Mein Mann ist so enttäuscht

Der Treffpunk für Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Hier können Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht werden.

Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Muckelmaus » 29. Dezember 2009 15:47

Ihr Lieben!

Hattet ihr alle ein ruhiges und hoffentlich schönes Weihnachtsfest?

Unseres war ruhig, nachdenklich (Gedanken waren oft beim Opa unserer Mädels im Krankenhaus) und zum Schluß war es ärgerlich.
Ich sollte vorrausschicken, dass bis gestern die Tochter meines Mannes bei uns war. Wir hatten sie - mal wieder - ein Jahr lang nicht gesehen.
Nun ja - am 2. Weihnachtstag haben wir meine Freundin und mein Patenkind besucht. Der kleine Mann ist knapp 2 Jahre alt und der beste Kumpel von Klein-Felix. Es war ein sehr schöner, harmonischer Tag.
Als wir schließlich gehen wollten, brach im Hausflur das übliche Chaos aus - Klein-Felix anziehen, alles zusammen suchen, was mit nach Hause sollte, noch schnell was erzählen (ihr kennt das sicher). Jedenfalls steht meine Freundin neben mir, sagt noch etwas zu mir und ich höre ihr zu. Von der anderen Seite kommt die Tochter meines Mannes auf mich zu, zieht mehrere Playmobil-Figuren aus ihrer Jackentasche und sagt zu mir, die habe sie dort zufällig gefunden. Da ich nur mit halbem Ohr zuhörte, bin ich gar nicht groß darauf eingegangen.
Wir waren noch nicht einmal zu Hause, als meine Freundin mich auf dem Handy anrief und fragte, ob wir zufällig Playmobil-Figuren dabei hätten. Sie ging davon aus, dass Klein-Felix sie in seinen Buggy gepackt hätte und keiner von uns hat es bemerkt. Mir fiel gleich ein, dass mein Stieftöchterchen mir Figuren gezeigt hatte. Ich versprach meiner Freundin mich zu melden, sobald wir zu Hause wären.
Wieder daheim habe ich das Kind dann auf die Figuren in ihrer Jackentasche angesprochen und sie gab mir zur Antwort, sie wisse nicht, wie die dahin gekommen seien. Ich sagte ihr, dass ich das kaum glauben könne, schließlich hing die Jacke den ganzen Tag über an der Garderobe und damit zumindest für die beiden Jungs unerreichbar. Sie wand sich mit immer neuen Ausreden, bis meinem Mann schließlich der Kragen platze und er ihr sagte, sie habe sie gestohlen. Sie gab das dann auch zu. Mein Mann war außer sich vor Wut. Er fragte sie, wie sie mit 10 Jahren auf die Idee käme, einem kleinen Jungen das Spielzeug zu klauen.Die Antwort war ein Schulterzucken und riesengroße Augen, die ihn ansahen, als könnten sie nicht verstehen, was sie denn angestellt hätte. Auch ich hatte das Gefühl, dass dem Kind gar nicht bewußt war, dass man sich nicht einfach anderer Leute Dinge aneignen kann. Sie verstand gar nicht, warum mein Mann so wütend war. In ihren Augen hatte sie nichts falsches getan und so benahm sie sich auch.
Mein Mann sagte ihr, sie solle ihre Mutter anrufen und ihr erzählen, was vorgefallen war. Das tat das Kind dann auch und sie berichtete ihrer Mutter mit weinerlicher Stimme. Aber es floß nicht eine Träne. Das machte meinen Mann nur noch wütender. Er erklärte seiner Tochter, dass er maßlos enttäuscht von ihr und ihrem Verhalten sei und dass er sie erst wieder bei uns haben wolle, wenn sie gelernt hätte, dass man weder lügt, noch stiehlt. Am Folgetag ging er dann mit ihr zu meiner Freundin, wo sie die Figuren zurück geben und sich entschuldigen musste. Als sie wieder zu Hause waren, wieß er sie an, sich an den Esstisch zu setzen und sie durfte für den Rest des Tages nicht mehr aufstehen.
Ich habe versucht, ein wenig einzulenken, aber es war darüber kein Reden mit meinem Mann - bis heute noch nicht.

Was soll nun werden? Mein Mann wird diesen Vorfall bis zu den nächsten Ferien mit Sicherheit nicht vergessen haben.

Traurige Grüße
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Ansa » 29. Dezember 2009 17:18

Liebe Muckel,

eines vorab, alle Kinder, egal aus welcher Familie, egal aus welcher Schicht oder welchem Mileu tun dies irgendwann in ihrem Leben. Das ist eine "normale" kindliche bzw. jugendliche Entwicklungsphase. Man unterscheidet das jugendliche Stehlen (kleine Ladendiebstähle - meist irgendein unnützes Zeug) von den Diebstählen der Kinder. Während Jugendliche eher Grenzen testen "was passiert jetzt" und den Gedanken "ich habe bewusst gegen die Normen der Gesellschaft verstoßen" miteinander verknüpfen "halten die Großen was sie reden" zeigen Kinder damit eher eine große inner Not an.... "hilf mir" ich weiß nicht weiter....

Das denke ich, ist Euch passiert. Keine Frage, das braucht ernste Worte über "Dein" und "Mein" über weg nehmen und Unrecht. Über Folgen und Werte und Normen.... und es braucht vor allem ganz viel Liebe und Zuneigung. "Ich liebe Dich" und gleichzeitig "aber das was Du getan hast, das mag ich gar nicht!"

Ich finde, Dein Liebster hat völlig über reagiert. Egal was er für sich gesehen hat, es ist so - wie er es deutet und wahr nimmt - nicht vorhanden. Drüber Reden, Entschuldigen, zurück geben - alles gut und richtig, aber Strafe wie den ganzen Tag still sitzen und so deutliche Folgen zeigen dem Kind vermutlich nur, was es innerlich befürchtet "Papa hat mich nicht lieb" und schlimmer "ich bin so böse das man mich nicht lieb haben kann." Die schlimmste Folge daraus könnte sein, "is eh egal was ich mache, mich mag keiner....." und das dazu gehörige Verhalten.

Wenn Du es hinbekommst, zieh die Notbremse und rede mit ihm, lass ihn einlenken. Er darf sagen "ich bin so enttäuscht" und er darf auch sagen "ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll...." aber das muss dann gut sein. Wichtig ist, dass das Kind spürt, das es gelibet wird, als Person, als Mensch, als Kind, als Tochter. Und das es lernt, "ich darf Fehler machen, aber ich werde trotzdem geliebt." Kinder dürfen Fehler machen, auch große...... nur so können sie für sich erlernen, dass das, was wir Großen sagen, auch seine Richtigkeit hat. Einlenken des Erwachsenen, und zwar zügig ist hier ganz wichtig.

Durch solche Vorkommnisse, die wie gesagt, ganz normal sind, werden Kinder erst oft kriminalisiert - ganz besonders, wenn nach einem solchen Vorfall nicht Ruhe einkehrt und das Ganze als das behandelt wird, was es ist, ein Fehler.... aus dem man lernen kann. Ich habe das bei uns in unserem Umfeld beobachtet, da wurde dem Kind gesagt "Aus Dir wird mal ein Krimineller!" (es hatte drei Matchboxautos eingesteckt) und es war niemals Ruhe..... wenn etwas fehlte, wurde es angeschaut.... heute verbüßt der Junge eine Jugerndstrafe und ich glaube, seine Eltern haben viel mehr damit zu tun, als diese glauben. Denn Kinder tun immer das, was Eltern ihnen sagen bzw. das, von dem sie glauben, das es ihre Eltern erwarten. Und hier wurde es ausgesprochen "Du wirst mal ein Krimineller!" Das Kind war brav und hat die Erwartungen seiner Eltern voll erfüllt.

Besser ist "ich weiß das Du das nicht wieder machst" oder auch "ich verlasse mich auf Dich" und dann muss man mal sehen, ob da nicht ein Mangel an solchen Dingen herrscht? Und es einfach nur um Neid ging? Aber auch hierbei ist drüber reden und dann schweigen die allerbeste Variante. Frag mal Deinen Liebsten ob er wirklich niemals irgendwem etwas weg genommen hat? Ich kenne keinen Erwachsenen, der darauf, wenn er ehrlich ist, "nein" sagen kann.

Dir und Euch liebe Grüße und gute Gespräche
Ansa
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon rita » 29. Dezember 2009 18:47

Ansa hat geschrieben: Während Jugendliche eher Grenzen testen "was passiert jetzt" und den Gedanken "ich habe bewusst gegen die Normen der Gesellschaft verstoßen" miteinander verknüpfen "halten die Großen was sie reden" zeigen Kinder damit eher eine große inner Not an.... "hilf mir" ich weiß nicht weiter....

...... Drüber Reden, Entschuldigen, zurück geben - alles gut und richtig, aber Strafe wie den ganzen Tag still sitzen und so deutliche Folgen zeigen dem Kind vermutlich nur, was es innerlich befürchtet "Papa hat mich nicht lieb" und schlimmer "ich bin so böse das man mich nicht lieb haben kann." Die schlimmste Folge daraus könnte sein, "is eh egal was ich mache, mich mag keiner....." und das dazu gehörige Verhalten.

....Durch solche Vorkommnisse, die wie gesagt, ganz normal sind, werden Kinder erst oft kriminalisiert - ganz besonders, wenn nach einem solchen Vorfall nicht Ruhe einkehrt und das Ganze als das behandelt wird, was es ist, ein Fehler.... aus dem man lernen kann. Ich habe das bei uns in unserem Umfeld beobachtet, da wurde dem Kind gesagt "Aus Dir wird mal ein Krimineller!" (es hatte drei Matchboxautos eingesteckt) und es war niemals Ruhe..... wenn etwas fehlte, wurde es angeschaut.... heute verbüßt der Junge eine Jugerndstrafe und ich glaube, seine Eltern haben viel mehr damit zu tun, als diese glauben. Denn Kinder tun immer das, was Eltern ihnen sagen bzw. das, von dem sie glauben, das es ihre Eltern erwarten. Und hier wurde es ausgesprochen "Du wirst mal ein Krimineller!" Das Kind war brav und hat die Erwartungen seiner Eltern voll erfüllt.

....Besser ist "ich weiß das Du das nicht wieder machst" oder auch "ich verlasse mich auf Dich" und dann muss man mal sehen, ob da nicht ein Mangel an solchen Dingen herrscht? Und es einfach nur um Neid ging? Aber auch hierbei ist drüber reden und dann schweigen die allerbeste Variante. Frag mal Deinen Liebsten ob er wirklich niemals irgendwem etwas weg genommen hat? Ich kenne keinen Erwachsenen, der darauf, wenn er ehrlich ist, "nein" sagen kann.


Hallo,

ich habe mal als Kind ( ich war etwa 5 oder 6 Jahre alt ) eine Barbiepuppe von meiner Cousine, die ich mit meinen Eltern besuchte, mitgenommen. Auf der Rückreise spielte ich mit der Puppe, als meine Mutter dies bemerkte. Ich bekam einen fürchterlichen An.... und mußte mich auch bei meiner Cousine entschuldigen und die Puppe zurückschicken.

Ich kann nur sagen, das war die Lehre meines Lebens, ich bin nie wieder auf die Idee gekommen, auch nur zufällig etwas mitzunehmen. Mir wurde auf laute Art und Weise beigebracht, daß man nicht lügen und auch nicht stehlen darf. Dass ich das jedoch als Hilferuf genutzt haben soll ? Hm, vielleicht eher ein Hilferuf : Mama ich will auch ne Barbie, aber ansonsten eher nichts anderes. Ja, Neid....ich will auch soetwas.

Und ich denke nicht, daß ein Kind genau das macht, was die Eltern sagen oder von ihm erwarten. Ich habe es auch einmal getan und ich wußte, weil mir gesagt wurde, ich dürfe das nicht wieder tun, also tat ich es auch nie wieder. Ansa, meinst Du in Deinem Fall, daß die Eltern des Kindes das nie gesagt hätten, daß das Kind nicht stehlen darf? Vermutlich fehlten eben entsprechende Konsequenzen auf die Matchboxauto-Sache.
Mit der Aussage "Aus dir wird mal ein Krimineller" sehe ich eher eine negative Befürchtung der Eltern, die das Kind vermutlich aus dem Erwachsenenmund nicht so verstanden hat, wie diese es meinten. Ich glaube nicht, daß das Kind kriminell wurde, weil es die Erwartungen der Eltern erfüllen wollte, sondern eher, weil die Eltern in ihrer Erziehung ein wenig versagt haben.

Muckelmaus, auch wenn ihr der Meinung seid, Dein Mann hätte überreagiert.....ich finde es okay, wenn er das Kind die Mutter anrufen läßt, wenn es sich bei Deiner Freundin entschuldigt und das am Tisch sitzen lassen, naja, muß nicht sein. Er hat ihr die Konseuenzen aufgezeigt und sie sollte daraus gleich beim ersten Mal gelernt haben. Sie weiß, was sie getan hat ( ..sie suchte immer neue Ausreden )aber sie konnte sicherlich die heftige Reaktion Deines Mannes nicht verstehen. Natürlich versucht ein Kind, so zu tun, als sei das nichts Schlimmes !!
Ich denke, sie wird sich nun in Eurer Gegenwart nie wieder etwas einstecken, man kann nur hoffen, daß die eigene Mutter ihr auch noch einmal verdeutlicht, daß man nicht stiehlt und lügt.
Natürlich wird Dein Mann das nicht vergessen, aber wer sagt denn, daß er ihr das immer wieder aufs Butterbrot schmiert ? Vielleicht will er die nächsten Ferien abwarten, in denen sie sich bewähren kann ? Wenn er sagt, daß sie die nächsten Ferien zu Euch kommen soll, checkt das Kind das doch auch, daß es willkommen ist.

Ich habe meine Kinder auch dazu angehalten, ehrlich zu sein, aber weiß ich, ob nicht doch schonmal etwas war? Was ich aber unterschreiben kann, ist, daß ich in manchen Dingen viel eher hätte konsequent eine Strafe durchsetzen sollen statt nur zu reden, dann könnte ich mir heute die ein oder andere Diskussion darüber sparen. Ich finde nicht, daß man sich jedesmal die Frage stellen muß, -wenn ich mein Kind sanktioniere-, ob es denkt, meine Liebe zu verlieren oder nicht. Die Kinder wissen, daß ihre Eltern sie lieben, sie haben höchstens Angst, daß die Eltern wütend auf es sind. Und das ist ein großer Unterschied, denn ich habe als Erwachsener ein Recht, ärgerlich wegen des Verhaltens meines Kindes zu sein. Deswegen muß ich ihm aber nicht sagen: Dein Verhalten ist total doof, aber ich liebe Dich. Es hat a) das Urvertrauen und b) sage ich ihm bestimmt in anderen Situationen, wie lieb ich es habe.

Klar habe ich auch das ein oder andere mal nein gesagt, weil es eben sein mußte, und hinterher fragte ich mich:mußte das so sein, hättest Du auch ja sagen können oder eine andere Sanktion? Warum frage ich mich das eigentlich? Es meldete sich das schlechte Gewissen....meine schon als Scheidungskinder gebeutelten Kinder, und nun sage ich auch noch nein...Das ist doch quatsch, ich habe meinen Erziehungsstil und muß kein schlechtes Gewissen wegen der Scheidung haben, sondern meine Kinder gut erziehen mit den entsprechenden Konsequenzen. Und ich glaube, daß meine Kinder nie daran gezweifelt haben, daß ich sie liebe, genauso wenig hab ich das bei meinen Eltern getan.

VG, Rita
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Ansa » 29. Dezember 2009 19:15

Liebe Rita,

die Eltern von denen ich berichte, haben niemals aufgehört, diesen Vorfall zu den Akten zu legen..... sie hatten so große Angst, ihr Kind könnte nicht begriffen haben, das sein Verhalten falsch gewesen sein könnte, das sie es ihm immer und immer wieder, zu passenden und zu unpassenden Gelegenheiten, vorgeworfen haben. Sei es, das sie seine Taschen kontrollierten (wenn sie irgendwo zu Besuch waren) oder das sie andere warnten.... im Grunde war es egal was das Kind anstellte, seine Eltern haben ihm nie wieder vertraut.

Heute arbeiten sie gemeinsam mit einer Therapeutin die Dinge auf, denn ihr Sohn hat, klugerweise, darüber gesprochen, über sein Tun - das es doch egal sei, was er machen würde, seine Eltern würden meinen, er sei böse - da könne er dann auch böse sein, denn gut zu sein, nutze ihm eh nichts.... welch tiefe Entmutigung auf Seiten eines Kindes? Und wie gut, das es einem Sozialarbeiter gelungen ist, die Eltern zu erreichen. So können nun, hoffe ich, alle neu beginnen und andere Wege gehen. Rudolf Dreikurs sagt, der sicherste Weg, einem Kind das Nasebohren anzugewöhnen ist, ist es ihm zu verbieten. Weißt, was ich meine?

Ich schrieb ja, solches Verhalten muss Folgen habe, logische und konsequente Folgen. Entschuldigungen, Gespräche, Rückgabe der geklauten Dinge - keine Frage. Aber damit sollte es genug sein. Die Mama anrufen? Ich finde, das wäre in diesem Fall Sache des Papas gewesen, ein Gespräch unter und zwischen Eltern, ohne Vorwürfe. So war es, weil ja jemand zu hörte, eine Demütigung für das Kind und Kinder reagieren auf Demütigungen mit Trotz, da wird also nicht Einsicht erreicht (die notwenidg wäre) sondern Gegenwehr und das nutzt grad niemandem mehr.

Meine Tochte wurde mit Freundinnen von der Polizei aufgegriffen, sie haben beim Rossman bargeldlos eingekauft. Fünd Mädels.... Taschen auf und rein das Zeug. Ich war damals total sprachlos..... ich wusste genau, mein Kind weiß, dass das verboten ist und indiskutabel. Ich hab sie abgeholt und den Beamten noch gesagt, sie sollten die anderen Eltern darauf hinweisen, das Schlagen verboten ist (eines der Mädchen war da sehr gefährdet) und dann zu meinem Kind gesagt "ich bin völlig überfordert, ich weiß, das Du weißt, das man das nicht tut und ich weiß grad nicht, was ich mit Dir tun soll.....ich weiß nicht mal, was ich dazu sagen soll, ich bin ganz schön enttäuscht" damit habe ich sie einen langen Tag lang allein gelassen. Später musste sie als Folge dessen einen Selbstbehauptungskurs machen, weil sie in Gruppe gern mal mit läuft und nicht mehr selbst nach denkt.

Spannend aber war, was die anderen Eltern getan haben, ein Mädchen musste alles was ihm lieb war, für 6 Wochen abgeben, CD Player, Inliner und sonst was. Eines musste ein halbes Jahr im Haushalt helfen, vermehrt, eines wurde verhauen.... ein anderes musste den Eltern schwören, das es nie wieder mit den Anderen sprechen wird (finde ich total spannend, denn alle Mädchen gingen in eine Klasse und waren/sind befreundet - also, haben die Eltern ihre eigene Tochter dazu gebracht, sie anzulügen..... geile Nummer) und auch nicht mehr mit ihnen zusammen trifft. Eines der Mädchen ist rückfällig geworden..... Meine anderen Kinder wissen nichts davon.... und das eine Jahr Hausverbot, das war schwer genug. Aber etwas mitgenommen hat mein Kind nie wieder. Und wir haben nie mehr darüber gesprochen. Es war ihre Erfahrung.

Dir und Euch liebe Grüße
Ansa
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Muckelmaus » 29. Dezember 2009 20:17

Liebe Ansa, liebe Rita!

Danke für eure Antworten.

Ich muß mal eine kleine Lanze für meinen Mann brechen, auch wenn ich es ein wenig ähnlich sehe, dass er überreagiert hat.
Allerdings liegt das sicherlich daran, dass es nicht das erste Mal ist, dass seine Tochter etwas tut, was man nun einmal nicht tun darf. Sie hat nicht zum ersten Mal gestohlen. Anfangs war es Kleingeld aus Mutters Geldbörse, dann waren es Stifte anderer Kinder in der Schule usw. und jetzt war es das Spielzeug meines Patenkindes. Sie hat fremder Leute Autos mit Steinen zerkratzt und ist dabei gesehen worden. Ach - die Liste der Dinge ist lang.
Insofern denke ich, dass ein großer Teil seiner Reaktion aus seiner eigenen Hilflosigkeit und Angst um das Kind heraus entstand und zugegeben, wütend war ich selbst auch. Er sieht seine Tochter so selten, statt dessen hört er immer nur, dass sie hier wieder gelogen hat, da etwas hat mitgehen lassen usw. Sie kommt am Mittag von der Schule nicht heim, sondern sie kommt, wann sie will. Sie geht wann sie will und niemand gebietet ihr Einhalt. Die Mutter ist restlos überfordert und er hat keinerlei Mitspracherecht bei der Erziehung, weil die Mutter es nicht zulässt. Insofern würde ein gemeinsames Elterngespräch nichts bringen.

Aber ganz ehrlich - wenn ich das Kind so beobachte, dann überkommt mich auch das Gefühl, dass sie Recht von Unrecht nicht unterscheidet und ich finde, das sollte ein 10jähriges Kind durchaus können. Mein Gefühl sagt mir, sie hat das Spielzeug nicht genommen, als Hilfeschrei, sondern einfach nur, weil sie es haben wollte. Ich weiß nicht recht, wie ich es erklären soll. Aber ihr ganzes Verhalten erscheint mir nicht hilflos, allein, verstört usw., sondern sehr ich-bezogen. Allein dass sie von uns aus ihre Oma mehrere Male übers Handy anrief und fragte, ob sie gleich noch Montag ihre Weihnachtsgeschenke bei ihr abholen könne, regte mich im Stillen ein wenig auf. Ich habe sie in einer ruhigen Minute gefragt, ob es bei Oma denn nur um die Geschenke ginge. Zur Antwort bekam ich, dass sie ja wüßte, dass Oma wieder jede Menge Geschenke für sie habe und die wolle sie nun endlich auch haben, schließlich sei Weihnachten vorbei. Ich hab sie gefragt, ob sie die Oma auch besuchen würde, wenn es dort keine Geschenke gäbe. Nö, dann sei es dort ja langweilig.

Ach, ich weiß irgendwie auch grad nicht weiter.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon sonnenschein2 » 29. Dezember 2009 20:34

Liebe Muckelmaus,
ich kann dich verstehen in deiner Hilflosigkeit. Ich glaube, ich hätte auch nicht selbstreflektiert sein können. Ich wäre auch ganz doll wütend gewesen und hätte genauso überreagiert. Denn irgendwie ist es ja auch der Freundin gegenüber peinlich. Ich denke, es ist bei einem 10jährigen Mädel nicht versehentlich ein Playmobil Teil in der Jacke gelandet.
Wie geht die Maus denn mit ihren Dingen um? Wie ist es denn wenn ihr an ihre neuen Sachen von Weihnachten geht? Ist sie da spendabel und teilt, oder kann sie da schon mein und dein unterscheiden?
Aber ich spüre auch, dass euch wieder mal die Hände gebunden sind. wenn dem Kind zu Hause von Mutter keine Grenzen gezeigt werden, wie soll sie diese lernen? Sie testet doch beständig aus und wartet auf die Reaktion. Ich kann das nicht so in Worte fassen, was ich meine. Für mich liest es sich als suche sie wirklich nach ihrer Grenze. Weißt du wie ich es meine? Ich glaube, ich kann mir auch vorstellen, dass sprechen und reden nicht weiterführt. Ich bin übrigens oft der Auffassung, dass die Kinder viel zu sehr zugetextet werden und dann Mutter/VAter taub werden. Mir haben meine Kinder mal gesagt.. "diskutier nicht mit uns rum, sag klar an was Sache ist...ohne wenn und aber.

Es ist so schade, dass das Weihnachtsfest jetzt so unschön geendet ist. Hoffentlich könnt ihr die gemeinsame Zeit noch positiv beenden. Ich wünsche es euch sehr.
Fühl dich ganz lieb bedacht
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Ansa » 29. Dezember 2009 20:40

Liebe Muckel,

das liest sich dann wirklich schlimm. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich meinen, wir haben hier ein stark entmutigtes Kind, um das sich am Ende niemand wirklich kümmert - bzw. das glaubt, das sich niemand um es kümmert. Es hat keine Grenzen und sucht diese, mehr oder weniger verzweifelt.....

Eine 10jährige, die kommt und geht, wie sie möchte lebt grenzenlos...... und ist damit heillos überfordert. Und ja, es ist durchaus möglich, das sie Recht und Unrecht nicht voneinander unterscheiden kann oder das sie bereits andere Dinge gelernt hat, als sie sollte. Sie kümmert sich um sich selbst, ausschließlich, aber ich glaube auch, sie ist innerlich zerrissen und unglücklich, möglich, das sie das nciht zeigt. Aus vielerlei Gründen.

Für mich wäre das ein Fall von Kindeswohlgefährdung, denn wenn sie nicht bald Grenzen bekommt und Führung, dann geht sie verloren..... ich denke, das sieht auch Dein Liebster so und er ist konfrontiert mit dem Gefühl, nichts, aber auch gar nichts tun und machen zu können..... das macht mit Sicherheit wütend und vermutlich auch unsagbar hilflos. Das Kind braucht Hilfe, richtige Hilfe, Das aber könnt ihr nicht leisten und wohl auch kaum ansprechen. Ich selbst würde da Handlungsbedarf sehen, dringend.

Die wenige Zeit die sie bei Euch verbringt wird da kaum helfen, klare Grenzen sind wichtig, klare Absprachen auch "ich erwarte von Dir........" Punkt, keine Diskussion. Aber ihr werdet nicht viel tun können und auch wenig ändern. Es ist bestimmt unsagbar schwer, bei so etwas zuzusehen.

Liebe Grüße
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Muckelmaus » 29. Dezember 2009 21:11

Liebe Sonnenschein. liebe Ansa!

Es tut gut, eure Meinungen zu hören bzw. zu lesen.

@ Sonnenschein
Seit gestern ist die Maus wieder zu Hause bei ihrer Mama. Ich habe sie zurück gebracht (und auch geholt vor einer Woche), weil mein Mann das wegen seines Arbeitsunfalles im Sept. noch nicht schafft.
Daher kann ich leider nicht sagen, wie sich die Maus im Moment verhält.
Bei uns war sie nach dem Vorfall sehr ruhig, saß still am Tisch und sprach nur noch, wenn sie angesprochen wurde. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass sie verstand, um was es eigentlich ging. Mir erschien es immer so, als würde sie gar nicht einsehen und verstehen, dass sie etwas falsch gemacht hatte.

Ich hatte gestern noch ein Gespräch mit der Mutter. Auch sie war entsetzt. Gleichzeitig spürte ich aber die Hilflosigkeit der Mutter. Mir scheint, dass die Maus sowohl Mama als auch Oma fest im Griff hat und die Richtung vorgibt. Mama und Oma sind da nur Marionetten, die nach Belieben eingesetzt werden. Die Mutter erzählte mir, sie habe sich schon mit dem Jugendamt und einer Erziehungsberatung in Verbindung gesetzt. Alle raten ihr, den Kontakt zur Oma einzuschränken, da diese sich angeblich permanent in die Erziehung des Kindes einmischt und die Mutter untergräbt. Wenn dem so ist, hat die Maus das schon lange heraus gefunden.

@ Ansa
Oh ja - es ist unendlich schwer, mit anzusehen, wie das Kind jeden Halt verliert. Diese Ohnmacht ist grenzenlos. Kindeswohlgefärdung - so würde ich es auch beschreiben. Aber wie weißt man das nach und was würde mit dem Kind geschehen, würde der Mutter das Sorgerecht tatsächlich entzogen? Wäre es dann klug, sie zu uns zu holen, wo sie außer uns niemanden kennt? Sollte sie ihr gewohntes, soziales Umfeld wirklich verlassen? Ich weiß, dass ist weit gedacht und wird wohl niemals Realität. Die Mutter schlägt das Kind nicht, sie trinkt nicht, wenn sie das Haus verlässt, ist jemand da, der aufs Kind aufpasst usw. Wie also soll man vorgehen?
Und du hast völlig recht. Die kurze Zeit, die sie bei uns verbringt, fängt nicht auf, was sie an Halt braucht.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon rita » 29. Dezember 2009 21:54

Daß der Tochter deutliche Grenzen fehlen, liest man nun klar aus Deinem zweiten Beitrag, Muckel. Sie tut alles, um welche zu bekommen und wenn nicht bald etwas geschieht, dann wird es womöglich noch schlimmer, auch strafrechtlich.

Ich habe eben überlegt, was ich in den Fällen gemacht hätte, wenn meine Tochter diese Dinge getan hätte. Die Strafen, die Ansa vom Rossmann-Diebstahl schrieb, sind auch alle untauglich. Klar, Hausarrest.....aber mein Kind muß auch zur Schule, kann mich belügen mit dem Nachhauskommen, mit den Gesprächen mit den anderen,...das stimmt schon, mein Kind wird mich anlügen, das habe ich dann damit erreicht.

Aber-und da widerspreche ich Dir, liebe Ansa, -da genau das alles nicht zum Ziel führt, habe ich diese, in Deinen Augen Demütigungen, vollzogen.
Als meine Tochter heimlich Geld aus dem Portemonnaie meines damaligen LG nahm, habe ich sie in seinem Beisein angesprochen und überführt. Und ihr gesagt, daß Diebstahl unter Familienangehörigen viel schlimmer sei als ein "normaler" Diestahl, da das Vertrauen erstmal futsch sei. Und das ertapptwerden mit der Kenntnis und dem Beisein des LG war ihr grottenpeinlich.

Dazu mein eigenes Beispiel, kann ich nur sagen, daß das wirksam war. Sie hat nie wieder etwas mitgehen lassen. Und ich habe nicht dauernd daruf herumgepocht wie die Eltern des Kindes, das Du beschrieben hast. Ein so ungesundes Verhältnis zwischen Vertrauen und MIßtrauen oder auch dem übersteigerten Kontrollbedürfnis der Eltern kann natürlich zu einem solchen Verhalten des Sohnes führen.

Und meinem Sohn, 15, habe ich gesagt, wenn seine Kumpels Mist bauen und er wird mit erwischt, wird er gleich eines Täters bestraft. Und er möge sich gar nicht erst vorzustellen versuchen, was passiert, wenn ich ihn von einer Polizeiwache abholen soll. Der eine mag es nun Drohung nennen, der andere logische Konsequenz. Ich kann zwar nicht allem vorbeugen, aber ich sagte beiden, was sie nicht tun sollten und sie wissen mittlerweile, was dann passiert. Und so ein Gang mit dem Kind zusammen zu dem Geschädigten ist ziemlich peinlich und unangenehm. Warum soll ich mein Kind denn dermaßen in Watte packen? Es muß für sein Handeln einstehen und dazu gehört nunmal eine persönliche Entschuldigung und Entschädigung des anderen. Und eine Beichte an das andere Elternteil, wenn es erforderlich ist. Und in Muckel Fall sehe ich das als dringend erforderlich aufgrund der Vielzahl der Vorfälle.

Und ich finde es schon deshalb richtig, daß die Tochter Deines Mannes ihre Mutter selbst informieren mußte, denn dies schien ihr auch ein wenig unangenehm. Denn wenn Vater mit Mutter allein spricht, wird sie zwar informiert, aber es passiert weiter nichts seitens der Mutter. So lernt das Kind auf dem Fuß, wie unangenehm es ist, für sein eigens Verhalten einzustehen. Ich sehe es als keine Demütigung, sondern eher als für sich selbst als unangenehm empfundene Folge, denn wer gibt schon gerne zu, daß er etwas falsch gemacht hat? Das widerfährt jedem im Leben bis zum Ende. Wann soll man anfangen ? Ich ertappe mich immer öfter bei dem Gedanken, daß die Zeit "damals" gar nicht schlecht war-da gab es keine Erziehungsratgeber, da haben die Eltern konsequent und geradlinig erzogen-da gab es nicht soviele Probleme und ihre Folgen wie in unserer heutigen Zeit.

Ansa- welche Nachteile hat ein Kind bei einer Demütigung bzw. der Weitergabe einer Information über einen Fehler des Kindes in dessen Gegenwart? Trotzig haben weder ich damals noch meine Tochter gehandelt- es war einfach nur grottenpeinlich, daß der andere informiert wurde und das hat mich veranlaßt, es nie wieder zu tun, ebenso meine Tochter. Und ich glaube, ich habe spätestens dadurch ein gesunde Distanz zum Eigentum anderer Menschen erworben...

wie gesagt, ich denke, bei Ansas beschriebenem Fall und Eurer Kleinen, Muckel, sind einfach die falschen Ansätze seitens der Eltern bzw. der MUtter. Hier ist schon sehr viel vorgefallen und was Euch betrifft, so sehe ich unbedingten Handlungsbedarf, was die Mutter betrifft und ich kann Deinen Mann ( außer in der Eßecken-Sitz-Geschichte) voll verstehen.

Liebe Grüße, Rita
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Muckelmaus » 30. Dezember 2009 09:43

Guten Morgen alle miteinander!

@ Rita
Falsche Ansätze - ja, die sind da. Aber wir können von hier aus nichts tun, um etwas zu verändern. Uns bzw. meinem Mann sind da völlig die Hände gebunden. Die Mutter lässt von seiner Seite aus keine Hilfe oder Gespräche zu. Sie erzählt ihm zwar immer, was bei ihr zu Hause los ist, aber wenn mein Mann dann seine Einschätzung abgibt oder aber einen Rat geben will, dann winkt sie ab. Sie sagt dann immer, dass er ja keine Ahnung habe, weil er halt nicht tagtäglich mit dem Kind umgehen muss. Ihr Lieblingsspruch ist dann, dass ja niemand das Kind so gut kennen würde wie sie.

Nach wie vor möchte mein Mann nicht über den Vorfall sprechen. Ich denke, dass liegt wirklich an seiner Hilflosigkeit. Es macht ihn wütend zu sehen, dass er nichts tun kann, um seinem Kind zu helfen. Vielleicht schützt er sich mit dieser Gesprächsverweigerung selbst vor seinen Gefühlen.
Ich habe mir überlegt, dass ich ein wenig Zeit vergehen lassen möchte und dann noch mal versuche, mit ihm zu reden. Vielleicht ist er dann bereit dazu.

Liebe Grüße
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Ansa » 30. Dezember 2009 14:36

Liebe Rita,

das was Du beschreibst, empfinde ich persönlich nicht als demütigend..... sondern das sind Folgen, logische Folgen, wenn man bei etwas Verbotenem ertappt worden ist. Scham ist ein natürliches Gefühl und man kann, als kluger Erziehender, dieses an bestimmten Punkten nutzen. Darum geht es in der Kindererziehung ja auch. Jeder von uns empfindet eine gesunde Portion Scham, wenn er etwas getan hat, von dem er weiß, er hätte es nicht tun sollen.....

Demütigende Erziehungsmassnahmen gehen über den natürlichen Vorfall hinaus. Also, wenn Deine Mama nun allen möglichen Menschen erzählt hätte, "die Rita klaut Barbies, passt auf sie auf....." oder wie die Mutter von der ich schrieb "wenn mein Junge heute Abend nach Hause geht, kontrolliert bitte seine Taschen....." wenn man einem Kind den begangenen Faupax nicht nachsieht, sondern ihn immer wieder hervor zerrt und ihm aufs Tablett legt. "Auf Dich kann man sich ja nicht verlassen, wer weiß schon, was Dir diesmal einfällt....."

Als Deine Tochter Geld aus Deinem Portemonnaie genommen hat, hat sie eine Tat begangen über die man unbedingt reden muss, das es für sie demütigend war, als sie erwischt wurde, glaube ich eher weniger. Ich vermute, es war Scham, die sie empfand.... und die ist an dieser Stelle auch richtig. Und ja, das der Lebensgefährte bei diese Sache dabei war, war ebenfalls gut und richtig. Demütigend wäre es aber nun gewesen, hättest Du alle angerufen, Papa, Oma, Opa, Tanten, Onkel, Mütter von Freundinnen.... kannst Du den Unterschied sehen?

Entschuldigungen und Entschädigungen sind gut und richtig, darauf habe ich auch bestanden, sofern ich das konnte. Aber auch das ist beschämend, nicht demütigend, denn zu einer Demütigung gehört ja in erster Linie, das man den anderen herab setzt, klein macht und willkürlich schlecht behandelt. Konsequnez fällt nicht darunter. Und den Kindern sagen, was man von ihnen erwartet - da haben wir es wieder - das ist das Beste überhaupt. Ihnen klar machen, was sie tun sollen anstatt darübver zu reden, was sie nicht tun sollen.

Liebe Grüße
Ansa
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon rita » 30. Dezember 2009 15:47

Hallöchen,

@ Ansa
wir sprechen über den Unterschied Demütigung-Schamgefühl.
Als Beispiele für demütigend nanntest Du zum einen, daß das Kind die Mama anrufen mußte, um zu "beichten". Nur der Papa und Muckel waren dabei, nehme ich an.
Im letzten Beitrag schriebst Du, es sei demütigend, wenn meine Mutter, ebenso die Mutter des Jungen, es allen möglichen Leuten erzählt hätte....

Ich sehe da schon einen Unterschied.

Letzteres würde ich genauso sehen wie Du, wenn immer und immer alle mit der Nase darauf gestoßen werden, daß ein Kind etwas falsch gemacht hat. Das ist in der Tat demütigend und es geht Unbeteiligte nichts an.
Wenn jedoch die Mama im Beisein der/aller beteiligten Familienmitglieder( Muckel und der Papa ) vom Kind angerufen wird, so sehe ich das nicht als demütigend. Es handelt sich um Tatsachen, die geradegerückt werden müssen, für die das Kind einzustehen hat. Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, daß meine Tochter ihrem Vater von der gleichen Sache allein völlig anders berichtet hat als sie es mir erzählt hat. Und ich nur froh war, daß ich zu ihrem Vater ein gutes Verhältnis habe und sie uns nicht gegeneinander ausspielen konnte. Ich denke hier auch nur Mama-Papa-neue Lebenspartner.
Die Kinder drehen sich das so hin, wie sie meinen, am wenigsten Ärger zu bekommen-ich denke, die Mutter hätte, wenn überhaupt, nur die Hälfte des Vorfalls erzählt bekommen von der Tochter und, wie schon bei Muckel selbst, tausend Ausreden gehabt. Sie hätte der Tochter gegleubt, und diese hätte bei den Muckels ,) so erzählt und bei der Mama anders und halb so schlimm. So wurde und wird es in die Enge und somit zur Wahrheit gedrückt. Das finde ich peinlich für das Kind und somit lehrreich, aber auf keinen Fall demütigend.

@ Muckel
Ich denke, es liegt eine sehr große Verletzung bei der Mutter vor, wenn sie sich von Deinem Mann keine Ratschläge geben läßt ? Auch ich habe mal so gedacht, da war viel verletzte Eitelkeit und Stolz im Spiel....aber irgendwann hab ich von selbst kapiert, daß ich zum Wohl des Kindes handeln muß und nicht gegen ihn. Also habe ich Vieles wieder zugelassen und auch mit ihm über die Kinder geredet, wenn es bei mir Probleme gab und ihn um Mitarbeit gebeten.
So entspannte sich unser Verhältnis wieder.
Vielleicht kann man das, so es denn so sein sollte, die Mutter auch irgendwie dahin lenken. Das sie bei so wenig Kooperation nichts Gutes für ihr Kind tut und zudem kommt noch hinzu, daß sie das Kind vielleicht auch in Watte wickelt, da Scheidungskind ?? Klar übersieht man viele Dinge, wenn man tagtäglich mit seinem Kind zusammen ist, umso dankbarer bin ich Dritten gegenüber, wenn sie mir mal ihre unabhängige Meinung sagen, wenn ich merke, daß ich mich da in irgendetwas verrenne. Das vom Papa anzunehmen ist natürlich so ne Sache.....

Ich denke auch, Du tust gut daran, ihn erstmal mit diesem Thema in Ruhe zu lassen....man kann manche Dinge eben nicht von einer Sekunde zur nächsten überdenken, manche Sachen brauchen Zeit und müssen reifen. Vielleicht war er damit erstmal total überfordert und muß sich nun auch überlegen, wie er handeln soll, um dem Kind zu helfen.Du weißt doch, Männer machen (erstmal) vieles mit sich selber aus :(

Ich wünsche Euch allen auf jeden Fall einen guten Rutsch ins Neue Jahr und daß es bei Euch wieder berauf geht, die Nerven stärker und die Probleme weniger werden !!!

Liebe Grüße, Rita :winken:
rita
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Muckelmaus » 31. Dezember 2009 09:18

Guten Morgen ihr Lieben!

@ Rita
Ich denke nicht, dass bei der Mutter eine Verletztung vorliegt, die mit der Trennung zusammenhängt. Sie war diejenige, die sich trennte, kaum dass das Kind geboren war. Sie hat mir selbst einmal erzählt, dass es ihr weniger um eine Beziehung mit meinem Mann oder sonst irgendeinem Mann ging. Es ging ihr darum, ein Kind zu bekommen und nicht mehr arbeiten zu müssen. Sie suchte lediglich jemanden, der sie dann finanziell versorgt. An eine dauerhafte Beziehung oder gar Ehe hatte sie nie gedacht.
Wenn dem so ist, hat mein Mann wesentlich mehr Grund verletzt zu sein.
Daher denke ich, dass ihr Ansatz ein ganz anderer ist. Sie wollte ein Kind und hat ihr "Ziel" erreicht. Das einzige, was sie vom Vater will, ist Geld. Dafür nimmt sie den Umgang zähneknirschend in Kauf, sonst aber nichts. Sie lässt keine gemeinsame Ebene in der Erziehung dieses Kindes zu, keine Ratschläge usw. Nun sieht sie, dass Fehler gemacht wurden, dass sie nicht mehr weiter weiß - ist gleichzeitig aber zu stolz, sich nun helfen zu lassen und mit meinem Mann zusammen zu arbeiten für das Kind.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr euch allen
Muckel

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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon röschen » 31. Dezember 2009 14:19

Liebe Muckel, ein liebes "Hallo" an alle hier,

auch wir haben seit Monaten hier in unserer Verwandschaft ein ähnliches Problem.
Unsere Nichte (11 Jahre, Scheidungskind) ließ hier immer wieder Dinge mitgehen - Bargeld bei meiner Tochter, einen Halskettenanhänger und diverse Kleinigkeiten bei unserem Jüngsten. Zuallerletzt seinen Nintendo.
Als ich die Konsole bei ihr abholte (die sie angeblich nur während eines Spieles, von dem meine Kinder nichts wussten :( , in ihrer Tasche versteckt hatte und vergaß sie wieder rauszutun) und sie darauf ansprach, stritt sie natürlich alles ab. Ihre Mutter saß dabei und sagte zu all dem gar nichts.
Kurze Zeit später erfuhr ich, daß dies auch bei vielen anderen schon vorgefallen war und jeder versuchte die Mutter darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Tochter dringend Hilfe bräuchte. Die sieht das leider bis heute nicht so.
Ich bin allerdings der Meinung sie hat lediglich keine Lust sich damit auseinanderzusetzen, denn eventuelle Therapien oder Beratungen würde sie ja in ihrer eigenen Zeit einschränken.
Das Resultat ist, daß sobald das Mädchen hier ist, meine Kinder sie "bewachen" wie die Schiesshunde. Außerdem fällt natürlich bei jeder Kleinigkeit die anschließend verschwunden ist, der Verdacht auf sie, auch wenn es von ihnen selbst einfach nur verlegt wurde und später wieder auftaucht.

Mir tut die Kleine schrecklich leid, denn sie wird immer unbeliebter, aber wenn die Mutter nichts unternimmt, sind wir nunmal machtlos.

Und da kommt nun auch dein Mann ins Spiel - es gibt nicht schmerzvolleres für einen Vater von "Wochenendkindern", als erkennen zu müssen, daß sie in vielen Dingen die ihre Kinder betreffen weitestgehend machtlos sind, sie eine negative Entwicklung ihres eigenen Kindes hinnehmen müssen, weil der Einfluss leider nicht ausreicht.
Ich glaube ich habs hier schonmal geschrieben, daß unser Großer in der Schule nicht gerade geglänzt hat. Als er in der Realschule zweimal sitzenblieb, musste er auf die Hauptschule wechseln. Wir waren der Überzeugung, daß dies in seinem nicht altersgerechten Lebenswandel begründet lag.
Er ging viel zu spät zu Bett, schaute fern bis tief in die Nacht und alles andere stand im Vordergrund, bloß die Schule nicht. Der Junge war immer unausgeschlafen und uns war klar, daß an Konzentration im Unterricht oder gar nachmittags zum lernen, nicht zu denken war.
Die Mutter sah das nicht so oder ihr war der Aufwand zu groß, sich konsequent darum zu kümmern ("Sie habe keine Lust, nachts ständig nach oben zu laufen, um nachzusehen, wann er den Fernseher ausmachte")
Dies und viele andere Unterschiede in der Erziehung zu unseren beiden Kindern hier, störten ihn. So ist z.B. auch die Einstellung zu den finanziellen Dingen im Leben eine ganz andere.
Nach vielen, endlosen Gesprächen wurde ihm allerdings bewusst, daß sein Einfluss nur am WE (bei deinem Mann ja noch viel seltener), einfach nicht ausreicht und er die Entwicklung seines Kindes hinnehmen muß. Dies zu erkennen und hinzunehmen ist ein sehr schmerzhafter Entwicklungsprozess. Es ist eine gewisse Art der "Loslassens", was einfach früher eintritt, als bei den Kindern, die täglich bei uns sind.

Das sein Großer trotzdem gerne hierher kommt und sich hier auch ohne mucken an unsere Regeln, die viel konsequenter eingehalten werden müssen als zu Hause, hält, ist denke ich einzig alleine eine Charakterfrage. Meiner Meinung nach hatten wir da einfach Glück, denn ich habe auch schon oft genug erlebt, daß es anders ausgehen kann. Dieser Gedanke sitzt den Vätern ja bei all den Problemen auch immer im Nacken. Ein weiterer Punkt, welcher es den Vätern schwer macht.

Dir und deinen Lieben und natürlich allen anderen, die dies lesen einen guten Rutsch ins Jahr 2010!

Liebe Grüße
röschen
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Re: Mein Mann ist so enttäuscht

Beitragvon Muckelmaus » 4. Januar 2010 18:35

Liebe röschen!

Endlich komme ich dazu, dir zu antworten und mich für deine Zeilen zu bedanken.

Du hast mir aus der Seele gesprochen.
Es ist wohl wirklich ein Prozess des Loslassens und des gleichzeitigen Nicht-Können oder Noch-Nicht-Losslassen-Wollen.

Auch jetzt - eine Woche nach dem die Maus wieder zu Hause ist - will mein Mann noch nicht darüber sprechen.
Mir scheint er ficht einen inneren Kampf mit sich aus. Er sucht nach einem Weg, die zerissene Verbindung zu seinem Kind wieder herzustellen und weiß gleichzeitig, dass sie mit ihm z. B. nicht sprechen würde, wenn er anruft. Das war ja die letzten Monate, ach Jahre, schon so. Briefe oder E-Mails beantwortet sie auch nicht. Insofern hat er im Moment keine Möglichkeit, ihr zu sagen, dass er sie liebt und vermisst.
Gleichzeitig sucht er nach einer Möglichkeit, dem Kind eine Hand auf seinem Weg zu reichen, damit es nicht mehr zu solchen Vorfällen kommt und auch hier sind ihm die Hände gebunden.
Was soll er also tun? So gesehen bleibt ihm nur das Zuschauen und das Hoffen.

Liebe Grüße und ein frohes, neues Jahr für dich und alle hier im Forum
Muckel

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