Die Wahrheit?

Allgemeines Scheidungskinder Forum - Dies ist eine virtuelle Selbsthilfegruppe für Kinder und Eltern in allen Fragen rund um Trennung und deren Folgen.

Die Wahrheit?

Beitragvon Jeremy » 28. Dezember 2008 04:43

Hallo an alle. Ich hoffe hier evtl. Hilfe bzw. Rat zu finden.

Nach der Scheidung meiner Eltern blieb ich bei meinem Vater. Mein großer Bruder, den meine Mutter damals mit in die Ehe brachte, blieb bei meiner Mutter.
Ich weiss bis heute weder wer die Scheidung einreichte, noch, wieso ich beim Vater blieb anstatt bei der Mutter.
Sowohl Vater als auch Mutter behaupten, die Scheidung eingereicht zu haben.
Laut Aussage meiner Mutter, hat man ihr gesagt, ich hätte vor Gericht selbst entschieden, beim Vater zu bleiben (damals war ich 8 Jahre alt).
Die Familienseite meines Vaters hingegen behauptet, meine Mutter hätte vom Zeitpunkt der Scheidungseinreichung an von sich aus freiwillig auf das Sorgerecht verzichtet.

Nun meine eigentliche Frage:
Habe ich als Scheidungskind ein Recht auf Auskunft Seitens des Standesamtes, was das Scheidungsurteil anbelangt?
Ich sehe darin momentan die einzige Möglichkeit, die Wahrheit erfahren zu können.

Vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen und einen Rat/Tip geben.

Vielen Dank im Voraus

Jeremy :?
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Lonely » 28. Dezember 2008 11:31

Hallo Jeremy!
Eine schwierige Frage die du da stellst. Eine rechtlich bindende Antwort kann ich dir allerdings nicht geben und ich glaube auch kein anderer hier. Mein Rat wäre: Versuch es doch einfach! Das schlimmste was passieren kann, ist das man dir sagt, das man dir diese Auskunft nicht erteilen kann/darf. Dann hast du nichts verloren und kannst versuchen auf anderem Weg zu den Antworten zu kommen, die du suchst.
Ich hoffe das hilft dir ein wenig.
Wieso willst du eigentlich wissen, wer die Scheidung eingereicht hat? Einfach nur aus interesse, oder hat es einen besonderen Grund? Das ist eine sehr persönliche frage, dass ist mir schon klar aber du must ja nicht antworten wenn du nicht magst.
LG
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Ansa » 28. Dezember 2008 13:40

Guten Morgen Jeremy,

das ist in der Tat eine schwierige Frage. Zum einen, es ist die ganz persönliche Angelegenheit der Erwachsenen, sich scheiden zu lassen und auch weshalb sie das tun. Wenn ich das richtig heraus lese, haben sich Beide, Deine Mama und auch Dein Papa darum bemüht, sich gegenseitig keine Schuldzuweisung zu geben und die Dinge derart stehen zu lassen, als wenn sie Beide eine Entscheidung getroffen haben, die Du leben musst?

Im Grunde ist es genau das, woran ich glaube. Kinder müssen nicht wissen, warum sich Eltern trennen..... es würde sie zumeist dazu veranlassen, einen von Beiden zu bemitleiden, Loyalitätskonflikte entstehen lassen und sie ziehen sich dann oft auf die Seite des vermeintlich Schwächeren, um diesen zu unterstützen und sie sehen sich dann nach dem anderen Elternteil, neigen sich aber von ihm und leiden.

Es sind so viele Möglichkeiten denkbar, weshalb sich Deine Eltern damals so entschieden haben, es sind so viele Vereinbarungen denkbar, die eine Rolle spielten. Ich glaube, das Wichtigste für Dich wäre es wohl, Dich zu fragen, was sich durch eine Antwort für Dich ändern würde? Was erhoffst Du Dir? Und, ich weiß nicht, wie alt Du heute bist oder wie lange die Dinge her sind, manchmal verschwimmen die Tatsachen in der Erinnerung und die Wahrheit mag eine andere sein, als das, woran Deine Eltern unabhängig von damals heute glauben.

Wie stehst Du heute zu ihnen?

Liebe Grüße
Niana
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Jeremy » 29. Dezember 2008 09:36

Hallo Lonely und hallo Niana.

Das es die Sache der Eltern ist, sich scheiden zu lassen, aus welchen Gründen auch immer, versteht sich von selbst und ich akzeptiere diese Entscheidung meiner Eltern auch voll und ganz. Ich habe keinen von beiden je einen Vorwurf daraus gemacht. Jedoch die gegenseitigen Schuldzuweisungen sind eben leider nicht ausgeblieben. Im Gegenteil: jede Seite (Mutter und Vater) stellt den anderen als den Bösen hin. Die Aussagen die mir gegenüber gemacht werden sind mehr als wiedersprüchlich, was mich zu dem Schluss gebracht hat, dass folglich eine Seite die Unwahrheit erzählen muss. Mir geht es eigentlich gar nicht darum wer die Scheidung weshalb eingereicht hat, einzelne Details diesbezüglich habe ich mir über die Jahre hinweg ja schon selbst zusammenpuzzeln können. Vielmehr stinkt es mich einfach an, ständig mit dem Gefühl leben zu müssen belogen zu werden. Ich denke schon, dass ich als Kind meiner Eltern ein Recht darauf habe die Wahrheit zu erfahren. Wenn ich die Gründe der Trennung auch nicht kennen brauche: ich habe das Recht als Sohn von meinen Eltern so behandelt zu werden, wie sie selbst mich erzogen haben: nämlich zu Ehrlichkeit!

Jeremy
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon peter 1965 » 31. Dezember 2008 01:41

Hallo Jeremy,

es gibt Akten zu einer Scheidung, die ich zeitgemaess abgeheftet habe. Bei mir hat sich ca pro Jahr ein Ordner angesammelt. Deine Eltern haben sicherlich die gleiche Sammlung an Papieren, aus denen Du die Wahrheiten finden kannst. Ich weiss nicht, wie alt Du bist, aber ich denke mal mindestens 18 Jahre, somit koenntest Du bestimmt Einsicht in die Akten bekommen. Auch kannst Du die Anwaelte Deiner Eltern befragen.
Ein NEIN hast Du, ein JA kannst Du bekommen.

Viel Glueck und alles Gute zum neuen Jahr.
Peter

P. S. Ich kann Dich gut verstehen ...
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon MarliJo » 31. Dezember 2008 12:59

Hallo Jeremy,

willkommen in diesem Forum !

Es ist sehr verständlich für mich, dass sich die Unehrlichkeit deiner Eltern für dich nicht gut anfühlt.
Wenn du es wissen willst, wer von den Beiden bzgl. des Aufenthalts oder Sorgerechts die Unwahrheit sagt, lässt sich dies über die behördliche Seite möglicherweise herausfinden. Natürlich hast du ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren.
Du solltest dir aber auch darüber bewusst sein, dass das Herausfinden der Wahrheit sehr schmerzlich sein kann. Es wird danach vielleicht sehr schwierig für dich werden, dem Elternteil ohne innerern Konflikt gegenüber zu treten, der die Wahrheit verdreht hat (möglicherweise um dich oder sich selbst zu "schützen")-
Ich frage mich, warum du für etwas (das Verhalten deiner Eltern) Verantwortung übernehmen willst, die die deine nicht ist.

Magst du erzählen, wie alt du bist und wie du die Jahre nach der Trennung deiner Eltern erlebt hast ?

Liebe Grüße
MarliJo
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Ansa » 31. Dezember 2008 13:15

Guten Morgen,

ich glaube nicht, das unbeteiligte Dritte (auch wenn das garstig klingen mag, aber ein Kind ist in einem solchen Fall eine unbeteilgite Person) Akteneinsicht bekommen....... kein Anwalt wird die Akten einsehen lassen, kein Gericht. Da mag es ein Urteil geben, das einsehbar ist, aber in diesem wird kaum etwas stehen, das aufzeigt, wie es dazu gekommen ist.

Ich kann Dich gut verstehen, das Du die Wahrheit wissen willst, aber bedenke, es gibt sie nicht, die Wahrheit. Es gibt nur viele Wahrheiten und ein jeder sieht sie aus seiner ganz persönlichen Sicht. Weißt, bei meinem Exmann und mir war es eine Absprache, das die Kinder bei mir bleiben und das er dafür das Haus und das vorhandene Grundstück bekommt. Was auf den ersten Blick wie ein Tauschgeschäft aussieht war am Ende einfach eine Absprache. Ich hätte beides nicht abzahlen können bzw. nicht halten können..... er hätte seine Firma nicht in dem Umfang führen können, wären die Kinder bei ihm geblieben. Ich könnte nun sagen, er hat seine Kinder gegen eine Immobilie eingetauscht und wenn ich das oft genug wiederhole, dann glaube ich es am Ende auch selbst. Er könnte sagen, ich hab ihm die Kinder weg genommen - was er tatsächlich tut - und ihm einen Haufen Schulden hinterlassen..... Aus unterschiedlichen Ansichten heraus wird aus einer solchen Tatsache etwas, woran am Anfang niemand gedacht hat. Ich kann auch sagen, weil ich ihm die Kinder abgenommen habe, konnte er seine Firma retten und weil er das unbelastete Grundstück verkaufen konnte, konnte er das Haus als Solches retten und halten. Aus diesem Grund habe ich damals so gehandelt...... Je mehr Zeit verstreicht, desto schwerer wird es auch, die Motive von damals wieder hervor zu holen, nicht das, was im Laufe der Zeit aus ihnen geworden sein mag.

Vielleicht magst Du mit Deinen Eltern reden? Sagen, was Dir durch den Kopf geht, das es widersprüchlich ist, was sie sagen und das es Dir schwer fällt, damit umzugehen. Und, am Ende darfst Du auch sagen, das Du davon nichts mehr hören magst - das sei dann eben doch - Erwachsenensache.

Liebe Grüße
Niana
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Jeremy » 5. Januar 2009 00:24

Mit meinen Eltern darüber reden? Ich hab Seit Jahren mit keinem von beiden reden können. Nach der Scheidung sah ich meine Mutter für mehr als 10 Jahre nicht! Mit meinem Vater konnte ich noch nie reden. Vielleicht ist es echt das Beste, wenn ich ihnen einfach sag, sie sollen mich damit in Ruhe lassen! Das würde auch bedeuten , dass ich der Mutter meines Vaters und ihrer Schwester besser aus dem Weg gehe, denn sie sind es, die ständig über meine Mutter her ziehen. Ich sollte wahrscheinlich wirklich sagen: das ist Eure Sache, wenn Ihr mich diesbezüglich nur belügen könnt, dann behaltet eure weisheiten besser für euch und lasst mich einfach in Ruhe damit. Ich will nichts mehr davon hören das meine Mutter eine Schlampe war und das mein Vater mich vor dem Heim gerettet hat, weil meine Mutter mich ja angeblich nie behalten wollte. Nur komisch das mein Vater um mich gekämpft hat, angeblich. Und ich weiss auch nichts davon, dass mein Vater meine Mutter geschlagen hat, so wie er auch meinen Bruder schlug und mich.

Und dann immer diese bohrenden Fragen: Wieso warst Du nicht bei Opas Geburtstag? - wieso? weil ich es nicht ertragen kann, mit ansehen zu müssen, wie mein Vater zwischen seinen Geschiedenen Eltern steht und wie es ihn kaputt macht.
Weil ich es leid bin ständig von irgendwem ausgefragt zu werden, was irgendein Teil der "Familie" wann , wo gesagt hat.
Und weil ich einfach nicht mehr kann.

Es nennt sich Familie. Aber sie haben nichts besseres zu tun, als, vor wem auch immer, so gut wie möglich da zu stehen und einen "Ruf" zu verteidigen oder sonst was - und es ist ihnen egal mit welchen Mitteln sie dabei vorgehen - sie erwarten Dankbarkeit und Respekt und das man ihnen Liebe entgegenbringt... sie erwarten dass, als sei es selbstverständlich, soetwas von seinen Kindern und Enkeln zu erwarten - wahrscheinlich sollte es auch eine Selbstverständlichkeit sein. Doch sie vergessen dabei, dass das Kind, von dem sie es erwarten nie auch nur eines dieser Dinge erfahren hat!

Ich hab dieses Schauspiel so satt!

>:(
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Zaunkönig » 5. Januar 2009 18:48

Moin Jeremy, ich bin eigentlich sprachlos und zugleich auch wütend. Es wird darüber geschrieben und sich ausgetauscht, ob Du erfahren darfst, weshalb und warum sich Deine Eltern geschieden wurden sind. Sicherlich ist es wichtig zu wissen, wie alt Du eigentlich bist. Denn wenn Du z. B. 7 oder 13 Jahre alt wärst, ist natürlich die Frage, ob Du eine Auskunft vom Gericht bekommen würdest. Wahrscheinlich nicht. Auch geht es darum, ob Du die Wahrheit vertragen würdest.
Ich vermute das Du älter bist. Aufjedenfall würde ich Dir vorschlagen, Dich an eine Beratungsstelle z.B. der AWO Kinder und Jugendberatung zu wenden. Adressen findest Du im Internet. Eine andere Anlaufstelle, ist natürlich das Jugendamt, die Dir sicherlich auch helfen können.
Eine andere Sache, die mir sehr unter den Nägeln brennt, ist folgendes. Jedes Kind hat zu erfahren, weshalb sich seine Eltern trennen. Natürlich müssen die Kinder in der Lage sein, das Geschehene zu verstehen und zu verkraften. Sollten die Kinder , dazu nicht in der Lage sein, sollte man es zu gegebener Zeit nachholen.Denn man darf nicht vergessen, was bei den Kinder eine Trennung bedeutet. Psychisch und Physisch.Viele Kinder machen sich Vorwürfe, weil sie denken die Eltern trennen sich wegen sie. Die Kinder stehen auf einmal da, sie wissen nicht mehr wenn sie glauben sollen. Wie sollen sie ihr eigenes Leben aufbauen. Auf einen Haufen von Lügen. Eltern die sich trennen oder scheiden lassen, sollten schon fair zu ihren Kindern sein, damit ihre Kinder vertrauensvoll in ihr Leben gehen können. Damit die Kinder wissen Vater und Mutter haben mich beide lieb, auch wenn wir nicht mehr zusammenleben.
Jeremy, Du hast die Entscheidung, diese kann Dir keiner abnehmen. Nur wenn Du nicht so sein willst wie Deine Verwandten, die anscheinend eine andere Welt wiederspielen, als die Realität. Wäre es vielleicht sinnvoll, Licht ins Dunkel zubringen. Ich möchte Dich Bitten, aufjedenfall Unterstützung, Dir zu holen. Ich glaube, das es Dinge im Leben gibt, die einen sehr quälen und da gibt es manchmal nur die eine Möglichkeit, die Wahrheit herauszufinden. Auch finde ich, ist es wichtig, für Dich, wann ist der richtige Zeitpunkt.

Ich wünsche Dir viel Glück und Kraft Dein Zaunkönig
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Ansa » 5. Januar 2009 19:11

Lieber Zaunkönig,

ich glaube es ist zutiefst menschlich, das wir wissen wollen, warum etwas passiert ist..... es ist menschlich, Kindern zu sagen, "aus dem und dem Grund habe ich mich von Deinem Papa getrennt" und "aus dem und dem Grund seid ihr bei mir geblieben." Ich hab bereits oben versucht zu erklären, das Sichtweisen andere sind, je nachdem wer sie warum und wann betrachtet. Je nachdem was mir wichtiger ist, können sich diese verschieben oder ihre Wertigkeit verlieren. Und dann beginnt die Suche nach dem, was damals einmal war.

Und nein, Kinder müssen das nicht immer wissen. Ein Beispiel. Mein Exmann hat mich betrogen, nicht nur einmal, sondern fortwährend. Er hat mich emotional unter Druck gesetzt und gefordert mit ihm dies oder jenes zu tun, sonst müsse er sich die Dinge dort holen wo er sie bekäme und ich allein sei Schuld. Denn als seine Frau wäre es meine Pflicht, ihn glücklich zu machen. Das ich das ein oder andere nicht mochte, fand er spießig und verklemmt. Meine Wünsche spielten keine Rolle, wenn ich nicht täte, was er wolle, wisse ich doch gar nicht, wie es sei. In Gegenwart der Kinder war er ausnehmend liebevoll zu mir, waren sie nicht da, ging ich durch die Hölle. Er hat eine Persönlichkeitsstörung, die es uns allen schwer macht, heute mit ihm auszukommen. Welchen Grund gibt es, das unsere Kinder genaustens wissen, weshalb wir uns getrennt haben? Was würden sie, als Mädchen, von ihrem Papa denken? Wo sie ihn doch niemals in ihrem Leben als Mann treffen werden? Sondern immer nur als Papa? Was würde es verändern, wüssten sie, von seinen Wünschen und Bedürfnissen? Welche Gedanken würden sie sich über ihre Rolle machen? Mir reicht es, das sie wissen, das er mich nicht gachtet und respektiert hat und das ich aufgehört habe, ihn zu lieben..... aber warum sich das so entwickelt hat? Das müssen sie nicht wissen, das ist eine Paarebene.

Auf der Paarebene spielen sich Dinge ab, die Kinder nicht betreffen. Es sei denn, ich beziehe sie mit ein. Dann wecke ich vielleicht Gedanken an, "na ja, Du bist ja der Mama ähnlich" oder "ach, Du bist genauso ein Hallodri wie der Papa" und ich rede Dinge herbei, die vielleicht niemals im Gespräch wären, hätte ich die Ebenen nicht vermischt. Das einer fremd geht und eine Ehe scheitert bedeutet nicht, das der andere unschuldig daran ist..... das einer den anderen verhaut bedeutet auch nicht, das der nichts dafür getan hat, um verhauen zu werden. Das sind meiner Meinung nach Dinge, die Kinder wirklich nichts angehen. Jeder kennt stichelende Menschen und weiß, wie sehr sie einen verletzen können. Mn käme wohl vom hunderstend ind tausensde, versuchte man zu erklären, warum sich etwas wie entwickelt hat?

Am Ende ist es so, das die amtlichen Stellen diese Dinge exakt so sehen und auch dementsprechend darauf reagieren. Wem nutzt es denn etwas, wenn diese Dinge im Gespräch wieder kehren?


@ Lieber Jeremy,

es ist Dein Recht, diese Dinge nicht hören zu wollen. Wenn niemand mit Dir reden mag, dann musst Du Dir weder Verleumdungen noch Spekulationen anhören oder Dich durcheinander bringen lassen, durch das, was damals geschah. Und die Fragen nach dem "Warum warst Du nciht da?" Beantworte sie ehrlich "weil ich Euer Gezanke nicht ertrage!" Lass die Verantwortung bei denen, denen sie gehört. Ich ermutige meine Kinder immer auf sich selbst zu achten und ihre Grenzen zu wahren - auch wenn das bedeutet, das sie mitten in der Familienfeier sagen "ach Opa halt bloß die Klappe, Du hast doch keine Ahnung, wie es war....." oder anders, "na ja, besser so wie Mama sein, als wie Du!" Das tut Opa weh (zu Recht) weil er die Kinder verletzt. Aber es zeigt ihnen auch, das sie für sich stehen müssen und dies auch dürfen, auch gegenüber den Erwachsenen. Heute fragen sie zurück "Ach, das weißt Du alles so genau? Komisch, ich kann mich nicht erinnern, das Du damals dabei gewesen bist?" Und der Liebste sagte dann "es ist Dein Recht Theorien zu entwicklen die niemand mehr überprüfen kann." Eine charmante Art jemandem zu sagen "Du redest aber dummes Zeug."

Eine weitere Möglichkeit wäre es, ein Mediationsgespräch zu erbitten, eines, in Anwesenheit eines Mediators. Und dort kannst Du Deine Eltern fragen, wie es damals war..... und ihnen erklären, wie sehr Dich die Dinge wütend machen. Familienberatungsstellen bieten derartige Lösungen an, sie sind aber kostenpflichtig und nicht ganz billig und die Teilnahme aller Beteiligten kann nur freiwillig sein. Vielleicht kannst Du dort erfahren, was Du wissen möchtest? Ich befürchte aber auch, anderenfalls hörst Du immer wieder nur eine Wahrheit - nicht [b]die[b] Wahrheit, denn sie existiert nicht.

Liebe Grüße
Niana
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Zaunkönig » 5. Januar 2009 21:22

Hallo, ich bins nochmal
Ich habe gerade den Text von Niana gelesen und finde ich habe mich vielleicht etwas falsch ausgedrückt. Ich bin immer noch der Meinung, das die Kinder ein Anrecht haben zu wissen, weshalb sich die Eltern Trennen / Scheiden lassen. Nur ist es natürlich sehr wichtig, zu beachten, wie alt die Kinder sind. Wie ich es den Kindern und was ich den Kindern erzähle. Damit meine ich, das die Kinder es nicht unbedingt, wissen müssen,was alles für " Katatrophen" geschehen sind. Es ist schlimm und nicht hinnehmbar, wenn z.B. die Frau vom Mann geschlagen wird. Ob das die Kinder immer dann wissen müssen, stelle ich altersbedingt der Kinder in Frage.
Nur es ist wichtig, dass die Kinder von ihren Eltern erfahren, weshalb sie sich trennen. Je nach Einzelfall, muß natürlich abgewogen werden, was sie erfahren können. Wichtig ist ,, aufjedenfall, das sie nicht denken, das sie Schuld sind, das die Eltern sich trennen.
Niana, ich bin darüber traurig, was Dir Dein Mann und deinen Kindern angetan hat. Nur glaube ich, das es vielleicht nicht, ins Portal von Jeremy gehört. Ich würde mich gern mit Dir, wie soll ich es Schreiben, in mein " Portal " Wie sage ich es meines Sohn-- Zaunkönig--
zu einem Interessenaustausch treffen. Ich lade Dich dazu herzlich ein.
Jeremy, ich weiß nicht, ob von Bundesland zu Bundesland, die Übernahme von Beratungkosten unterschiedlich sind. In meinem Bundesland, hoch im Norden, sind Beratungen bei der AWO meist Kostenlos. Natürlich gibt es auch andere Verbände. Ich wünsche Dir viel Erfolg und Dir Niana ( falls Du diese Zeilen liest ) viel Kraft und Mut. Auch vielen Dank, das Du Jeremy und somit mir so schnell geantwortet hast.
Tschau und bis die Tage Euer Zaunkönig
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Jeremy » 6. Januar 2009 01:32

Liebe Niana, lieber Zaunkönig.

Etwas zu Deinem Beispiel:

Ich bin ganz Deiner Meinung:
Sicher muessen die Kinder nicht immer haargenau erfahren warum und wieso eine Trennung vollzogen wurde.
Gewisse Details sind in diesem Fall wirklich "Sache der Erwachsenen"!
Und wenn die Kinder schon belogen werden, wieso dann nicht in diesem Fall? Es gibt soetwas wie "Notlügen", die meines Erachtens nach dazu dienlich sind, Betroffene Personen in gewisser weise zu schützen. In Deinem Fall zum Beispiel waere diese "Notlüge" dann eben: "Hört zu Kinder, die Mama und der Papa verstehen sich nicht mehr so, wie es am Anfang einmal war, als wir uns kennen lernten. Was nicht heisst, dass wir euch nicht mehr lieb haben! Aber es wird sich etwas ändern: der Papa und die Mama werden nicht mehr zusammen wohnen....usw."
Aber ein Frage: was sagt man seinem Kind, wenn es 18 geworden ist oder älter, und es kommt dann eben mit solchen Fragen: "Mama, wieso hat der Papa und Du.... na wieso habt ihr euch getrennt?" - "Mein Kind, alles was Du darüber wissen musst weisst Du bereits." ????

Das die Wahrheit immer im Auge des Betrachters liegt ist mir durchaus bewusst.

Der Vorschlag mit der ehrlichen Antwort:"Weil ich Euer Gezanke nicht ertrage." ist gut, aber so einfach ist das leider nicht:

"Die Familie zankt sich untereinander nicht, weil man soetwas nicht tut.":
Selbst die geschiedenen Eltern meines Vaters sitzen beim Geburtstag an einem Tisch. Opa mit seiner zweiten Frau, seiner Tochter aus 2. Ehe, deren Mann und dem Enkelchen. Ihm gegenüber seine erste Frau, mit der er zwei Söhne hat: meinen Vater und meinen Onkel, die natürlich auch da sind. Daneben sitzt meine Stiefmutter mit ihren zwei Töchtern, die mein Vater adoptierte, während ich von Stiefmutti nicht adoptiert wurde.Die ex-Schwiegermutter meiner Stiefmutti ist übrigens auch da.
Entschuldige bitte, aber ich glaub da bekomme sogar ich als Kind, dessen Mutter oder irgendein angehöriger ihrer Familie ganz merkwürdiger Weise nicht an diesem Geburtstagstisch sitzt, zwangsläufig auch eine Persönlichkeitsstörung....oder? - versteh es bitte nicht falsch!
Und sich dann als Kind zu erlauben, seine "Klappe" aufzumachen und zu sagen:" Euer gestreite (das ja verbal gar nicht ausgetragen wird, sondern nur hinter dem Rücken der Anderen und zugleich auf dem Rücken der Kinder zum tragen kommt) ärgert mich!" waere mehr als inakzeptabel (zumindest für die beteiligten Erwachsenen).

Dein zweiter Vorschlag, dass Gespräch mit den Eltern zu suchen und dabei eine Art "Moderator" zu involvieren finde ich eine wirklich sehr gute Sache, und ich weiss das diese auch erfolgreich praktiziert wird. Jedoch ist auch dies nicht in jedem Fall gänzlich problemlos umsetzbar. Manchmal sind die beiden Elternteile nicht an einen Tisch zu bekommen, leider....

und wie oben schon erwähnt: das es diese "eine" Wahrheit nicht gibt, das versteht sich von selbst....

Ich bin Euch dankbar für Eure Antworten auf meine Beiträge. Allein das Schreiben scheint mir ein wenig zu helfen, Danke.

Jeremy
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Ansa » 6. Januar 2009 09:12

Lieber Jeremy,

schreiben oder anders, auch darüber reden und sich austauschen hilft immer ein bisschen. Die Gedanken werden klarer, das schätze ich beim Schreiben so sehr. Sie werden sortiert und Antworten geben Anregungen. Da sind neutrale Antworten auch wieder anders, als solche, denen Du sehr am Herzen liegst. Denn Antworten sind nicht immer uneigennützig.

Da sind wir schon beim Thema, die Antworten die Du bekommst sind eigennützige Antworten. Man will sich selbst schützen und in einem guten Licht da stehen lassen - man will die "Schuld" die sich im Laufe der Jahre vielleicht verfestigt hat, los werden und gibt sie einem anderen. Und Du stehst mitten drin. Das ist nicht einfach.

Ich kenne solche Familien, man lächelt sich freundlich ins Gesicht, stellt nach außen eine uneinnehmbare Einheit da und ist innen, faul wie ein wurmiger Apfel, so nenne ich das bei meiner Familie. "Da reden wir nicht drüber" sagte man mir, "nicht draußen, das merke Dir." Ich halte das heute noch nicht gut aus...... die unterschwelligen Disharmonien und Strömungen. Die Konfliktscheuheit, die etwas erhalten soll, an das alle glauben und das am Ende derart nicht existiert. Es sind Ängste, die da am Werk sind, aber ganz wichtig, offensichtlich nicht Deine Ängste.

Ich weiß immer noch nicht, wie alt Du bist? Von daher kann ich Dir nur das sagen, was ich meinen Kindern sage: "Es wird niemand kommen, der sich um Dich sorgt und auf Dich aufpasst. Von daher musst Du das tun, Du darfst das und Du sollst das. Achte darauf, wie Du Dich fühlst und wenn es in Ordnung ist, dann halte das aus, wenn aber nicht, dann schau, was Du tun kannst. Familientreffen fern bleiben ist zeitweilig eine Lösung, eine für Dich." Das geht wohl nicht ohne Ärger, aber durchaus ohne Erklärungen, "Ich hatte meine Gründe" und damit müssen andere lernen umzugehen.

Du könntest Deinen Eltern unabhängig voneinander auch einen Brief schreiben, in dem Du ihnen erklärst, was Dir durch den Kopf geht und was für Dich zusammen passt und was nicht. Möglicherweise bekommst Du Antworten. Wissen sie denn, worüber Du nachdenkst? Briefe haben den Vorteil, das der Andere beim Antworten nachdenken muss, schreiben muss. Geschriebene Worte fallen langsamer als gesprochene. Emotionen kommen zur Ruhe und werden nicht sofort wieder zurück gespiegelt. Vielleicht ist das eine Lösung? Vielleicht ist ihnen nicht klar, wie wichtig Dir diese Dinge sind? Kannst Du ihnen das vermitteln? Vielleicht auch für Dich als geschriebener Brief?

Und wenn Du keine Antwort bekommst, dann ist das, so schwer es ein mag, auch wieder eine..... die viele Spielräume offen lässt. Vielleicht können sie das nicht tun? Vielleicht, wissen sie es nicht mehr (wenn viel Zeit vergangen ist, werden viele Gedanken vergessen oder auch verdrängt) und vielleicht wollen sie es nicht mehr darüber reden oder nachdenken. Dann schau, was Du tun kannst, für Dich und in Deinem Leben. Das muss nicht abhängig sein, von dem was andere getan haben, sondern von dem, an was Du glaubst.

Liebe Grüße
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon manlovi » 6. Januar 2009 10:29

Lieber Jeremy,
es ist sehr bedauerlich, dass Du die Trennung Deiner Eltern erleben mußtest. Trennung bedeutet Verlust und Schmerz auf allen Seiten. Das ist ursprünglich nicht so vorgesehen. Aber wir sind nur Menschen und wir machen Fehler. Ich selbst habe es als Mutter auch nicht geschafft mit dem Vater meiner Tochter zusammen zu bleiben und bin somit an meinem Kind schuldig geworden - und der Vater natürlich auch. Doch während der letzten Jahre wurde es mir immer wichtiger, in die Versöhnung hineinzukommen. Leider glückt mit das nicht mit dem Vater meiner Tochter, denn Erwachsene sind oft viel sturer oder selbstgerechter als Kinder. Aber bei meiner Tochter ist es mir sehr früh wichtig geworden, dass sie mir vergibt. Ich habe meiner Tochter immer die Wahrheit gesagt - jeden einzelnen Streitpunkt erklärt. Ich habe ihr gesagt: "Dein Vater hat dich lieb, genau wie ich! Aber wir sind total verschieden. Ich konnte dieses nicht ertragen und damit war ich nicht einverstanden. Bitte verzeih mir! Dein Vater und ich, wir haben keinen Weg der Einigung gefunden. Es tut mir leid, dass du nicht mit Vater und Mutter gemeinsam aufwachsen kannst. Doch wir lieben dich beide sehr! Du bist wertvoll! Du bist geliebt und angenommen! Du bist wunderbar!"
Ich bin mir darüber bewußt, dass meine Tochter immer mit dieser Verletzung leben muss und trotzdem vertraue ich darauf, dass sie alles gut meistern wird, weil sie hoffentlich gelernt haben wird, ihren Eltern zu vergeben. Es ist hart für ein Kind zu sehen, dass Mama und Papa nicht perfekt sind, dass sie falsche Entscheidungen treffen und dass sich die Eltern-Kind-Beziehung verändern kann. Doch je älter das Kind wird, desto mehr muss es Eigenverantwortung für sein Leben übernehmen. Und der Schlüssel zum erfüllten, eigenen Leben ist die Vergebung. Ich rate Dir, Jeremy, auch wenn das jetzt ungewöhnlich für Dich klingen mag: Versuche es! Versuche, Dir diesen Satz zu sagen: Ich vergebe meinem Vater und ich vergebe meiner Mutter.
WAS KANN SCHON PASSIEREN?
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Re: Die Wahrheit?

Beitragvon Gerda » 6. Januar 2009 11:30

Hallo Jeremy,

ich bewundere, wie differenziert du die Familie beschreibst mit allen Skurrilitäten, die sie dort praktizieren. Sehr eindrucksvoll beschreibst du, wie die unterschiedlichsten Paar - und Familienkonstellationen alle an einem Tisch sitzen. Es liest sich, wie ein total absurdes Schauspiel.

Was ich richtig gut finde an "Deiner Entwicklung" hier in diesem Thread, ist, dass du weg kommst von der Idee, wissen zu wollen, warum wer wegen welcher Vergehen geschieden wurde, die Scheidung eingereicht, das Sorgerecht abgegeben usw. hat. Damit würdest du dich ja zum Schiedsrichter über deine Eltern machen lassen - was Eltern leider total oft aus eigener Hilflosigkeit im Umgang mit ihren eigenen Schuldgefühlen tun, ohne zu berücksichtigen oder sich klar zu machen, was sie damit für Schmerzen und KOnflikte bei ihrem Kind auslösen. Sondern dass du zu dem Schluß kommst, du willst mit all dem nichts zu tun haben. Mit all den Anschuldigungen, dem Hintenherum, dem Schlechtreden über nicht Anwesende.

Das kommt mir vor, wie das Einzig Gesunde - dich gegen alle diese Praktiken konsequent abzugrenzen und dich nicht mißbrauchen zu lassen für all ihre Rollenzuweisungen an dich, die nichts damit zu tun haben, wer du eigentlich bist: ihr Kind. Aber: Rechne damit, dass du das einige hundert Male sagen mußt, bis sie begreifen, dass sie dich da nicht mehr mit hineinziehen können. Und vielleicht ist es auch notwendig, dass du nicht mehr so oft in der Familie anwesend bist. Eine solche Familie, in der jeder versucht, jeden für sich und seine emotionalen Belange zu instrumentalisieren, hat sehr viel Kraft und Macht und es ist oftmals nicht möglich, dort irgendetwas zu verändern.

Und die Energie, die du da hineingesteckt hast, wäre vielleicht besser aufgehoben in Beziehungen mit Menschen, die dir in deiner Wahrhaftigkeit und Klarsicht gewachsen sind und die klare, gesunde Beziehungen mit dir pflegen.

Ich glaube übrigens nicht, dass Vergeben in diesem Fall der Weg aus dieser Falle ist, auch wenn ich grundsätzlich den Weg von Vergebung für äußerst wichtig halte. In einer Familie, wo dir als ( ich vermute mal: erwachsenes) Kind ständig Unrecht getan wird, du ständig mißbraucht wirst für Dinge, mit denen du gar nichts behelligt werden solltest, halte ich persönlich das für eine nicht angemessene innere Haltung.

LG
Gerda
"Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“

Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst.
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