Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

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Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

Beitragvon Uverb » 30. Juli 2015 16:45

Bin der Vater zweier Mädels, die 14 und 19 waren als vor 10 Jahren die Scheidung stattfand. Sie leben in Nähe der Mutter 50 km von mir entfernt. Ich habe sie in diesen 10 Jahren weder gesehen noch gesprochen. Ab und zu, so einmal jährlich, melde ich per mail oder sms dass ich gerne Kontakt hätte. Nicht eine einzige Buchstabe kam zurück. Vom Freund der Älteren (der mich mal heimlich sprechen wollte und es auch nicht versteht) weiß ich dass meine Berichte großen Wirbel verursachen, da meine Ex absolute Loyalität verlangt. Ich habe meine beiden sehr geliebt, sie sind mir beide innerlich sehr ähnlich und ich war ein sehr anwesender, kuchenbackender, vorlesender Vater. Deshalb auch denke ich sie können die Trennung nicht schadenfrei überstanden haben und es gibt noch unfinished emotional business zu erledigen.

Wie lange muss ein geschiedenes Elternteil die Tür offen halten? Ewig? Oder darf es sich schützen gegen diesen gewaltigen Schmerz der einen total stagniert? Kann man sich erlauben ein Ultimatum zu stellen: Ihr habt mich abgeschrieben, ich werde euch letztendlich nächstes Jahr auch definitiv abschreiben müssen um einigermaßen weiterleben zu können... ?

PS Bin Niederländer, daher vielleicht Verschreiber oder seltsame Redewendungen, sorry.
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Re: Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

Beitragvon Ansa » 30. Juli 2015 18:05

Hallo und herzlich Willkommen,

es tut mir leid zu lesen, dass Du so lange nichts von Deinen Töchtern gehört hast - das ist wirklich hart und muss sehr schmerzlich sein. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es ist, seine Kinder derart zu "verlieren".

Deine Töchter sind dann heute also 24 und 29 Jahre alt? Erwachsene junge Frauen, die mitten im Leben stehen?

So leid es mir tut, Du kannst nicht viel tun. Ihnen schreiben, dass Du an sie denkst.... aber Dich durchaus innerlich verabschieden. Sie sind erwachsen, geforderte Loyalität - ist nichts, was irgendein Elternteil derart tun sollte und - ich denke, dafür waren sie eigentlich damals schon zu alt?

Ich würde ihnen schreiben, wie es mir geht, wie es sich anfühlt, eventuell Erinnerungen an früher ansprechen und einfach mal schreiben, wie es mir damit geht. Und auch schreiben, das ich es nicht mehr aushalte - so zu warten und das ich mich nicht mehr melden mag, aber das meine Tür offen steht, für jeden, der mag.

Leben sie denn noch zu Hause? Sind sie eventuell über Facebook oder mail zu erreichen?

Erst mal viele Grüße
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Re: Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

Beitragvon Uverb » 30. Juli 2015 19:07

Dankesehr für die ausführliche und zutreffende Antwort, Ansa. 'Innerlich verabschieden' ist der richtige Ausdruck, danke dafür auch. Ja, sie sind sehr wohl zu erreichen, haben beide Facebook accounts, die Ältere hat eine website. Vielleicht desto schwieriger, da ich sie ja folgen und das natürlich nicht lassen kann. Die Ältere wohnt bei der Mutter, die Jüngere mit ihrem Freund. Es haben schon etliche Freunde und Verwandte versucht mit ihnen zu sprechen, die Mädels wissen aber auch diesen Kontakten konsequent zu entkommen. Ich habe früher mit beiden nie Probleme gehabt, sie singen sicherlich noch die lustigen Lieder die wir zu Dritt gedichtet und vertont haben. Was sie gegen mich haben ist Hörensagen von ihrer Mutter. Was du vorschlägst hört sich sinngemäß und richtig an. Nur: wenn die Tür dabei offen stehen bleiben muss, ist die Misère immer noch ein offenes Ende und bleibe ich machtlos dieser herzlosen Willkür gegenüber.

Es lässt sich ja unschwer denken was eine dergleiche Totalabweisung gesellschaftlich suggeriert: dass ich meinen Töchtern irgendwas Unverzeihliches angetan habe. Dabei würde ich mirselbst eher das Leben nehmen. Diese unterschwellige Suggestion, die man nicht bestreiten kann weil sie benennt wird, wächst im Verborgenen weiter. Und beschädigt mich. Um es knallhart auf den Punkt zu bringen: die Jüngere hat mir mit 14 Jahren (wohl in Auftrag der Mutter) zugefügt "Du bist einfach mein Vater nicht mehr", darf ich dann nach 10 Jahren schuldlos büßen nicht auch sagen "Dann bist du mein Kind nicht mehr" ? Nicht um sie zu strafen, denn ich entnehme ihr ja nichts wenn ich sowieso schon abgeschrieben bin. Sondern für mich um eine Grenze zu setzen. Dann haben sie ein Jahr um zu überlegen. Dann würde aber endgültig der Vorhang fallen.

Ich sehe meine geliebten Töchter natürlich gerne als Geisel der Mutter. Aber, wie du sehr richtig einwendest: sie sind junge Frauen mitten im Leben mit Eigenverantwortungen die ich ansprechen muss, da gibt es kein Drumrum....

Was meine Ex macht, hat ihre eigene Mutter 100% identisch gemacht: den Vater rausschmeißen, die Kinder sektenhaft regieren. Und die älteste Tochter mit Freund bei sich behalten. Meine Befürchtung ist dass meine Töchter dieses Muster wiederholen werden, dass sie quasi dazu verdammt sind...

Schönen Gruß vom Nordseestrand,
Uverb.
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Re: Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

Beitragvon Bolz » 4. August 2015 10:06

Hallo Uverb,

ich kann Dich sehr gut verstehen und bewundere, dass Du das so lange ausgehalten hast. Ich glaube ich würde es so machen: Ich würde den beiden einen Brief schreiben und darin alles was passiert ist niederschreiben. Diesen Brief würde ich beiden so zukommen lassen, dass sie ihn immer lesen können, also z.B. per Email an jemanden der keinen Streit mit Dir hat und den Brief übergeben kann, aber auch aufbewahrt für später.

Darin würde ich ihnen auch mitteilen dass Du Dich nicht mehr meldest und mit ihnen abschließt um DEINEN Frieden zu finden. Ob Du dazu schreibst dass Deine Tür trotzdem offen steht ist Deine Entscheidung. Aber dann hast DU für Dich Ruhe und zwar sofort. Und Du kannst sofort beginnen an DEINER Heilung zu arbeiten. Denn wenn Du ihnen jetzt schreibst dass Du ein Jahr wartest, wie wird dieses Jahr für DICH sein ? Wahrscheinlich denkst Du je weiter das Jahr fortschreitet an nichts anderes mehr als an den "Stichtag", das stelle ich mir schrecklich vor.

Vielleicht kannst Du es für Dich so sehen: DU kannst Deine Töchter immer lieben, das kann Dir keiner nehmen und Deine Liebe an Deine Töchter entscheidest Du, egal ob sie Dir etwas zurück geben wollen oder nicht.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!
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Re: Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

Beitragvon Schnatterinchen » 5. August 2015 10:34

Hallo,


das sehe ich ziemlich ähnlich wie Bolz.

Ich finde zum einen, dass du nicht einfach nicht mehr schreiben solltest, ohne dich wirklich zu verabschieden, aber ich finde auch, dass deine Tür nicht für immer offen stehen muss. Damit würdest du nur auch Gefahr laufen ausgenutzt zu werden.

Mein Gedanke war auch: Schreib ihnen noch ein allerletztes Mal. Schreib ihnen ruhig auch Sachen, die du uns hier geschrieben hast. Schreib dir alles von der Seele und auch, dass du das nicht mehr so weiter lassen willst, sondern ihnen ab jetzt nicht mehr schreiben wirst und einen Schlussstrich ziehen wirst. Ich persönlich würde wie gesagt nicht schreiben oder sagen, dass die Tür immer offen sein wird. Aber ich hab da auch eine eigene Einstellung und zwar, dass Blut nicht immer dicker als Wasser ist und dass man nicht alles von der Familie verlangen kann nur weil es Verwandtschaft ist und dass man sich auch in der Familie an bestimmte Regeln halten muss.

Eventuell wird deinen erwachsenen Töchtern dann klar, dass es Zeit wäre, dass SIE etwas ändern, alt genug dafür sind sie ja.
Eventuell denken sie sich auch gar nichts dabei, eventuell sind sie sogar froh keine Mails mehr zu bekommen, aber dann kannst du auch deinen Frieden finden und abschließen.

So oder so sollte dabei raus kommen, dass du dich um dich kümmern kannst und aus dieser Warteschleife raus kommst!

Ich wünsch dir alles Gute!
Carpe Diem!
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Re: Muss ein Vater ewig auf seine Scheidungskinder warten?

Beitragvon Simson » 7. August 2015 13:44

Hallo Uverb,

ich kann dir nur aus Sicht eines Scheidungskindes antworten. Ich weiß von mein Vater das er auch lange versucht hat um uns zu kämpfen, für ihn war es wie für dich mit seelischen Schmerzen verbunden. Wir haben den Kontakt jedoch immer abgelehnt, auch aus "Liebe" zu unserer Mutter. Ich muss dazu sagen die Scheidung ist mehr als 25 Jahre her und ich war noch ein kleines Mädchen.
Ich habe jetzt seit einem Jahr erst wieder Kontakt zu meinen Vater und habe ihn nach über zwanzig Jahren das erste mal wieder gesehen. Bei mir brauchte es erst das ich selbst Mutter wurde und viele Dinge mit anderen Augen gesehen und für mich hinterfragt habe. Auch das ich immer mehr Unstimmigkeiten in Gesprächen mit meiner Mutter festgestellt habe. Mein Vater hatte auch irgendwann mit uns "abgeschlossen" und sich gesagt "irgendwann kommen sie vielleicht von allein". Er hat uns zwar nicht aus seinem Leben gestrichen, auch noch viele Fotos und Erinnerungen von bzw. an uns aufgehoben, aber er hat irgendwie versucht seinen inneren Frieden wieder zu finden und sein Leben auch ohne uns zu leben. Und obwohl ich ihm mit knapp zwanzig, nach erneutem Kontaktversuch, auch eröffnete er soll mich in Ruhe lassen und ich habe mit ihm abgeschlossen hat er mich mit offenen Armen empfangen. Mittlerweile frage ich mich auch warum ich diesen Schritt, mich von meiner Mutter zu "lösen" und Kontakt zu suchen nicht schon eher gemacht habe. Aber ich konnte es einfach nicht. Anfangs dachte ich der Kontakt zu ihm könnte mich vielleicht "überfordern", aber im Gegenteil. Trotzdem bin ich jetzt in Psychologischer Behandlung, da ich mit meiner Kindheit bzw. der Trennung und den ganzen Folgen nicht mehr klar komme. Ich hatte bisher nie die Gelegenheit dies alles professionell aufzuarbeiten. Ich stelle mir immer mehr Fragen warum gewisse Sachen so gelaufen sind wie sie sind. Mein Vater kann mir dabei leider nicht helfen, er hat über zwanzig Jahre nicht mitbekommen, ihm mach ich auch kein Vorwurf, er kann am wenigsten dafür. Dem Vorwurf würde ich eher meiner Mutter machen, das sie mich all die Jahre belogen hat. Ich kann daher deine Bedenken verstehen, das deine Kinder die Trennung nicht schadenfrei überstanden haben.
Aber setze ihnen bitte kein Ultimatum. Wenn sie eh schon unter der Trennung leiden oder gelitten haben, setzt du damit einen oben drauf. Vielleicht haben sie, wie ich damals auch eine Art "Schutzwall" aufgebaut um sich mit den Gefühlen was eure Trennung angeht nicht auseinander setzen zu müssen. Leg deshalb bitte auch den Spruch deiner Kleinen nicht auf die "Goldwaage". Schreib, wie die anderen schon geschrieben haben, wie es dir mit der Situation geht, das du gerne Kontakt hättest, aber dies aus welchen Grund auch immer nicht sein soll, schreib das du trotzdem immer an sie denken wirst, aber dennoch versuchen wirst ein Leben ohne sie zu leben. Ich glaube dir das es auch für dich kein einfacher Weg wird um diesen "Schalter" im Kopf umzulegen, ich kann dir auch nicht sagen wie mein Vater es geschafft hat, aber es scheint zu gehen. Und wenn deine Ex deinen Kindern scheinbar auch viele Lügen über dich erzählt hat kommen diese, was ich für dich hoffe, auch irgendwann raus.
Ich drücke dir die Daumen, das deine Kinder irgendwann auch mehr hinterfragen und sich Gedanken machen und den Kontakt zu dir suchen!
Simson
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