Erwachsene Scheidungskinder

Allgemeines Scheidungskinder Forum - Dies ist eine virtuelle Selbsthilfegruppe für Kinder und Eltern in allen Fragen rund um Trennung und deren Folgen.

Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon sunalexa » 25. August 2004 22:03

Hallo,
ich bin ziemlich froh, dieses Forum gefunden zu haben, denn ich kann feststellen, dass ich mit meinen Sorgen nicht alleine bin.
Ich bin 26 jahre alt, also längst raus den Kinderschuhen, und trotzdem trifft mich die Scheidung meiner Eltern ziemlich.
Im Februar hatte meine Mutter die Scheidung eingereicht, weil sie herausfand, dass mein Vater eine Freundin hat (er bestreitet, dass dies zu diesem Zeitpunkt schon der Fall gewesen sei). Ohne die ganze Geschichte, die danach folgte, weiter ausführen zu wollen, liegt die Belastung für mich im Moment darin, dass ich, wie so viele andere es hier auch geschildert haben, zwischen 2 Stühlen sitze. Das Verhältnis zwischen mir und meiner Mutter war immer sehr unterkühlt, ich war ein richtiges Papakind, und habe ihm bei früheren Streitigkeiten mit meiner Mutter, und das waren nicht wenige, immer zugearbeitet. Irgendwann, Ende letzten Jahres, wurde mir klar, dass dies unmöglich von mir war und habe dieses Verhalten, mit Ansagen, eingestellt, zugunsten einer versuchten neutralen Position. Dies hatte 2 Konsequenzen: das Verhältnis zu meiner Mutter wurde erheblich besser, das zu meinem Vater erheblich schlechter. Seine Quasi-Ehefrau, ich, fiel plötzlich raus.
Heute ist die Situation so, dass beide versuchen, mich in ihrem Rosenkrieg auf ihre Seite zu ziehen. Meine Aussagen, dass ich mich aus ihrem Noch-Eheleben heraushalten möchte, werden von beiden Seiten mit "Drückebergerei" und "Feigheit" kommentiert, was mich natürlich sehr belastet. Es vergeht kaum ein Tag, an dem mich nicht beide anrufen, mir ihr Leid klagen und mich mehr oder weniger beschimpfen oder als lieblos titulieren, wenn ich mich weigere zuzuhören und zu kommentieren. Trotz meines Verhaltens versuchen sie es immer wieder. Ich kann mich im Moment nicht dem Gefühl entziehen, dass ich für die beiden und für deren, jetzt getrenntes, Leben, verantwortlich bin. Und dem fühle ich mich so gar nicht gewachsen und es zieht mich selbst auch runter. Heute habe ich ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich am Telefon von meinem Vater mal Interesse an meiner Person eingefordert hatte. Geendet hat die Diskussion mit Gebrüll auf beiden Seiten, und der Aussage, ihm sei es jetzt egal, was ich mache, er kümmere sich jetzt nur noch um seine Angelegenheiten und werde mich nicht mehr behelligen.
Leider habe ich keine Geschwister, mit denen ich mich austauschen kann.
Vielleicht hat von euch schon mal jemand was ähnliches erlebt. Meldet euch. freu mich.
Sunalexa
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon Simone » 25. August 2004 22:16

Hallo Sunalexa,

ja, dieses Gefühl zwischen 2 Stühlen zu sitzen, das kenn ich zur Genüge. Meine Eltern haben sich 2001 getrennt, das erste Weihnachten waren wir noch alle zuhause, das zweite war ich bei meiner Mutter und ihrem Neuem. Ich hab mich furchtbar gefühlt, als würde ich meinen Dad verraten....
Mittlerweile hab ich gelernt damit umzugehen.

Es ist immer schlimm, wenn Eltern versuchen, das Kind gegen den andren Elternteil aufzuhetzen. Allerdings hab ich das bis jetzt nur von kleineren Kindern gehört. Ich finde das reichlich egoistisch von den Eltern.
Vielleicht setzt du dich mal mit beiden, wenns geht, an einen Tisch und sprichst das offen an. Denn so kann es nicht weitergehen, das zermürbt dich auf Dauer bzw. tut es ja jetzt schon.

Liebe Grüße,
Simi
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon sunalexa » 25. August 2004 22:53

Hallo Simi,
danke für deine Antwort.
Ja, zermürben ist wohl der richtige Begriff.
An einen Tisch setzen ist jetzt nicht mehr möglich, dafür ist die Kiste zu verfahren. und es ist ja nicht so, dass sie mich versuchen aufzuhetzen, so wie man es mit einem kleinen Kind tut. Es wird viel mehr damit argumentiert, dass ich, da ich ja erwachsen bin, sicherlich sehen müsste, dass er/sie im Recht ist. Problematisch ist, dass ich denke, dass ich selbst eine sehr differenzierte Sicht zu der ganzen Sachlage habe, diese aber von meinen Eltern auch nicht akzeptiert werden kann, da sie von ihrer eigenen Perspektive der Dinge abweicht. Mich macht es wahnsinnig, festzustellen, wie beide hilflos mit Scheuklappen durch die Welt marschieren und sich selbst bemitleiden, andere Sichtweisen aber nicht akzeptieren können oder sie sich zumindest mal durch den Kopf gehen lassen. Gut, jeder konstruiert sich seine Welt selbst. Blöd ist nur, dass ich mich eben doch für beider Wohlergehen verantwortlich fühle, sie mir aber halt leider kein Stück entgegenkommen.
Wie ist dein Verhältnis zu deinen Eltern nach 3 Jahren? Wohnst du bei einem von ihnen? Ist der Kontakt zu einem Elternteil weniger geworden?
Alles Liebe,
Sunalexa
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon Hammer » 25. August 2004 22:54

Hallo Sunalexa,

es ist schlimm wenn Eltern ihre Kinder als Spielball benutzen.
Du hast richtig gehandelt und mußt dir keine Vorwürfe machen.
Du bist für ihr Leben nicht verantwortlich!
Deine Eltern versuchen ihren Frust über den anderen bei dir abzuladen,
durch dein funktioniert das nicht und schafft bei ihnen neuen Frust.

ES IST NICHT DEINE AUFGABE IHR BLITZABLEITER ZU SEIN!!!!!!!!!!!
Wenn sie Hilfe brauchen gibt es genug Therapeuten.
Die Reaktion deines Vater zeigt deutlich das er mit seinen Dingen schon beschäftigt ist
und nicht einmal bereit ist zu fragen ob du auch Kummer hast.

Mach dir keine Vorwürfe und lass dir auch keine einreden.

Alles Liebe
hammer
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon Ruheloser » 25. August 2004 23:00

Hallo und herzlich willkommen im Forum Sunalexa :winken:

Kann Simi nur zustimmen.

Das Töchter mehr zum Vater gehen, dürfte normal sein. Unsere große (22 fast) macht das heute noch. Gut unser Sohn (18) geht zu Mama. Schade das Du keinen Bruder hast. Wenn, wie würden Deine Eltern sich entscheiden. Jeder bekommt ein Kind? Eine nicht gerade schöne Vorstellung, trifft aber den Kern der Sache.

Deine Eltern trennen sich von einander, aber doch nicht von Dir. Geschweige wegen Dir.
Traurig genug. Das sie Dich da so mit einbeziehen/reinziehen kann ich nicht verstehen.
Das und wie Du dich fühlst dabei, dass sollten sie wissen/erfahren


Ich wünsch Dir viel Kraft bei dem gemeinsamen Gespräch an einem Tisch. Wenn es überhaupt geht. Falls nicht, dann eben einzeln. Oder vielleicht einen Brief.

Alles Gute

Knut
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon sunalexa » 25. August 2004 23:06

Hallo Hammer,
auch wenn ich´s weiß, tut es gut, auch mal wieder von jemand anderem zu hören, dass ich eben nicht der Blitzableiter sein kann. Aber dieses Verhalten von mir hat sich nun schon über viele Jahre hinweg eingeschliffen und es ist nicht so einfach, sich da heraus zu nehmen, auch wenn man es besser weiß. Es ist irgendwie komisch, im Leben steh ich, denk ich mal, ziemlich gut meine Frau, bin erfolgreich im Job, hab einen großen Freundeskreis, nur was die Beziehung meiner Eltern angeht, bin ich einfach nur hilflos. Und das mit 26... Na ja, man bleibt eben immer das Kind seiner Eltern, egal, wie alt man ist.....
Liebe Grüßle aus dem Süden,
Sunalexa
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon Hammer » 25. August 2004 23:22

Hi Sunalexa,

du hast richtig gesagt man bleibt das Kind.
Aber eben nicht der Blitzableiter.
Auch wenn es schwer fällt konzentriere dich auf dein Leben und tu
alles damit es dir gut geht.
Das es deinen Eltern gut geht dafür müssen sie selbst sorgen.
Es ist schwer dies am Telefon zu klären,versuch es ihnen zu schreiben.
Sag ihnen das du dich freust von ihnen zu hören aber das du nicht in ihren
Kleinkrieg der Richter sein möchtest.
Wenn sie als Eltern ihr Kind lieben werden sie verstehen wenn sie es nicht tun
mußt du dich leider fragen ob sie nur um ihr eigenes Wohl besorgt sind.
Ich habe mit 30 den Kontakt zu meinen Eltern gekippt,wenn auch aus anderen
Gründen.Es ging mir an die eigene Substanz!
Und so hatte ich die Wahl meine Eltern oder meine Fam.
Da mir meine Fam. wichtiger war und ich nicht immer nur "Richter" sein wollte
habe ich entschieden.
Bis heute fragen sie nicht mal nach ihren Enkeln sehr traurig.
Aber ich hab begriffen das sie sich selbst am wichtigsten sind.
Ihnen ging es darum Recht zu haben und das bestätigt zu bekommen aber ich
habe irgendwann nicht mehr mitgespielt.

Alles Liebe für Dich
hammer
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon Simone » 25. August 2004 23:23

Hallo Sunalexa,

der Kontakt zu meiner Mutter ist regelmäßig und immer noch sehr herzlich. Genau wie damals, als sie noch verheiratet waren.
Mit meinem Vater konnte ich damals nicht so gut. Er hat sich nie richtig um mich gekümmert, nur dann als es schlechte Noten oder Ärger gab.
Mittlerweile haben wir ein viel besseres Verhältnis, allerdings manchmal immer noch etwas angespannt. Aber ich bin zufrieden, so wie es ist.

Versuche es, mit deinen Eltern nochmals zu reden. Ansonsten.... vielleicht wirklich einen Brief schreiben und aus allem möglichen raushalten.
Wohnst du bei ihnen noch? Oder nicht?
Ich wohne mit meinem Freund zusammen. Nicht mehr bei meinen Eltern. Die haben beide ihr eigenes Leben und ihre eigene Wohnung.

Liebe Grüße,
Simi
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Re: Erwachsene Scheidungskinder

Beitragvon weiterleben » 20. September 2004 10:56

@ sunalexa:
hi! Deine Beschreibung trifft meine Situation schon ziemlich genau.
Leider musste ich mich entscheiden, den Kontakt zu Mutter
und Vater komplett abzubrechen. Seltene Anrufe meines Vaters,
bei denen es darum geht, wie der Verlauf der Scheidung ist, meine
Mutter ja so doof, oder berufliches gesabbel werden abgeschmettert.
Ich sehe darin eine Art Bestrafung, weil er kein wirkliches Interesse
an mir hat, lediglich seine Bestätigung sucht. Seit fast 2 Jahren habe
ich ihn (neue Freundin/Tochter) nicht mehr besucht. Meine Mutter
schon viel länger nicht. Sie wohnt bei Ihrem neuen Freund mit Tochter.
Mein Schwesterchen hat öfter Kontakt gehabt als ich. Sie ist aber
immerwieder deprimiert, und meistens endet es im Streit. Also versuche
ich es gar nicht erst bei meiner Mutter anzuklopfen, um meinen
"Mutterteil" einzufordern. Es reicht, dass ich mich auf die Art schon bei
meinem Vater lächerlich gemacht habe. (Heiligabend / vor 2 Jahren).
Ich habe es in meinem ganzen Leben einfach nicht geschafft, sein
Interesse für mich zu wecken, und mit 28 Jahren lasse ich es jetzt.
Meinen Bruder (Frau/2 Kinder) besucht er regelmäßig. Der war schon immer wichtiger
als ich. Man sollte sich in einer Familie niemals nur für ein Kind
entscheiden, um das man sich kümmert. Es fehlt sonst von einer Seite
ein entscheidender Bestandteil. Bei mir ist es das nötige Selbstvertrauen und
die Härte, in diesem Leben mit vollidiotischen Dingen besser klarzukommen.
So sehr mir eine Familie auch fehlt, ich habe keine Lust mein Leben AUCH
noch mit Verdruss und Streit zu verbringen.
Wenn wir bei den Eltern meiner Freundin zu Besuch sind, ist es schön.
Eine sehr nette Familie. Ich bin dort glücklich, aber auch neidisch.
Gestern gab es einen Film "Väter". Da habe ich gesehen, wie Eltern es
nicht machen sollten. Meine Freundin ist normaler Weise sehr nahe
am Wasser gebaut, aber sie hat nicht geweint, und als sie kurz im Bad war,
musste ich kurz weinen. Da kam alles wieder hoch.
Ich will einfach meine Freundin und meine Freunde nicht ständig
damit vollquatschen. Das Forum hier ist toll, aber ersetzt leider den
persönlichen Leidensgenossen nicht. Momentan versuche ich einfach
ein schönes Leben zu haben, und zu verdrängen, was mir eigendlich
fehlt.
schöne grüsse ebenfalls aus dem Süden.

wieso habe ich immer das Gefühl das nochwas fehlt?
ich lasse es jetzt einfach mal.
weiterleben
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