Wie richtig reagieren?

Hier wollen wir zusammen nach Lösungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien für Teenager ergeben

Wie richtig reagieren?

Beitragvon Muckelmaus » 27. Februar 2011 14:25

Hallo alle miteinander :)

Heute wende ich mich mit einem Problem an euch, dass ich nun schon seit einer kleinen Weile mit mir herum trage und ich komme zu keinem Ergebnis, wie ich mich verhalten soll ....

Einige von euch wissen ja, dass meine Älteste vor ca. 9 Monaten zu ihrem Vater gezogen ist. Seit dem sehen und hören wir uns eher sporadisch.
Mittlerweile hat sie ihren 18. Geburtstag gefeiert und fühlt sich nun erwachsen.

Im Sommer beendete sie die Realschule und auf ihren großen Wunsch hin besucht sie nun ein Berufskolleg, welches sie sich selbst ausgesucht hat. Grund, warum es unbedingt dieses spezielle Berufskolleg sein musste, war sicher u. a. die Tatsache, das sowohl meine Ex-Schwiegermutter, als auch ich diese Schule schon besucht haben. Anscheinend wollte mein Töchterlein eine Art Familientradition fortsetzen ,)

Nun ja - im Januar verstarb mein Ex-Schwiegervater und für uns alle - auch für mich - war es ein trauriger Verlust. Viele Tränen sind geflossen und fließen auch jetzt immer noch.
Eine Woche nach der Beisetzung rief mich mein Exmann an und meinte, er müsse mir etwas sagen, aber ich solle mich erst einmal hinsetzen.
Er erzählte mir, dass unsere Tochter am Tage nach der Beisetzung auf dem Weg zur Schule sexuell belästigt worden sei und seit dem nicht mehr in der Schule war. Sie habe Angst vor dem Schulweg und es würde auch nicht helfen, wenn er sie zur Schule fahren würde. Sie hätte nicht den Mut, aus dem Auto auszusteigen und würde voller Angst und Panik im Auto sitzen.
Ich dachte zuerst, er erzählt mir ein schlechtes Märchen. Mein nächster Gedanke war, dass sie nur einen Grund suchte, nicht zur Schule zu gehen und nicht schon wieder eine Krankheit "vorschieben" wollte. Ich muss dazu sagen, dass unsere Tochter auf dem Halbjahreszeugnis 270!!!! entschuldigte Fehlstunden vorzuweisen hat.
Mein Exmann war auch mit ihr bei der Polizei und man hat eine Anzeige aufgegeben, die Staatsanwaltschaft ist auch schon involviert. Auch psychologisch wird alles getan, um ihr zu helfen.
Von Anfang an erschien mir die ganze Sache nicht stimmig und es ist und war nur mein Bauchgefühl, das mir sagt, da steckt irgendetwas anderes dahinter und die ganze Geschichte hat niemals so stattgefunden, wie sie sie erzählt.
Mit meinem Exmann kann ich darüber nicht reden, da er ihr zu 100 % glaubt und meine Bedenken rundweg ablehnt. Er sagte mir, eine solche Panik könne man nicht spielen. Das sei alles richtig und glaubhaft.
Trotz allem lässt mich dieses Gefühl einfach nicht los. Ich weiß nicht genau was es ist, aber irgendwas stimmt nicht ....

Letzte Woche Freitag war mein Exmann auf Geschäftsreise und unsere Tochter fragte mich, ob ich die Zeit hätte, mit ihr zur Schule zu gehen. Ich habe sie begleitet und je näher wir der Schule kamen, um so langsamer wurde sie. Aber von echter Panik oder Angst konnte ich nichts feststellen. Mir erschien das aufgesetzt und als ich ihr irgendwann vorschlug, den Heimweg anzutreten, merkte man ihr die Erleichterung förmlich an.

Nun stehe ich also da und überlege, wie ich reagieren soll.
Stimmt die Geschichte und ich glaube ihr nicht, dann habe ich zurecht ihr Vertrauen verloren.
Stimmt die Geschichte aber nicht und wir reißen uns hier alle die Beine aus, um ihr zu helfen und irgendwann kommt die Wahrheit heraus ... keine Ahnung, wie ich darauf angemessen reagieren soll.
Je länger ich darüber nachdenke, desto wahrscheinlicher klingt es für mich, dass sie im Laufe der letzten Monate merkte, dass diese Schule nicht das ist, was sie sich vorgestellt hat. Aber anstatt das frei und offen zu sagen, kommt sie mit einer solchen Geschichte.

Wie gesagt, weder mit ihr selbst, noch mit meinem Exmann kann ich darüber reden und ich weiß nicht, was ich tun soll.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Tamara22 » 27. Februar 2011 16:09

Liebe Muckel,

das ist eine ganz schön heftige Situation, die du da schilderst.
Ich schicke dir mal meine Ideen dazu...

Ein erster Schritt, den ich gehen würde wäre die Entscheidung wegzulassen stimmt die Geschichte oder stimmt sie nicht.
Viel wichtiger als das ist, dass es anscheinend in deiner Tochter Gefühle gibt, die schwerwiegend sind und die es zu verstehen gilt.
Wenn du diesen Verdacht hast, dann versucht ihm momentan nicht nachzugehen, sondern versuch deiner Tochter zu vermitteln, dass du ihre
Gefühle verstehen willst, die der Weg zur Schule auslöst, wie sich die Schule für sie anfühlt, wie es ihr sonst geht...etc. Sie kam ja zu dir und sucht meiner Ansicht nach einem Zuhörer. Mach ihr das Geschenk nicht zu werten, sondern sich für ihre Gefühle zu interessieren. Dabei geht es auch nicht darum was passiert oder nicht passiert ist, für den Fall, dass es so war hat dein Exmann ja schon alles nötige in die Wege geleitet. Sondern es geht darum, was jetzt bei ihr ist und auch was in der Vergangenheit in ihr passiert ist und sicher auch um den Tod ihres Opas, für den sie so denke ich noch wege der Trauer braucht und vielleicht auch Gesprächsangebote.
Traumen, egal wie sie ausgelöst werden sind nicht das Ereignis im Aussen, sondern finden IM Menschen statt. Nun braucht sie einen Weg, diese Energie (vielleicht Angst genannt oder Panik) nach Aussen zu transportieren, damit sie schwächer werden kann. Damit das Trauma in ihr heilen kann.
Verstehst du worauf ich hinaus will?

Liebe Grüße sendet dir
Tami
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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Muckelmaus » 27. Februar 2011 20:24

Hallo Tami!

Vielen Dank für deine rasche Antwort.

Ja, ich würde gern verstehen, was in ihr vorgeht und wie sie sich fühlt. Aber ich komme nicht nah genug an sie heran. Hierher kommt sie momentan nur sehr selten, Einladungen schlägt sie aus und ich bin im Moment derart eingespannt, dass ich kaum Zeit finde, zu ihr zu fahren.
Solche Dinge am Telefon zu vermitteln finde ich schwierig.

Aber ich verstehe, auf was du hinaus willst ....

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Tamara22 » 27. Februar 2011 20:41

Liebe Muckel,
ich kann verstehen, dass das für dich sehr schwer ist auf diese Weise Kontakt zu bekommen. Wie wäre es wenn du ihr einen Brief schreibst? Dann kann sie sich in Ruhe damit beschäftigen, sehen, dass dir an ihr liegt, du ihre Gefühle verstehen willst...
Es ist schwer, wenn der Kontakt an sich so schwierig ist, aber und das finde ich sehr positiv, sie teil es euch ja mit, deinem Ex und auch dich holt sie sich zur Hilfe...sie hat also das Gefühl, dass das möglich ist. Und wieder mag ich erinnern, es geht nicht um das wie, sondern dass es so ist. Den Wert eines jeden Kontakts bestimmt jeder für sich. D.h. in meinen Augen schon das kleinste Zeichen kann bahnbrechend sein, kann erreichen, berühren, ankommen. Vertrau darauf, dass ihr eine Verbindung habt, und vergiss die Bewertung darüber wie diese aussieht...sie ist da.
Ich mag dir wirklich Mut machen, weil ich soviel Potential sehe und ich mag dir sagen, dass du hier begleitet und verstanden wirst.
Liebe Grüße
Tami
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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Muckelmaus » 3. März 2011 07:49

Liebe Tami!

Bitte entschuldige, dass ich erst heute antworte. Aber mir fehlte einfach die Zeit.

Ich möchte dir DANKE sagen für deine lieben und aufmunternden Worte. Ich habe länger überlegt, ob ich mich mit dieser Geschiche ans Forum und damit ja auch an die Öffentlichkeit wenden soll, weil ich weiß, dass meine Tochter mir "den Kopf abreißen" würde, wenn sie das lesen würde.

Ich habe ihr immer wieder und wieder gesagt, dass ich für sie da bin, dass ich sie unterstützte, so gut ich kann.
Ein Brief wäre da vielleicht ein Option, da ich mich meist schriftlich besser ausdrücken kann, als wenn ich rede. Vielleicht hilft ihr das zu sehen, dass ich mir wirklich Gedanken und auch Sorgen um sie mache.
Mein Exmann hat mich ja auch erst über eine Woche nach dem Vorfall in Kenntniss gesetzt. Er sagte mir, unsere Tochter habe bis dahin nicht gewollt, dass ich davon erfahre. Auch ihm selbst hat sie es erst eine Woche später erzählt, weil er durch einen Zufall erfahren hat, dass sie diese eine Woche unentschuldigt und ohne jede Begründung nicht in der Schule war. Darauf hat er sie angesprochen und sie rückte mit der Sprache raus.

Seit ich sie an jenem Freitag zur Schule begleitet habe, habe ich nichs mehr von ihr gehört oder gesehen. Mein Mittelchen erzählte mir am Sonntag nur, dass sie nicht wisse, ob ihre Schwester mitterlweile wieder zur Schule ginge. Aber sie sei jetzt in psychologischer Behandlung.

Ich hoffe sehr, dass der Psychologe/die Psychologin (du siehst, selbst das weiß ich nicht), ihr helfen kann und herausfindet, wo die Probleme liegen, egal welcher Art sie sind.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon rita » 3. März 2011 16:28

Hallo Muckel,
das Verhalten Deiner Tochter kommt mir ja sooooo bekannt vor....

DEN unltimativen Tip kann ich Dir aber auch nicht geben, nur soviel:

Meine Tochter ist mit 14,5 Jahren zu ihrem Vater gezogen. Nachdem auch sehr lange Pausen zwischen unseren Treffen waren und wir uns nun, wo sie auch 18 geworden ist, etwas besser verstehen, kann ich sagen, dass sie sich mir nur dann anvertraut, wenn sie mit ihrem Vater Zoff hat. Dann sind wir uns komischerweise sehr nah und sie nimmt meine Ratschläge an und ist sehr offen dafür. Ansonsten interessiere ich sie nicht wirklich.....liegt aber sicherlich auch am Alter und ich lasse sie. Sie weiß aber und hat das auch schriftlich, dass die immer zu mir kommen kann, wenn etwas ist.

Dein Exmann hat die Polizei eingeschaltet. Weißt Du zufällig, ob die dort gemachte Aussage reicht oder ob sie noch einmal bei der Kripo eine Aussage machen muss ?
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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Muckelmaus » 10. März 2011 08:12

Guten Morgen alle miteinander!

@ Rita
Danke für deine Zeilen. Es tut gut zu sehen, dass man nicht allein ist.

Soweit ich weiß, wurde sie von der Polizei gleich zur Kripo geschickt und dort hat man ihre Aussage ebenfalls aufgenommen.

@ Tami
Ich habe mir deine Worte lange durch den Kopf gehen lassen und habe versucht, auszublenden, ob diese Tat nun wirklich so passiert ist oder nicht. Es will mir nicht gelingen. Ständig rasselt durch mein Hirn der Gedanke, wie ungeheuerlich in meinen Augen ein solcher Vorwurf ist, sollte sich die Geschichte so nicht zugetragen haben.
Auch habe ich es nicht geschafft, ihr einen Brief zu schreiben, weil mir einfach die richtigen Worte fehlen und ich daher Angst habe, dass der Brief dann nicht das ausdrückt, was ich ausdrücken möchte.

Neuen Nährboden für meine Lügen-Vermutung bekam ich erst gestern wieder und es war wieder mein Exmann, der sich aus allem heraus hielt, als ginge ihn das gar nichts an.

Unsere Große hatte unserem Mittelchen zu Weihnachten einen Gutschein für einen neuen Wellensittich geschenkt, weil ihrer kurz vorher gestorben war. Da unser Mittelchen aber zwei Wellensittiche besitzt bzw. besaß, war der noch lebende Wellensittich untröstlich und so beschloß unser Mittelchen, den neuen Wellensittich zunächst auf eigene Kosten zu holen. Mit ihrer Schwester war abgesprochen, dass sie das Geld von ihr dann bekäme.
Wieder und wieder wurde unsere Große an das Geld erinnert und wieder und wieder hieß es, sie habe es grad nicht dabei, sie habe es vergessen oder oder oder.
Als ich gestern nach Hause komme, finde ich ein hochgradig erbostetes Mittelchen vor, die mich mit den Worten "Meine Schwester ist ne blöde Schlampe" begrüßt. Ihrer Schwester hätte angerufen, nach mir gefragt und bei der Gelegenheit habe sie mal nach dem Geld gefragt. Daraufhin habe ihre Schwester ihr gesagt, dass sie das Geld schon längst habe. Ich weiß aber nun mal, dass dem definitiv so nicht ist.
Ich rief unsere Älteste an und fragte, was sie denn gewollt hätte. Sie meinte, sie brauche eine Unterschrift von mir und käme mal vorbei. Ja, hab ich gesagt, das kannst du machen und bei der Gelegenheit kannst du ja das Geld für deine Schwester mitbringen. Sie flippte total aus, nannnte ihre Schwester eine Lügnerin und ebenfalls eine Schlampe und behauptete, das Geld bei ihrem letzten Besuch hier, ihrer Schwester gegeben zu haben. Dem kann aber gar nicht so sein, da unser Mittelchen bei diesem letzten Besuch überhaupt nicht daheim war. Na ja - sie knallte den Höhrer mit den Worten "Mama, du kannst mich mal" auf die Gabel und kam nicht.
Dafür kam abends überraschend mein Exmann vorbei und holte sich die gewünschte Unterschrift. Anschließend drückte er unserem Mittelchen das Geld in die Hand und meinte, er wisse nicht, wer von beiden lügen würde und eigentlich sei ihm das auch egal. Er würde ihr das Geld jetzt geben und diejenige von beiden, die ihn jetzt verar.... (Zitat) habe, werde das schon wissen. Auch mein Einwand, dass ich definitiv wisse, dass unser Mittelchen die Wahrheit sage, interessierte ihn nicht.
Irgendwie scheint es mir, als habe er "Angst" sich gegen unsere Älteste zu stellen. Jedenfalls war ein Reden mit ihm nicht möglich.

Traurige Grüße
Muckel

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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon MarliJo » 11. März 2011 00:08

Liebe Muckel,

wenn ich mich richtig erinnere (korrigiere mich bitte, falls es nicht so ist), dann hattest du vor etwa einem Jahr hier einen Thread über Probleme mit deiner Großen, bei denen es ebenfalls um Schulverweigerung ging und um die "Ausflüchte" deiner Großen, die sie vorgab, oder ?
Mein Empfinden ist es, bei dem was du damals und heute geschrieben hast, dass es sich um die gleichen Gefühle und Befindlichkeiten bei deiner Tochter handelt, die zu den gleichen problematischen Verhaltensweisen führen. Und ich habe das Gefühl, dass es irgendetwas gibt, mit dem deine Tochter nicht fertig wird, sich nicht verstanden oder gesehen fühlt.
Ich habe vor einiger Zeit einen interessanten Artikel über das Lügen bei Kindern gelesen. Kriege das nicht mehr alles zusammen, aber es gab zum Beispiel sinngemäß die (etwas abstakte) Aussage, dass Kinder lügen "müssen", um sich selbst ihr eigenes Bild von der Wahrheit machen zu können. Aber es gab für mich auch nachvollziehbarere Aussagen,..das Kinder lügen, weil sie Angst haben vor Bestrafung, davor, als Versager dazustehen und Mißerfolge zuzugeben, um Aufmerksamkeit zu bekommen oder aber das Gegenteil "ihre Ruhe", weil sie sich selbst schützen wollen. Lüge geschieht daher aus einer Notlage heraus (mehr oder weniger groß) und soll Stärke zeigen, wo eigentlich Schwäche herrscht und ist damit ein Zeichen, dass Vertrauen fehlt in sich selbst - aber ausgehend vom Mißtrauen der Eltern oder anderer Bezugspersonen.
Wenn es so ist ( und ich kann diesen Ansichten einiges abgewinnen), dann ist es wohl so, dass die Lüge Mittel ist, um das Vertrauen auszutesten und ich denke mir, dass es schwierig ist, dass KInder und Eltern da eine gesunde Balance hinbekommen. Wie schnell ist das Urteil gefällt >wer einmal lügt, dem glaubt man nicht< und wie schwer mag es für auffachsende Kinder sein, das Gegenteil zu beweisen, wenn sich erst einmal solch ein Mißtrauensklima entwickelt hat ?
Ich weiß nicht, ob du etwas hiervon "gebrauchen" kannst, liebe Muckel ? Vielleicht kann es etwas helfen, den treibenden Kräften bei deiner Tochter auf die Spur zu kommen, sie weniger zu BEurteilen, sondern wahrzunehmen.

Zur aktuellen Sache mit dem Geld vor den Vogel möchte ich sagen, dass ich es zwar verständlich finde, dass dein Mittelchen und du euch über die Große ärgert, aber ich es aus Sicht deiner Großen nachvollziehen kann, dass sie das Gespräch mit dir abbricht, wenn sie "wieder Mal" an ihr Unvermögen erinnert wird - ob die Große gelogen hat oder nicht ist dabei gleich... es war für ihr Empfinden auf jeden Fall Salz in die Wunde zu falschen Zeit, denke ich. Und Muckel,...es ist eine Sache zwischen deinen beiden Töchtern. SIE hätten es selbst regeln müssen, meiner Meinung.
Die Reaktion und Aussage deines Ex-Mannes finde ich in dieser Lage (in der es kein Vor und Zurück gab), gar nicht so unangebracht. Er hat vielleicht bezahlt um das Thema endllich abzuharken und Ruhe zu haben, aber er hat mit seiner Aussage deutlich gemacht >einer von euch muß es selbst vor seinem Gewissen rechtfertigen, nicht die Wahrheit gesagt zu haben<.
So oder ähnlich konnte auch mein Vater sein...und glaube mir, Muckel, er hat damit bei uns Kindern durchaus Eindruck hinterlassen und vielleicht mehr zum Nachdenken angeregt, als es manchmal meine Mutter mit ihren Eingebungen vermochte ! EInfach weil er "insgeheim" an die Eigenverantwortlichkeit mit allen spürbaren Konsequenzen apelliert hat und ich glaube auch, ein wenig daran geglaubt hat, das seine Kinder das selbst erfahren und erlernen sollten.

Liebe Grüße
MarliJo
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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Muckelmaus » 11. März 2011 15:53

Lieber MarliJo!

Ich habe nun eine Weile über deine Zeilen nachgedacht und möchte zunächst mal DANKE sagen.

So sehr ich deine Worte verstehe und nachvollziehen kann, so wenig kann ich sie auf uns hier umsetzen. Vielleicht liegt es daran, dass mir von klein auf beigebracht wurde, dass es nichts gibt, was eine Lüge rechtfertigt und dass der Ärger für einen ertappten Lügner um ein vielfaches größer werden kann, als der Ärger den es gegeben hätte, wenn man von Anfang die Wahrheit gesagt hätte.
So sehr ich es auch versuche, aber mit Lügen kann ich nicht umgehen.
Ich habe immer versucht, meinen Kindern zu vermitteln, dass sie mir vertrauen können, dass ich für sie da bin, ihnen zuhöre, dass wir gemeinsam einen Weg und eine Lösung finden. Aber ich habe ihnen immer gesagt, sie sollen mich nicht belügen. Natürlich werde ich jetzt nicht behaupten, dass sie es nie getan hätten. Das wäre von meiner Seite aus gelogen. Aber ich weiß, wie enttäuscht ich jedes Mal war und wie weh es mir tat.

Diese beiden Geschichten nun bringen mich aus der Fassung. Das geb ich zu.

Mag sein, dass die beiden Mädchen es hätten allein regeln sollen. Aber zum einen hätte unser Mittelchen das Geld nie gesehen und es wäre zu einem Dauerstreit gekommen und zum anderen hat unser Mittelchen ihrer Schwester nichts entgegen zu setzen.
Für sie war die Aussage ihres Papas ein Schlag ins Gesicht. Sie fühlt sich mißverstanden und hinter ihrer Schwester zurück, weil er ihr nicht glaubt. Sie macht es daran fest, dass mein Exmann ja auch meine Argumente nicht gelten ließ und vom Tisch wischte. In ihren Augen sah das so aus, als würde der Papa noch nicht einmal mir glauben. Sie ist enttäuscht von ihrem Papa und seiner Reaktion, weil sie sich im Recht sieht, was sie ja auch ist. Der Papa macht sich aber - so sieht es für sie aus - noch nicht einmal die Mühe, sie anzuhören, während sich ihre Schwester bei ihm "ausheulen" darf.

Nachdenkliche Grüße
Muckel

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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon MarliJo » 13. März 2011 23:31

Liebe Muckel,

es mag wohl sicher so sein, dass die Reaktion deines Ex.Mannes bei deinem Mittelchen ein Gefühl des Zurückgestellteseins auslöst, weil er ja darauf verzichtet hat, Partei für sie zu ergreifen,.. das verstehe ich.
Doch hat es denn einen Fortschritt in dieser Sache gebracht, dass der Großen ihre Bringschuld vorgehalten wurde ? Scheinbar ja nicht, aus welchem "Grund" auch immer sich eure Große ihrer Verpflichtung entziehen wollte. Vielleicht hättet ihr die Angelegenheit regeln können, wenn du und dein Ex-Mann an einem Strang gezogen hättet, ...war aber nicht, was es nicht leichter macht, aber eben nicht änderbar ist.
Wenn dein Mittelchen im Recht ist, dann kann sie doch mit einem guten Gewissen die Sache hinter sich lassen - während sich die große Schwester vielleicht bei Papa ausheult,....aber ja weiß, dass sie im Unrecht ist und die Verantwortung dafür trägt, dass der Konflikt auf diese "unelegante" Weise von ihrem Vater gelöst wurde. Ob das ihr Verhalten künftig ändert, ist eine andere Sache, es bleibt zu hoffen.

Zum Lügen noch einmal,
DAS ist es ja, was es ja für einen ertappten Lügner nicht einfacher macht, dass der Ärger "danach" so groß ist. Wir Eltern (auch mir wurde es so vermittelt, dass es nichts gibt, was eine Lüge rechtfertigt), handeln eben auch SO, dass Lüge "bestraft" werden muß, weil Fehlverhalten Konsequenzen haben muß...oft von Anfang an, schliesslich soll das Kind ja gar nicht erst das Lügen "lernen".
Aber, liebe Muckel, ist es nicht so, dass genau Dies Angst bei den Kindern auslöst, und ist die Strafe (in Form von Vertrauensentzug) ein adäquates Mittel, aus dem Kinder richtiges Verhalten lernen, wenn sie gelogen haben ?
Seit ich dieses besagten Artikel gelesen habe, habe ich ein wenig verstanden, dass es meinen Kindern nur bedingt weiterhilft, wenn ich ihnen sage >ich möchte nicht, dass ihr mich belügt!<. Ich finde das rückt die Kinder in eine Ecke, auf eine Anklagebank und sie haben nicht mehr, als die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen und ein schlechtes Gewissen zu haben.
Auch meine Kinder lügen im "normalen" Rahmen (denke ich), winden sich damit aus einer Verantwortung. Ertappe ich sie dabei, versuche ich es nun anders auszudrücken, dass Lügen kein guter Weg ist und sage zu ihnen > wenn ihr lügt, dann möchte ich auch wissen, warum ihr das tut<. Ich erhoffe mir damit, dass sie sich ermuntert fühlen, Stellung zu beziehen und erklären, was sie zum lügen getrieben hat. Ich habe den Eindruck, dass ihnen das hilft und sie sich weniger ertappt fühlen, stattdessen eine gewisse Einsicht zeigen, dass sie nichts weiter verheimlichen müssen und gleichzeitig innnerhalb ihres Horizontes reflektieren sollen.

Nun sind meine Kinder viel jünger als deine Große und ich habe (noch ,) ) einen relativ großen Einfluß auf sie.
Doch ich glaube, es wäre gut, wenn Eltern was das Lügen (was ja IMMER einen Hintergrund hat) betrifft, umdenken und von genau dieser Aussage >>mit Lügen kann ich nicht umgehen<<, wegkommen, hin zu der Einsicht, das Lüge in gewisser Weise auch als Hilferuf aus einer "Notlage" heraus zu werten ist und damit eine Aufforderung an uns Eltern, die Kinder aus dieser Notlage zu begleiten.

Weisst du, was ich damit meine ?

Lieben Gruß
MarliJo
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Re: Wie richtig reagieren?

Beitragvon Muckelmaus » 14. März 2011 00:10

Lieber MarliJo!

Ja, ich verstehe, was du meinst.

In den Augen meiner Großen hat es mit Sicherheit etwas gebracht, dass Papa ihrer Schwester das Geld gegeben hat. So ist sie nämlich von ihrer Bringschuld befreit und kann das Geld für sich behalten. Ich weiß, das klingt hart, aber genau so denkt sie - egoistisch. Da ist keine Spur von schlechtem Gewissen, weder ihrerm Vater, noch ihrer Schwester gegenüber. Sie ist einfach nur erleichtert, dass Papa es für sie geregelt hat.

Mein Mittelchen trägt ihrem Vater nach, dass er ihr keine Chance gelassen hat, sich zu erklären, während er ihrer Schwester zugehört hat. In ihren Augen sieht das nach Bevorzugung ihrer Schwester aus.

Vielleicht sollte ich umdenken, was die Lügerei angeht. Allerdings finde ich die Sache mit der (angeblichen) sexuellen Belästigung so verherend. Sollte diese Geschichte tatsächlich nicht stimmen und sie bezichtigt einen Menschen einer Straftat, dann geht das für mich weit über das normale Maß einer Lüge oder eines Hilfeschreies hinaus. Denn dann lässt sie einen unschuldigen Menschen ins offene Messer laufen und das ist ein No Go. Kein Problem dieser Welt rechtfertigt in meinen Augen ein solches Verhalten.

Liebe Grüße
Muckel

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