Hallo,
ich habe mich im März 2009 von meinem Mann getrennt und bin mit meinen beiden Kindern (ein Mädchen, inzwischen 10 Jahre alt, nicht seine leibliche Tochter und ein Junge, inzwischen 5 Jahre alt, sein leiblicher Sohn) aus unserem gemeinsamen Haus ausgezogen.
Wir haben beide inzwischen neue Partner - die Kinder, mein Partner und ich wohnen zusammen in einer Wohnung und die Freundin meines Noch-Ehemannes (wir warten eigentlich nur noch auf den Scheidungstermin, Unterlagen sind alle eingereicht) zieht heute mit ihrem Sohn in sein Haus ein, welches ich ihm bereits kurz nach der Trennung überschrieben habe.
Mein Sohn ist alle 2 Wochen über´s Wochenende bei seinem Papa, er holt ihn dann freitags aus dem Kindergarten ab und bringt ihn mir sonntags nachmittags nach Hause oder ich hole ihn ab, das läuft immer recht flexibel. Praktisch ist, dass wir nur ein paar hundert Meter auseinander wohnen, so kann man relativ schnell irgendwelche Sachen hin und her tauschen und die Übergaben spontan gestalten.
Leider ist es bei den Übergaben so, dass wir uns so gut wie gar nicht unterhalten. Er schaut fast permanent auf den Boden, hat Probleme, mir in die Augen zu schauen. Er gibt mir zur Begrüßung auch die Hand - d.h. bis vor kurzem, ich finde das nämlich ziemlich bescheuert. Entweder so kurz "hi" sagen oder kurz in den Arm nehmen. Okay, in den Arm nehmen kann/will er wohl nicht, ist auch verständlich, will ich mich auch gar nicht beschweren. Also reicht jetzt ein kurzes "hi".
Für unseren Sohn ist das so total doof, er ist recht introvertiert, wenn er von Papa kommt, verzieht sich erstmal in sein Zimmer, ist auch dann beim Abendbrot einerseits eher verhalten und versucht andererseits seine Grenzen zu testen, meckert vor sich hin á la "bei Papa darf ich das aber...".
Was ich an der Sache ziemlich blöd finde, ist, dass ich überhaupt gar nicht weiß, was am Papa-Wochenende dort so vorgefallen ist. Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Auseinandersetzungen gab oder ob er in irgendeiner Art und Weise versucht hat, seine Grenzen zu testen oder traurig war oder wie auch immer. Hier schreit er bei Stress immer nach Papa - wie ist es dort? - Schreit er da nach mir? Ich weiß es nicht. Und das letzte was ich will, ist, meinen Sohn auszufragen. Entweder er erzählt von alleine etwas oder gar nichts.
Mir ist es wichtig, dass ich weiß, was mein Sohn am Wochenende so erlebt hat, damit ich sein Verhalten verstehen und auch dementsprechend reagieren kann.
Auch wenn mein Noch-Mann und ich viel Streit hatten - in der Erziehung waren wir uns immer einig. Jetzt ist es so, dass dort (durch die "Umstände"? durch seine Freundin? - ich weiß es nicht) ein recht inkonsequentes Verhalten an den Tag gelegt wird und m. E. kaum Regeln gelten bzw. diese auch gebrochen und so hingenommen werden, "weil es die Kinder ja gerade so schwer haben" (deren Zitat).
Gehe ich zu weit, wenn ich gerne erfahren möchte, was dort am Wochenende so ablief und den Wunsch habe, in bestimmten Situationen gleich oder ähnlich zu reagieren? Mein Sohn weiß doch schon gar nicht mehr, was man darf und was man nicht darf.
Mein Partner ist recht streng - zu streng wie ich finde. Ich versuche das so gut es geht zu unterbinden, wobei es den Kindern dabei gut zu gehen scheint, sie mögen ihn sehr und fingen von sich aus schon an, dass sie ja zu ihm Papa sagen könnten, weil er ja jetzt eigentlich ihr Papa ist. Das geht meiner Meinung nach zu weit, aber ich habe ihnen freigestellt, ob sie ihn beim Vornamen nennen oder mit Papa ansprechen. Er fühlt sich bei "Papa" natürlich geschmeichelt.
Ich habe Ende nächster Woche ein Termin bei der Erziehungsberatung, um unsere Situation mal darzulegen und um nachzufragen, was wir schon ganz gut handhaben und wo Verbesserungsbedarf besteht. Im Großen und Ganzen denke ich, dass wir das alles schon ganz gut im Griff haben, mein Sohn fährt mit seiner "neuen Papa-Familie" (ich nenn es jetzt einfach mal so...) in einer Woche für eine Woche in den Urlaub - selbst das ist möglich.
Im Netz habe ich viel recherchiert, wie man aus unserer Situation das beste für die Kinder machen kann und bin unter anderem auch auf das sogenannte "Wechselmodell" gestoßen.
Für alle diejenigen, denen das jetzt gar nichts sagt: Das Kind lebt z.B. zur Hälfte bei einem Elternteil und zur anderen Hälfte beim anderen Elternteil - oder auch 40-60, 30-70 etc. pp.
Man könnte z. B. vereinbaren, dass das Kind eine Woche bei der Mutter lebt und eine Woche beim Vater - immer im Wechsel. Oder dass das Kind montags und dienstags bei Mama ist, mittwochs und donnerstags bei Papa und freitags, samstags und sonntags im Wechsel bei Mama oder Papa, aber halt fest geregelt. Ein Tag geht immer bis zum Morgen des Folgetages.
Was haltet ihr davon? Gut? Nicht gut? Wenn gut - wie regeln? Wochenweise, tageweise wie beschrieben? Ganz anders?
Am Wichtigsten ist mir, dass mein Sohn so wenig wie möglich unter seiner neuen Lebenssituation leidet. Es tut mir unendlich leid, dass ich aus meinen Kindern Scheidungskinder machen musste, aber ich konnte es einfach nicht mehr verantworten, dass meine Kinder in einer Umgebung groß werden, in der viel Streit an der Tagesordnung war und ein niveauloser Umgangston herrschte. Selbst meine Tochter sagte 1 Monat nach der Trennung, dass es ihr viel besser geht, weil man sich zu Hause wohler fühlt, es ist ruhiger, ich habe bessere Laune. Manchmal sei sie traurig, dass wir nun in einer Wohnung und nicht mehr im Haus wohnen, aber daran wird sie sich schon gewöhnen.
Falls ihr Euch jetzt wundert, dass sich hier fast alles um meinen Sohn dreht und nicht um meine Tochter:
Ihr Vater und ich waren in "Jugendzeiten" 2,5 Jahre zusammen - ich war 14 als wir uns verliebten und er 18. Mit 16 wurde ich ungeplant schwanger, wir entschieden uns für das Kind, weil wir dachten wir heiraten mal und weil unsere Eltern voll und ganz hinter uns standen. Es ist dann irgendwie doch alles anders gekommen und er trennte sich von mir als ich hoch schwanger war. Trotzdem haben wir ein super gutes Verhältnis, ich würde fast behaupten, dass er mein bester Freund ist. Wir sind beide froh, dass wir so eine tolle gemeinsame Tochter haben und unternehmen auch gemeinsam etwas, auch sie ist alle 14 Tage am Wochenende bei ihm.
Gratulation an alle, die bis hier gekommen sind.
Ich freue mich auf Eure Antworten.



Aber das braucht Zeit.