G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Hier wollen wir zusammen nach Lösungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien für Teenager ergeben

G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon sonnenschein2 » 24. Januar 2012 19:22

Liebes Forum,
nach langer Zeit melde ich mich mal wieder mit Sorgen und Nöten. Ich koche gerade über und habe schon Magenschmerzen. Ich versuche mal zu sortieren und zu berichten. Ich freue mich, wenn ihr die Zeit findet zum Lesen und bitte gerne auch zur konstruktiven Kritik, denn ich weiß im Augenblick nicht so richtig weiter. Aber der Reihe nach:
Mein Ältester, noch 17, ist vom G8 Abijahrgang betroffen. Das heißt er macht das verkürzte Abi mit 12 Jahren, aber als erster Jahrgang zusammen mit den Schülern, die das Abi mit 13 Schuljahren machen. ZurZeit geht es ihm damit schlecht. Er ist eben jetzt seit der 9. Klasse mit dem älteren Jahrgang zusammen. Das heißt, er wurde nach der 9 nicht in die 10, sondern in die 11 versetzt und jetzt halt in die 12. Ihm fehlt also das eine Jahr. Das bringt Probleme für Ihn mit.
1. Er ist mit 1Jahr älteren in der Klasse, was für Ihn wohl sehr bedeutungsvoll ist. Ihm fehlt einfach dieses Jahr der Entwicklung. Er kann bei den Themen (z.B. Sex, feste Freundin, Auto fahren ect) nicht mitreden, was ihn wohl belastet. Er definiert dies aber nicht so klar.

2. Ihm fehlt das eine Jahr Lernstoff. An seiner Schule gibt es keinen Ergänzungsunterricht für die G8 ler, wie an anderen Schulen. Das wiederum heißt, dass er in diesem Schuljahr komplett mit seinen Noten in fast allen Fächern abgerutscht ist um mindestens eine Note. Im letzten Jahr konnte er das noch irgendwie wett machen. Dies gelingt nun nicht mehr. Es drohen also, auch in den LK Fächern schlechte Noten von 4 abwärts, was sich auch schon auf die Abi Noten auswirkt, da ja die Noten aus 12 und 13 gebildet werden.

3. Im nächsten Jahr überschwemmen dementsprechend mehr Abiturienten den Studien ober Arbeitsmarkt. Vondaher heißt es, in meinen Augen, sich rechtzeitig kümmern und informieren wie es weiter gehen kann oder soll. Bei uns in der Tageszeitung wird zum Beispielt vermehrt darauf aufmerksam gemacht, das es entsprechende Info Veranstaltungen gibt zum Bewerbungsverfahren für bestimmte Studiengänge oder auch Ausbildungen. Er möchte vielleicht gerne eine Ausbildung in der Flugsicherung machen. Dazu gibt es in dieser Woche eine Info Veranstaltung hier im Kreis und ich habe ihn darauf aufmerksam gemacht.

All dies macht iihn im Moment fertig. Er kann schlecht schlafen, nimmt überhaupt nicht mehr am Familienleben teil und zieht sich total zurück. Er redet nicht und wirkt total niedergeschlagen. Ich habe ihn schon lange nicht mehr lachen gesehen. In meinen Augen hat er Anzeichen einer Depression. Ihr wißt, das er da durch Vater und Schwiemu. vorbelastet ist. Vondaher habe ich ihn überredet die Beratung der örtlichen Caritas zu besuchen.

Von dort kam er heute zurück. Der Berater hätte gesagt, ich würde zu viel Druck machen, er müsse sich noch gar nicth bewerben, er solle jetzt erst mal sein Abi machen.
Ich hatte meinem Sohn auch gesagt, dass ich es nicht schlimm finden würde wenn er das Jahr wiederholt um vielleicht einen besseren Abschluss zu haben. Wie gesagt, für mich sind das alles Optionen, die gedacht sind Druck von ihm zu nehmen. Ich habe ihm auch angeboten die Beewrbungen mit ihm zusammen zu schreiben. In meinen Augen ist es in der Tat so, auch wenn man die Presse und öffentlichkeit verfolgt, dasss Lehrstellen z.B. ein Jahr im voraus vergeben werden...
Was meint der Therapeut denn wann er dann weitermachen soll?
Ich habe nichts dagegen, wenn Sohni sagt, dass er z.B. ein freiwilliges soziales Jahr machen möchte. Aber auch dafür muss man sich zietig bewerben. Ich habe einfach die Sorge, dass er gar nicht macht und mir noch weiter abrutscht.

Ich freue mich über euer feedback. Soll ich dem Therapeuten meine Sicht schildern?

Ganz liebe Grüße Sonnenschein2
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon Tamara22 » 24. Januar 2012 20:39

Hey du Liebe,
deine Sorgen kann ich spüren und auch nachvollziehen.
Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie das bei mir war, Oberstufe, ich war super schlecht in der Schule nur da wenn es unbedingt sein mußte, hatte viele Fehlstunden und alles andere im Kopf als Schuleund Zukunft. Dafür gab es garkeinen bestimmten Grund es war einfach so, da fehlt vielleicht auch noch ein bischen der Weitblick...
Ich habe im Jahr nach dem Abi gejobbt, hab' erst angefangen zu studieren, das dann hingeschmissen, weil es das nicht war, dann mich beworben, dann wieder umentschieden und dann über ein Jahr später eine Ausbildung angefangen. Ich hatte durch familiäre Situationen noch soviel anderes was an Entwicklung anstand, dass ich schätze ich hab' da Jahr gebraucht um mich zu orientieren, mal ins Arbeiten reinzuschnuppern, ein Praktium zu machen und vor allem nach mir zu schauen. Das war eine der wichtigesten Zeiten für mich.

Ich weiß dass meine Eltern auch Sorgen hatten, krieg ich die Kurve,finde ich meinen Weg etcpp., aber sie habe es für sich behalten, zumindest meistens. Mir hat das geholfen, ich wußte wenn ich will kann ich um Hilfe bitten, aber sie wurde mir nicht angeboten, sondern sie haben es mir selbst überlassen.

Das ist meine Geschichte, die hat natürlich mit deinem Sohn nichts zu tun...heute als Mama weiß ich um die Sorgen und um den Wunsch die Kids mögen auf der Sonnenseite sein.
Ich mag dir dennoch Mut machen dich rauszuziehen, mit der Ansage, wenn du Unterstützung brauchst meld dich, ich bin da und sehen was passiert...Ja im blödesten Fall kriegt er nicht gleich die Kurve, im besten Fall entscheidet er sich, etwas für sein Leben zu tun und nimmt es selbst in die Hand.

Kein Angebot, höhere Nachfrage, so in der Art...er wird kommen wenn er dich braucht, loslassen ist ganz schön schwer...
Fühl dich gesehen und verstanden in deinen Sorgen, ich wünsche dir, dass du jemand hast, dem du sie anvertrauen kannst, damit sie nicht zwischen dir und deinem Sohn stehen.
Damit er erleben kann, dass du Vertrauen in ihn hast und darin, dass er seinen Weg geht. Und du erleben kannst, dass er sein Leben in die Hand nimmt, weil du ihm das so vorgelebt hast...die Früchte einfach nur noch ernten *lächel* du hast genug getan, nur geht es darum einfach da zu sein und auch darum ihn ziehen zu lassen...

Ja und für den Moment, wenn er Hilfe braucht was die Schule und den Abschluss anbetrifft, dann wird er sie sich suchen müssen und du bist im Hintergrund und stabil und da kann er kommen und sich anlehnen, wenn grad mal alles bescheiden läuft, was meinst du?

Ich schick dir ein Lächeln
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon sonnenschein2 » 24. Januar 2012 21:21

Ach Du Liebe,

ja da geht wohl wieder die Vergangenheit mit mir durch und mein hoher Anspruch an mich...Ich kann die Vorstellung nicht ertragen, dass er ein Jahr einfach nur chillt und nichts macht um zum Lebensunterhalt beizutragen. Rumlungern mag ich nicht mitfinanzieren. Harte Worte oder?

Bei alle dem, kann ich deine Worte hören und verstehen. Sie zeigen mir einen neuen Weg auf...Loslassen und Vertrauen haben, die Kontrolle abgeben. Das mag wohl auch ein Weg sein...Lass mich deine Worte sacken lassen und eine Nacht drüber schlafen..

Danke für dein Feedback. Ich denke drüber nach und kann viel damit anfangen...Blickwinkel ändern..
Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon Tamara22 » 24. Januar 2012 23:16

Hey du,

neee nichts beitragen mein ich nicht, sondern sich positionieren im Leben, das kann heißen solang er Zeit braucht sich zu finden steuert er durch jobben was bei. Z.B. so hab' ich das auch gemacht. Und Familienanschluss heißt auch da seinen Platz einnehmen und etwas beisteuern, das ist ja alles eine Frage der Absprachen.
Du kannst dir Zeit nehmen für dich und ich brauche dafür von dir xy an Beitrag zu unserer Familie...Ein Deal sozusagen ;-)
Ja schlaf drüber...es sind einfach so meine Gedanken, bischen Erinnerung sicher auch :)
Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon Ansa » 25. Januar 2012 13:39

Liebe Sonnenschein,

ich bin ehrlich, ich bin absoluter Gegner des G8, was man da von den jungen Leuten erwartet und fordert ist m. M. nach verquerer Unsinn.... ich erlebe es ja auch in meinem Umfeld, da wird gebüffelt und gelernt, es bleibt kaum freie Zeit für irgendetwas übrig. Es geht vorbei an der kompletten Entwicklung der Jugendlichen, die alles im Kopf haben, aber doch nicht wirklich das "morgen".... Sportvereine bei uns klagen, das die Abiturienten weg laufen - keine Zeit mehr....... und bei vielen passiert das, was Du beschreibst. Ich finde, da besteht auch zu Recht das Gefühl der Überforderung.

Und, auch ich mag Dir die Angst nehmen, seinen Weg findet man immer noch, egal wann und egal wie, grade Wege werden zwar als besser angesehen, aber es finden sich immer mehr, die spüren, das die jungen Leute mit schieferen Wegen mehr vom Leben gelernt und verstanden haben.... wiederholen soll da nur eine Möglichkeit bleiben. Bei uns gibt`s das Abi noch mit 13 Jahren, auf der IGS und es ist unglaublich, wie viele klassische Abiturienten sich da plötzlich tummeln, deren Eltern immer nur über die IGS die NAse gerümpft haben und die nun erkennen, das solche Wege mitunter doch besser sind. Wie ist das bei Euch? Gäbe es da solche Möglichkeiten?

Ansonsten, chillen und nix tun - das gäbe es bei uns auch nicht.... das ist auch etwas, das ich meinem Mittelchen gesagt habe (das ja bald ausziehen wird), wenn Du Deinen Verpflichtungen nicht nachkommst, mag ich Dich nicht unterstützen..... selbst die Kindergeldkasse stellt dann ihre Zahlungen ein, zu Recht, wie ich finde. Also, wer sich ein Jahr Pause gönnt, ist auch verpflichtet sich dies Jahr zu erarbeiten, jobben, Perspektiven suchen, Praktika leisten, daheim sitzen auf Kosten anderer - das ist nicht hart, wenn Du das nicht zulassen willst, sondern logisch. Wenn Du nicht arbeitest, bekommst Du auch kein Geld, das ist sofort allen logisch klar - und hier wird man für die Ausbildung frei gestellt und unterstützt, für Nichts Tun eben nicht. Find ich auch wichtig, das so zu sehen.

Und, vertrau Deinem Sohn aber vor allem Dir, Du hast ihm etwas vorgelebt und beigebracht, das hat Wurzeln geschlagen - schau mal hin..... und stell Deine Ängste (woher kommt Dein Leistungsdruck und für wen forderst Du ihn ein) zurück.

Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon röschen » 25. Januar 2012 20:15

Liebe Sonnschein, hallo Tami und Ansa :winken: ,

mein Absolutes Lieblingsthema momentan ,) ......meine Tochter steht nämlich auch als erste G8ler zusammen mit nochmal so vielen G9lern kurz vor dem Abitur. Ich bin all die Jahre dem Thema G8 eigentlich relativ relaxed gegenübergestanden, denn meine Tochter war ansich eine recht gute Schülerin. Allerdings habe ich wie du, liebe Sonnenschein, gerade in den letzten beiden Jahren, indenen die G8 und G9 Abiturienten ihre Kurse zusammen belegen, gemerkt dass sich auch meine Tochter zunehmend an den Älteren orientiert. Da wurde die Pille verlangt, obwohl ein Freund noch nichtmal in Aussicht war. Sie hat das Rauchen angefangen "Ach Mama, nach den harten Matheklausuren mit allen eine rauchen gehen....das gehört halt dazu...." :oah:

Ihre Noten sind nach wie vor durchschnittlich, jedoch bemerke ich, dass sie ob ihrer 17 Jahre mit diesem Druck "von diesem Ergebnis hängt meine Zukunft ab" nicht zurecht kommt. Das ging schon vor 2 Jahren los und zieht sich bis heute durch.
Als sie damals vor der Kursstufe stand, hat sie sich genauso verhalten wie dein Sohn. Oftmals habe ich mich gefragt, ob unsere Sorgen, die ihr ja alle kennt, eventuell nicht ganz so extrem gewesen wären, hätte sie diesen schulischen Druck nicht gehabt. Auch bei ihr sah ich (und sehe noch heute) Anzeichen einer Depression. Die Psychologin, die sie einmal aufsuchte hat das ebenfalls bestätigt. Meine Tochter bezog das jedoch auf ihre familiären Schwierigkeiten und erhoffte sich in ihrem Auszug Besserung. Dem ist leider nicht so, aber das will sie so nicht sehen.....

Meiner Meinung nach wird um dieses "Abitur" viel zuviel Wind gemacht. Ich hoffe ihr versteht wie ich das meine. Weder die Medien noch sonstwer redet darüber, dass die Realschüler gerade ihre Prüfungen ablegen. Über das Abitur und die Wichtigkeit desselben spricht die ganze Welt. Ich denke das setzt die Jugendlichen eben mit unter Druck. "Nun muss ich auch was ganz besonderes damit anfangen, nicht einfach so null acht fünfzehn ne Ausbildung".
Meine Tochter z.B. hat sich geschämt zu sagen, dass sie eine Bewerbung geschrieben hat...."die wenigsten tun das. Der eine studiert irgendwas....der andere geht nach Peru.....diese macht was tolles und jene was noch cooleres...."
Wer da nicht mitreden kann wirkt schnell uncool......das setzt, zumindest meine Große zunehmend unter Druck. Ich persönlich finde sie mit 17 einfach zu jung diesem Druck standzuhalten.

Nun haben wir in vielen Gesprächen endlich eine Richtung gefunden und ich versuche sie (mit sanftem Druck, den sonst wird das verbummelt) zu unterstützen wo ich kann.

Zu den Bewerbungen kann ich dir so einiges erzählen. Ich bin bei einer großen Behörde beschäftigt und dort in der Ausbildungsleitung tätig. Alleine dieses Jahr gingen ca. 1000 Bewerbungen (bei uns geht schon dieses Jahr der erste Doppeljahrgang ab) über meinen Tisch und ich habe in den letzten Jahren so einige Auswahlverfahren mitgemacht.
Meine Erfahrungen haben meine Einstellung zum Abitur zwischenzeitlich stark beeinflusst.
Wir z.B. haben Schwierigkeiten qualifizierte Schüler mit der mittleren Reife zu bekommen. Jeder versucht mit ach und krach sein Abitur zu machen, hat dann einen mittelmässigen bis schlechten Durchschnitt und landet nach unzähligen Bewerbungen schließlich doch auf einer Lehrstelle, die er mit einer guten mittleren Reife ebenfalls bekommen hätte.....all die Jahre Qualen, der Verzicht auf Freizeit und Jugend.....vergeblich. Mir taten diese Bewerber echt leid, gerade weil ich bei meiner Tochter den damit verbundenen Druck vor Augen habe.
Ich würde für einem Schüler, der mit schlechten Noten zu kämpfen hat, mittlerweile raten zu versuchen einen anderen Weg zu gehen. z.B. auf ein Wirtschaftsgymnasium oder technisches Gymnasium wechseln, indenen man nach wie vor das 3jährige Abitur ablegen kann.

Lieber ein Jahr älter als ein schlechtes Abitur. Eine Abiturnote kann man nicht verbessern - egal ob bei Ausbildungsplätzen, Studiengängen, sein Leben lang wird man eventuell anhand dieses Schnittes gemessen und kann ihn, anders als bei der mittleren Reife, die man mehrmals ablegen kann, nicht verbessern. So zumindest mein Fazit aus meiner beruflichen Sicht.

Im Übrigen möchte ich anmerken, dass ich persönlich die Wertung nach dem Notenschnitt eigentlich ablehne! Jedoch sehe ich auch, dass man bei so vielen Bewerbungen wie bei uns, kaum eine andere Möglichkeit hat zunächst mal "auszusortieren". Bei großen Arbeitgebern ist das sicher ähnlich.


Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon sonnenschein2 » 25. Januar 2012 20:51

Hallo Ihr Lieben,

ich danke euch für die Antworten, sie haben mir weitergeholfen. Es ist ja beileibe nicht so, dass ich Sohnemann zu irgendetwas zwingen möchte. Ich zeige ihm Möglichkeiten auf, die ich sehe, seinen Druck und Stress zu verringern. Die Caritas, Schule wechseln, bis Schule abgehen und Ausbildung machen, Freiwilliges soziales Jahr...Er soll glücklich sein. Wenn er sich dazu nur mal äußern würde.
Ich versuch ihm halt nur zu vermitteln, vielleicht auch mit santem Druck, dass die Zeit halt rennt, wenn er tatsächlich im nächsten Jahr eine Ausbildung zum B. im Bereich der Flughafensicherheit machen möchte. Er zieht auch in Erwägung bei der Bundeswehr die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Aber auch da wird er nicht tätig, obwohl er weiß. dass das Auswahlverfahren in diesem Sommer ist und man dafür sportlich trainieren muss. Wenn er sagt, er möchte ein Jahr jobben um zu gucken was er dann machen möchte, ist das für mich auch ok.
Wißt ihr, er erzählt seit 2 Jahren, dass er in den Ferien jobben möchte. Bewirbt sich aber, obwohl ihm von den Firmen gesagt worden ist, dass sie die Stellen im Januar besetzen, erst 3 Tage vor den Sommerferien. Versteht ihr was ich meine? Danach ärgert er sich und hängt rum. Das ist halt meine Sorge. Was mache ich wenn er in der Tat im nächsten Jahr abgammelt. Er hatte ja schließlich ein anstrengendes Abi. Ich bekomme ja jetzt schon zu hören, dass er nicht helfen kann, weil er einfach von der Schule am We so kaputt ist. Ich habe Verständnis dafür, aber ich habe auch die ganze Woche gearbeitet und habe auch keine Lust das We komplett mit Putzen und Bügeln zu verbringen.

Was tun? Ihn einfach laufen lassen?
Ich freue mich auf weitere Diskussion mit euch.
Liebe Grüße
Sonnenschein2
Er soll seinen Weg suchen und auch finden, aber ich wünsche mir einen konstruktiven Dialog mit ihm.
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon röschen » 25. Januar 2012 21:10

Liebe Sonnenschein,

das ist doch schon was, er hat doch eigene Ideen. Vielleicht bedarf es einfach noch ein bißchen "intensivere" Unterstützung ,)
Meine Tochter sprach z.B. auch die ganze Zeit von einem freiwilligen sozialen Jahr. Das ist eine Vorraussetzung für ihren Zukunftswunsch in der Sozialpädagogig.
Nun habe ich sie mir einfach mal geschnappt und mich gemeinsam mit ihr an den Laptop gesetzt. Seiten gesucht, Bewerbungsvoraussetzungen und - fristen erlesen. Dann haben wir gemeinsam eine Bewerbung entworfen. So sieht "sanfter Druck" meiner Meinung nach eben auch aus ,) Alles REden vorher hat irgendwie zu nichts geführt.

Beim Großen meines Mannes habe ich das genauso gemacht. Alles andere hat leider auch bei ihm nichts gebracht. Die sehen sich da vor einem Riesenberg, den sie kaum zu überwinden mögen. Er war mir damals sehr dankbar.

Das mit dem Helfen kenn ich auch - bloss nicht noch mehr belasten.
Gerade diese Woche habe ich mit einer älteren Kollegin darüber gesprochen. Sie ist in die schulischen Belange unserer Auszubildenden involviert und wie ich der Meinung, dass heutzutage die Jugendlichen kaum noch belastbar sind.
Ich bin in meiner Meinung noch etwas zwiespältig,ob es
---- daran liegt, dass man dazu neigt die Kinder von klein auf zu "verhätscheln" - in unserer Grundschulzeit hat sich eine Lehrerin mal stundenlang dafür rechtfertigen müssen, dass sie nun leider doch freitags Hausaufgaben verteilen muss. Mein Vater hat zugelassen, dass ich noch samstags zur Schule musste.
-----oder ob der alltäglich Einfluss (Internet, Medien,...) der tagtäglich über unsere Kids hereinbricht sie tatsächlich überfordert...

Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon sonnenschein2 » 25. Januar 2012 21:34

Hallo röschen,

tja, Sohnemann will ja nicht mit mir reden. Er ist erwachsen und kann seine Dinge alleine regeln. Und dann kommen ja jetzt auch noch die Antworten des Therapeuten der Caritas dazu, der ja gestern im Gespräch gesagt hat, dass Jonas sich nur auf das Abitur konzentrieren solle und keine Bewerbungen schreiben muss...Weißt du, ich sehe meinen Sohn jeden Tag, ich sehe, dass er es ohne Unterstützung einfach nicht hinbekommt.
Er möchte ein neues Zimmer. Ich habe ihm klar gemacht, dass ich der Meinung bin, dass er es alleine planen solle. Ich habe ihm aufgezeigt wie die Reihenfolge und die einzelnen Schritte aussehen könnten. Über Zeitplan, Kumpels zum Helfen anfragen, wie die Entsorgung der alten Möbel gehen könnte...Wir waren jetzt seit einem halben Jahr bestimmt schon 6 Mal in einem Möbelhaus um nach Möbeln zu gucken...Mal hat er die Schränke oder das Zimmer nicht vermessen, mal den Zettel mit den Angaben nicht dabei...Aber er ist ja erwachsen und redet nicht mehr mit mir...Soll ich jetzt hingehen undmich um alles kümmern?
Unterstützen ja, aber er muss auch lernen die Dinge selbst in die Hand zu nehmen oder um Unterstützung nachzufragen.

Sehr kompliziert im Augenblick...
Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon röschen » 26. Januar 2012 13:13

Liebe Sonnenschein,

ohja, das kenne ich auch. Bei uns fehlte für die einzige (!) Bewerbung noch ein Paßfoto. Trotz 6wöchiger Ferien dazwischen, hieß es auf Nachfragen nur "wann hätte ich denn das machen sollen... :oah: "

Du hast natürlich recht, Unterstützung und Hilfe ist das eine, aber jeden Handgriff abnehmen muss man ihnen nicht!

Zu der Geschichte beim Therapeuten fällt mir ein Satz ein, den mir die Dame vom Jugendamt sagte, nachdem ich mich wunderte wie eine Therapeutin meiner 17jährigen Tochter aufgrund ihrer Problematik mit mir sagen kann "sie müsse sich natürlich nicht alles gefallen lassen und wenns halt nicht geht, solle sie doch ausziehen."
"Sind sie sich sicher Röschen, dass die Therapeutin das SO gesagt hat, oder ob ihre Tochter das nur so für sich rausgehört hat. ;-)"

Schwierige Zeiten....seufz.....wem sagst du das.
Ich habe meiner gerade neulich wieder gesagt, dass später mal keiner danach fragt, wer oder was Schuld an ihrem Tun oder Lassen war. Sie alleine ist dann verantwortlich für ihre erreichten oder eben nicht erreichten Ziele. Sie findet nämlich für so ziemlich alles eine Ausrede....Führerschein?....Bewerbungen?....keine Zeit....keinen Kopf - wegen Schulstress, Problematik im Elternhaus, ihren durch den Umzug zu Oma bedingten weiten Schulweg (45 min einfach)...."bloß Sie selbst kann nun also eigentlich wirklich nichts dafür"...... :(

Ich kann dir so gut nachfühlen...
Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon sonnenschein2 » 27. Januar 2012 08:23

Danke liebes röschen,
ich sehe, dass ich nicht alleine mit dem Problem bin. Gestern war es für meinen Sohn zuviel zu der Veranstaltung zu gehen, in der über die Ausbildung in der Flugsicherheit gesprochen wurde. Er kam von einem Schulausflug, war schon neben dem Gebäude, hatte noch eine Stunde Zeit zumAusruchen, Essen ect...Aber es war zu anstrengend...Ich könnte k...Er kann sich um nichts kümmern. Ich möchte gerne mit ihm am We zum Preisevergleichen noch in ein anderes Möbelhaus gehen...Es geht nicht, heute muss er zu seiner Freundin, morgen geht er zu einer Party und vorher kommt seine Freundin. Eigentlich ist mir danach die ganze Zimmeraktion mal wieder abzublasen, weil er sich so gar nicht einbringt. So nach dem Motto, ich habe mir doch Möbel ausgesucht, warum soll ich mich dann um Preisvergleich kümmern, du zahlst doch ehh....

Wütende und gleichzeitig enttäuschte Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon röschen » 27. Januar 2012 12:18

Liebe Sonnenschein :umarmen: ,

vielleicht solltest du tatsächlich mal so konsequent sein und die Zimmeraktion erstmal abblasen. Warum sollte DIR sein Zimmer wichtiger sein, als andere Dinge - ihm jedoch nicht. Was glaubst du, wie wichtig es ihm ist?

Du bist bei Weitem nicht alleine mit deinem Problem. Ich habe gerade gestern wieder einen gewaltigen Dämpfer meiner Stimmung bekommen. Meine Tochter hat ja ihre Betreuung beendet (aus Zeitmangel - Lernen geht vor).
Im Schlussbericht der Betreuerin steht nun als Grund unserer Schwierigkeiten ".......unterschiedliche Lebenseinstellung der beiden Frauen ...." :oah: Kein Wort, dass die eine davon 17, die andere jedoch fast 43 Jahre alt ist. Meine Tochter hätte dringend mehr Zuspruch nötig, ich hingegen würde ihr mit meinen Ansprüchen (Führerschein mit 18, Bewerbungen,....) nur vor Augen halten, was sie nicht hinkriegt. "

Naja, ich wollte nicht, dass sie den Führerschein macht - sie wollte es, hat es aber nicht durchgezogen, eigentlich nicht mal richtig angefangen, in den letzten Jahren aber nicht eine Geburtstags- oder Abiparty ihrer Kursstufe versäumt. "Ihr Abitur hätte momentan höchste Priorität", sehe ich, die sie im Alltag erlebt, eben ein bisschen anders, dort hat sie höchste Anerkennung dafür geerntet.
Sagen darf ich ihr als Mutter das aber nicht, weil mich andere dafür verteufeln.....

Ich bin dir in deinen Sorgen leider keine große Hilfe, liebe Sonnenschein - stehe ich doch selbst enttäuscht und resigniert vor diesem Problem. Ich kann dir lediglich ein bisschen Trost schicken, dass du nicht alleine bist :trost:

Liebe Grüße
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon Ansa » 27. Januar 2012 13:29

Moin Ihr Lieben,

mich beschleicht da der Gedanke, das es nicht unbedingt um das Abi oder das Zimmer oder sonst was geht, sondern einfach um irgendwelche kleinen Machtkämpfe zwischen den Kindern und Euch?

Ich wünscht sie Euch erwachsener als sie sind und kümmert Euch doch um all Ihre Belange? Das ist schon ein Widerspruch in sich....

Wenn mein Kind also ein neues Zimmer möchte und das nicht in Gang bringt (weil es ihre Aufgabe ist) dann gibt`s eben kein neues Zimmer..... und wenn sie zu einem Zeitpunkt käme, der mir nicht passt (weil Renovieren, Umräumen, alte Möbel weg bringen und neue herbei holen muss ja auch mir passen, zeitlich...) dann würde ich auch sagen "Sorry, Du hattest jetzt soundso viele Wochen Zeit, jetzt kann ich leider nicht..... geht erst wieder im Herbst (oder so)". Ich würde das allerdings auch ankündigen, schlicht und verständlich "also, bis April hast Du Zeit, dannach kann ich Dir nicht helfen und will hier auch keine Unruhe haben, vorher bin ich jederzeit für Dich da" und dann würde ich mich daran halten..... Mein Zuständigkeitsbereich endet vor der Zimmertür meiner Kinder.

Neulich hab ich sogar gesagt "Das Zimmer gehört nicht zu meiner Wohung, das ist eine Außenstelle....." weil es wirklich unbetretbar ist. Aber - nicht mein Zuständigkeitsbereich!

Könnt Ihr trennen? Zwischen Euren Lebensplänen und deren Eurer Kinder? Ohne gleich alle untergehen zu sehen? Also, ich mein, mein Mittelchen - will ausziehen - was ich, aus vielen vernünftigen Gründen, nicht so toll finde. Ich kann es nicht verhindern, dafür sorgt allein schon Papa - also stelle ich mich meinen Ängsten (und ich glaube, es geht um EURE Ängste!), was kann im schlimmsten Fall passieren? Und wenn sie die Schule abbricht - was dann? Ihr Leben wird nicht zu Ende sein..... ich werde sie, wenn sie keinen klaren Zielen folgt, nicht mehr unterstützen (das weiß sie auch!) und die Kindergeldkasse stellt ihre Zahlungen ein (also, nicht nur ich bin gemein), also, sie hat schon einen gewissen Druck..... ihr Freund kann sie nicht auffangen..... im schlimmsten Fall muss sie also dann jobben gehen und so wie ich sie kenne, geht ihr das bald tierisch auf die Nerven, dafür ist sie dauerhaft nämlich zu klug. Also, wird sie irgendwann (und zum Glück ist das bei uns in Deutschland jederzeit möglich - selbst ich kann noch studieren und neu anfangen) irgendetwas finden, das ihr Spaß macht. Okay, why not? Das ist auch ihr Weg, meiner Liebe zu ihr tut das keinen Abbruch und meine Ängste, sind mein Problem.

Kinder möchten unglaublich gern die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen, wenn diese nun sind "das schaffst Du nicht" oder auch "und, wie willst Du das je hinbekommen" dann hören sie unterbewusst dies klassische "kannste eh nicht" und daraus erfüllen sie dann die vermeintliche Erwartung, es eben nicht zu schaffen..... weil sie glauben, dass das Eure Gedanken sind.

Anders, meine Jüngste hat hier eine Lehrerin, die sich uns gegenüber so ausdrückt "erkennen sie doch mal die Grenzen ihres Kindes" nachdem ich sagte "och, wenn sie das will - dann kann sie das auch schaffen" und alles was mein Kind von mir hört ist "Ich weiß bestimmt, das Du das schaffst, wenn es Dir wichtig ist!" Jetzt will sie (9. Klasse, von sich aus in jedem Fach am Ende des Schuljahres eine 3 haben, um den erweiterten Abschluss zu schaffen) es schaffen, für sich und, zum Erstaunen ihrer Lehrerin - kann sie plötzlich Dinge, die sie ihr nie zugetraut hat....... und die Noten verbessern sich stetig. Meine Tochter lernt nun drei Dinge, a. ich glaube an sie, b. sie ist dafür verantwortlich und c. ich kann es!!! und am Ende wird ihr auch eine noch bessere Note erreichbar scheinen, weil sie Vertrauen in sich gewonnen hat. Aber alles was ich dazu sage ich dies "ich weiß, Du kannst es, wenn Du es willst!" Und die Kinder meiner Christiane, die mir auf meinem Weg geholfen hat, haben einmal gesagt "weißt Du Mama, dies "ich weiß das Du es schaffst, wenn Du es willst" war ganz schön schwer....... diese Erwartung von Dir...." Kinder wollen eben doch unsere Erwartungen erfüllen und wir müssen nur dafür sorgen, das sie auch hören, was wir uns wünschen. Eben das sie es schaffen!

Und wir sollen eben auch Jugendliche führen, da kann schon mal ein "ach und heute Nachmittag geh ich einkaufen, da kommst gleich mit, für Dein Passfoto" dabei sein. Oder, deutlich machen, wenn die Bewerbungen bis zu dem Zeitpunkt nicht fertig sind, können wir leider nichts anderes machen...... bis sie fertig sind. Da findet sich schon was.

Liebe Grüße an Euch
Ansa
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon Muckelmaus » 27. Januar 2012 21:04

Hallo ihr Lieben alle! :-)

Jetzt endlich finde ich die Zeit, mich zu Wort zu melden.

Wir stehen mit unserem Mittelchen kurz vor den Zentralen Abschlussprüfungen der Realschule und sie weiß für sich ganz genau, wie es nach dem Sommer für sie weiter gehen soll. Ihr fester Wunsch und Wille ist es, Abitur zu machen und dann zu studieren. Diesen Willen hat sie schon lange und ich sehe mit Freude und riesigem Stolz, dass sie alles dafür tut, den Schritt aufs Gymnasium zu schaffen. Sie lernt und lernt und lernt und ihre Noten spiegeln all ihre Bemühungen und ihren Willen wider.
Gleichzeitig merke ich, dass sie Sätze wie "Ich weiß, du kannst es schaffen!" nicht hören will. Sie wehrt sich so sehr dagegen, dass sie"ausflippt" sobald dieser oder ähnliche Sätze fallen. Dann nämlich fühlt sie sich unter Druck gesetzt von uns und erstarrt fast vor Angst, diesem Druck nicht standhalten zu können. Daher bemühen wir Eltern uns, solche Sätze zu vermeiden und freuen uns stattdessen mit ihr über jede gute Note.

Viele andere Dinge kommen natürlich zu kurz. Da wäre der Hund, der eigentlich der ihre ist und im Moment doch ein wenig vernachlässigt wird. Ihr Zimmer ist eigentlich Chaos pur.

Wie ich auf all das richtig reagieren soll, weiß ich auch nicht so recht. Ich finde es z. B. nicht wirklich toll, dass der Hund so wenig nach draußen kommt und das eigentlich an uns hängen bleiben soll. Wenn ich ihr das sage, kommt sie mir immer mit der Schule. Aber gleichzeitig finde ich, dass auch Lernpausen wichtig sind. Aber sie hat da für sich noch keinen gesunden Mittelweg gefunden und mit sich reden lässt sich nicht.

Meine Große macht mir Sorgen, weil sie nach wie vor nicht regelmäßig zur Schule geht. Aber was sollen wir als Eltern tun? Sie ist 19 und wir haben mit dieser Sache insofern nichts mehr zu tun, als dass wir sie nicht zur Schule zwingen können. Natürlich machen auch wir uns Gedanken darüber, wie es für sie weitergeht.
Mein Gefühl sagt mir, dass sie für sich mehr und mehr spürt, dass die Schule, die sie besucht, eigentlich so gar nicht ihr Ding ist. Aber sie traut sich nicht, das zu sagen und wurschelt sich jetzt irgendwie dadurch. Dabei scheint ihr auch das Mittel der Lügerei recht zu sein. Mir tut es weh, dass sie anscheinend so wenig Vertrauen zu uns hat. In mir macht sich mehr und mehr das Gefühl breit, dass sie noch gar nicht recht weiß, was sie will und wohin ihr Weg gehen soll oder könnte.

Du siehst, liebe Sonnenschein, du bist nicht allein mit deinen Sorgen.
Fühl dich gedrückt ...

Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
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Re: G8 Abi wie gehts weiter? Sorgen und Nöte

Beitragvon Ansa » 28. Januar 2012 13:44

Liebe Muckel,

ich bin aber auch sicher, das Deine Tochter weiß (innerlich weiß), das Ihr wisst, das sie das kann - und das sie das so sicher weiß, das sie Bestätigungen oder aber Ermutigungen der Art "ich weiß das Du dsa schaffst" nicht mehr braucht. Sie ist in ihrem Wissen und in ihrer Sicherheit schon weiter.

Natürlich kann man mit dem schlichten Gebrauch solcher Sätze nichts verändern - die wirken auch nur, wenn wir selbst innerlich an das glauben, was wir da sagen. Nur sagen mit innerlichem Zittern nutzt gar nichts, da sind in unserem Verhalten Nuancen von Unglauben, die unsere Kinder spüren....

Und ja, ich beobachte das bei meinem Kind ja ebenso. Wir freuen uns über jede gute Note und wenn sie zweifelt, dsa kommt mitunter vor - grade in Gebieten, die ihr nicht so liegen (wie Deutsch oder Englisch), dann darf ich sie ermutigen und ihr manchmal auch helfen.

Aber, sie lernt eben nicht nur für die Schule und von daher würde ich sie um Hilfe bitten, wie sie sich das mit ihrem Hund vorstellt. Die Pflichten nebenher bleiben einfach bestehen. Wir haben da ja auch noch ein Pferd, das sich beide Mädchen tageweise teilen - grad letzte Woche war ihre Schwester so krank, das sie allein zum Stall musste - und das war ganz schön knapp - klar habe ich da geholfen, aber ich kann ihr das Pferd nicht abnehmen...... dafür hab ich sie dann schon mal zur Schule gefahren, damit sie für ihre Aufgaben eine Stunde länger Zeit hat. So lernt sie auch "wir helfen einander" und das ist für alle schön.

Mitunter hilft es, so große Kinder, Teenies, einfach in Boot zu holen. "Du, ich hab da ein Problem, kannst Du mir bitte helfen?" Das muss aber ehrlich gemeint sein und die kommenden Vorschläge sind mitunter ganz anders als unsere angedachte Lösung, aber vielleicht gehbar? Ich hab zu Beginn immer geglaubt, die Kinder sollten nach der Schule etwas essen und dann Hausaufgaben machen und zum Pferd gehen, und wenn sie vor 16 Uhr hier noch nicht weg waren, wurde ich furchtbar nervös...... ich habe dann für mich gelernt, das es egal ist, wann sie zum Pferd gehen, sie gingen ja - und wenn sie Abends gehen (so wie die vielen Berufstätigen) dann ist eben die Halle besetzt und heute, wo ich mir keinen Kopf mehr um ihre Zeit mache, da gehen sie früher...... aber nicht, weil ich das wollte, sondern weil sie aus gemachten Erfahrungen so entschieden haben.

Und Deine Große - sie muss ihre Erfahrung machen, auf ihre ganz eigene Art und Weise und ja, es tut weh, dabei zuzusehen und das auszuhalten, wo wir doch meinen, zu wissen, wie es besser gehen würde - nur sind wir nicht sie..... das geht mir da nicht anders als Euch allen.

Liebe Grüße
Ansa
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