Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Allgemeines Scheidungskinder Forum - Dies ist eine virtuelle Selbsthilfegruppe für Kinder und Eltern in allen Fragen rund um Trennung und deren Folgen.

Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon anne_smartie » 2. Oktober 2008 11:13

Hallo an alle,
ich bin auf der Suche nach Scheidungskindern, die auch bald heiraten werden oder geheiratet haben. Wie ging es euch in der Zeit vorher? Wie war es „ja“ zu sagen? Wie war die Trauung und Feier mit euren getrennten Eltern? Wie läuft eure Ehe?
Mein Verlobter und ich sind nun mehr als 4 Jahre zusammen. Aus Angst vor meinen Gefühlen in Bezug auf eine anstehende Hochzeit und die Ehe, habe ich von Anfang an gesagt, er bräuchte mich nicht zu fragen, bevor wir nicht 4 Jahre zusammen sind. Es gab mal so Ansätze, die ich aber gleich abgeblockt habe. Im Juli waren wir gemeinsam in Paris, wo er mir den Antrag gemacht hat. Ich war völlig überrascht. Ja, ich habe „ja“ gesagt. Aber kurze Zeit später fingen die Zweifel an... werde ich es besser als meine Eltern machen? Werden wir es schaffen?
In den 4 Jahren habe ich relativ gut meine Ängste im Zaum gehalten, weil ich immer wusste, ich kann jederzeit gehen und flüchten. Klar, das kann man auch, wenn man verheiratet ist, aber irgendwas in mir sagt, dass das nicht mehr geht.
Der Gedanke an „Ewigkeit“ engt mich total ein und dann ist es wieder da...das Fluchtgefühl. Und plötzlich stecke ich in einem riesegroßen Chaos von Gefühlen und Gedanken.
Wieviele alte Verletzungen auf einmal hochkommen...es st schwer auszuhalten. Hinzu kommt, dass mein Partner auch Scheidungskind ist und jetzt zweimal Ängste aufeinanderprallen. Die letzten zwei Wochen nach der ersten Planung reden wir jeden Abend über unsere Ängste, Sorgen, etc.
Das ist gut so, aber es ist auch ein ziemlich schwerer Weg mit vielen Tränen meinerseits. Und es ist sehr schwer, nicht aufzugeben, einfach alles hinzuschmeißen. Ich habe in aller Hinsicht den perfekten Partner für mich gefunden. Ich bin mir sicher, dass seine Art es ist, die mich bei ihm hält. Würde er nicht zuhören, würde er mich nicht verstehen und mich in den Arm nehmen, dann wäre ich ganz sicher nicht mehr bei ihm. Aber eben weil er so ist, liebe ich ihn so und kämpfe so sehr.
Ich habe Angst, genau die gleichen Fehler wie meine Eltern zu machen, obwohl wir beide wohl schon immer mehr miteinander geredet haben als meine Eltern jemals. Ich habe Angst, diese Beziehung zu verlieren, ihn zu verlieren.
Kennt ihr diese Gedanken und Gefühle? Könnt ihr mir Mut machen?
LG, anne_smartie
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon sonnenschein2 » 2. Oktober 2008 12:33

Liebe Anne_Smartie,
erstmal herzlichen Glückwunsch, dass ihr euch traut.
Du fragst danach wie es anderen geht, die auch Scheidungskinder sind.
Ich kenne deine Ängste genau, ich bin auch Scheidungskind. Leider ist meine Ehe nach 14 Jahren gescheitert. Die Gründe sind sehr vielfältig, aber ich glaube nicht, dass sie mit mir als Scheidungskind zusammen hängen. Die Verlustängste sind auch erst nach meiner Trennung so groß geworden. Aber das ist eine andere Baustelle.
Es liest sich für mich sehr gut, dass ihr miteinander sprechen könnt. Besonders schön finde ich zu lesen, dass es dir nach den Gesprächen besser geht und du Mut und Kraft daraus ziehen kannst. Also warum soll eure Ehe dann scheitern? Eine Gewissheit gibt es nie.
Weißt du, ich glaube, wichtig ist, dass man es wirklich versuchen möchte. Mit aller Kraft die man hat und mit all der Liebe die ihr füreinander spürt. Ihr versucht es. Das sind doch schon gute Voraussetzungen. Wichtig ist eben auch im Gespräch zu bleiben.

Es gibt keine Garantie dafür, dass eine Ehe hält. Ihr schafft nur gute Bedingungen so wie es sich für mich liest.
Vielleicht magst du noch mehr schreiben? Ich freue mich auf deine Nachrichten.
Viele Grüße
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon Simone » 2. Oktober 2008 12:47

Hallo,

ich bin auch ein Scheidungskind, meine Eltern haben sich nach 27 Jahren Ehe scheiden lassen. Mein Mann ist auch ein Scheidungskind, er selbst schonmal verheiratet gewesen, also auch geschieden. Tolle Vorraussetzungen oder? :D Mittlerweile sind wir 3 Jahre verheiratet, lieben uns wie am ersten Tag, haben schon vieles durchmachen müssen, aber es läuft. Ich denke man ist nie gefeit gegen eine Scheidung, man sollte sich nie sicher sein. Man sollte immer was für die Beziehung tun.

Die Zeit vor der Ehe war kein Problem. Probleme gab es nur bei der Hochzeitsplanung. Aber das ist familär und ließ sich regeln.
Tja und wie war die Hochzeit mit meinen geschiedenen Eltern?
Wir wollten uns frei trauen lassen, mein Vater sagte gleich, er kommt nicht wenn der LG meiner Mama mitkommt. Toll. Das war ne schlimme Sache für mich, die sich dann so regelte das wir nur standesamtlich heirateten (wegen finanziellen Sachen). Aber auch da sagte mein Vater, er kommt nicht wenn der LG meiner Mama auch kommt. Der LG meiner Mama hat dann den Schritt gemacht und sagte mir das er nicht mitgeht, es wäre mein Vater und er meinte das es wichtig wäre an dem Tag meinen Vater dabei zu haben....

Die Hochzeit an sich war dann ja Standesamt und danach Essen. Als wir uns vorm Standesamt trafen waren alle schon da, als mein Vater kam. Es war kurz Stille dann unterhielten sich alle weiter. Die die dabei waren haben sich sehr anständig ihm gegenüber benommen, denn es waren Bekannte von meiner Mama und mir und Freunde von uns. Auch beim Essen war es prima, meiner Mutter ihr Onkel und ihre Freundin unterhielten sich auch sehr angeregt mit meinem Vater.... Also von daher lief es ganz gut. Ich hatte Angst davor....
Wobei ich im Nachhinein sagen muß, das ich es evtl anders gemacht hätte, denn es ist MEIN Tag und da sollen sich doch alle nach mir richten.... Wie dem auch sei.....
Simone
 

Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon anne_smartie » 9. Oktober 2008 17:21

Hallo ihr beiden,

vielen Dank für die ersten Antworten.
Ja, es hilft mir sehr, wenn wir reden. Es ist auch schon viel besser geworden als am Anfang unserer Beziehung. Da habe ich wirklich 3 Tage gebraucht, um Dinge anzusprechen, die mich verletzt haben. Heute geht es viel schneller und ich muss die Schmerzen nicht mehr so lange mit mir rumtragen.
Das Problem ist, dass wir zusammen neben unseren Hauptberufen noch selbständig sind, was die Beziehung manches Mal schwerer macht, als sie ist. Da kann man dann privat und Geschäft und Beziehung manchmal schwer trennen. In diesen Momenten, wenn wir uns so "verlieren" geht es mir ziemlich schlecht, weil ich Angst habe, dass wir uns immer tiefer reinreiten und gar nicht mehr ordentlich miteinander reden können. Und dann habe ich Angst, ihn zu verlieren. Die gleiche Angst habe ich, wenn wir wie jetzt aus dem Liebesurlaub kommen, den wir dringend nötig hatten und uns in Gespräche und körperlich wieder so viel näher gekommen sind. Wir haben stundenlang gekuschelt und ich habe ganz viel "Freund" getankt. Auf dem Weg nach Hause, war ich traurig, dass die Zeit schon wieder vorbei ist und der Alltag wieder beginnt...
Und wenn ich dann an die Hochzeitsplanungen denke, sind die alten Gedanken wieder da...
Mein Problem ist, dass ich mir selbst am meisten Druck damit mache, es unbedingt besser machen zu wollen als meine Eltern und dass nichts schlimmeres passieren könnte, wenn ich meinen Vater bestätige, der der Meinung ist, dass Scheidungskinder keine langen Beziehungen führen können. :-(
Mir graut es vor dem schönsten Tag im Leben, da meine Eltern nicht mit einander können und ich Angst davor habe, dass sie uns unseren Tag kaputt machen.
Lg, anne_smartie
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon kaktusbluete » 21. November 2008 09:40

Hallo anne-smartie! :-)
Na wie geht es dir?
War euer großer Tag schon???
*neugierigfrag* :D
Lg Kaktusblüte
Magie kann nicht alles. Mut ist die wahre Magie...
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon anne_smartie » 21. November 2008 22:59

Hallo Kaktusblüte,

nein, UNSER TAG war noch nicht.
Wir heiraten im Juli 2009...ist also noch ein bischen hin.
Wir stecken tief in den Planungen und mittlerweile haben wir uns vorerst ganz gut eingenordet.
Ich denke, es wird nochmal spannend für uns beide und unsere Beziehung und alles, was da als Scheidungskind so dran hängt, wenn der Termin nur noch so 3 Monate entfernt liegt und man realisiert, dass es nun wirklich ernst wird... :oah:

Tief im Herzen weiß ich, dass ich nur ihn will :-) und er bringt das Nötige mit, das mich irgendwie ganz fest hält, wenn ich wieder mal ohne Flügel wegfliegen will. Es ist wie ein unsichtbares Band, was mich dann immer wieder auf den Boden der Tatsachen holt, so dass meine Erfahrungen und meine Ängste damit, nicht die Überhand nehmen.
Manchmal frage ich mich, wieso ich mir das antue, warum ich mir immer selber so weh tun muss und es nicht genießen kann. Aber ich versuche gerade, dies zu lernen und meinen Ängsten nicht so große Freiheiten zu lassen. Der Mann ist einfach perfekt für mich und er hat es verdient, dass ich ihm und uns diese Chance gebe.

Lieb, dass du fragst :-) Wie siehts denn bei dir aus?
Anne_smartie
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon anne_smartie » 5. März 2012 20:13

Update nach 2,5 Jahre Ehe

Ja, ich habe den Schritt gewagt und nein, es war alles gar nicht so schlimm außer in meinem Kopf.
Wie in jeder Ehe gibt es Höhen und Tiefen, aber ich habe auch feststellen und lernen dürfen, dass es ganz schön sein kann geliebt und umsorgt zu sein und natürlich verheiratet zu sein. Der Weg dorthin war eigentlich nur in meinem Kopf das große Drama. Mittlerweile spüre ich wie schön es ist, eine Einheit zu sein und wie viel Kraft man aus einer solchen Bindung ziehen kann.
Ich bereue den Schritt im Nachhinein nicht, weiß aber, dass REDEN und sein Herz zu öffnen für mich der einzige Weg war und in Zukunft sein wird.
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon Tamara22 » 5. März 2012 20:42

Hallo, wie schön von dir zu lesen und das hört sich gut an, was du schreibst. Freut mich sehr, dass du zu diesem Schritt stehen kannst.
Es ist ja auch kein einmaliges Ja, sondern eins, das viele weiter nach sich ziehen wird, im besten Fall.
Und ja, es ist etwas anderes, wenn man bei den eigenen Eltern erlebt hat, dass die irgendwann nein sagen zueinander.
So gut ich das, heute erwachsen verstehen kann, dass es dieses Nein unter Umständen geben kann, so sehr schmerzt es, wenn man das erlebt hat und vor allem wenn unklar war wen das nein betrifft...aber das ist eine andere Geschichte, lustigerweise irgendwie mein Thema heute...
Also, was ich eigentlich sagen wollte, es ist schön zu lesen, dass du mit deiner Entscheidung, diesem Ja ganz viel gewonnen hast.
Und ja sich zu öffnen ist wohl letzlich der wichtigste Weg, wenn auch nicht der leichteste :)

Alles Liebe für dich
Tami
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Re: Hilfe, ich heirate! Suche Gleichgesinnte

Beitragvon anne_smartie » 5. März 2012 21:11

Vielen Dank für deine Wünsche.
Ich habe grad nochmal meine Texte quer gelesen und kann noch hinzufügen, dass meine Eltern auch sehr entspannt waren. Ich habe sie vorher jeweils zum Gespräch gebeten und ihnen gesagt, dass mir nichts wichtiger ist, als eine schöne Hochzeit zu haben, an die wir uns gerne erinnern und dass sie nicht das Kriegsbeil begraben müssen, aber sich wenigstens hallo sagen können und deeskalierend begegnen können. Gut, sie haben sich jetzt nicht groß unterhalten, aber sie waren friedlich und selbst zu einem Familienfoto hat es gereicht. (das hatte ich zu meiner Konfirmation damals nicht)
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