Schon wieder einer dieser Tage an denen ich alles hasse. Nicht so einen oberflächlichen Hass, so einen den man mit einem einfachen „Ich hasse es!“ oder „Ich hasse dich!“ ausdrückt und es sich damit erledigt hat. Nicht so einen Hass, der rational ist, der für andere nachvollziehbar oder sogar objektiv ist.
Nein.
Sondern ein Hass der sehr viel Abstand von Vernunft und Verstand nimmt. Ein Hass den Niemand verstehen kann. Den Niemand verstehen darf. Den Jemand verstehen will. Die Person dessen Oberschenkel mir als Kopfkissen dienen.
Ich hasse die unbequeme Bank auf der ich liege.
Ich hasse die RĂĽckenschmerzen, die ich morgen haben werde.
Ich hasse die Bäume, die ihre Blätter nicht bei sich behalten können.
Ich hasse die Blätter, die es für nötig halten auf mir zu landen.
Ich hasse die Käfer, die meine Haut reizen.
Ich hasse die Vögel, die pervers fröhlich zwitschern.
Ich hasse den Wind, der meine Friseur versaut.
Ich hasse meine Haare, die nicht weiter meine Augen vor neugierigen Blicken schĂĽtzen.
Ich hasse die Sonne, die trotz allem immer noch auf mich runter scheint.
Ich hasse ihre Strahlen, die sich in meine Haut brennen.
Ich hasse diesen Stadt, die immer laut und hektisch ist.
Ich hasse die Menschen, die hier ĂĽberall sind.
Die Geschäftsleute, die ständig telefonierend durch die Straße rennen.
Die Bauarbeiter, die immer dort und dann lärmen wo ich bin.
Die schlechten StraĂźenmusiker, die mich verfolgen.
Die Kinder, die schreien und lachen.
Die Teenager, die ihren neusten Klingelton vorfĂĽhren.
Die Eltern, die sie trotzdem lieben.
Die Familien, die zusammenhalten und sich untereinander halt geben.
Ich hasse meinen Vater, der sich noch nie fĂĽr mich interessiert hat.
Ich hasse meine Mutter, die mich nicht akzeptiert wie ich bin.
Ich hasse die Falschheit, die meine Familie umgibt.
Ich hasse die Heuchelei, die wir jeden Tag betreiben.
Ich hasse Geborgenheit.
Ich hasse Sicherheit.
Ich hasse Zuneigung.
Ich hasse Liebe.
Ich hasse mein lebendiges Kopfkissen, das versucht hinter meine Fassade zu blicken.
Ich hasse es, da es versucht mich zu verstehen.
Ich hasse es, da es versucht nachzuvollziehen.
Ich hasse es, da es mir helfen will.
Ich hasse es, da es meine Mauer einreist.
Ich hasse ihn.
Nein!
Ich hasse mich.
Ich hasse mich, fĂĽr das was ich denke.
Ich hasse mich, fĂĽr all den Hass den ich empfinde.
Ich hasse mich, fĂĽr diese depressiven Phasen.
Ich hasse mich, fĂĽr das Leid das ich ihm, meinem Kopfkissen zufĂĽge.
- Ich hasse den Hass.



