Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Hier wollen wir zusammen nach Lösungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien für Teenager ergeben

Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Muckelmaus » 7. November 2010 10:23

Guten Morgen alle miteinander :)

Dann will ich doch gleich mal die erste Frage in den Raum stellen und Ansa danken, dass sie diese zwei neuen Unterforen geschaffen hat :)

Nun aber mal zu meiner Frage:
Unser Söhnchen geht nun seit Ende August in den Kindergarten.
Diesen Kindergarten haben wir bewußt ausgesucht, weil er nur zwei Gruppen hat, familiär geführt wird und überschaubar ist.

Nach über 2 Monaten Kindergartenbesuch geht er nach wie vor nur 2,5 Stunden täglich. Seine Gruppenleiterin begründet das damit, dass er überfordert sei mit der ganzen Situation und mehr als diese 2,5 Stunden würde er einfach nicht schaffen. Wenn ich ihn abhole und das Wetter ist dementsprechend, ziehen sich die Kinder meist gerade an, um nach draußen zu gehen. Das führt natürlich bei Söhnchen immer zu Tränen, weil er lieber mit den anderen Kindern spielen möchte, als mit mir nach Hause zu gehen.

'Es gab auch bereits (knapp 2 Wochen nach Beginn der Kindergartenzeit) ein Elterngespräch zwischen der Gruppenleiterin, der Kindergartenleiterin und uns Eltern.
Bei diesem Gespräch wurde uns geraten, wir sollten Söhnchen engere Grenzen setzen und ihn konsequenter erziehen. Uns wurde erklärt, wir hätten anscheinend bisher die Grenzen nicht eng genug gesteckt, was nicht verwunderlich sei. Immerhin sei er ein kleiner Nachzügler und da seien die meisten Eltern nachgiebiger.
Lange haben wir Eltern über dieses Gespräch nachgedacht und nachgeforscht, ob wir wirklich zu "locker" mit ihm waren. Wir kamen zu dem Ergebniss, dass wir wohl wirklich in manchen Situationen nicht konsequent genug sind und beschlossen daran zu arbeiten.
Das Ergebnis ist, dass mein Mann nur noch Augen für Söhnchen hat und - nach meinem Empfinden - fast zu streng mit ihm wurde, während ich versuche, dies aufzufangen, was wohl auch nicht Sinn der Sache sein kann und ist.

Auch das Thema Toilettengang kam während des Elterngesprächs auf den Tisch.
Wir erzählten, dass Söhnchen ab Pfingsten in diesem Jahr begann auf die Toilette zu gehen, dies aber nach einigen Wochen von jetzt auf gleich wieder einstellte.
Wir bekamen den Rat, ihn ab sofort ohne Windel in den Kindergarten zu bringen und ihm auch zu Hause und unterwegs keine mehr anzuziehen. Schließlich habe er gezeigt, dass er eigentlich weiß, was zu tun ist und es würde sich um ein reines Machtspiel seinerseits handeln.
Auch darauf haben wir gehört und das Ergebnis ist, dass wir Söhnchen mehrmals am Tag umziehen und ich das Gefühl habe, dass die Waschmaschine sich langsam überfordert fühlt.
Der erfolgreiche Toilettengang klappt nur, wenn wir ihn regelmässig auf die Toilette zwingen und das geht ja oftmals nur mit Tänen von Söhnchen. Wenn er sich aber derart "verweigert", dann kommt auch nichts. Mein Gefühl sagt mir auch, dass das nicht richtig sein kann.

Kurz und gut, alle Ratschläge, die man uns im Kindergarten bisher gab, haben keinerlei Veränderung gebracht.

Dazu kommt, dass wir ALG II beziehen seit dem Arbeitsunfall meines Mannes und die ARGE wenig begeistert davon war, dass Söhnchen bisher nur eine solch kurze Zeit in den Kindergarten geht. Der Kindergarten hat mir sogar schriftlich bescheinigt, dass sich das vorläufig auch nicht ändern wird.

Nun frage ich mich, ob ein Kindergartenwechsel nicht die beste Lösung wäre.
Was meint ihr dazu?

Liebe, grübelnde Grüße
Muckel

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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Tamara22 » 7. November 2010 18:09

Hi Muckel,

habt ihr dem Kindergarten ein Feedback zu euren umgesetzten Erziehungsänderungen gegeben und darüber, dass es scheinbar nicht klappt?
Ich bin der Meinung, dass letzlich die Eltern ihr Kind am besten kennen. Die zeitliche Begrenzung halte ich für übertrieben, denn er wird sich nur dann daran gewöhnen wenn es auch die Möglichkeit gibt. Klar ist er anfangs vielleicht überfordert jede Veränderung für ein Kind birgt auch die Möglichkeit dass es überfordert ist. Ich würde das mal umformulieren, es ist GE-fordert und wird Strategien entwickeln damit umzugehen. Mein Sohn z.B. hat immer einen Vormittagsschlaf gemacht, der im Kindi nicht möglich war, nun legt er sich selbst mittags ins Bett oder auf's Sofa und ruht sich aus. Seine Lösung war recht simpel ohne dass ich dafür etwas tun mußte.

Zum Wechsel, ich selbst habe meine Tochter auch schon aus dem Kindi genommen, nach genau 5 Tagen, weil ich gemerkt habe, dass mir der Umgang dort nicht zusagt. Mal abgesehen davon dass meine Tochter auffällig wurde vertraue ich da auf mein Gefühl. Wenn der Kindergarten nicht in der Lage ist mit euch gemeinsam eine Lösung zu finden, dann ist die Überlegung vielleicht die Richtige.

Du der Einschätzung, dass ihr keine Grenzen setzt, woran sehen sie das??? Das würde mich mal interessieren, denn mein Kids z.B. verhalten sich in der Umgebung des Kindis völlig anders als zu Hause...hm...

Viele Grüße Tami
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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Bolz » 8. November 2010 09:16

Hallo Du,

zu Deiner Sorge mit dem "aufs Klo gehen" fällt mir die Geschichte meines Cousins ein. Der musste als Kiddie auch irgendwann ab sofort aufs Klo gehen, weil er lt. seiner Mutter groß genug war. Das ging so weit, dass er sogar in der Nacht geweckt wurde, damit er nicht ins Bett macht.

Das Ergebnis war, dass er irgendwann 3 Tage im Krankenhaus verbracht hat, weil er so lange eingehalten hat, dass er eine Verstopfung hatte, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Er hatte sich immer stärker geweigert, weil ihn dieses auf den Topf zwingen so geängstigt hatte.

Wie wäre es, wenn Du es mit Stoffwindeln versuchst ? Dann hat er ein nasses Gefühl in der Hose wenn er in die Hose macht und kommt gang von allein darauf, dass er das vermeiden möchte. Vielleicht ist es ihm nur nicht unangenehm genug, denn die neuen Windeln halten so trocken, dass er vielleicht gar nicht merkt, wenn er in die Hose macht ?

Gruß
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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Ansa » 8. November 2010 11:16

Liebe Muckel,

das sind ja gleich einige Probleme, um die es da geht.... ich erlebe es auch oft, das die Jüngsten mehr Freiheiten bekommen, nachsichtiger behandelt werden und weitaus eher über die Grenzen anderer treten dürfen, als die Kiner vorher. Manchmal ist es so, als fehle die Kraft oder aber, so denk ich es mir oft eher, man wird nachsichtiger..... so schlimm ist das ein oder andere gar nicht mehr, wenn man älter wird.

Wenn Ihr diese Kritik überprüft habt und das ein oder andere verändert habt, dann ist das schon sehr sehr viel...... aber bleibt bei Euch und bei dem, was Euch ausmacht.... ihr erzieht Euren Sohn erst einmal für Euch und dann für`s Leben. Überlegt einfach, welche Ziele sind Euch wichtig und, was mir immer geholfen hat, in beinahe jeder Situation, fragt Euch "Was lernt mein Kind (mein Gegenüber - das klappt bei allen Menschen) aus meinem Verhalten". Leider eben nicht immer das, was wir uns erhoffen, sondern oft genug, etwas Anders. Was so leicht klingt, ist ganz schön schwer, denn man muss sich neben sich stellen und sich fragen, "was würde ich lernen, ginge jemand mit mir so um." Klassisches Beispiel, Kind schmeißt sich auf den Boden, weint und schreit, weil es eine Schoki haben will" Mama ist entnervt, alle im Supermarkt schauen sie an, sie erlebt Unwillen bis hin zu garstigen Bemerkungen, ist nass geschwitzt.... und gibt nach. Was lernt nun das Kind? Eben nicht, das Mama ne Ausnahme macht oder lieb ist.... sondern einfach ganz schlicht "wenn ich mich auf den Boden werfe und schreie, dann bekomme ich was ich will!" Beim nächsten Einkauf wird es sich, wenn es klug ist, gleich hinwerfen und schreien......... Und diese Erkenntnis kann man dann auf alle erziehreischen Tätigkeiten oder den Umgang mit Menschen übertragen.

Die Sache mit dem Trockenwerden....... ich gehe ja auch noch in Erziehungstreffen, bei denen oft jüngere Kinder sind, die das zum Thema haben und erlebe dort die wildesten Dinge, von Klingelhosen bis über Abends nichts mehr zu trinken geben bis hin zu statischen Sitzungen auf dem Töpfchen mit beiliegender Bestechung durch Gameboys........ und je mehr Druck oder Zwang die Eltern nutzen, desto mehr bekommen die Kinder Macht und nutzen dies auch aus. Tröstlich dabei ist, am Ende werden sie alle trocken........... ich jedenfalls kenne keinen gesunden 10jährigen, der in die Hosen macht.

Bei Jungs, so sagt man jedoch allgemein, dauert das Trocken werden etwas länger als bei Mädchen.... und, ein Kind kann seine Schließmuskeln erst vollständig beherrschen wenn es etwa 3 Jahre alt ist. Es gibt frühere und spätere.... ist wie beim Krabbeln.... manche krabbel mit 6 Monaten andere erst mit 8 oder so...... Nichts zum Verzweifeln, solange IHR damit klar kommt. Was die Außenwelt meint, vergiß es...... Gebt Euch Zeit und Ruhe, das wird von allein und dann meist von jetzt auf gleich über Nacht.

Wenn Ihr aktiv helfen wollt, es gibt doch diese Höschen von Pampers oder so, die man runter ziehen kann..... das erleichtert Übergänge, weil sie keine richtigen Windeln mehr sind. Kein Schimpfen, keine Enttäuschung, sondern vielleicht die Aussage "Wenn Du willst, dann schaffst Du das, ich glaub an Dich." Ich hab meine damals auch gefragt, wenn wir ausgegangen sind, "möchteste Du so gehen oder lieber mit Trockenhöschen" und sie haben das immer geschafft.

Und dann kommen wir zum KiGa, ich denke, ein Wechsel könnte hilfreich sein..... wenn es nicht passt, wird es auch nicht besser, wenn das Vertrauen hin ist.

Liebe Grüße an Dich und Euch
Ansa

P.S. Es tut mir leid, das es durch den Unfall Deines Liebsten so gekommen ist und wünsche Euch alles Liebe und Gute dafür, das es auch wieder aufwärts geht. Ganz fest.
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Muckelmaus » 8. November 2010 13:24

Hallo alle miteinander :)

Danke für eure Antworten. Sie helfen mir schon weiter ....

Ja, wir sind sicher nachsichtiger mit Söhnchen, als wir es mit den Mädels waren. Unsere Sicht der Dinge hat sich in vielem verändert und wir sind gelassener und ruhiger. Wir wissen, dass wir nicht alles zu 100% richtig machen können.

Zum Thema Toilette:
Die Windelhöschen trägt er schon länger und er findet sie toll. Mir scheint, er fühlt sich damit "erwachsener", wenn ihr wißt, was ich meine ,)
Druck üben wir eigentlich keinen auf ihn aus, auch wenn das ständige Umziehen schon manchmal nervt. Gehts daneben, dann ist es eben so und wird kommentarlos hingenommen.
Auch die Idee, ihn mal in einer nassen Hose zu lassen, hatten wir schon. Aber das interessiert ihn herzlich wenig. Er ist mit, für ihn, wichtigeren Dingen beschäftigt und Umziehen stört da nur. So ist wohl seine Sicht der Dinge.

Dazu kommt für mich aber noch etwas ganz anderes.
Es ist ja nun nichts neues mehr, dass Kinder sich immer nur auf eine Sache richtig konzentrieren können - laufen oder sprechen lernen z. B.
Bei Söhnchen ist es nun so, dass er in seiner sprachlichen Entwicklung verzögert ist und nun erst so richtig anfängt, zu sprechen. Dank logopädischer Behandlung, um die ich schwer habe kämpfen müssen, geht es da auch gut voran.
Wenn er also mit dem Sprechen beschäftigt ist, wie soll er sich dann auf andere Dinge, wie den Gang zur Toilette, konzentrieren?

Ich hatte heute früh ein Gespräch mit seiner Gruppenleiterin.
Sie fragte mich, ob ich in absehbarer Zeit denn wieder arbeiten gehen wolle, was ich bejaht habe und habe ihr gleichzeitig gesagt, dass ich ab übernächste Woche für einen Monat ein Seminar besuchen werde. Daraufhin meinte sie, wir sollten dann mal gucken, dass Söhnchen langsam an längere Zeiten gewöhnt werden solle, schließlich würden wir ja mehr als nur 2,5 Stunden pro Tag zahlen.
Ich habe ihr auch gesagt, dass die Ratschläge, die sie mir gab bisher alle nicht so gewirkt hätten, wie gedacht. Sie meinte, solche Dinge brauchen halt ihre Zeit und ich solle geduldig bleiben und abwarten.

@ Tami
Woran sieht der Kindergarten, dass wir keine bzw. zu wenige Grenzen setzen?
Ich denke mal, sie sehen das daran, dass er im Kindergarten unschlüssig ist, wie er sich beschäftigen soll. Er nimmt z. B. ein Puzzle aus dem Regal, sieht in dem Moment etwas anders, lässt das Puzzle liegen und wendet sich dem nächsten zu. Wenn er dann aufgefordert wird, zunächst das Puzzle wieder ins Regal zu legen, verweigert er sich und ist nur mit Anleitung dazu bereit. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Aber an solchen und ähnlichen Dingen machen sie das fest.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Tamara22 » 8. November 2010 15:24

Liebe Muckel,

ich kann dich so gut verstehen und ich finde den Druck den Eltern manchmal bekommen enorm, alles muß in geregelten Bahnen verlaufen, Struktur haben und kontrolliert werden, ansonsten ist es nicht die Norm und muß angpasst werden. Das überspitze ich jetzt absichtlich. Ein Kind ist keine Maschine muß nicht funktionieren und geht in der Regel auch nicht kaputt. Ich bin grade auch in so einem Elternkurs und alle 12 haben gesagt, sie wünschen es sich anders, wollen dass es besser läuft, weniger so wie es ist...etc. Ist das nicht erschreckend. Nicht einer hat gesagt, es ist gut so, ich möchte diesen Kurs für mich machen um Wahlmöglichkeiten und Ideen zu bekommen. Nein es muß mit aller Macht verändert und angepasst werden. Mein Sohn nimmt auch Dinge und legt sie nicht weg, er sucht noch nach dem was ihn interssiert und was er sich nicht von der großen Schwester abgeschaut hat, weil sie es gut findet. Er braucht auch Anleitung und Ideen, die er ablehnen kann oder annehmen oder keins davon. Wenn ich ihn frage warum er schreit, schimpft oder traurig ist, sagt er meist "ich eiß es nich". Und das ist eben das kindliche das noch nicht fertige und das Besondere.
Ich hatte mir ihm eine schwere Eingewöhung, weil es nicht nach Schema laufen konnte, aber sie haben sich ihm angepasst und zu keinen Zeitpunkt gesagt da müßte ich was ändern oder das Kind. Das Kind erlebt seine Welt ganz, ist überfordert von allen Möglichkeiten und kann noch nicht so schnell entscheiden wie es etwas findet...und daran ist nicht die Erziehung Schuld sondern die Bewertung, dass das nicht in Ordnung ist macht es so schwer.
...So bevor ich zuviel philosophiere, ich habe nämlich grade denn"flow" *g*...halt dich an dein Bauchgefühl und schau dein Kind an , was da passt und sich richtige anfühlt.

Lieben gruß Tami
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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Muckelmaus » 8. November 2010 23:10

Hallo Tami und natürlich alle anderen :)

Ja - ich fühle mich unter Druck.
Bisher war ich fest davon überzeugt, ein ganz normal entwickeltes Kind zu haben, von seiner sprachlichen Entwicklung mal abgesehen. Nichts deutete für mich darauf hin, dass er "aus dem Rahmen fällt", um es mal so auszudrücken.

Nun stehe ich da, schaue mein Kind an und frage mich, wo ist er "anders". Mir fällt da nämlich nichts auf. Er ist lebhaft, neugierig auf die Welt, lacht viel und gern, verschmust, aufbrausend - kurz, ein ganz normaler kleiner Kerl.
Dann kommt er in den Kindergarten und plötzlich ist alles anders. Er sei überfordert, hielte sich nicht an Regeln, er braucht engere Grenzen, eine "festere" Hand, die ihn führt (nicht im Sinne von Schlägen zu verstehen).

Ich gebe zu, er reagiert in vielen Dingen anders, als ich von den Mädels her kenne und in vielen Dingen muss ich anders agieren. Aber ist er deshalb nicht der Norm entsprechend? Ja, er fordert mich anders, als es die Mädels im selben Alter taten, aber das ist für mich nicht ungewöhnlich.

Im Moment habe ich einfach das Gefühl nicht wirklich auf mich selbst und mein Bauchgefühl hören zu können, weil ich nicht sehen kann, was richtig und was falsch ist.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Tamara22 » 9. November 2010 15:41

Liebe Muckel,
dein Bauchgefühl macht diese Unterscheidung nicht zwischen richtig und falsch. Deswegen weißt du es auch nicht. Dein Wissen ist im Kopf, dein Bauchgefühl, naja eben nicht dort oben.
Es geht nicht drum was richtig oder falsch ist und darum das zu wissen, sondern um ein hinschauen und wahrnehmen.
Verunsicherung findet im Kopf statt, dann fängst du an zu überlegen, versuchst zu verstehen, willst Lösungen haben.
Was fühlst du, wenn du dir diesen kleinen Kerl ansiehst, das ist die Frage. Jeden Menschen den du fragst, der deinen Sohn sieht wird etwas anderes sagen. Und wieder geht es darum was du fühlst, die Verbidung zwischen dir und deinem Kind ist stark und auf die kannst du dich verlassen. Schubladen voll Problemsammlungen, Kategorien und Normalitäten haben immer noch nichts mit deinem Kind zu tun. Sei mutig, ich möchte dich dazu so gern ermutigen...
Richtig und Falsch sind keine Möglichkeiten sondern schränken ein, möglicherweise ist beiden wahr, vielleicht auch nicht und wenn , was würde es ändern an deinem Kind?
Es bleibt dein Sohn. Wie bei einem Prisma, kennst du die, je nachdem wie man es dreht oder hineinschaut es verändert sich das Bild, aber das was du dir damit anschaust bleibt gleich...Genieß diese Facetten, das was immer wieder neu auftaucht und was auch deinen Blick immer wieder neu auf dein Kind fallen läßt...und sei mutig auf richtig oder falsch zu verzeichten, normal oder unnormal...es ermöglicht nichts...
Lieben Gruß Tami
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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon röschen » 9. November 2010 16:39

Liebe Muckel,

genau wie du, habe ich festgestellt, daß viele Dinge bei meinem Kleinen (mittlerweile ist er 10) anders liefen, als bei meiner Tochter.

Mal abgesehen davon, das diese wesentlich früher trocken war, als mein Kleiner (er hat es mit dem ein oder anderen Mißgeschick gerade mal kurz vor der Kindergartenzeit hingekriegt), war ihre Zeit im Kindergarten viel unproblematischer.

Dennoch solltest du an deinem Jungen nicht zweifeln oder dich verunsichern lassen.
Im letzten Kindergartenjahr, also kurz vor den Einschulungsempfehlungen, hatte mich die (neue) Erzieherin meines Sohnes auf die Seite genommen, um mich darauf hinzuweisen, daß ich abklären lassen sollte, ob er nicht eventuell hyperaktiv sei :oah:
Ich war völlig perplex - mein Kind, daß zuhause stundenlang saß und mit Hingabe seine Vorschulbücher ausfüllte? Dessen Entwicklung und Wissen wenige Tage zuvor der Kinderarzt bei der Vorsorgeuntersuchung noch in höchsten Tönen gelobt hatte?
Mir ging es wie dir - ich war erstmal völlig verunsichert. Ob ich als liebende Mutter da etwas übersehe? Ob sich mein Umfeld bisher bloß noch nicht traute mich darauf hinzuweisen, denn man beurteilte meinen Sohn eher als schüchtern und zurückhaltend?

Auch ich habe damals über einen Kindergartenwechsel nachgedacht, einfach weil ich mich über die Art und Weise der Erzieherin ein solch gravierendes Urteil über meinen Sohn zu fällen und mir dieses mal eben zwischen Tür und Angel an den Kopf zu schmeißen, sehr geärgert habe.
Meinem Kind zuliebe habe ich es nicht getan. Es war sein letztes Jahr und er hatte all seine Freunde dort.

Wenige Wochen später hat sich die Dame bei mir entschuldigt. "Sie hätte völlig falsch gelegen". Einer seiner Freunde sei nun schon seit einigen Tagen krank und meiner plötzlich sooo ein Lieber und ruhiger Junge. Er ließe sich wohl einfach nur zu schnell mitreißen beim Unfugmachen. Das sollte ich im Auge haben.

Im übrigen kann ich dir bis ins jetzige Alter meiner Beiden, Unterschiede über Jungen und Mädchen aufzählen. Allerdings nicht nur in ihrer Entwicklung oder ihrer Persönlichkeit, sondern auch wie das Umfeld (KIGa, Schule) mit ihnen umgeht. :/:

Soweit erstmal liebe Grüße
röschen
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Re: Kindergartenwechsel, ja oder nein?

Beitragvon Muckelmaus » 9. November 2010 18:31

Hallo alle zusammen :)

Noch mal ein Danke für eure Gedanken. Sie helfen mir, mich zu reflektieren.

Wenn ich mein Söhnchen anschaue, sehe ich ein ganz normales, lebhaftes, neugieriges, 3jähriges Menschenkind, das nichts weiter möchte, als die Welt entdecken. Das ist es auch, was mir mein Bauchgefühl sagt und eigentlich halte ich viel von meinem Bauchgefühl, weil es mich eigentlich noch nie getäuscht hat.
Wenn ich nur daran denke, was ich habe kämpfen müssen, um eine logopädische Behandlung für ihn zu bekommen, weil ich einfach gefühlt habe, da stimmt was nicht und ich hatte recht damit.
Aber im Moment scheint es mir so, als habe ich kein Bauchgefühl - als würde das Gefühl schweigen und stattdessen findet alles im Kopf statt.
Ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht, warum ich so verwirrt bin und erkenne mich selbst kaum wieder.

Ich sehe auch den Unterschied zwischen Kindergarten und hier daheim. Hier daheim ist er allein mit uns Großen (seine Schwester eingeschlossen). Er bekommt hier jede Menge Aufmerksamkeit und Zuwendung.
Im Kindergarten ist er eines von 24 Kindern. Da ist es nur logisch, dass er nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen kann und das muss er erst mal begreifen und lernen.

Liebe Grüße
Muckel

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