von MarliJo 15. Juni 2010 23:40
Liebe Yvaine !
In deinem letzten Post steckt so viel Inhalt und ich weiß nicht, ob ich ihm gerecht werden kann.
Ein paar Gedanken dazu.
Was das Akzeptieren angeht glaube ich, ist das so etwas wie ein Prozess - ein Prozess, in dem "die kleine Yvaine" gegen die "große Yvaine" angeht.
Doch es ist ganz sicher so, dass du mit der eigentlichen Trennung diener Eltern nichts zu tun hast. Es war und bleibt ihre Erwachsenenentscheidung und du bist davon ""nur"" betroffen. Versuche zu verstehen, dass es keine Entscheidung gegen dich war oder ist, sondern eine Entscheidung gegen den anderen Partner oder die Beziehung mit ihm. Das es den Kindern sehr weh tut, weiß ich.
Klar, hast du Fehler gemacht, bist nicht vollkommen - alles andere wäre UNNORMAL, Yvaine. Aber du darfst NORMAL sein, so wie du bist, bist du eben und entwickelst dich und dein Leben. Wer zwingt dich dazu, perfekt zu sein oder dich so zu fühlen ? Das ist ein wirklich schlechtes Gewissen im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es diesen Druck in dir erzeugt, du müsstest immer ganz oben dabei sein, um deinen eigenen Anspruch zu befriedigen. Und,...ich glaube, das so etwas am Ende wirklich nur aufs "funktionieren" hinausläuft.
Genieß stattdessen den Rückhalt und den Zuspruch, den du hast durch Familie oder Freunde. Kennst du den Spruch >ein Freund ist jemand, der zu dir hält, OBWOHL er dich kennt< - Dieses "obwohl" meint sicher die Schwächen, die wir haben und die uns gute Freunde bis zu einer gewissen Grenze nachsehen können. Bist du dir selbst auch so ein guter Freund ?
Ja, und dann ist da noch die Angst vor dem Scheitern. Und ich glaube dir, dass dich das so anfühlt, als ob sie dich langsam Zugrunde richtet.
Aber,...scheitern,..vor wem, vor was eigentlich ?
Und warum ? Hat das mit der Trennung deiner Eltern zu tun, dass DU Angst vor dem Scheitern hast ? Schieb es beiseite !
Ich kenne einen Menschen sehr gut (selbst Scheidungskind), die diesen Anspruch an eine größtmögliche Perfektion versucht(e) zu leben. Der Druck, den sie (meine Ex-Lg) sich selbst damit gemacht hat in manchen Belangen, hat sie auch auf andere übertragen. Das tat mit/uns nicht gut und ich konnte nicht damit umgehen.
Vorschläge konkret habe ich nicht - vielleicht stecken in meinen Zeilen ein paar Anregungen für dich.
Wenn ich dir deine Fragen, ob ich Schuldgefühle oder ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber habe, beantworte, weiß ich nicht, ob du eine bestimmte Antwort "erwartest".
Ich kann sagen, dass ich keine Schuldgefühle oder ein schlechtes Gewissen habe meinen Kindern gegenüber. Und ich glaube auch nicht, dass es ihnen oder mir helfen würde, wenn es so wäre. Sicher war es Anfangs nach der Trennung schon so und da war das Gewissen auch Antrieb, mehr auf die KInder zu schauen.
Es hat sich aber ein Gefühl entwickelt, dass ich mehr oder weniger bewusst in mir trage und mir sagt >ich bin meinen Kindern etwas schuldig< und Das, so denke ich, daraus genährt wird, dass ich ihnen der Situation entsprechend eine bestmögliche Perspektive geben möchte. So in etwa nach dem Motto > wenn sie (meine Kinder) schon nicht das bekommen, was ihre erste Wahl wäre, dann soll sich wenigstens die "zweitbeste" Möglichkeit auch für sie So anfühlen.
Das gelingt mal besser und mal schlechter und hat auch mit der Beziehung auf der Elternebene zu tun.
Klein, weil ich damals manches nicht geschafft oder gesehen habe. fühle ich mich schon manchmal und es gibt auch Tage, an denen ich hadere und denke >es wäre schön, es hätte geklappt mit unserer "Erstfamilie"<. Aber das Rad kann und will ich gar nicht mehr zurückdrehen.
die Zukunft bietet Herausforderung genug.
Soweit einmal.
Dir einen lieben Gruß
MarliJo
Das Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi.