Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

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Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Volker » 25. Februar 2009 22:22

Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden?? Versöhnen... Ingetrieren??? Was ist weiblich? Was ist männlich? Welche Rollen gehören dazu? Was ist wenn beides fließt?
Was hat das mit dem Leben, Partnerschaft, Freundschaft und dem "Trennenden" in Form von Trennungen, Gewalt, Krieg, Feindseligkeit, Haß und "Angst" zu tun?

Ich wills wissen,
was euch bewegt. Und ich werde schön meine Gedanken mit den euren verbinden :-)

LG
VOlker
Volker

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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Gerda » 26. Februar 2009 03:01

Hallo Volker,

ich fänd es schön, du würdest den Aufhänger erzählen, weswegen du auf diese Fragestellungen kommst.

Ich bin da sehr zurückhaltend mit den Rollenzuschreibungen und der Aufteilung der Persönlichkeit in männliche und weibliche Anteile.Nicht einfach zurückhaltend - ich lehne das für mich ab, mich und andere auf diese Weise wertend wahrzunehmen.

Herkömmlicher Weise nennt man beispielsweise aggressiv als männliche Seite und passiv als weibliche Seite. Nur mal als Beispiel. Ich halte Aggression nicht für etwas Männliches sondern für etwas Menschliches, das beide Geschlechter zur Verfügung haben. Sie wird meist unterschiedlich gelebt, je nach Geschlecht. Aber das halte ich für sozialisationsbedingt, nicht für naturgegeben. Aggression ist erst mal einfach eine Energie und auch eine Fähigkeit, die jedem Menschen inne wohnt.

Ich halte das, was wir mit männlich und weiblich benennen, erst mal für erlernte Rollenzuschreibungen, die nur mit den WErten der Sozialisation zu tun haben und nichts mit Anteilen, die von Natur gegeben sind. Von Natur gegeben ist erst mal nur unser Körper, und nur der ist eindeutig männlich oder eindeutig weiblich- die wenigen Ausnahmen, wo das nicht so ist, lass ich jetzt mal außen vor. Der Körper gibt bestimmte Qualitäten vor, nicht aber die Seele. Der Seele ist es egal, ob sie männlich oder weiblich ist. Sie ist einfach. Genauso das Herz. Das Herz hat die Fähigkeit zu lieben, Mitgefühl zu geben, sich zu öffnen - egal, ob in einer Männerbrust oder einer Frauenbrust.

Ich erlebe mich selbst als zutiefst weiblich mit ALLEM, was zu mir gehört. Wenn ich aggressiv bin, bin ich das durch und durch als Frau in einem durch und durch weiblichen Körper. WEnn ich weich und anschmiegsam bin, bin ich das ebenfalls als Frau, ganz und gar. Beide Seiten sind in mir, in meinem Bewußtsein vereinigt.

Es gibt aber auch Seiten, die nicht vereinigt sind, die manchmal sogar miteinander kämpfen. Z. B. soll ich mich trennen oder bleiben. Manchmal "gewinnt" der Trennende Teil, manchmal der Verbindung suchende. Aber erst wenn ich beide Seiten versöhnt habe, geht es mir gut. Erst wenn beide Seiten in mir leben dürfen, wenn jede den Platz hat, den sie sich nehmen möchte, ist es stimmig.

Ich glaube, dass wir es nicht gelernt haben in unserer Kultur, Gegensätze zu vereinen, sondern immer DAS EINE oder DIE LÖSUNG suchen. das führt zu Unlebendigkeit und Stagnation, oftmals auch zu Stagnation in selbstzerstörerischem Kämpfen. Die Vereinigung von Gegensätzen ist dynamisch , führt zu Bewegung und Wachstum.

Ich grenze mich ganz klar ab von Jungschen Ideen, die meist vertreten werden als männliche und weibliche Anteile. Ich sehe aber, dass ich Gegensätze in mir vereine. Hart und weich, schnell und langsam, oben und unten usw, sogar Trennung und Verbindung. Beide Gegensätze leben in mir, wollen leben, wollen gesehen und geachtet werden, von mir, von anderen. Aber ich nenne sie nicht männlich und weiblich. Ich nenne sie einfach Gegensätze, ohne diese Kategorisierung in Geschlechterschubladen.

Liebe Grüße von
Gerda
"Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“

Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst.
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Ansa » 26. Februar 2009 11:13

Guten Morgen,

da fällt mir eine Begegnung von gestern ein, ich war mit meiner Tocher beim Optiker.... vor uns eine Familie, Vater, Mutter und eine, ich schätze mal so etwa 17 jährige Tochter. Mama wollte sich ein Brillenetui aussuchen und fand ein hochglänzendes stahlfarbenes Etui total schön. Vater "Also, wenn es Dir gefällt." Schulterzuckend; Tochter "na ja, Mama, das ist doch eher etwas für männliche Brillenträger, sonst ist es schon sehr schön." Mutter schaut, legt das Etui hin und sucht weiter, am Ende nahm sie ein klassisches, eher langweiliges Etui aus mittelbraunem Leder. Sagt meine kleine Tochter hinterher zu mir (naja, so klein ist sie nicht mit ihren 12 Jahren) "sag mal Mama, gibt es Etuis für Männer und Frauen? So für Kinder, wenn sie rosa oder pink sind, aber wenn ich erwachsen bin, kann ich doch nehmen was mir gefällt, oder?" "Na klar," sag ich "weißte doch, alles was Du wirklich tun willst kannst Du ausprobieren und alles was Dir gefällt, so wirklich gut gefällt, kannst Du mal haben, wenn Du es wirklich willst."

Weibliche und männliche Anteile, ich glaube vieles dieser Anteile hat mit Erziehung zu tun. Rollenspezifische Erziehung ist nach wie vor das Nonplusultra und leider muss ich dazu sagen, scheint es mir so, als wären die meisten Frauen (und Mütter!) da sehr fest gefahren. Sie wollen zwar Chancengleichheit, setzen es aber nicht um. Das beginnt mir der Farbwahl im Kinderzimmer, mit der Auswahl von Spielzeug. Bekommen kleine Jungs vielleicht einen Nickyplüschhund, bekommen kleine Mädchen ihr erstes Püppchen. Selbst Lego, das in meiner Zeit noch unisex war, ist heute fein aufgeteilt in rosa Shoppingwelten für Mädchen und ich schwarze Weltraumwelten für Jungs. Kein Junge würde mit rosa spielen..... als meine kleine Nichte von ihrer Oma ein Playmobilfeuerwehrauto bekam, bekam meine Schwägerin einen Tobsuchtsanfall, das sei JUNGENSPIELZEUG! Ich hab gedacht ich sink ins Koma.

Will das kleine Mädchen seinen Willen durchsetzen, hört es "Du, ein liebes Mädchen tut das nicht!" und der kleine Junge erlebt vielleicht, das er reglementiert wird, liest aber aus der Körpersprache der Erwachsenen etwas anderes, nämlich "ach, der wird sich später mal durchsetzen, prima." Meine Nichten durften die Rutsche nicht falsch herum raufklettern, Mädchen tun das nicht!

So entwickeln sich diese Anteile nicht unbedingt zufällig mehr oder weniger, sondern sie werden gefördert, immer und immer wieder. Mit Büchern, Geschichten und Filmen (schaut doch mal auf die weiblichen Figuren, brav, hilflos und am Ende doch immer auf den Helden wartend), wieviele Ausnahmen gibt es? Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter sind Ausnahmen, aber auch Ronja wird zwischendurch von ihrem Björka gerettet, vermutlich liebe ich das Aschenbrödel aus dem Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" deshalb so sehr....die ist mal frech und eigensinnig, selbstbewusst und bezaubernd..... Handeln die Bücher von Tieren, sind es zumeist immer männliche Tiere oder aber weibliche Eigenschaften werden gefördert, wie etwa in der Geschichte vom Findefuchs.

Und wenn ich mir meine Erziehung ansehe, dann ecke ich überall an..... "hör mal, wissen Deine Mädchen nicht, wie man anständig spazieren geht" sagte meine Freundin, als sie, damals war meine Älteste 8, die Kanalböschung runter und rauf kletterten. Oder auch "wenn Du sie weiterhin so toben lässt, dann haben sie später echt mal Probleme mit Jungs" und auch der Sohn meiner Freundin, der meine Große unbedingt mal heiraten wollte, nahm mit folgenden Worten davon Abstand "also, Mama ich glaub ich kann die Elvira nicht heiraten, weil weißt Du, die tut überhaupt nicht das, was ich ihr sage." Meine Freundin sprach ein ernstes Wort mit mir und war mir lange böse, derweil ich meinte, sie solle mal das Frauenbild, das ihr Sohn habe, kritisch überdenken.

Ich jage, das ist typisch männlich..... in der Vorstellung vieler bin ich ein Flintenweib, das in Grünzeug mit Springerstiefeln durch den Wald tobt (ich halte nur viel von sachgemäßer Kleidung); ich fahre gern schnell Auto und dadurch das ich viel fahre, fahre ich auch sehr versiert; ich hab einen Angelschein..... für meine Mädchen ist es "normal" das sie tun können, was sie wollen. Und doch haben sie Rollenvorstellungen, die Umwelt hat einen großen Anteil. Meine Cousine ist Ingenieurin bei VW, zwei Mädchen waren sie damals, in der Ausbildung zur Werkzeugmacherin, und 4 Mädchen im ganzen Studiengang. Ich bin froh, über diese Ausnahme.... zeigt sie eben doch, das manches nichts mit Mann oder Frau zu tun hat, sondern mit Lust und Neigung. Trotzdem empfinden sie sich als typisch weiblich, das ist gut so, denn so sehe ich mich auch.

Es gibt tatsächlich körperliche Unterschiede in der Entwicklung, das war Thema in meinem Studium und es wird zu wenig Rücksicht darauf genommen, die Jungs fallen grad runter.... es gibt zuviele weibliche Leitbilder für sie. Im Kindergarten und auch in der Grundschule sind männliche Betreuer oder Lehrer viel zu selten und wenn es sie gibt, unterrichten sie Werken, Sport und Mathe. Das ist nichts anderes als Prägung. Die körperlichen Unterschiede sind Teil der Natur, Entwicklungen verlaufen in unterschiedlichen Tempi, Jungen haben tatsächlich einen größeren Bewegungsdrang. Neueste Forschungen stellen dies fest. Sie sind gleichaltrigen Mädchen damit unterlegen, während diese lieb (ich hasse dieses Wort) im Unterricht sitzen, können Jungs das oftmals nicht und werden schon früh auffällig, nicht weil sie es sind, sondern weil ihre Entwicklung nicht berücksichtigt wird.

Ich bin klassiche erzogen worden, als Kind habe ich mir nichts mehr als einen Spielzeugbauernhof gewünscht, aber natürlich, ich bekam ein Puppenhaus. Mein Vater meinte ich brauche keine gute Berufsausbildung, ich würde mal heiraten und Kinder bekommen, eine Weiterbildung? Damit nähme ich Männern den Platz weg und vergeude Zeit und Geld.... so`n Schmarrn. Aber ich hab schon immer diese unspürbaren Unterschiede als zutieft ungerecht empfunden. Dies Getue um Stammhalter..... Himmel, weder verstand ich es als Kind, noch verstehe ich es heute. Hauptsache das Kind ist gesund. Als ich damals sagte, ich will Falkner werden, da haben mich alle Großen ausgelacht, damals war das eine reine Männerdomäne. Vermutlich war mein Wunsch, es zu werden, reinster Trotz, von wegen "na dann seht mal, das kann ich schon lange...." Ich war Ende 30 als ich mir diesen Kindertraum erfüllt habe. Von daher habe ich meine Kinder in jedem Berreich gefördert, von dem ich spürte, das er sie interessiert.

Aber, und das ist jetzt spannend, über 70 % der Frauen sind nach wissenschaftlichen Umfragen enttäuscht, wenn sie ein Mädchen bekommen..... für mich unfassbar...... ich kann das wirklich nicht begreifen. Und, auch neueste Forschungen haben ergeben, das Erzieherinnen zwar alle gleichwertige und selbstbewusste Kinder haben wollen, aber ein Kind, das widerspricht, das wollen sie alle nicht und eines, das einen eigenen Willen hat und vielleicht Kritik übt? Das will dann schon keiner. Aber wie will ich das miteinander vereinbaren?

Das läuft unbewusst ab, die Erzieherin macht laut eigener Aussage, keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Hören wir ihr zu "ich muss mal ein paar Kartons in den Keller tragen, welcher starke Junge kann mir helfen?" Oder "ach wir müssen aufräumen, haben wir hier ein paar Ordnungspolizistinnen?" Aber sie macht keine Unterschiede...... sie war sehr erschrocken, als sie das Band hörte und begriff, wie sehr das in ihren Alltag integriert ist, wie wenig sie selbst das wahrgenommen hat. Ich diskutiere das mit meiner Tochter, die ja grad ein Praktikum im KiGa macht und sieht, wie sehr die Eltern ihre Kinder beeinflussen und wie sehr sie selbst das auch tut. "Oh Mama," seufzt sie dann "Immer musst Du alles anders machen." :kopftanz: und ging als Hausmeister in den Karneval.

Mein Liebster sagt, ich habe zuviele männliche Anteile, mit mir könne man sachlich reden und noch schlimmer, sachlich zanken.... ich würde nicht zickig werden und um mich beißen, sondern den Kopf behalten und Argumentativ meine Ziele verfolgen. Ich sei logisch, organisiert und dabei so ganz und gar fraulich, so was wie mich, das habe er sich immer gewünscht. Und ich, ich hab mir immer einen Mann gewünscht, der verschmust ist und einfühlsam, der zuhören kann und mit ich reden kann..... ich glaube wir sind anders. Unsere Freunde haben immer gesagt "Du bist ja sowas von kompliziert......oh je oh je" und komisch, der Liebste ist der unkomplizierteste Mann, der mir je begegnet ist, im übrigen sagt er das von mir auch.

Ich für mich mag diese Trennung zwischen weiblichen und männlichen Anteilen nicht so wirklich, ich bin wie ich bin und so wie ich bin, bin ich gut genug. Authentisch will ich sein und alle, die mir wirklich nah sind, von denen erwarte ich das auch. Ich muss mich nicht einigen, nur verstehen ist mir wichtig. Was für mich richtig ist, muss für meine Freundin nicht richtig sein, für die Kinder ist das mitunter schwer. Jugendliche sind so strikt, so schwarz oder weiß.... da haben wir viel Gesprächsstoff. Angepasst ist leichter, aber angepasst bedeutet auch oft genug, sich leben lassen.

Auf meinem Schreibtisch steht ein kleiner Text, auf lilafarbenem Tonkarton; mein Exmann hat ihn gehasst, mein Liebster lächelt über ihn und sagt "so viel Wahrheit in so wenig Worten, Du machst das Richtig mit Deinen Töchtern, bringen wir ihnen das Leben bei."

"Leichenrede"

als sie mit zwanzig ein Kind erwartete wurde ihr heirat befohlen
als sie geheiratet hatte wurde ihr verzicht auf alle studienpläne befohlen
als sie mit dreißig noch unternehmungslust zeigte wurde ihr dienst im hause befohlen
als sie mit vierzig noch einmal zu leben versuchte wurde ihr anstand und tugend befohlen
als sie mit fünfzig verbraucht und enttäsucht war zog ihr mann zu einer jüngern frau
liebe gemeinde
wir befehlen zu viel
wir gehorchen zuviel
wir leben zu wenig

Kurt Marti

Seit gut 16 Jahren steckt er immer irgendwo, wo ich ihn ab und an lesen kann.... so habe ich meine Mama gesehen und so wollte ich nie sein und schon deshalb möchte ich meine Neugier aufs Leben nie verlieren.

Euch liebe Grüße
Niana
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Muckelmaus » 27. Februar 2009 09:10

Guten Morgen ihr Lieben!

Ich finde mich in jedem Wort von Niana wieder. Anders kann ich es einfach nicht sagen.

Wie ihr wisst, bin ich Mama von zwei Mädels und einem kleinen Jungen. Die Mädels - da waren mein Exmann und ich uns immer einig - durften mit Autos spielen, wenn sie das wollten. Ich kann mich an meine, damals 4jährige Älteste erinnern, die sich zu Weihnachten sehnlichst eine Eisenbahn von Duplo wünschte. Sie bekam sie und hat hingebungsvoll lange Zeit damit gespielt. Die erst Barbiepuppe hat unser Haus noch zu betreten *grins*. Meine Mädels durften auf dem Spielplatz toben und sich schmutzig machen usw. usw. usw. Wir sind dafür oftmals angeeckt.

Tja - und da gibt es ja dann noch meinen Mann und unseren kleinen Felix. Felix liebt es, Dinge vor sich her zu schieben und als wir vor kurzem seine Patentante (selbst Mama einer 10jährigen Tochter) besuchten, schob er voller Inbrust deren Puppenwagen durch die Wohnung. Das Gesicht meines Mannes sprach Bände, als die Patentante uns den Puppenwagen für Felix anbot, weil ihre Tochter damit nicht mehr spielt. Nein, ein Puppenwagen käme ihm nicht ins Haus und Felix damit schon gar nicht auf die Strasse. Er sei schließlich ein Junge, so die Reaktion meines Mannes. Ich war fassungslos. Felix war so glücklich mit diesem Puppenwagen. Auch mein Hinweis, dass man darin auch Teddybären und Plüschlöwen fahren könne, war wirkungslos.
Ich stehe also hier mit einem Mann, der ganz festgefahren ist, in der klassischen Rollenverteilung und komme nicht dagegen an. Felix ist ein Junge und als solcher solle er behandelt werden. Wie bitte, behandelt man denn klassisch einen Jugen im Gegensatz zu einem kleinen Mädchen? Felix wird von mir genauso getröstet, wenn er sich weh getan hat z. B. Soll ich ihn dann etwa ignorieren nach dem Motto "Ein Indianer kennt keinen Schmerz!"?
Felix liebt mit seinen 16 Monaten abends seine Flasche noch, bei Mama im Arm und dann gehts ins Bett. Soll ich ihm dieses Abendritual denn nehmen, damit er kein Weichei wird, nur weil er mit mir kuschelt? Nein - solange Felix seine Flasche abends haben möchte, soll er sie bekommen.
Also versuche ich immer wieder meinen Mann davon zu überzeugen, dass ich gern in der Erziehung keine Unterschiede machen möchte, nur weil Felix ein Junge ist. Er darf weinen, wenn er sich weh tut und er darf sich von mir trösten lassen.

Ich möchte halt keine Kinder, die klassisch geprägt sind.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Volker » 27. Februar 2009 15:51

Hallo ihr Lieben,

"männlich" und "weiblich" ...

"Mann" und "Frau" ...

Ich teile eure Wahrnehmung, dass die Eigenschaften der Geschlechter und ihre Zuschreibungen kulturell bedingt und damit "zugeschrieben" sind. Wer spricht schon von Personenschaft in der Genderdiskussion.

ich hatte mal ein Erlebnis mit einer älteren Dame, die die Nase voll hatte Selbsterfahrungaskurse zu machen, in denen dann nur Frauen waren... Sie war eine Märchenerzählerin und im Sinne der "Vollständigkeit einer Personenschaft" weit entwickelt. Und doch sehnte sie sich nach einer "männlichen" Energie ...

Komisches Beispiel aber ich glaube der Geschlechtsunterschied kann nicht wegdiskutiert werden; auch wenn Männer und Frauen im Prinzip die gleichen Anteile in sich tragen. Wir nehmen die Welt immer als Mann oder Frau wahr...

Und da ist die erste Frage, wenn ein Kind geboren wird...

ist es ein Junge oder ein Mädchen??

@ Gerda: Das dynamische Bild mit der Integration von Gegensätzen ist toll ... und ist letztlich auch ein Schlüssel für schwierige Kontakte... vielleicht... wenn mein Gegenüber genau das repräsentiert, was ich nicht integrieren kann oder will ist sein /ihr ANdersein die Chance mich vollständiger wahrzunehmen: je unfaßbarer, desto größer das Geschenk...
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Muckelmaus » 27. Februar 2009 22:52

Guten Abend ihr Lieben!

Während ich gerade Volkers Zeilen las, fiel mir ein Gespräch ein, dass ich erst gestern Abend mit meinem Mann geführt habe.

Zur Vorgeschichte muß ich folgendes erklären:
Ich habe gestern abend ein Telefonat mit meiner Exschwägerin geführt, die sich vor ca. einem Jahr von ihrem Mann (der Bruder meines Exmannes) getrennt hat. Sie erzählte mir, dass ihr Mann während der Ehe immer mal wieder Beziehungen zu anderen Frauen hatte und das sie es im letzten Jahr endlich geschafft habe, sich zu trennen nach einer für sie jahrelangen Qual und Kampf um diese Ehe.
Ich wußte zwar, dass eine andere Frau der Trennungsgrund im letzten Jahr war, aber das es während der Ehe noch einige andere Frauen gab, war mir bis dahin neu gewesen.
Nun ja - ich erzählte anschließend meinem Mann, dass ich von dem eben Erfahrenen doch geschockt sei und fragte ihn, warum manche Männer (ich fragte tatsächlich nur nach den Männern, obwohl ich weiß, dass es auch Frauen gibt, die mit dem Fremdgehen keine Probleme haben) sich mit der ehelichen Treue so schwer tun. Aber die Antwort, die ich dann von meinem Mann bekam, machte mich absolut sprachlos. Er erklärte mir, dass sei genetisch und eigentlich könne der Mann gar nichts dafür, auch wenn sein Verhalten moralisch betrachtet, nicht richtig sei. Aber seit Beginn der Menschheit ginge es dem Mann halt um die Arterhaltung und daher würde er dafür Sorge tragen, seine Gene möglichst vielfältig zu verbreiten.
Ich fragte ihn dann erst, warum es denn auch Frauen gäbe, die fremd gehen würden. Denn meine - für mich logische - Schlußfolgerung daraus war, dass Frauen ja eigentlich die gleiche Motivation haben müssten - die Arterhaltung. Daraus würde dann wieder folgen, dass es Treue ja eigentlich gar nicht geben könne.
Nein, bekam ich zur Antwort, bei Frauen sei es eher die Lust auf etwas Neues, Unbekanntes oder vielleicht sogar eine berechnende Ebene, weil der andere Mann ihnen mehr bieten könne - Geld, ein tolles Haus, Auto usw.

Das hieße ja, dass Männer nicht treu sein können und Frauen berechnend sind. Andererseits, wenn Frauen berechnend sind, warum sind sie das? Vielleicht auch eine Form der Arterhaltung, weil ein besserverdienender Mann mehr Kinder ernähren kann?

Liebe Grüße von einer verwirrten
Muckel

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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Tamara22 » 28. Februar 2009 09:07

Guten Morgen,

ich glaube das Problem ist ALLE über einen Kamm scheren zu wollen.
Ursprünglich können Arterhaltung und Sorge um das Wohlergehen Sinn gemacht haben, aber heutzutage geht es nicht mehr darum.
Ich glaube auch, dass diese Strukturen zu Beginn wichtig für das Überleben waren, aber mit der Entwicklung hat sich das verändert und
ich finde es Quatsch, das als Generallvollmacht zu benutzen für falsches Verhalten. Dem Menschen eigen ist der eigene Wille, wird sind keine fremdgesteuerten
Wesen die um ihr Überleben kämpfen müssen. Von daher zählt diese Entschuldigung nicht.
Ich finde es aber dennoch interessant wie sich diese Verhaltensweisen begründen und vieles dabei macht für mich Sinn. Und ich glaube dass für diese Verhaltensweisen heute oft der Raum fehlt um sie auszuleben und einzusetzen.

Das wollte ich auch gestern schon geschrieben haben. Ich finde es allerdings wichtig dabei die Fähigkeiten nicht aus dem Blick zu verlieren.
Es stört mich, dass es meist um Grenzen geht, um Defizite und Unfähigkeiten, die vermeintlich dem weiblichen oder männlichen zugeschrieben werden.

Aber was ist das Besondere an männlichen und weiblichen Fähigkeiten? Und braucht es nicht den Unterschied damit Anziehung überhaupt stattfinden kann?

Auf der Ebene der Fähigkeiten geht es nicht darum jemand in eine schublade zu stecken oder in seiner Entwicklung einzuschränken, sondern zu fördern. Und da finde ich es zum Beispiel ganz wichtig, dass ein Junge lernen kann wie ein Mann "ist" und ein Mädchen lernt wie eine Frau "ist". Da fehlen meines Erachtens in unserer Kultur schon allein die Rituale. Da wird eine Junge nicht zu den Männern aufgenommen und ein Mädchen nicht in den Kreis der Frauen. Da fehlen wie ja auch schon geschrieben wurde die Vorbilder.

Und auch wenn ich mir schon irgendwie altmodisch vorkomme mal ein Beispiel. Zu dem Satz ein Indianer kennt keinen schmerz, klar das ist schwierig wenn man davon ausgeht, dass dem Kind dann die Möglichkeit genommen wird seinen Schmerz auszuleben, wenn man sich aber das Positive daran ansieht macht es vielleicht auch Sinn..."du schaffst das schon, der Schmerz kann dir nichts antun, du bist stark und läßt dich nicht unterkriegen...WIR INDIANER sind stark"
Es ist immer die Frage aus welcher Intention heraus ein Kind so etwas "angeboten" bekommt. Und es ist toll zu sehen wie stolz ein Kind auf sich sein kann, das aus einer Situation gstärkt heraus gehen kann.

Wird es damit an seine Fähigkeiten und Möglichkeiten erinnert macht es für mich Sinn. Wird ihm gespiegelt was ihm fehlt ist es unmenschlich und einschränkend.

Ich finde es wichtig, dass es Unterschiede gibt.

Liebe Niana, ich hatte beim Lesen deines Beitrags das Gefühl, das vieles auf der Defizitebene stattgefunden hat, was du in deiner Erziehung als Kind erlebt hast. Das tut ein Mädchen nicht, das kann ein Mädchen nicht, das gehört sich für ein Mädchen nicht, das ist nichts für ein Mädchen. Und das erklärt für mich auch wie wichtig es dir ist, deinen Kindern alle Möglichkeiten offen zu halten. Was meinst du wäre gewesen, wenn du als Kind, als Mädchen vermittelt bekommen hättest, dass du so besonders bist weil du ein Mädchen bist, dass du grade deswegen so viele Möglichkeiten hast und besonders deswegen geliebt und geachtet wirst...mit allen Anteilen auch den "nicht typisch" weiblichen?

Ich glaube dass das Defizitdenken das größe Problem ist, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Frau sich beschwert wenn sie nur einen Job bekommt, weil sie eine Frau ist oder ein Mann befördert wird weil er ein Mann ict. Nein es stören die Einschränkungen und das Absprechen von Vorteilen und Möglichkeiten.

Und auf der Beziehungsebene...ich glaube es ist schwer wenn die Partner erwarten, dass sie alles mit einander bewältigen, dass Mann und Frau ihr Leben und ihre Beziehung mit einander meistern müssen. Nein manches gehört auch nicht dahin, dafür gibt es Freundinnen und Freunde, Männer und Frauen. Wir hatten damals in unseren Freundeskreis einen Männern und Frauenabend einmal im Monat und das war bereichernd und hat einfach richtig gut getan. Nicht alles passt zwischen Mann und Frau und das ist gut so. Manches läßt sich "im Aussen" einfacher ausleben und tut der Beziehung dann gut, wenn die Energie für anderes genutzt werden kann.
Bestes Beispiel, das Geburtserlebnis, klar haben wir als Eltern da ein gemeinsames Erinnern, aber das Erleben dabei hat jeder für sich gemacht. Da ist das weibliche und männliche so wunderbar unterschiedlich, dass es grade so besonders ist. Wenn ich aber Erfahrungen mit dem Erleben austauschen möchte dann kann ich das nur mit einer Frau, die das auch erlebt hat oder es noch erleben wird...Und wie sich ein Mann dabei fühlt seine Frau und die Geburt seines Kindes zu erleben, das kann ich leider auch nicht nachempfinden, das kann nur ein anderer Mann. Und das hat nichts mit Fähigkeiten oder mangelnden Fähigkeiten zu tun, sondern mit der Perspektive, den Erleben, der Rolle und der Körperlichkeit.

Schönes Wochenende
Tami
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Volker » 28. Februar 2009 09:19

Hallo Muckel,

die Mär von den Genen ... Natürlich spielt die Arterhaltung bei der Sexualität eine Rolle, aber deswegen müssen Verstand und Weisheit ja nicht isoliert vor sich hinvegetieren... Mit der "Erklärung" durch die Gene öffnet sich ein Türchen um sich aus der Veratwortung zu stehlen. Geht es bei der Arterhaltung ja nicht nur darum "neues" zu schöpfen, sondern auch darum Verantwortung dafür zu übernehmen und Sorge eben genau um die "erhaltung" der Schöpfung zu tragen. Und genau an diesem Punkt zeigt sich bei vielen Menschen (ich denke Männer wie Frauen, Männer derzeit noch deutlich häufiger- wobei die Zahl der Frauen, glaube ich auch ein wenig zunimmt) ein gewisser Blinder Fleck, bzw eine große Unverbundenheit: Ständig wird "Neues" geschöpft, wenn Probleme auftauchen erklingt der Ruf nach "neuen" Lösungen ... Was bringt es 500 Kinder zu zeugen, um die sich niemand richtig kümmern und sorgen kann? Was haben wir davon Maschinen zu nutzen, die unsere UMwelt langsam aber sicher zerstören?

Und da bin ich wieder andem Punkt innerer Verbundenheit verschiedener Kräfte und Bewußtseinszustände ..., die ich anfangs als männlich und weiblich wagte zu bezeichnen ...

Tami, jetzt ist dein Beitrag noch fluchs vor meinen gehuscht ... ich besorge erst mal Brötchen :-) Dann mehr ...
Volker

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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Ansa » 28. Februar 2009 09:47

Liebe Tami und all,

ja, das war wohl so, jemand hat mch mal gefragt, mit welchem Wort ich meine Kindheit beschreiben würde und das erste was mir spontan einfiel war "unverstanden", so habe ich mich gefühlt. Unverstanden, von meinen Eltern bis heute...... natürlich ist es aus ihrer Sicht nicht richtig gewesen, wie ich meine Kinder erzogen habe..... 1000de Frauen meiner Generation wurden so erzogen und 1000de haben das, was man ihnen derart anerzogen hat, geschluckt und geben es heute, unreflektiert und unüberdacht weiter. Immer noch....

Im Übrigen, meine "kleiner" Bruder hatte ähnlichen Druck auszuhalten, wehe er war in als typisch männlich anerkannten Tätigkeiten schlechter als seine Schwestern. Da fielen dann von Seiten meines Vaters schon garstige Worte "Memme, Schlappschwanz...... geht doch wohl nicht, das deine Schwester besser rechnen kann.....oh je, was hab ich für einen Sohn?" Der Druck auf die Jungs war damals nicht anders, als der auf die Mädchen. Ich denke mit Grausen an diese Zeiten zurück. Mein innigster Wunsch war, es einmal anders zu machen - tatsächlich war das mein erster fester Entschluß. Ich weiß nur bis heute nicht, warum ich sooo anders war.

Ansonten gebe ich Dir Recht, männliche und weibliche Seiten, Unterschiede, Arten sind wichtig und es ist gut, das es sie gibt. Es ist wichtig, dass das ein oder andere gefürdert wird. Es ist aber auch wichtig, zu reflektieren, welche "Seite" unnütz ist und welche aufgrund "nicht überdachter" Überlieferungn immer noch umherschwirrt. Ich muss mich nicht emotional schwächer machen, als mein Partner, weil ich Frau bin, aber ich darf seine körperliche Überlegenheit nutzen und ihn bitten, mir das ein oder andere zu tragen. Die Unterschiede positiv einsetzen und erkennen.... umsetzen und leben. Nicht sie ungefagt hinnehmen und nicht hinterfragen, weil es schon immer so war wie es ist. Nö nö nö. wie heizen auch nicht mehr mit Holz oder gehen zu Fuß...... weil das Tausende von Jahren so war....

In meinem Seminar haben wir von einem wissenschaftlichen Test gehört, 600 Frauen wurden in 3 Gruppen aufgeteilt, sie sollten Mathematikaufgaben lösen. 200 von ihnen gab man vorher einen "wissenschaftlichen" Test zu lesen, in dem nach den neuesten Erkenntnissen erklärt wurde, das Männer besser rechenen können als Frauen, 200 bekamen einen Text, indem es hieß, das Männer und Frauen da gleich begabt seien und 200 bekamen einen Text, indem erklärt wurde, das Frauen besser rechnen können, als Männer. Rate mal welche Gruppe besser abschnitt? Wir sind, was wir denken. Wir tun, was wir glauben und nichts ist so stark wie unsere Gedanken es sind. Sie hemmen uns und sie lassen uns frei..... wir selbst sind es, die uns fesseln und darüber entscheiden, was uns möglich ist. Das ist bei Frauen und bei Männern so, davon bin ich überzeugt.

Das sind die Folgen unserer Sozialiasation. Vor langer Zeit entdeckten Forscher eine Gruppe von "noch nicht mit der Zivilisation in Berührung gekommenen" Naturmenschen. Sie stellten viele Fragen und bekamen eine übergreifende Antwort. "Männer und Frauen" sind gleich wichtig, einer ohne den anderen kann nicht überleben, wir sind gleichwertig." Viele Jahre später, nach dem Einfluß von so einigen Missionaren (christlichen....) sagten beide von einander "Also, Männer sind wichtiger als Frauen." Mich hat das damals sehr erschreckt. Denn ich denke, gemeinsam sind wir unschlagbar...... so sollte es wohl auch sein.

Im Übrigen, die Mär von der Verstreuung der Gene mag stimmen... Versuche mit Frauen während ihrer empfängnisbereiten Tage haben ergeben, das sie dann auf einen anderen Typ Mann stehen, als zu der Zeit in der sie einfach nur leben wollen. Und, die Sache mit dem Fremdgehen? Da vergisst wohl einer, das es in der Natur grundsätzlich die Weibchen sind, die das Männchen wählen..... er mag sich prostituieren, balzen, schwänzeln, Geschenke bringen, aber es ist immer sie, die wählt..... von wege, Gene verstreuen..... ist doch ne ähnlich hübsche Ausrede wie die meines Ex. "ach das hat die Natur so eingerichtet, ich kann nix dafür...." *ürgs*

Unsere Kultur und unsere Gesellschaft ist patriacharlisch, ich kann die andere Hälfte der Bevölkerung nur ruhig halten, wenn ich sie niedrig mache.... wenn ich dafür sorge, das sie selbst glaubt, es nicht wert zu sein. Und dies Bild wird uns 1000fach vermittelt, jedes Werbefoto spricht von typischen Rollenbildern. Jeder Spot ebenfalls. Jedes Kinderbuch (bis auf wenigste Ausnahmen) fördert dies gesellschaftliche Bild. Selbst die Rechtsgeschichte zeugt davon, so wurden früher im Mittelalter ledige Mütter, die ihre Neugeborenen töteten, nicht etwa wegen des Mordes verurteilt, (auch, aber nicht hauptsächlich) sondern weil sie die Kirche um eine Seele betrogen und nicht gebeichtet hatten, weil sie unzüchtig gewesen waren. Die hohe Säuglingssterblickeit bei verheirateten Paaren wurde kaum beachtet und noch schärfer wurden Ehefrauen bestraft, die dies taten, weil sie ihren Hausherren betrogen haben, nicht nur die Kirche. Die Kirche muss man da immer mit einbeziehen, nichts hat Gesellschaft, Recht und Leben so sehr beeinflusst. Vor 100 Jahren hieß der Begriff im BGB "Hausväterliche Gewalt", dann wandelte er sich in "väterliche Gewalt" und heute heißt es "elterliche Sorge"......

Ich liebe meine Frauenabende, meine Freundinnen und ich weiß, das mein Liebster das ebenso schätzt, Motoradfahren mit seinen Freunden, aber...... das eine ist nicht besser als das andere, nur anders. Und darum geht es am Ende, nicht um besser oder schlechter, sondern um gleichwertig und das Erkennen, das wir uns nicht einigen müssen, sondern verstehen.

Liebe Grüße erste einmal
Niana
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Muckelmaus » 28. Februar 2009 10:49

Guten Morgen ihr Lieben alle!

Es ist ein spannendes Thema - toll, find ich das :)

Ich kann meinen Mann nicht davon überzeugen oder ihm auch nur ansatzweise erklären, dass sich der Mensch im Laufe seiner Entwicklung seiner Umwelt und den Begebenheiten aller Art angepasst hat. Er besteht darauf, dass der genetische Grundbaustein - wie er es nennt - immer noch der gleiche ist und dem müsse man Rechnung tragen. Die Natur habe sich schon etwas dabei gedacht, dass Frauen Kinder gebären und die Männer nicht. Es sei halt nun einmal so gewesen, dass der Mann das Mammut jagte, während die Frau in der Höhle Kinder und Feuer hütete. Das stecke halt immer noch so in uns Menschen drin und das ließe sich nicht ändern.
Klar, als der Mensch noch in Höhlen lebte, war diese Rollenverteilung sicherlich richtig. Aber wir leben schon lange nicht mehr in Höhlen und so wie der Mensch heute in der Lage ist, aufrecht zu gehen, haben sich auch die Gene verändert und angepasst.

Ja Volker, bei der Sexualität spielt die Arterhaltung auch heute noch eine Rolle. Aber das ist heute sicher nicht mehr der hauptsächliche Grund. Sexualität findet auch statt, weil der Mensch Spaß daran gefunden hat, weil Sexualität auch Nähe bedeutet, Liebe und viele Dinge mehr.Sexualität findet heute auch statt, weil manche Menschen z. B. durch Erniedrigung ein Machtgefühl über den anderen dabei empfinden - die negative Seite der Münze, wie ich finde.

Meiner Meinung nach prägt nicht das Geschlecht den Menschen, sondern die Einflüsse seines Lebens, die Menschen, die ihn umgeben. Da wären zunächst wir Eltern, die ein Kind prägen, später folgen dann Kindergarten, Schule, Freunde usw. Also haben wir es als Eltern doch von Anfang in der Hand, unsere Kinder zu lehren, dass man auch als Junge ein weibliche Seite hat und haben darf und umgekehrt. Wir sind es doch als Eltern, die es zulassen können, dass Jungen mit Puppen spielen und Mädchen mit Autos.

Solange wir Unterschiede machen zwischen dem was angeblich männlich bzw. weiblich ist, werden auch unsere Kinder so erzogen. Solange wir nicht begreifen, dass das ein ohne das andere nicht geht, solange wird sich die Denkweise nicht verändern.

Liebe Grüße
Muckel

P.S. Immerhin hat mir mein Mann zugegeben, dass das Puppenwagenproblem sein ganz eigenes ist. Ihm wäre es nämlich peinlich, mit Felix und Puppenwagen auf der Strasse gesehen zu werden *grins*.

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Gerda » 28. Februar 2009 13:02

Guten Morgen, ihr Lieben,

doch, die Gene können sich verändern und tun das auch. Sie verändern sich durch neue Erfahrungen, wodurch sich im Gehirn neue Synapsen bilden und nach einer Weile können sich auch die Gene verändern - da weiß die neueste Gehnforuschung mehr, als dein Mann, Muckel ,) Und es ist vollkommener Quatsch, dass die Frauen den ganzen Tag in den Höhlen gebrütet haben. Man weiß, dass Frauen damals ein sehr hohes Ansehen hatten, weil sie Kinder bekamen, was als göttliche Fähigkeit angesehen wurde, die entsprechende Verehrung nach sich zog und weil sie die Sippe ernährten. Sie hatten Grabstöcke, die Symbole von Macht waren, weil sie damit Ackerbau betrieben, Nahrung ausgruben usw. Und wenn die Steinzeit in den Genen stecken würde und wir nichts anderes entwickelt hätten, dann würden heute auch die Frauen geehrt, dass sie Kinder bekommen und hätten nicht die gesellschaftliche finanzielle Arschkarte dadurch.

Nein, der Umgang mit der Sexualität ist ein erlernter und die angebliche Triebhaftigkeit der Männer ist ebenfalls zu einem großen Teil erlerntes Verhalten. Der Trieb ist bei beiden Geschlechtern sehr stark, ist jedoch in der weiblichen Sozialisation brutal unterdrückt. Das führt dazu, dass ein großer Teil der Frauen sich selbst gar nicht als sexuelles Wesen wahrnimmt, während Männer viel ihrer Emotionalität nur über Sexualtiät ausdrücken "dürfen", sodass dort ein Überhang entsteht. In einer emotional sehr freien und berührenden Umgebung, wo auch Männer ihre Emotionalität ausdrücken dürfen und darin angenommen werden, wird die sog. Triebhaftigkeit verschwindend klein. Und wenn Frauen mehr sexuelle Selbstbestimmung lernen und erotische Identität stärken können, verhalten sie sich sexuell auch anders.

Die meisten Männer in einer festen Partnerschaft, so hat man herausgefunden, haben in ihrem Leben eine zweite Frau. Diese gibt es meist real, die Beziehung zu ihr ist aber meist nicht gelebt sondern lediglich fantasiert. Zu dieser Zweitfrau geht offenbar die meiste Beziehungsenergie in Form von starker Fantasie, mehr, als zu der EIGENTLICHEN Partnerin. diese Zweitfrau ist toller, sexier, wilder, liebevoller, geiler usw und mit ihr ist das Leben richtig toll. Das scheint mit Bindungsangst zu tun zu haben. Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr schuld - und schambesetzt ist und dass diese Märchen von den Steinzeitgenen diese Schuld und Scham etwas lindern können.

Schöne Idee, dass der Indianersatz einen stärkenden Aspekt hätte, Tami. Schönes Konzept auch, die Eigenheiten und weniger die Defiziter der Geschlechter zu fokussieren und die Eigenheiten zu fördern. Ich unterschreibe das sofort und ergänze noch, dass zusätzlich auch die Dinge bei beiden Geschlechtern gefördert werden, die MENSCHLICH im Gegs. zu männlich/weiblich sind. Die fähigkeiten, die jede/r in sich trägt, unabhängig vom Geschlecht. Also Trauerfähigkeit in Mädchen UND Jungs zu fördern oder Selbstbehauptungsfähigkeit oder Kochen oder mit der Bohrmaschine arbeiten usw.

LG
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Volker » 28. Februar 2009 16:45

Hallo,

"Schubladendenken" und "alle über einen Kamm scheren" ... es gibt dabei etwas, das mich an Faschismus erinnert, an Spaltung in "ihr" und "wir", "ich" und "du" an Feindseligkeit ...

Viele Verletzungen zwischen Männern un Frauen rühren sicher von den Prozessen der Sozialisation, wie ihr sie in der eine oder anderen Form beschrieben habt. Die Gleichsetzung der körperlichen Geschlechtsmerkmale mit nur einem Bewußtseinszustand verursacht Leid. Die dem folgende ausschließliche Identifikation als Mann oder Frau begünstigt Opfergefühle und Kränkung.
ich möchte deshalb meine ursprüngliche gedankliche Aufteilung im Titel ändern:

ruhende und aktive Schwingungen in sich verbinden

"Schwingung" habe ich gewählt, weil ich finde, dass Gefühle eben verschiedene Schwingungszustände ausdrücken. Und an diesem Punkt bringe ich "Liebe" ins Spiel. Als verbindende (?), integrierende (?) oder resultierende (?) Energie!
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Tamara22 » 2. März 2009 08:54

Lieber Volker,

ich habe nun schon mehrfach diese Seite geöffnet um zu schreiben. Ich komme aber über deinen Beitrag nicht hinaus.
Ich war gedanklich an anderer Stelle und bin nun irritiert...
Feindseligkeit, Faschismus...nein nichts davon hat mit meinen gefühlen zu diesem Thema zu tun.

Auf einem der Seminare das ich gemacht habe, haben wir den Abschluss immer "getrennt" ausgelebt. Die Männer haben sich in einem Kreis zusammengeschlossen und die Frauen ebenfalls. WIR Frauen hatten ein Lied und die Männer ebenfalls, das begann mit WIR MÄNNER...Wir haben die Unterschiede in aller Achtung zelebriert und uns bewußt unterschieden. Dem anderen Raum gegeben um anders sein zu dürfen. Das bin ich und das bist du ist für mich ein wesentlicher Schlüssel für das eigene Erkennen, das Person und Persönlichkeit werden. Den Kinder zu erlauben Mama und Papa abzulehnen um sich selbst zu finden, mehr Platz für das eigene Ich zu haben.

Faschismus und Feindseligkeit beruhen darauf (in meinen Augen und das ist nur ein Bruchteil davon das ist klar), dass sich einer nimmt, was er anderen nicht zugesteht, dass er dafür verurteilt, dass nicht er sondern andere anders sind. Dass er sich als das einzig "wahre" darstellt und neben ihm kein gleichwertiger Platz geschaffen wird. Es hat für mich nichts mit "ihr" und "wir" zu tun oder "ich" und "du".

Vielleicht erklärst du mir deinen Gedankengang nochmal damit ich wieder einsteigen kann, wenn du das willst.

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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Gerda » 2. März 2009 09:30

Der neue Titel erinnert mich an ein Klangseminar, das ich letztes Jahr gemacht habe, 2 Wochen lang. Wir haben mit 12 großen Gongs gearbeitet sowie mit einer Vielzahl anderer Instrumente, Monochord, Trommeln, Klangschalen usw. Dort haben wir mit den Schwingungen gearbeitet, die bei so einem großen Gong sehr stark körperlich wahrnehmbar sind. Im Körper gibt es Stellen, die mitschwingen und Stellen, die verhährtet sind und nicht oder noch nicht schwingen können. Nach zwei Wochen und viel Sensibilisierung für Schwingung konnten auch die harten Stellen schwingen. Irgendwann wurde deutlich wahrnehmbar, wie wir nicht nur auf diese Instrumente schwingen und unser Körper Resonanz gibt, sondern wir auf alles, was uns begegnet Resonanz geben, ob wir das fühlen, oder nicht.

Dabei ging es auch darum, gegensätzliche Schwingungen im Innern zu verbinden. Wobei ich jetzt nicht so genau verstehe, was du mit ruhenden und aktiven Schwingungen verbindest.

LG
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Re: Weibliche und männliche Anteile in sich verbinden

Beitragvon Volker » 2. März 2009 18:51

Tamara22 hat geschrieben:Faschismus und Feindseligkeit beruhen darauf (in meinen Augen und das ist nur ein Bruchteil davon das ist klar), dass sich einer nimmt, was er anderen nicht zugesteht, dass er dafür verurteilt, dass nicht er sondern andere anders sind.


Hallo Tami, das sehe ich ähnlich, nur andersrum: Jemand gesteht sich selbt nicht zu, was er/sie bei anderen verurteilt. Und zwar als falsch, unpassend oder minderwertig. So kommt es, dass das eigene Sein "höher", "besser" oder "richtiger" -ja manchmal sogar "göttlicher" bewertet wird und andere damit abgewertet werden. Und so ist der Schritt vom Individuum zu einer Gruppezugehörigkeit, die ihre Identifikation aus der Spaltung von "ihr" und "Wir" schöpft, nur eine Frage des Findens Gleichgesinnter.
Faschismus ist für mich kein politisches Phänomen, sondern direkte Folge tiefer Bewußtseinsspaltung in Individuen. Und im alltäglichen Umgang zwischen Menschen ist das auch oft zu beobachten. Irgendwi geht es darum mit seinen Gefühlen in Kontakt zu sein: Wer könnte foltern, wenn er/sie fühlen kann, wer könnte töten, wenn er / sie fühlen kann? Wer könnte demütigen, wenn er /sie fühlen kann?

@ Gerda: Alles gibt in uns Resonanz, da stimme ich Dir 101 %ig zu ... Ob wir das fühlen oder nicht, das macht doch einen kleinen Unterschied: Wenn ich mit meinen GEfühlen nicht im Kontakt bin, mich nicht spüre, dann kann ich Schwingungen irgendwie nicht richtig orten. Vielleicht ist es noch die "Intensität" die mich erreicht, die "Qualität" allerdings kann ich kaum "entschlüsseln", bzw. sie kann fehlinterpretiert werden: Liebevolles wird als "Angriff" interpretiert (vielleicht als Heuchelei oder Schleimerei bezeichnet), Zugewandheit als "Übergriff" interpretiert usw.

Ruhende und aktive Schwingungen: Ich glaube, dass es Schwingungsfrequenzen gibt, die uns als "entspannend" und zur Ruhe kommend dienen, und dass es Schwingungen gibt, die uns ins "Handeln" bringen: Wut z.B. aktiviert und wer mit Menschen arbeitet, die "unbewußt" wütend sind, weiß wie diese Energie bei uns Resonanz zu erzeugen vermag...
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