Von den Eltern beeinflusst ?

Für Plaudereien, Smalltalk, Klönschnack und all das, was in keinen Fachbereich passt

Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Bolz » 26. Mai 2011 08:24

Hallo zusammen,

es gibt da einen Punkt, zu dem würde ich gern Eure Meinungen hören. Besonders bei dem vorhergehenden Post von Ninja ist mir dieser Gedanke wieder in den Sinn gekommen.

Immer wieder wenn es um Schwierigkeiten zwischen Scheidungskindern geht, die von einem Elternteil beeinflußt werden bin ich skeptisch, ob sich hier und da nicht nur einer der Beteiligten das Problem schönredet. Ich möchte einmal in ein paar wahllosen Beispielen darlegen worum es mir geht:

Mit 9 Jahren bin ich Vegetarier geworden und habe trotz täglichem Ärger am Mittagstisch mich nicht beirren lassen nie mehr Fleisch zu essen. Mit 12 habe ich "durchgesetzt", das ich ein Pony bekomme. Ich habe das Geld dafür selbst verdient und meinen Eltern bewiesen, dass ich die Verantwortung übernehmen kann. Mit 14 habe ich eine "schwarze Phase" gehabt. Ich bin nur noch in schwarzen Klamotten rumgelaufen und trotz massivem Ärger zu Hause und in der Schule dies über Jahre beibehalten. Mit 16 bin ich zeitweise nicht mehr zur Schule gegangen weil ich immer Stress mit den Lehrern hatte und habe dann durchgesetzt im nächsten Jahr abzugehen ( Gymnasium, also kein Abi ) und eine Lehre zu machen in dem Beruf den ich mir ausgesucht habe.

Wenn ich dann hier lese, dass ein Kind z.B. den nicht betreuenden Elternteil nicht anruft, weil der betreuende Elternteil das nicht schön findet, oder einen Elternteil beschimpft, weil es sich dem anderen Elternteil damit solidarisch zeigt, dann wage ich das zumindest in Teilen arg zu bezweifeln, wo der wahre Gund liegt.

Jeder weiß, wie schwer es ist ein Kind "zum richtigen Weg" zu beeinflussen. Sei es, es zu besseren Leistungen in der Schule zu bewegen, oder von "flaschen" Freunden abzuhalten etc. Aber gegen den anderen Elternteil können Kinder so einfach beeinflusst werden ? Diese beeinflussten Kinder müssten ja dann auch alle total gut in der Schule, nur mit super Kameraden befreundet und auch sonst eine Ausgeburt an guter Erziehung sein, wenn dieser Elternteil einen solch immensen Einfluss auf das Kind hätte, dass es total beeinflußbar ist !?!

Ich glaube zumindest, ein Teenie weiß ganz genau was er will und kann sich für Dinge die ihm wichtig sind bis über alle Maßen einsetzen, notfalls oder auch grade gegen den Willen der Eltern. Wenn sich Kinder gegen einen Elternteil benehmen wie die Axt im Walde, ist es dann nicht manchmal auch einfach Wunschdenken des schlecht behandelten Elternteils, dass dieses Kind ja nur vom anderen Elternteil beeinflußt ist ? Sonst müsste er ja zugeben, dass er dem Kind vielleicht einfach nicht wichtig genug ist ( wie z.B. Freunde um die sie sich bemühen ), oder das Kind einfach den Respekt verloren hat ? Bietet dieses Gerangel um ein Kind mit immerwährendem "ich bin immer für Dich da, egal was du auch tust" nicht grade die perfekte Vorlage für ein Kind zu glauben, es müsse sich um nichts scheren und muss auch keinen eigenen Beitrag zu einer Beziehung zu den Eltern leisten ?

Ich bin gespannt, wie Ihr das seht. Ich sehe bei der Tochter meines Mannes nur, dass sie sich nur melden kann wenn sie was will, die Eltern gegeneinander ausspielt wenn sie was durchsetzen will und immer wenn was ist, dann das arme Scheidungskind ist, dass ja nur nicht kann wie sie will, weil sie so traurig ist. Das ist jetzt natürlich böse und überspitzt formuliert.

Ich hoffe auf eine tolle und konstruktive Diskussion :-)

Lg
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon sehrtraurig » 26. Mai 2011 14:59

Hallo!

Ich bin im Büro deswegen nur ganz kurz:

Bolz hat geschrieben:Hallo zusammen,... Wenn ich dann hier lese, dass ein Kind z.B. den nicht betreuenden Elternteil nicht anruft, weil der betreuende Elternteil das nicht schön findet, oder einen Elternteil beschimpft, weil es sich dem anderen Elternteil damit solidarisch zeigt, dann wage ich das zumindest in Teilen arg zu bezweifeln, wo der wahre Gund liegt....


Schon einmal etwas von PAS (Parental Alienation Syndrom) gehört?

LG
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Diskutier niemals mit einem Idioten. Er zieht Dich auf sein Niveau herunter und schlägt Dich dann mit seiner Erfahrung...
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Bolz » 26. Mai 2011 15:26

Hallo Sehrtraurig,

ja habe ich und viel dazu gelesen. Gibt es sicher auch. Was ich aber meine ist, dass wenn es "immer" so einfach wäre, die Kinder zu beeinflussen, dann müsste das ja auch besser in anderen Bereichen genauso leicht fallen ( Schule, Freunde etc. ). Wenn ich also z.B. einem Kind oft genug unterschwellig meinen Unmut darüber zeige, dass es schlecht lernt oder mir seine Freunde nicht passen, wird es sich in der Schule auf den Hosenboden setzen oder sich anderen Umgang suchen? Doch wohl eher nicht.

Ich glaube es ist oft einfach Wunschdenken, dass der andere Elternteil hinter irgendwas steckt und man sieht gern darüber weg, dass die eigenen Kinder besonders bei zerstittenen Eltern gern die Situation für sich ausnutzen. Das das Kind selbst auch manchmal ziemlich gerissen agiert kann man so gern verdecken und das tut keinem gut. Ich meine das z.B. in solchen Fällen, wo Sprößlinge ihre Eltern richtig angehen, beschimpfen oder kein gutes Haar dran lassen. Da kann man doch nicht mehr sagen "alles ok, ich bin Dir nicht böse, wenn du nur trotzdem zu mir kommst".

Ich glaube es geht vieles in die falsche Richtung, wenn man alles immer dem anderen Elternteil in die Schuhe schiebt und die Kinder völlig aus der Verantwortung lässt. Wie schon gesagt, wenn sie wollen können sie sich auch sehr um Beziehungen bemühen, auch gegen den Wunsch der Eltern. Wenn ich dann in einem Thema lese, dass jemand kritisiert wird, weil er seinen Partner mit Kindern aus früherer Beziehung nicht auch noch zum 100sten Mal auffordert noch die andere Wange hin zu halten, dann finde ich, man kann auch mal anders darüber nachdenken.

Gruß
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon röschen » 26. Mai 2011 18:00

Hallo Bolz,

tolles Thema, welches mich schon die komplette Pupertät meiner 17jährigen Tochter begleitet.

In einem gewissen Maße muß ich dir aus der Erfahrung mit meiner Tochter recht geben: Im Teenageralter besteht die Gefahr, dass die Teens dann ganz einfach die Situation ausnützen.
Das ist zu einer meiner größten Schwierigkeiten in ihrer Pupertät geworden.

Ich teile deine Meinung, dass man die Teenager in vieler Hinsicht nicht aus der Verantwortung nehmen sollte. Aber wie sollen sie lernen, wo die Grenzen sind, wenn der eine Erwachsene die Überschreitung zulässt und gar befürwortet? Der Teenager bestärkt wird, gegen gesetzte Grenzen anzukämpfen.

Ich bin selbst auch "Zweitfrau" eines mittlerweile 18jährigen Jungen und weiß, das es auch anders laufen kann. Auch er beschwert sich ab und an über seine Mama, aber er weiß auch, dass wir sehr wohl hinter Entscheidungen seiner Mutter stehen und wenn dann höchstens bereit sind, ihn zu unterstützen mit ihr zu reden, wenn seine Gründe plausibel sind.

Meine Tochter (die seid 15 Jahren bei mir und meinem Mann lebt) allerdings, beeinflusst von ihrem Vater und seiner Frau, glaubt, dass ich ihr nur schlechtes will. Meine Regeln und Entscheidungen Willkür sind. Was denkst du wo das herkommt?
Hier sind Kleinigkeiten schon so oft eskaliert, solange sie Zuflucht bei Papa suchte, wurden diese (für mich) eher schlechter als besser.
Dennoch ist sie immer wieder zurückgekommen, allerdings merke ich an ihrem Verhalten uns gegenüber, dass diese Beeinflussung all die Jahre nicht spurlos an ihr vorbeiging.
Solange sie ihren Willen bekommt, ist alles in Ordnung, aber wehe wenn nicht! Nur Papa nimmt ihr das ja auch immer ab. Das oft Monate zwischen ihren Beschwerden bei ihm liegen, sie sich auch NUR DANN (oder wenn sie was braucht!) bei ihm meldet, merkt er nicht. Er nutzt dann kräftig die Gunst der Stunde mal wieder gegen mich oder meinen Mann zu schüren. So macht er sich beliebt. Das er seiner Großen damit keinen GEfallen tut, merkt er nicht.

Oft schon habe ich im Freundeskreis oder auch hier im Forum zu hören bekommen "sie ist in der Pupertät, das ist normal, das solltest du nicht zu nahe an dich heranlassen,...."
Dennoch erinnere ich mich immer wieder an einen Satz, den ein altes Forumsmitglied hier mal zu meiner Unterstützung schrieb "auch in der Pupertät gilt es eine gewisse Grenze zu wahren" Liebe Igel ( :winken: , wenn du hier überhaupt noch reinschaust), da warst du eine der wenigen Ausnahmen die so dachte, geschweige denn meiner Tochter das mal klarmachte.

Ich habs hier schon oft geschrieben: Meine Tochter hat in ihr "SCheidungskinderdasein" oft schon dazu genutzt ihre Meinung durchzusetzen, im Mittelpunkt zu stehen und und und. Sooo viele Beispiele könnte ich da aufzählen.

Aber soweit erstmal!

liebe Grüße euer röschen
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon röschen » 26. Mai 2011 18:39

Nur noch eine kurze Anmerkung: Ich rede hier tatsächlich nur von Teenagern!

In unserem Fall hat der Vater die ohnehin schwierige Zeit der Pupertät genutzt, sein schlechtes Gewissen zu erleichtern indem er nun "für sie da ist,...immer!" Aber leider nur verbal!
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Muckelmaus » 26. Mai 2011 23:17

Hallo alle miteinander :-)

Na, das ist doch mal ein Thema, bei dem es sich wunderbar diskutieren lässt .....

Ich bin Mama von einer Tochter, die gerade 18 geworden ist, einer Tochter, die bald 16 wird, ich bin Zweitfrau und ich bin geschieden vom Papa meiner Töchter. Hmmm - ich denke mal, ich habe eine fast Rundumsicht *lach*.

Seien wir doch mal ehrlich - alle Kinder, unabhängig davon, ob Scheidungskinder oder nicht, versuchen, ihre Wünsche, Träume, Willen durchzusetzen und Mama und Papa gegeneinander auszuspielen. Das ist - meiner Meinung nach - auch völlig unabhängig vom Alter des Kindes. Der Unterschied ist nur, dass Teenager bewußt versuchen, die Eltern gegeneinander auszuspielen und alle Register ziehen.

Nun kommt dazu, dass Scheidungskinder es oftmals viel leichter haben, ihre Eltern gegeneinander auszuspielen. Zum einen liegt das sicher daran, dass die Eltern keinen regelmässigen, täglichen Kontakt zueinander haben und daher viele Dinge nicht angesprochen werden, es zu keiner gemeinsamen Absprache mehr kommt zwischen den Eltern. Zum anderen spekulieren die Kinder mit dem schlechten Gewissen der Eltern. Immerhin haben sich die Eltern getrennt und damit die heile Welt des Kindes zerstört. Das ist die Wunde, in der unsere Teenager bohren - mit Erfolg. Da wird sich bei Papa ausgeweint, weil Mama ja ach so böse ist und etwas verboten hat. Da ist der Papa plötzlich doof, weil er nicht so reagiert hat, wie der Teenager es gern hätte.

Und was tun wir Eltern?
Anstatt zu reflektieren, in uns zu horchen, nachzufragen, wird dem Teenager bewußt oder unbewußt bestätigt, dass er ja völlig recht habe mit seiner Einschätzung vom anderen Elternteil.
Sicher - die meisten Ehen oder Beziehungen gehen nicht im Guten auseinander und allzu oft steht man auch Jahre später noch im Streit miteinander. Besonders wenn neue Partner ins Spiel kommen, wird noch mal kräftig in der alten, verstaubten Kiste gekramt und jedes Mittel ist recht, um kein Haar am Ex-Partner lassen zu müssen.
Da kommen uns unsere Kinder gerade recht. Bestätigen sie doch mit ihren Beschwerden über Mama/Papa unsere eigenen Gedanken und Gefühle.

Warum setzen wir - gerade unseren Teenagern - nicht die Grenze? Warum sagen wir ihnen nicht, dass sie das Problem mit dem anderen Elternteil allein lösen sollen und wir nur dann einschreiten, wenn es wirklich nicht anders geht? Teenager erwarten doch von uns Erwachsenen, dass wir sie ernst nehmen, sie als erwachsen betrachten. Warum also spiegeln wir das nicht und bleiben dabei im Hintergrund und beobachten? Ist es wirklich so schwer, einem Teenager zu sagen "Es ist schade, dass du ein Problem mit Mama/Papa hast. Hast du schon mal daran gedacht, mit ihr/ihm darüber zu sprechen?" Warum geben wir ihnen nicht klar zu verstehen, dass sie ein Problem haben, aber nicht wir?

Natürlich sehen und spüren unsere Kinder und Teenager, dass wir verletzt, wütend, traurig usw. sind, wenn es um unsere Ex-Partner geht. Aber irgendwann sollten wir Erwachsene doch in der Lage sein, damit unseren Frieden zu machen. Dann geht es auch unseren Kindern besser und wir brauchen uns nicht mehr fragen, wer wen beeinflußt.

Liebe Grüße
Muckel

P. S.
@ röschen - Igel gehts gut. Das darf ich dir sicherlich verraten :)

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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Tamara22 » 27. Mai 2011 06:34

Guten Morgen,

Seien wir doch mal ehrlich - alle Kinder, unabhängig davon, ob Scheidungskinder oder nicht, versuchen, ihre Wünsche, Träume, Willen durchzusetzen und Mama und Papa gegeneinander auszuspielen. Das ist - meiner Meinung nach - auch völlig unabhängig vom Alter des Kindes. Der Unterschied ist nur, dass Teenager bewußt versuchen, die Eltern gegeneinander auszuspielen und alle Register ziehen.



Ähm, ich mag solche Pauschalitäten nicht und ich kann, nur wenn ich mal von mir spreche als Teenager sagen, das war nicht so. Ich hatte andere Probleme, habe versucht es beiden Eltern irgendwie recht zu machen damit es keinem von beiden schlecht geht. Habe meine Bedürfnisse soweit nach hinten geschoben, dass ich zeitweise nicht mal fühlen konnte ob ich welche hatte....das nur mal am Rand.

Gegeneinander ausspielen klingt für mich sehr negativ und das passt dann für mich nicht, denn seine Bedürfnisse wahrzunehmen, für deren Erfüllung etwas zu tun ist wichtig und gesund. Dabei die Grenzen im Blick zu behalten, sich um den/die anderen zu sorgen und deren Bedürfnisse zu achten ist ein Lernprozess, der ein Leben lang dauert. Und an dieser Stelle fehlen manchmal auch die Vorbilder...
Was ich deswegen auch so sehe ist, dass Kinder brauchen, dass ihre Eltern für sich sorgen, schauen, dass es ihnen gut geht und ihre Bedrüfnisse deutlich machen, damit sie von den Kindern auch erkannt werden. Genauso wie die Bedrüfnisse der Kinder in den Blick zu nehmen und nachzuspüren, was es da braucht, denn Kinder haben (vor allem Kleine) oftmals noch einen weitaus kleineren Spielraum zur Erfüllung als Erwachsene...

Meine Kids rebellieren, wenn ich ihre Bedrünisse einfach nicht wahrnehme oder ernstnehme.
Ich bin der Meinung ist muß die Wichtigkeit rBedrüfnisse nicht verstehen, sondern erkennen und annehmen. Über den Weg der Erfüllung läßt sich reden...doch dass sie da sind ist wichtig und gut und verdient meine Be-Achtung in jeder Hinsicht. Und über das wie kann ich dafür etwas tun um sie zu erfüllen lernen Kinder wenn sie den Spielraum dafür kriegen in meinen Augen sehr viel, über sich, das Leben und die anderen.

Lieben Gruß Tami

PS: Noch ergänzend, habe da grade unter der Dusche nachsinniert...ich glaube manche, vielleicht auch viele Scheidungskinder haben so dramatisch erfahren, dass ihre Grundbedürfnisse nach Sicherheit, einem Nest, wahrgenommen und geliebt werden nicht /zeitweise nicht ausreichend erfüllt werden, gefühlt meine ich, nicht unbedingt in der Realität, dass das Erfüllen von Bedürfnissen zum Kampf wird (ums Überleben, ich überspitze mal). Und da ist dann vielleicht auch jedes Mittel recht...
Und ich bin mir sicher, dass viele der Bedrüfnisse, die so banal erscheinen etwas ganz anderes unter dem Herzen tragen und dass da die Kinder selbst noch nicht drankommen, das fällt ja den meisten Erwachsenen noch schwer, zu fühlen was da grade wirklich von Bedeutung ist, wie es innen aussieht und was da fehlt. So denke ich sind viele Bedürfnisse einfach nur Stellvertreter für viel tiefer Gehendes, das vielleicht wert wäre es zu ergründen. Hm...
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Muckelmaus » 27. Mai 2011 17:29

Hallo alle zusammen!

Hmmmm - wenn ich alle Bedürfnisse (und dazu zähle ich auch die Wünsche nach neuem Spielzeug ect.) meiner Kinder beachte und erfülle (egal, welchen Weg ich dafür nehme), wo bleibe dann ich als Mensch?

Wenn ich meinen Fokus nur noch auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder richte, bleibe ich - wenigenstes sehe ich das so - auf der Strecke, weil ich dadurch verlerne, auf mich selbst zu achten und in mich zu horchen.

Mal ein banales Beispiel ...
Für mich ist es wichtig, dass ich abends auch mal Zeit für mich finde und ich mir diese Zeit gestalten kann, wie ich es möchte und es mir gut tut. Daher achte ich darauf, dass mein Söhnchen zu einer bestimmten Uhrzeit im Bett ist und dann auch Ruhe herrscht. Sicherlich findet er das nicht toll und "motzt" öfters mal dagegen an. Aber da setze ich mein Bedürfnis nach "Feierabend" durch, weil ich an mich denke.

Auch wenn ich da sicher viele Menschen finde, die meine Einstellung nicht teilen, so denke ich, dass aus Kindern kleine Tyrannen werden, wenn der Fokus der Eltern nur noch auf den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder liegt.
Und ja, ich bin der Auffassung, dass Kinder bewußt und unbewußt alles tun, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon röschen » 28. Mai 2011 00:16

Liebe Muckel,

diese Zeit für uns Mütter ist auch so wichtig, da teile ich deine Einstellung voll und ganz.

Aber jetzt lass es mich mal in meinem Leben "weiterspinnen", wie man bei uns so schön sagt:

"Wie, die Mama gab dir keine Antwort/hat dir bei deinem Problem nicht geholfen, weil sie jetzt gerade ihre Ruhe haben wollte, ihre Auszeit hatte? Das geht gar nicht. Eine Mama hat immer für ihr Kind da zu sein,...."

Da wird nicht nachgefragt, warum die Mama sich die Pause erbot, ob sie sich eine Auszeit am abend oder am Nachmittag gönnte, Mithilfe oder Unterstützung von einer 17jährigen erwartete. Es wird ohne nachzufragen darüber geurteilt, dass die Mama "keine Zeit" hatte.

Das immer und immer wieder.

Später wird dein kleiner Felix nicht wie wir alle das tun würden, sagen " meine Mama hat sich am abend eine Auszeit gegönnt, so war meine Mama", sondern " meine Mama, unmöglich,... NIE hatte sie Zeit für mich, ...sooo egoistisch, ...wenn ich was von ihr wollte, hat sie mich abgecanncelt.

Wenn andere Erwachsene (über die man gelernt hat, man sollte sie alle ernst nehmen) einem so etwas sagen, wird schon was dran sein. Welches Kind wird sich darüber noch weiter Gedanken machen? Welcher Erwachsene hat nun Recht?

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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Muckelmaus » 28. Mai 2011 01:23

Liebe röschen!

Es ist bei weitem nicht so, dass ich z. B. unsere 15jährige Tochter aus dem Wohnzimmer werfe, wenn der kleine Mann im Bett ist. Hat sie ein Problem oder Sorgen, so bin ich selbstverständlich für sie da und schaue, ob und wie meine Hilfe und Unterstützung nötig ist. Würde ich das nicht tun, käme ich mir als Mama arg schäbig vor.

Ich glaube, dass viele getrennte Eltern über all den Frust, den Ärger, die Traurigkeit usw. vergessen, dass sie gemeinsam Eltern bleiben und auch gemeinsam so handeln sollten.
Nur, weil man nicht mehr miteinander leben kann und/oder will, darf die Elternbasis nicht verloren gehen. Leider sieht das in der Realität viel zu oft ganz anders aus.

Ich spinne mal ein wenig mit dir ,)

Ein Kind, das sich während der Ehe beim Papa, bei der Oma darüber beklagt, die Mama habe ja nie Zeit und würde nie zuhören, bekäme meist sicherlich zu hören "Kind, ich spreche mal mit Mama und höre mal, wie sie das sieht" oder auch "Kind, wir reden mal gemeinsam mit Mama drüber". So haben alle Beteiligten die Chance, sich zu erklären und zu verstehen.
Dann scheitert die Ehe und das Kind beklagt sich bei Papa oder Oma über die Mama und schon heißt es"Boah, die böse Mama. Du armes, armes Kind". Plötzlich kommt niemand mehr auf die Idee, miteinander zu sprechen. Stattdessen wird der Stab über Mama gebrochen und das Kind sieht sich in seiner Wahrnehmung bestätigt. Da ist es ganz normal, dass das Kind auch dorthin tendiert.

Welcher Erwachsene nun recht hat, ist eine gute Frage ...
Papa und Oma sind wütend auf Mama, traurig wegen Mama und denken nicht daran, gemeinsam mit Mama am kindlichen Problem zu arbeiten. Währenddessen wundert sich Mama, dass sich das Kind mehr und mehr von ihr entfernt, da sie ja meist nicht oder erst sehr spät erfährt, dass das Kind sich bei Papa oder Oma beklagt hat. Infolgedessen wird auch Mama kein Gespräch suchen und falls sie es doch tut, erntet sie Vorwürfe. Auf Dauer wird das dazu führen, dass sie aufgibt und ihrerseits ebenfalls keinen Kontakt mehr sucht.

Ich glaube, das Zauberwort heißt Kommunikation ....

Liebe Grüße und Gute Nacht
Muckel

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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon Tamara22 » 28. Mai 2011 07:16

Guten Morgen,

liebe Muckel, ich gebe dir recht in dem alles zu erfüllen kann nicht gut sein. Das meinte ich auch nicht. WÜnsche sind keine Bedürfnisse. Ein Bedürfnis ist das was darunter liegt. Also am Beispiek des Spielzeugs, was er füllt sich für ein Bedürfnis für das Kind damit, dass es dieses Spielzeug bekommt? Und auf welchem Weg kann man diesem Bedürfnis auch noch gerecht werden. Dabei geht es um Gefühle nicht um den Kopf.
Und das heißt im Umkehrschluss auch, lieber Schatz für dich ist jetzt SChlafenszeit und die Mama hat nun auch Pause, ich bin auch müde und möchte mich ausruhen. Bei meinem Kleinen sieht das dann so aus, dass wir nach der Spielzeit noch gemeinsam mit der Großen Gutenachtgeschichten lesen, dann das Bett kuschelig machen, CD an und ich ich höre das erste und zweite Lied mit, dann sagt er schon von sich aus, du kannst jetzt gehen...so sind unser beider Bedrüfnis (seins nach Nähe und Dasein und meins nach Ruhe und Pause) erfüllt.
Ja und es gibt Dinge, die vermeintlich wichtig sind, die aber wegen etwas ganz anderem sich zeigen und meist wenn meine Kids spüren, dass mir wichtig ist wie es ihnen geht und was sie grade brauchen, lösen sich die "unechten" Dinge von ganz allein auf. Meine Große z.B. hatte einen schrecklichen Brüllanfall weil sie etwas nicht zu Ende spielen durfte. Ich hatte das entschieden, weil ich gemerkt habe, dass es für sie zuviel wurde (war ein Computerspiel), sie hat sich sehr über mich geärgert und geweint und geschimpft und ich habe sie gehalten und mit ihr gesprochen, ihr gezeigt (im Spiegel), schau mal du siehst traurig aus, ein Spiel soll doch Spaß machen und nicht traurig, vielleicht war das grade nicht das richtige Spiel. Erst hat sie sich nur gewehrt und dann kam auf einmal, dass sie Angst hatte und ihr "alles zuviel" war (O-ton). So hatte mein Gespür für sie recht und wir haben einen schönen Weg gefunden, den sie auch noch selbst vorgeschlagen hat.
Mir hat mal jemand gesagt "Kinder wissen immer was sie wollen, aber nicht immer was sie brauchen". Und da ist es mein Job auch mal Grenzen zu ziehen, die nicht gefallen, die ich aber verständlich machen kann und die dann auch zum lernen dazugehören. Ich sage das meinen Kids auch so, wenn das der Fall ist. Ich bin die Mama und sorge für dich und das ist mein Job, deswegen habe ich so entschieden denn ich möchte mir sicher sein, dass es dir gut geht. Meine Kids verstehen das, zumindest habe ich das Gefühl. Und wenn ich dann mal Murks baue, schimpfe oder laut werde und ihnen wenn ich wieder unten bin erklären kann, was bei mir war, dann ist das menschlich und wir auch so erlebt und dann sind es die Kids, die plötzlich Verständnis und Einfühlung aufbringen und das ist doch toll...

Was ich eigentlich versuche zu beschreiben ist, dass die kindlichen Bedürfnisse letzlich die Gleichen sind wie die der Eltern und sich das bewußt zu machen hilft mir immer ungemeint. Und ich glaube einfach nicht, dass Kinder so ticken, so berechnend und abschätzig den Eltern gegenüber, wenn sie erkennen, dass die auch nur Bedürfnisse haben, wie sie selbst auch. Ich erlebe es anders und ich habe es als Kind auch so erlebt...

Ich denke auch, dass es an der Kommunikation scheitert und auch am Einfühlen in die anderen.

Interessant wäre, welche Bedürfnisse hinter dem stehen schlecht über den anderen zu sprechen. Was ist da so unerfüllt, dass es sich so zeigt...?
Und welche Wege gäbe es noch um dabei auch die Bedürfnisse der anderen im Blick zu behalten?

Ich glaube verschiedene Bedürfnisse schliessen sich nicht im Bedürfnis selbst aus, sondern nur im Verhalten bei der Erfüllung. Die Handlungen schliessen sich manchmal aus, aber die Bedürfnisse dahinter nicht. Und wenn man auf diesem Weg Kontakt findet, dann erübrigt sich das verhandlen um den Weg, dann findet sich einer glaube ich. Und dann kommt es auch nicht zu so "Fehlinterpretationen" wie, die Mama will ihre Ruhe und hat keine Zeit für mich...

Liebe Grüße an euch und einen schönen Samstag
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Re: Von den Eltern beeinflusst ?

Beitragvon röschen » 30. Mai 2011 17:45

Liebe Muckel,

Kommunikation ist zumindest in unserem Fall nicht mal das Problem. Weißt du, wenn ich mit meinem Ex rede ernte ich immer viel Verständnis, er bietet mir jegliche Form der Hilfe und Unterstützung an. Das wars dann aber auch. Umgesetzt wird das dann leider ganz anders :-(

Die Bedürfnisse, liebe Tamara, sind übrigens bei meinem Ex z.B. schlicht und einfach vom eigenem negativen Verhalten abzulenken. All die Jahre zuvor hatte sie sich ja schlieslich immer wieder über die Vernachlässigung seinerseits und seine Unzuverlässigkeit beklagt. Nun fand er einen Weg sich bei seiner Tochter richtig beliebt und Versäumtes wieder gut zu machen. Da gehts nicht mal unbedingt darum mir das Leben schwerzumachen. Das ist nur das Resultat, welches er allerdings völlig ignoriert.

Ich will aber nochmal das Thema der Beeinflussung ansprechen. Ich kann zumindest bei unseren Kindern, meinem Stiefsohn und meiner Tochter behaupten, dass eine Beeinflussung, sie dürfen Mama oder Papa nicht mehr anrufen, sehen oder sonstiges nicht zum Erfolg geführt hätte.

Dennoch sehe ich gerade bei meiner Tochter ein starke emotionale Beeinflussung. Ihr Auftreten mir und meinem Mann gegenüber ist meist sehr arrogant und überlegen. Dann höre ich solche Dinge wie "der Papa sagt auch, mit dir kann man nicht auskommen.....", oder "ihr seid mir gar nicht würdig, ich bin viel reifer als ihr selbst...." Viele Aussagen, die man ihr zum Trost mit auf den Weg gibt. "Du schaffst das schon, halte durch...."
So gestärkt wird sie dann ja aber allerdings zu uns zurückgeschickt.
Mittlerweile glaube ich eben, dass egal was wir tun und sagen, sie emotional so beeinflusst ist, dass sie innerlich eine regelrechte Ablehnung und Abneigung uns gegenüber plagt.

Liebe Grüße
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