Kindergarten, in der Schule, im Sportverein, bei diesem Freund, bei jenem Freund, bei Oma - überall ist das ein oder andere anders. Meiner Meinung nach schadet es ihnen nicht, sondern es erweitert ihre Fähigkeiten und es bietet Gesprächsbedarf. Man kann darüber reden "bei uns ist das so!" reicht jungen Kindern oft aus und die Idee, das es woanderes eben anders gemacht wird, verwirrt nur kurzfristig, wenn Du fest bleibst, in dem was bei Dir die Regel ist.

Stell Dir mal vor.... Dein Liebster liegt Abends im Bett und sagt "ich vermisse meine Exfrau.........." würdest Du ihn dann trösten und sagen "ich auch?" Nicht böse sein, vermutlich findest Du diese Idee skuril oder abwegig? So aber geht es Deinem Sohn, er vermisst Papa und das ist gut und richtig, das darf er...... aber das Du Papa vermisst? Das empfindet er vermutlich als äußerst seltsam? Weil, kindliches Denken, "wenn Du meinen Papa vermisst - warum bist Du dann nicht bei ihm?" Ich finde solche Gedankengängen äußerst logisch. Also, trösten ist okay und das klügste an Antwort ist einfach "Das kann ich gut verstehen!" Da bleibst Du bei Deinem Kind.... das kann eine solche Aussage wie "ich auch" nicht annehmen, denn es verwirrt sie und lässt die Klarheit "es ist gut so wie wir leben" in Frage geraten und das macht Sorgen, wo es keine geben sollte.

Keine Erklärungen, was besser ist oder nicht, denn zum einen ist er dafür zu jung und zum anderen, für ihn ist das ganz sicher nicht so! Kinder wollen beide Eltern, das wollen auch meine noch hin und wieder, Jahre später..... ihnen ist vom Verstand her klar, das es uns besser geht, heute..... aber vom Gefühl kommen da immer noch die Gedanken und Emotionen "früher..........." da begrenzen sie sich auch selbst. Wenn sie mit meinem Liebsten zanken ist der Gedanke "wenn das jetzt Papa wäre, dann........." legitim, aber es braucht einen Moment um zu klären "Stimmt, dann würdet ihr Euch jetzt nicht darüber streiten - aber - ganz sicher über etwas anderes!" Trennungskinder haben eben auch mehr Möglichkeiten, das gilt es zu erkennen und auch damit umzugehen.

Und, auch wenn das blöd klingt, Kinder brauchen einen ganz klaren Schnitt. Wenn ihr Euch in den Arm nehmen würdet, wäre das für Eure Kinder verwirrend..... die Trennung ist noch frisch - da ist Klarheit wichtig. Ihr habt Sorgen und Probleme, als Paar, denn diese Paarebene funktioniert nicht mehr, eigentlich ist es gut, wenn der Papa solche Umarmungen ablehnt, das zeigt deutlich den Schnitt und hilft den Kindern Klarheit zu gewinnen. Und wenn ihr eines Tages wieder Freunde sein könnt, dann werden die Kinder das als Entwicklung sehen und annehmen können. Ein "Hi", wenn jemand so verletzt ist, ist genug..... er hat, als Partner ein Recht darauf, finde ich. Denn er hat mit der Paarebene sicher noch mehr zu tun?

Es ist schwierig zu wissen, was passiert bei dem einen und was ist bei dem anderen........ wenn es um wesentliche Dinge geht, wie einnässen, Fieber oder große Sorgen, sollte man sich austauschen, wenn es um wichtige Dinge geht, wie Klassenarbeit, Schwierigkeiten bei diesem oder jenem, auch, aber Alltagsdinge dürfen und sollen bei dem einen Elternteil bleiben und auch vor Ort so gehandhabt werden, wie üblich. Es ist für Kinder nicht mal unbedingt gut, wenn Eltern sich immer total gleich sind oder die Dinge total gleich handhaben..... wichtig ist nur, das sie vor Ort immer gleich gehandhabt werden, denn das unterscheiden sie zuverlässig. Und sie können wählen - die totale Freiheit, die Papa unseren Töchtern bietet, wird von diesen gar nicht geschätzt, denn sie erkennen sie mittlerweile als das was sie ist "Gleichgültigkeit". ,) Aber das braucht Zeit.

Und das Schönste was man seinen Kindern mitgeben kann ist "ich weiß, das Du es bei Papa gut hast" oder eben auch "wenn Papa das so macht, ist das okay so" und dazu darf man dann sagen "ich mach es trotzdem so." Das lässt ihnen die Möglichkeiten sich frei zu entwicklen und auch Möglichkeiten zu entdecken, die Dinge anders zu machen. Heute, wo meine Mädel älter sind, bietet das immer wieder guten und wichtigen Gesprächsstoff. Aber sie sind es, die die Dinge ansprechen - ich stehe nur zur Verfügung.

Dir ganz liebe Grüße
Ansa
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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