Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

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Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Gerda » 16. Februar 2009 23:21

Röschen hat mir ein Stichwort für diesen Thread gegeben. Ich glaube, wir könnten auch hier alle voneinander profitieren:

röschen hat geschrieben:Wie du, liebe Sonnenschein gerade erkennst, habe auch ich schon oft Tage erlebt, an denen mir bewußt wurde, daß es Zeit wird, mehr auf mich selbst zu achten. Das muß man aber erst mal lernen.


Mir geht es auch ohne Kinder gerade so, dass ich merke, dass es Zeit wird, mehr auf mich zu achten. Ich habe große Belastungen z. Zt. und habe mich dabei - mal wieder - vergessen. Das habe ich aus der Zeit als Mutter, wo ich mir "angewöhnt" habe, dass die Bedürfnisse der anderen wichtiger sind als meine. Klar, wenn die Kinder klein sind, dann sind ihre Bedürfnisse das einzig ausschlaggebende in der Familie. Schlafen? Essen? Nada. Baby schreit, Baby hat Hunger, Baby muß herumgetragen werden. Die eigenen Bedürfnisse - egal wie drängend sie sind - müssen übergangen werden, da ist gar kein Platz für. Man gibt sich mit immer weniger zufrieden, ist glücklich, wenn man mal 4 oder 5 Stunden am Stück schlafen kann - so wars bei mir - und dann war irgendwann gar nicht mehr der Punkt sichtbar oder ich hatte auch gar kein Gefühl dafür, wo der Punkt sein könnte, wo ich hätte sagen können: so, ab jetzt zählen meine Bedürfnisse gleich viel. Und schon sind alle daran gewöhnt - Mama wie kinder - dass die Kinderbedürfnisse immer wichtiger sind, als Mamas.

Heute, wo niemand mehr solche Ansprüche an mich stellen könnte, neige ich dennoch dazu, zu vergessen, für mich zu sorgen. Zu vergessen, zu fühlen, was konkret ich gerade brauche. Ich übe zwar immer und schon lange, aber trotzdem, ich finde, dass Du Röschen sehr recht hast damit, dass man erst mal lernen muß, auf sich selbst zu achten. Ich lerne immer etwas dazu und habe auch noch einiges zu lernen. Kennt Ihr das auch?

Was habt Ihr davon schon gelernt? Wo könnt Ihr schon gut auf Euch selbst achten? Für Euch selbst sorgen? Wo könnt Ihr gut Eure Bedürfnisse den Kindern gegenüber vertreten und gleichberechtigt neben die Bedürfnisse der Kinder stellen? Wo ist noch "Lernbedarf"?

Ich würde mich freuen, von Euch zu lesen.

Liebe Grüße
Gerda
"Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“

Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst.
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon röschen » 18. Februar 2009 13:07

Liebe Gerda,

da ich selbst noch am Anfang dieses Lernprozess stecke, kann ich über das WIE und WAS noch nicht viel schreiben. Lange genug hat es überhaupt erstmal gedauert zu erkennen, dass es mir nicht gut dabei geht und das es alleine an mir liegt, etwas daran zu ändern und ich meine eigenen Bedürfnisse wieder mehr durchsetzen muß.

Allerdings nicht mal unbedingt meinen Kindern gegenüber, sondern vielen anderen Personen. Ich bin mir nicht sicher, ob es am natürlichen Mutterinstinkt liegt oder eine Charaktersache ist, dass ich meine Bedürfnisse allen Wünschen und Anliegen anderer zurückstellte.

Da ist zum einen meine Schwiegermutter, die mittlerweile, wenn auch noch recht rüstig, doch schon auf die 80 zugeht. Anfangs habe ich abwechselnd mit meiner Schwägerin sämtliche schweren Einkäufe für sie erledigt oder sonstige Fahrdienste übernommen.
Im Sommer fiel mir dann auf, dass nur noch ich diese Dinge erledige, obwohl meine Schwägerin, anders als ich, nicht berufstätig ist und ihre Kinder auch älter und somit selbständiger sind als meine.
Als ich dies mal dezent anmerkte, sagte meine Schwiegermutter „ach weißt du röschen, dich erreiche ich einfach schneller und ich muss nicht warten, BIS du Zeit hast, sondern du NIMMST dir die Zeit“.
Da hat sie recht. Dass es aber Tage gab, an denen ich am Ende meiner Kräfte war und trotzdem die noch so winzigen Reserven mobilisiert hatte, konnte sie nicht ahnen.

Bei meinem Mann war es ähnlich. Das sollte man jetzt nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Mann und ich verbringe gerne meine Zeit mit ihm. Allerdings gab es Tage, da war er voller Tatendrang und ich eben nicht. Immer habe ich ihn trotzdem begleitet. Inzwischen habe ich gelernt, ihn mal alleine ziehen zu lassen und stattdessen zu Hause die Ruhe und die Zeit für mich alleine zu nutzen, wenn mir eher danach ist.
Zu erkennen, dass es dabei wirklich lediglich um meine Bedürfnisse und nicht um „Missachtung“ oder „Entfremdung“ (nicht ganz treffend, aber mir fallen leider keine besseren Begriffe ein), bedurfte anfangs mehrerer Gespräche.

Das Nächste war, meine Gelegenheiten besser zu nutzen. Z.B., wenn mein Kleinster, der altersbedingt die meiste Aufmerksamkeit beansprucht, bei Freunden zum Spielen war. Zunächst hatte ich diese Zeit genutzt, meine haushaltlichen Pflichten mal in Ruhe zu erledigen oder Besorgungen zu machen. Das ganze dann aber unter enormen Druck, um mit den mir vorgenommenen Dingen fertig zu sein, bevor er wieder nach Hause kam. Völlig fertig habe ich ihn dann in Empfang genommen.
Mal ist das auch völlig in Ordnung - Hausarbeiten in aller Ruhe erledigen zu können, ist manchmal schon Erholung genug. Allerdings kann ich heute auch ganz gut sagen „ne, eigentlich hab ich gar keine Lust, ich genieße lieber die Ruhe und lese in Ruhe ein Buch“ Gelegenheit hin oder her!

Es ist nicht immer leicht seine Bedürfnisse durchzusetzen ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Meine Kinder hatten anfangs wenig Verständnis dafür, als ich mir nach dem Mittagessen eine halbe Stunde Zeit erbat, um in Ruhe bei einer Tasse Kaffee vom Streß bei der Arbeit, der Hektik rechtzeitig zu Hause zu sein und ein warmes Mittagessen auf den Tisch zu zaubern, abzuschalten.
Inzwischen, nach ruhigen sachlichen Gesprächen, akzeptieren und respektieren sie das. Letztendlich genießen sie diese ruhige Phase selbst, bevor es an die Hausaufgaben geht……

Ich befinde mich nach wie vor in der Anfangsphase des Lernprozesses, aber es geht mir schon wesentlich besser, als noch vor einem halben Jahr. Immer mehr komme ich, röschen, als Person zum Vorschein und nicht Mama, Ehefrau, Putzfrau, Köchin, oder sonstwer "Nützliches" :)

Liebe Grüße
röschen
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Muckelmaus » 18. Februar 2009 14:23

Hallo ihr Beiden!

Eigentlich brauche ich den Worten von röschen nicht mehr viel hinzufügen, da ich mich darin wiederfinde.

Bevor Felix auf die Welt kam, war ich auch an einem Punkt, wo ich merkte, dass es für mich ganz persönlich so nicht mehr weiterlaufen konnte. Ich war ausgelaugt und habe mir mühsam kleine Inseln geschaffen. Auch ich habe erst lernen müssen, dass ich mal Pause mache und statt Hausarbeit ein Buch zur Hand nehme.
Dann kam Felix und vorbei war es damit. Er schlief recht wenig, nachts verlangte er nach mir - Papa war da für ihn nicht der Ansprechpartner, auch wenn mein Mann sich sehr bemühte, mich zu entlasten.
Meine Bedürfnisse blieben wieder auf der Strecke. Die Hausarbeit verrichtete ich, wenn Felix schlief, Zeit für die Mädels nahm ich mir, wenn er schlief, ebenso Zeit für meinen Mann.
Mittlerweile hat es sich eingependelt, dass Felix neben einem Vormittagsschläfchen noch Mittagsschlaf hält. Am Vormittag verrichte ich dann die Hausarbeit, während er im Bett ist und anschließend gehen wir einkaufen usw. Aber am Mittag nehme ich mir das Recht heraus, Zeit für mich einzufordern. Ich koche später, wenn mein Mann nach Hause kommt und nicht mehr am Mittag. Die Mädels verhungern nicht, wenn sie mittags erst mal einen Joghurt essen.
Ich erlaube mir, mich in dieser Zeit an den Rechner zu setzen oder mich mit einem Buch und einem Tee oder Kaffe aufs Sofa zu kuscheln und einfach mal nichts zu tun.
Ist Felix dann wieder munter, bin ich es auch.

Was mir aber nach wie vor schwer fällt, ist es, mich bei anderen Personen abzugrenzen - auch mal "Nein" zu sagen. Es fällt mir schwer, eine Bitte abzuschlagen, weil es zeitlich vielleicht grad nicht passt oder oder oder. Meist versuche ich, es irgendwie möglich zu machen.
Ich bin leider auch nicht besonders gut darin, jemandem zu sagen, dass ich mich über ihn oder sein Verhalten geärgert habe oder dass ich verletzt bin. Aber ich finde, auch das gehört dazu, wenn man auf sich selbst achten möchte.
Das muß ich noch lernen und üben.

Liebe Grüße
Muckel, die sich jetzt mit einem Buch aufs Sofa begiebt :D

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon sonnenschein2 » 18. Februar 2009 14:24

Liebe Gerda und hallo Röschen,
auf sich selbst achten...Wie wichtig das ist erkenn ich jetzt erst langsam. Ihr habt es ja in meinen Threads hier verfolgen können, dass ich eine Marionette meines Exmannes geworden bin. Ich frage mich wie es dazu kommen konnte. Wann verlernt man das Achtgeben auf sich?
Ich glaube, dass dies schon weit vor der Ehe bei mir der Fall war. Meine Kindheit und Jugend war schon darauf ausgerichtet Verantwortung für meinen Bruder und in gewisser Hinsicht auch für meine Eltern zu übernehmen. Meine Wünsche und Bedürfnisse habe ich nie so richtig gelebt, oder gespürt. Ich war nie aufmüpfig oder laut. Habe nie Grenzen übertreten oder gar zur Diskussion gestellt. Ich war immer angepasst und still.
Ich glaube, dass da irgendwo meine Selbstbestimmung auf der Strecke geblieben ist. Ich erkenne jetzt erst, wie harmoniebedürftig ich bin. Ich stecke lieber noch weiter zurück, als Unstimmigkeit hervorzurufen. Nein sagen ist so schwer. Aber wie soll man sich dann selbst wahrnehmen? Und wie seine Bedürfnisse erspüren?
Es passiert häufig, dass ich nörgelig bin, weil unzufrieden. Ich kann eben nicht formulieren, das mir etwas nicht gefällt oder ich eine Situation anders möchte.
Das gelingt mir im Kleinen. Ich beginne zu hinterfragen, in kleinen Schritten.
Aber ich finde es nach wie vor ganz ganz schwer.

Liebe Grüße
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Traum-Tänzerin » 18. Februar 2009 16:55

Liebe Gerda,

genau dabei ging es mir bei meinem letzten Thread- auf sich selber achten.

Ich habe keine Kinder,ich habe nur meinem Beruf ;) Aber genau in diesem ist es nahezu selbstversändlich über seine eigenen Bedürfnisse hinauszugehen. Es geht einzig und allein darum zu funktionieren, wie man das tut ist völlig egal-hauptsache man ist da. Ja,es ist eine Selbstverständlichkeit- ein Einstellungskriterium sozusagen. Ich arbeite in der Krankenpflege und die Arbeitsbedingungen sind hart. Ich habe es lange versucht mir schön zu reden, aber ich habe einen Punkt erreicht an dem es nicht mehr damit geht. Zu wenig Zeit, zuviel Arbeit für zu wenig Personal. So ist die Realität.wir ackern uns tagtäglich ab Menschen zu umsorgen und zu versorgen. Nach unsere Gesundheit sei es körperlich oder physisch fragt niemand. Sind wir krank gibt es nur eine Frage die zählt "Wann kommst du wieder zum DIenst?" Egal wie,hauptsache man funktioniert!
Ich habe begriffen, es gibt nur einen der verantwortlich ist dafür auf mich zu achten, ich selber und bin noch nicht sonderlich gut darin- aber ich bin auf dem richtigen Weg!

LG TT
An dem Tag, an dem
die Last auf deinen Schultern
unerträglich wird
und du strauchelst,
möge die Erde tanzen,
dir das Gleichgewicht wiederzugeben.
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon röschen » 18. Februar 2009 17:25

Ihr Lieben,

ich persönlich habe erkannt, daß viele Gewohnheiten zwischenzeitlich zur Pflicht geworden sind und das dies ein erster Schritt sein kann, mein Leben zu ändern.

Wer sagt, daß man mittags warmes Essen auf den Tisch bringen muß? Klar, meine Kinder sind das gewöhnt, weil ich es immer so gemacht habe.
Wer entscheidet, daß man z.B. nach den "Pflichten" erst Zeit für Sport oder Hobbies hat? Ich habe das immer nur getan, wenn ich freie Zeit hatte, aber die wurde ja leider immer weniger.
Wer sagt, daß ich an meinem Geburtstag einen riesen Streß mit Kuchenbacken oder Kochen habe um meine Gäste zu verköstigen? Dieses Jahr habe ich mir erlaubt, mit meiner Familie essen zu gehen. Finanziell kams aufs gleiche raus, aber ICH hatte mehr davon! Denen ich wichtig war, die kamen auch abends nur auf ein Gläschen zum gratulieren.

Dies sind nur ein paar Kleinigkeiten, die ich immer so gemacht habe, die mich allerdings mittlerweile mehr belastet als mir Freude gemacht haben.
Eine kleine, gesunde Dosis Egoismus, die scheint für einen selbst doch wichtig und sehr gesund zu sein.

LG röschen
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon rita » 20. Februar 2009 09:29

Hallo,

auch ich erkenne mich wieder in Euren Beschreibungen.

Ich kann sagen, daß ich auch ein harmoniebedürftiger Mensch bin, schlecht NEIN sagen konnte und nicht viel über meine Gefühle erzähle. Wenn ich aber zurückdenke, gab es einen ganz großen Schnitt in meinem Leben, der das eine oder andere veränderte.

Es war meine Scheidung, die Kinder waren 3 und 5, ich in Teilzeitbeschäftigung. Nach monatelangen Versuchen, meinen Nochmann zurückzugewinnen, obschon er sich längst für seine Freiheit entschieden hatte, habe ich aufgehört zu kämpfen und mich auf mich und meine Kinder besonnen.
Mit der Zeit merkte ich, wie schön das Leben ist, ohne mit jemand anderen Kompromisse eingehen zu müssen. Die Tageseinteilung lag bei mir, meine Freizeitgestaltung, die Wochenendgestaltung, einfach alles eben. Ich merkte, daß ich ja auch noch da bin, daß ich entscheiden kann und muss, und es hier nach meiner Nase geht....das fand ich als unglaubliches Gefühl und so kam mein lange brach gelegener Selbstwert ( was sich auch in psychosomatischer Hinsicht zeigte ) endlich wieder nach oben. Ich erlebte eine unglaubliche Zeit, war alleine total glücklich, kaum fremdbestimmt, fand meine Mitte und Ruhe.
In dieser Zeit manifestierten sich viele Dinge, die ich für keinen Mann der WElt mehr aufgeben wollte. Heute bin ich wieder verheiratet, aber mein Mann hat mich nun so kennengelernt und ich bestehe auch immer noch auf das eine oder andere, was ich während meiner Singlezeit liebgewonnen habe.

Ich denke, man lebt viel zu sehr damit, die Erwartungen der anderen erfüllen zu wollen/zu müssen. Ich war auch immer für alle da, Kinder hier, Kinder da, hier geholfen, da geholfen. Bis ich gemerkt habe, das macht mich kaputt, ich kann nicht auf 10000 Hochzeiten tanzen. Ich habe fortan nur noch das getan, was MIR Spaß machte, natürlich gewisse Dinge, die sein mußten, auch weiter verrichtet ( Mittag kochen etc. )
Ich bin viel auf die Nase gefallen, weil ich Erwartungen an andere hatte, die sie nicht erfüllt haben. ( das war aber mein ureigenstes Problem ! ) Also zog ich mich verletzt zurück. Heute ist es so, daß ich das, was ich möchte, nett in Worte verpacke und versuche, durchzuboxen. Im Gegensatz dazu nette, aber bestimmte Worte finde, nein zu sagen zu etwas, was mir gegen den Strich geht. Ich beleidige niemanden, aber ich zeige meine Grenzen. Und das ist okay. Es hat sich noch niemand abgewendet von mir. Weil es ehrlich ist.

Ich denke, es ist irgendwo die Angst, wenn man NEIN sagt, vom anderen nicht mehr gemocht zu werden. Das es NICHT so ist, erlebt man doch aber tagtäglich bei den Kindern. Sie lieben uns, auch wenn man nein sagt. Und andere sind mir längst nicht so nah, was interessiert es mich, wie sie nach einem Nein denken? Ich weiß, daß ist leicht gesagt und schwer, umzudenken, aber spürt ihr Dankbarkeit, wenn ihr etwas für andere macht oder fühlt ihr Euch einfach nur besser, jemandem geholfen zu haben? Einen Dank bekam ich nur selten, eher später das Gegenteil und helfen tu ich auch gerne, aber ich lasse mich nicht mehr vereinnahmen. Wenn ich helfe, dann weil ich mich freue, jemand anderen glücklich zu machen.
Vor kurzem las ich einen Spruch: Wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht veletzt werden ( so oder ähnlich ) und da ist schon etwas Wahres dran. Ganz ohne Erwartungen geht es sicherlich nicht, aber wenn man sie runterschraubt, macht es vieles schon leichter.
rita
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Ansa » 20. Februar 2009 12:43

Guten Morgen,

auf sich selbst achten, wenn man doch auch die Verantwortung für Kinder hat und sich um diese sorgen muss ist soooo schwer. Den gesunden Egoismus hier zu Hause vor Ort, den habe ich meistens.

Die halbe Stunde nach dem Essen, die kennen meine Kinder von klein auf, ich kann Nachmittags sogar sagen, das ich mich eine Stunde hinlege und dann stört mich keiner und ich rufe sie auch, um ihre Sachen weg zuräumen, alles kein Problem.

Was mich aber fix und fertig macht, sind ihre seelischen und emotionalen Belange. Heute morgen, seit Tagen weiß meine Jüngste, das sie heute nicht zur Schule muss, da ihr Papa ihr mitgeteilt hat, das er heute mit ihr zur Hochzeit ihres Paten gehen möchte. Sie freut sich, seit Tagen darauf..... hat sich ein Kleid heraus gesucht und ich denke auch, der Gedanke mit Papa allein etwas zu unternehmen hat ihr Freude bereitet. Meine Große ist also heute zum Beispiel allein aufgestanden und ins Praktikum gefahren, weil wir anderen alle eine Stunde länger haben schlafen können.

Dann, das Kind hatte gefrühstückt, sich hübsch gemacht und wartete auf Papa, fuhr dieser auf den Hof, mit seiner Lebensgefährtin. Meine Tochter sah diese und drehte, aus dem Stand, auch für mich selbst völlig überraschend durch. Sie keifte Papa an, "was xxx denn im AUto machen würde, " die Stimme voller Anspannung und schrie dann "Das ist so gemein, ich bleibe hier, die kennt meinen Onkel doch gar nicht und dann (tränenunterdrückt) "Tschüß!!!" Mein Ex sah mich an, und fragte, ob er ihr nachgehen dürfe.....

Da ich selbst völlig überrumpelt war und bislang glaubte, das grade meine Jüngste seine Lebensgefährtin ja doch ganz gern mochte, nickte ich, ging ihm aber, zusammen mit dem Mittelchen nach. Er befahl ihr, sofort zu kommen und ihn zu begleiten, das Kind sagte "nein, nicht mit xxx" und da schrie er sie plötzlich an "xxx ist meine Frau (sie sind nicht verheiratet) und das hast Du zu respektieren, komm jetzt sofort!" "Nein!" "Wenn Du jemals wieder mehr mit mir zu tun haben willst, dann kommst Du jetzt mit!" "Nein!" (oh, im Grunde bin ich stolz, endlich hat SIE sich gegen Papa gestellt) und dann sagte er doch glatt "Dann wird das Konsequenzen haben, als erste löse ich unsere Papa-Kind-Wohnung auf." Ein erstickter Schrei von meiner Tochter, "nur weil ich jetzt nicht mitkomme?" "Ja, das ist dann Deine Schuld!" Und da bin ich dazwischen gegangen und habe deutlich gesagt "Stop, hier gibt es keine Erpressungen" und er solle jetzt rausgehen.
"Das ist keine Erpressung, sondern eine logische Folge." "Ja, den Unterschied hast Du nie verstanden," hab ich gesagt und da fiel er natürlich über mich her..... Klar, ich bin an allem Schuld, ich hätte jahrelang gegen xxx gehetzt und alle Probleme, aber auch wirklich alle, die er mit den Kindern hätte, die lägen in meiner Verantwortung, ich sei so was von gemein und berechnend...... und ach, er würde nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Jau, ich auch nicht, aber wie soll das gehen. Ich wollte noch grade stellen, das ich nie gegen xxx gehetzt habe und immer sagen würde "ich finde es total doof von Euch wie ihr Papa und xxx behandelt," (und das sage ich tatsächlich, sehe aber das Verhalten der Kinder gegen die Beiden als Konsequenz seines Handelns) und sie wissen auch, das mir das nicht gefällt. Und da sagt er, sein ganzes Verhalten sei immer nur eine Reaktion auf mein Tun, ich hätte kotzen können..... *sorry* is klar, er kann nie für irgendetwas, de Ärmste.

Dann stand er noch 20 Minuten vor dem Haus und wartete auf sein kleines Kind, das nicht kam und weinte und schniefte. Ich, am ganzen Körper zitternd, war dann wieder mal bemüht, völlig verstörte Kinder aufzufangen und mit ihnen über Folgen und Erpressungen zu reden und über Hilflosigkeit von Erwachsenen.... und am Ende war sich soooo fertig (weil ich zur Zeit selbst an meinen Grenzen stehe), das ich zum Arzt gefahren bin und er mich erst mal zwei Wochen krank geschrieben hat, weitere werden folgen..... ich bekomme kein einziges Wort bei meinen Hausarbeiten hin.... ich sitze davor und bin wie gelähmt....

Und wie soll das gehen..... keine emotionale Unterstützung zu geben, immer und immer und immer wieder, es hat nie ein Ende *bitterlichwein*, seit über 6 Jahren sind wir getrennt und immer das Gleiche. Die Kinder haben nur mich..... am Ende nur mich.... "Vergib ihm, er weiß nicht was er tut" sagte meine Freundin eben, als wenn das so einfach wäre. Ich habe für meine Kinder Verständnis und aus welchem verdammten Grund soll ich das für einen Menschen aufbringen, der sie alle immer wieder völlig an ihre eignen Grenzen bringt, weil sie nicht so wollen wie er? Und wer hat für mich Verständnis?

Mein Liebster, er kommt heute Abend eher nach Hause....... ich hab ihn angerufen......

Jetzt fürchten sich die Kinder mit ihm nach Spanien zu fahren, er hat ja für alle einen Urlaub in Andalusien gebucht, über die Osterferien. Ich kann irgendwie einfach nicht mehr.... ich bin es soooooo unendlich müde.

Euch aber liebe Grüße
Niana

P.S. Wie macht ihr das, auf Euch aufpassen, wenn es um solche Dinge geht? Mein Arzt meinte, ich sollte die Probleme bei den Kindern lassen, aber das halte ich für schlicht utopisch.
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Gerda » 20. Februar 2009 12:57

Liebe Ansa,

es tut mir sooo leid für dich. :umarmen:

Leider habe ich nur ein paar Minuten noch hier im interentcafé, zu Hause ist noch immer der Anschluß platt.

Ich kann sehr gut verstehen, dass du dich so ausgelaugt fühlst. Es ist schrecklich: wenn du keine Kinder hättest, hättest du mit deinem Ex vermutlich gar nichts mehr zu tun. So hast du aber mit ihm zu tun und du mußt alle seine psychische Deformation, die er in deine Familie über die Kinder trägt, mitausbaden, seine Beschimpfungen, seine Schuldzuweisungen. Ich glaube, vor allem mußt du das aushalten, was da abgeht. Das geht erst zu Ende, wenn die Kinder volljährig sind. Leider. Vielleicht geht es mit einer Psychotherapie noch, etwas an der Abgrenzungsfähigkeit zu arbeiten, damit dich seine Attacken nicht so tief erreichen.

Es tut mir so leid, dass du so am Anschlag deiner Kraft bist. An den Ursachen kannst du glaube ich wenig ändern. Aber du kannst Dinge tun, die dir Kraft geben oder für dich tun lassen. Den Kindern in ihrer schwierigen Lebenssituation hilfst du, aber wer hilft dir mit dem Schwierigen? Ich glaube, dass da Partnerschaft und freundinnen mit überfordert sind und dass es etwas braucht von Außen, das dir hilft. Massagen, Sauna, Kultur. Und vielleicht wäre für dich auch mal Zeit für eine Kur, eine Auszeit nur für dich. Die Krankenkassen müssen im MOment Mütter - kuren bezahlen und da könntest du mal drauf zurückgreifen. Vielleicht müssen die Hausarbeiten auch ein Semester warten. Du hast schon so viel geschafft und so vorbildlich, und es wäre doch richtig, wenn du nun auch die Selbstfürsorge so richtig gut und vorbildlich hinbekommst.

Alles Liebe wünscht dir von Herzen
Gerda
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Ansa » 20. Februar 2009 13:16

Liebe Gerda,

es tut gut, das Du da bist.... Danke...

Ja, ohne meine Kinder gäbe es zwischen meinem Exmann und mir keine Berührungsgründe mehr. Vermutlich wäre der Ärger über die immer wieder kehrenden Verletzungen auch schon lange verschwunden, weil sie nicht existieren würden. Ich habe schon so oft Freundinnen beneidet, die sich getrennt haben. Es tut weh und dann hat man den notwenigen Abstand für Verarbeitungen. Der fehlt mir, er fehlt mir seit 6 Jahren.....

Und natürlich, mein Umfeld ist überfordert, ich erzähle ja am Ende auch immer nur das Gleiche. *seuftz* Mit Abstand betrachtet ist das auch nicht so schlimm. Aber hier vor Ort da ufert es aus. Die Beiden Mädchen sind über den ersten Schock hinweg und zicken sich jetzt gegenseitig an und ich stehe dazwischen und halte sie auseinander. Das kostet ungeheuer Kraft. Meine, wie immer.... ihre sicher auch, aber anders.

Und mit den Hausarbeiten ein Semester warten, das werde ich jetzt mal ausprobieren, ob und wie das möglich ist.

Dir liebe Grüße
Ansa
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon sonnenschein2 » 20. Februar 2009 14:13

Liebe Ansa,
auch von mir ein mal in den Arm nehmen. Ich kann dir so nachfühlen, dass es über die Kraft geht immer wieder auffangen zu müssen, was der andere verbockt hat..ohne Aussicht auf ein Ende, weil da sind halt die kids...
Es braucht seine Zeit und da hilft auch kein Vergleichen mit anderen, leider, die es vielleicht anders geschafft haben. Bei dir ist die Situation halt so besch...
Was mir in solchen Situationen hilft ist Abgrenzen, immer wieder abgrenzen. Es sind die Probleme der Kinder mit dem Vater, da hat dein Arzt schon Recht. Ich weiß wie blöd sich das jetzt anhört. Ich mit meinem Laienverständnis von Erziehung...lass die Probleme und den Streit da so sie hingehören, zwischen Kindern und Papa. Mein Rat, ziehe dich da raus, mit aller Kraft die du noch hast. Schau er kann dich immer noch zitternd machen. Ich finde diese Schilderungen fürchterlich. Lass ihn doch nächstens stehen. Die Tochter wollte nicht, also akzeptieren ...und tschüss...sie hatte es doch selbst so formuliert.
Wenn er dich angreift, ok, dann reagiere. Aber an sonsten Tür zu, umdrehen und fertig.

Liebe Ansa, du brauchst die Kraft für dich, Lass Hausarbeiten Arbeiten sein und guck auf dich. Du bist für alle da und fängst jeden auf. Gerdas Idee mit der Kur klingt für mich auch gut. Nutze die Zeit für dich und mach Pause.

Vielleicht liege ich mit meinen Worten einfach nur daneben. Du bist die Fachfrau, aber ich habe den Eindruck, du achtest im Augenblick zu wenig auf dich...
Ich denke an dich und schicke dir ein dickes Kraftpaket
Liebe Grüße
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Ansa » 20. Februar 2009 17:58

Liebe Sonnenschein,

ja, er kann mich immer noch zittern machen, ich glaube, wenn ich ehrlich bin, dann hat mich das am allermeisten erschreckt. Aber mich auch derart gegen ihn stellen und sagen "Du gehst jetzt hier raus und keine Erpressungen dieser Art, das dulde ich nicht" das hat mich Kraft gekostet. Er war auf einmal so ungeheuer wütend..... Und nein, ich kann ihn nicht einschätzen, immer noch nicht, vermutlich nie mehr.

Dieser Ausbruch, "DU BIST SCHUDLD" hat einfach gezeigt, das sein freundliches Benehmen und sein verständnisvolles Entgegenkommen all die letzte Zeit aufgesetzt war. Ich habe dem ja nie vertraut, trotzdem war immer irgendwo die Hoffnung, das es noch ein Stück von dem Menschen gibt, den ich einmal geliebt habe. Vielleicht klingt das komisch, aber ich musste mich damit auseinander setzen, das am Ende nichts so war, wie es je schien und auch damit, ob ich mir und meinen eigenen Wahrnehmungen trauen kann. So hatte ich in letzter Zeit eher ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm nicht traute und spüre jetzt, das es völlig zu Recht war. Nichts ist anders.

Abstand zu ihm habe ich wohl, oft genug hat er mein Mitgefühl.... und doch, aus dem Stress mit den Kindern sehe ich keinen Ausweg. Mein Mittelchen ist gegen Mittag "geplatzt" und hat ihre Aggression gegen Papa wieder an der kleinen Schwester ausgelassen, während diese über den Flur schwirrte und Protestsongs sang.... und das Auseinanderhalten ist mir heute zwar gelungen, "ich verstehe Deine Wut, aber Dein Umgang damit ist inakzeptabel, bitte geh in Dein Zimmer und komm erst wieder, wenn Du Dich anständig benehmen magst" einmal nach links, einmal nach rechts; aber es hat mich Kraft gekostet, das spüre ich.

Lass die Hausarbeiten sein, hab ich mir auch schon gesagt, einmal durchfallen ist möglich und nachschreiben kann ich sie immer mal wieder..... am Ende ist das doch etwas, das mir in meiner Seele widerspricht. Wie war das, "wenn Du ein braves Mädchen bist, dann haben wir Dich auch gern". Ich bin nicht brav, wenn ich keine Termine einhalte und eigentlich mag ich es gar nicht, das ich mich so gut selbst reflektieren kann. Das ist schwer, die Dinge zu erkennen, wissen worum es geht und sich am Ende doch gefangen fühlen. Und das alte Schreckgespenst "wenn Du ein braves Mädchen bist....." das kann ich grad gar nicht brauchen, das weiß es aber, deshalb sitzt es hier und kichert sich eins, mal wieder.

Dir einen lieben Tag und Danke für die Umarmung, das tut gut.....

Niana *dieüberlegt,ihrenNamenzuwechselnundsichfürchtetdassdannalleverwirrtsind*
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon rita » 20. Februar 2009 20:19

Hallo Niana,
oder Ansa?
Egal, auch wenn Du wechselst :winken:

Ich kenne Deinen "Zustand" auch, mein Exmann hat es auch immer wieder geschafft, daß ich mich aufgeregt bis hin zum Zittern habe. Das Schlimmste war, daß ich erst selbst nicht wußte, warum. Heute ist das vorbei. Ich habe erkannt, daß er das, was er tut, immer richtig ist ,) , er macht eben keine Fehler... Kam es doch soweit, daß ich mir immer den Schuh angezogen hatte,( warum auch immer ) daß ich an allem die Schuld habe. Und wenn ich denn mal wegen einer ganz banalen Sache doch Recht hatte, wurde mir auch nicht geglaubt.
Das hat mich so wahnsinnig gemacht, daß ich Beweise für mein Recht gesucht habe. Und mich auch nicht wirklich voran gebracht hat, sondern eher fertig gemacht hat.
Also, abhaken, ich bin doch nicht total behämmert, daß ich in allem Unrecht habe und die ganze Welt falsch sehe-ich bin ich und habe eine Meinung. Ich habe den Spieß umgedreht und mich auf jede Situation, die da denkbar kommen könnte, vorbereitet. Kindergeburtstage, Urlaube, alles genau abgesprochen. So konnte er mir nicht wieder zuvorkommen und ich konnte einer Begegnung locker entgegensehen. Und wenn ich meine, die Kinder müssen das und das, dann wird es eben so gemacht. Und wenn die Kinder bei ihm waren, dann wird es so gemacht, wie er es halt meint. Das gab auch keine Probleme mehr für mich.
Letztenendes stehst Du, so lese ich es aus Deinen Zeilen, noch immer "in seinem Bann" und regst Dich über Dinge auf, die eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollten. Die Schuldzuweisungen prallen nicht an Dir ab, sie wühlen auf. Immer wieder, bis Du Deine Einstellung geändert hast. Du kannst ihn nicht ändern, nur Dich, den Spruch hast Du sicherlich schonmal gehört...
Der Vorfall mit Deiner Tochter ( ich kenne leider das Alter Deiner Kinder nicht ) war bestimmt eine sehr schlimme Situation, da Du Deiner Tochter helfen wolltest. Er reagiert mit einer Erpressung-er nennt es Konsequenz. Ich denke, er hat es in einer Hilflosigkeit gesagt, ob er es denn so durchziehen würde, ist die zweite Sache. Warum hast Du eigentlich Mitleid mit ihm?
Dadurch haben Deine Kinder aber seine Denkensweise gesehen. Sicherlich nicht schön für sie, aber nicht zu ändern bei ihm.
Ich würde ihm ganz klar und unmißverständlich seine zukünftigen Grenzen aufzeigen ( kommt nicht mehr ins Haus, Termine müssen abgesprochen werden ) und ihm auch sagen, daß Du mit Deinen Kindern darüber gesprochen hast und es nicht mehr zuläßt, daß er Euer Leben derart durcheinander bringt. Ebenso, daß sich Eure Tochter sehr auf ihren Papa allein gefreut hat und nun sehr enttäuscht ist.
Ich würde den Kindern auch, je älter sie werden, die Besuchszeiten beim Papa selbst überlassen, sofern das bei Dir möglich ist.
Solange Du noch nicht fertig bist mit ihm und über diesen Anschuldigen stehst, wird er es immer wieder schaffen, Dich aus der Fassung zu bringen. Sind Deine Erwartungen, eine nette Freundschaft zu Deinem Ex zu haben und alles ist gut? Diesen Wunsch hatte ich auch mal, und ich war noch lange blind aus Rücksicht auf die Kinder. Irgendwann habe ich vieles geduldet, nur wegen der Kinder. Heute bin ich der Meinung, daß das in den wenigsten Fällen klappt, da bei einer Scheidung eben Verletzungen vorausgegangen sind und die sind noch lange danach nicht vergessen. Wie soll da eine tolle Freundschaft klappen ? Je mehr Distanz Du hast, umso eher ist m.E. ein respektvoller Umgang möglich.
Deine Ahnungen und Dein Gefühl waren richtig, vertrau Dir selber und laß Dich nicht mehr einwickeln von ihm.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft !
LG, Rita
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Ansa » 20. Februar 2009 21:14

Liebe Rita,

Danke für Deinen langen Beitrag.

Aber, um diesen Thread nicht zu sprengen, werde ich an anderer Stelle weiterschreiben, unter meinem Thread in Alleinerziehend und Patchworkfamilien, "Cool - überlebensnotwendig, und dann...."

Liebe Grüße an Dich und Euch
Niana
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Auf sich selbst achten - das muß man aber erst mal lernen

Beitragvon Gerda » 21. Februar 2009 01:10

Liebe Niana,

danke dafür:
Niana hat geschrieben:um diesen Thread nicht zu sprengen, werde ich an anderer Stelle weiterschreiben,


Liebe Alle,

ich habe gerade mal wieder Internetanschluß - er kann aber jederzeit zusammenbrechen, und ich hoffe, ich kann noch mal etwas schreiben hier, bevor es wieder zusammenbricht :dampf:

Ich habe mich sehr gefreut, dass Ihr so viel von Euren Erfahrungen beigesteuert habt zu diesem Thread.
Meine Erfahrung ist gerade zu diesem Thema, dass es mir in solchen kraftraubenden Zeiten wie zur Zeit, total schwer fällt, zu fühlen, dass ich etwas brauche und erst recht, was ich brauche und ohne das kann ich nicht für mich sorgen.

Meine Therapeutin sagte mir das heute und da fiel es mir wieder ein. Ich kenne das, dass ich in solchen Zeiten, wo ich so viel mich um andere kümmere oder kümmern muß, mir angewöhne, über meine Grenzen zu gehen und einfach auszublenden, dass ich auch Bedürfnisse habe. Und selbst wenn dann der eigentliche Druck weg ist, bekomme ich gar keinen Zugang mehr zu den Gefühlen und Bedürfnissen, die ich unterdrückt habe. Und wenn meine Kraft so im Keller ist, dann fallen mir auch nicht die Dinge ein, die ich tun muß, um mir wieder Kraft von außen zuzuführen.

Ich habe mir dann heute eine Liste gemacht von allen Dingen, die mir Kraft geben. Außerdem war ich diese Woche schon 2 mal zur Massage, was mir einfach nur saugut getan hat und ein Mal in der Sauna, was mir auch sehr gut getan hat. Übermorgen gehe ich wieder. Es hat mich aber Überwindung gekostet, mir einzugestehen, dass ich so viel Bedürfnis nach Unterstützung von Außen habe und deshalb habe ich es auch gescheut, mir solche sündhaften Ausgaben zu gönnen. Aber jetzt bin ich total froh, dass ich es getan habe, denn mir geht es schon viel besser, als letztes Wochenende.
"Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“

Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst.
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