Abschiede

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Abschiede

Beitragvon Gerda » 5. März 2009 20:43

Ihr lieben alle,

ich möchte zum Thema Abschied mal etwas ganz allgemein schreiben, nachdem es in dem Abschiedsthread von Simone sehr durcheinander gegangen ist.

Wir alle hier sind u. a. von einem sehr schweren Abschied betroffen - Scheidung. Sie bringt so viele Abschiede mit sich: Abschied von Personen, von Situationen, von Wunschbildern, von Zukunftswünschen, von Modalitäten, von ganzen Lebensplänen.

Viele dieser Abschiede sind sehr unglücklich verlaufen, haben sehr viel Verletzung mit sich gebracht und haben viele Schmerzen und Narben erzeugt, die nicht notwendig wären. Diese "Abschiedserfahrungen" sind sehr häufig "Modell" für andere folgende Abschiede. Wenn ein Mensch Abschied als etwas Traumatisches erlebt, neigt er dazu, auch andere Abschiede als potentiell traumatisierend zu erwarten und wird sich entsprechend verhalten.

Eigentlich aber ist das Leben eine fortlaufende Folge von Veränderung und Abschieden. Bevor etwas Neues kommt, muss erst das Alte verabschiedet werden. Oftmals geht das einfach und ganz natürlich wie von selbst.

„Abschied nehmen“ heißt, dass etwas genommen wird, dass man sich etwas nimmt von der Situation oder dem Menschen oder den Umständen, wovon man sich verabschiedet. Es bedeutet, es wird etwas in Herz genommen aus der Situation oder von dem/den Menschen, von denen man geht. Wenn jemand stirbt, dann sprechen wir über den Verstorbenen und die Tradition sagt, dass man nur Gutes über ihn sagen soll. Das Gute, das der Mensch in uns hinterlassen hat, ist das, was wir ins Herz nehmen im Abschiedsprozess. Wir weinen auch, weil die Tränen des Abschieds notwendig sind, um sich zu lösen und weil die Tränen die Zeichen unserer Liebe für den Menschen sind.

Wenn wir uns von lieben Menschen verabschieden, die wir besucht haben, sagen wir „es war schön mit Euch. Danke für das schöne Essen, die schönen Gespräche“. Das ist Abschied nehmen: sich bewusst zu machen, was ich mitnehme im Herzen von dem Vergangenen. Dann gehen wir nach Hause mit einem guten Gefühl, sprechen vielleicht noch auf dem Nachhauseweg davon, was im Einzelnen schön war und wie gerne wir mit den Menschen zusammen waren.

Wenn man keinen Abschied nimmt, wenn man nichts mit ins Herz nimmt, dann bedeutet Abschied eine „Herzenspleite“. Dann ist es im Herzen leer und der Abschied tut nur weh. Oder wir fühlen den Abschied nicht und der nicht genommene Abschied führt dazu, dass wir das Alte nicht loslassen können und nicht offen für Neues sind.

Nicht genommene Abschiede führen geradewegs in die Depression. Die Ursache für Depression ist in fast allen Fällen zu finden in nicht Verabschiedetem. Deshalb ist es wichtig, die Fähigkeit, sich zu verabschieden zu lernen und zu pflegen.

Oftmals wird Abschied vermieden. Es wird vermieden, genau hinzugucken, was verabschiedet wird, weil es meist auch weh tut. Und eine Vermeidungsstrategie ist, sich beim Abschied zu streiten. In vielen Familien wird nach dem Tod über das Erbe gestritten. Das ist eine Form, die Trauer darüber abzuwehren, dass man einen Menschen verloren hat. Und in vielen Scheidungen wird vor Gericht über die Ehescheidungsfolgen – Unterhalt, Versorgungsausgleich, Zugewinn usw. - gestritten, anstatt einander in Liebe gehen zu lassen, zu trauern darüber, dass alles, was man sich einmal miteinander gewünscht hat, gescheitert ist und anzuerkennen, was man vom anderen bekommen hat, sich dafür zu bedanken und auch darüber zu weinen, weil das jetzt nicht mehr ist. Auch so kann man Abschied und Trauer vermeiden. Man verursacht damit aber auch, dass nichts Neues entstehen kann. Man bleibt dann verhaftet in Streit oder Groll auf die Person(en), von denen man sich nicht verabschiedet hat.

Für mich war es sehr hilfreich, irgendwann anzuerkennen, was ich bekommen habe, auch von meinem Ex. Erst, als ich das genau angeschaut habe, konnte ich Abschied nehmen, konnte ich mich lösen und auch den Groll in meinem Herzen auflösen. Erst ohne Groll im Herzen wurde mein Herz auch wieder offen für Neues.

Es gibt einen Fehler beim Abschied, mit dem man sich selbst am meisten weh tut. Das ist, andere damit zu bestrafen, dass man geht. Man will dann sagen „du bist so böse, deshalb verlasse ich dich.“ Damit bestraft man sich selbst aber am meisten. So ist mein Exmann von mir gegangen. Er hat sich bis heute nicht davon gelöst, dass ich die Böse bin. Er hat mit 49 einen Herzinfarkt bekommen. Für mich schien das eine direkte Folge von diesem herzlosen Verhalten.

Ich hatte die Idee, diesen Thread zu schreiben, um anzuregen, über Abschiede und Abschiederfahrungen zu schreiben – über die schmerzhaften, die wir ja alle kennen, sonst wären wir nicht hier – und auch über die gelungenen, wo die eine oder der andere erlebt hat, wie es möglich war, in Liebe zu gehen und in Liebe etwas loszulassen.

Liebe Grüße von
Gerda
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Re: Abschiede

Beitragvon Bärchen » 5. März 2009 22:00

Liebe Gerda

Danke für diesen Beitrag zum Thema Abschied. Ich finde er trifft den Nagel auf den Kopf.
Besonders der Vergleich mit Abschieden, die mit einer Scheidung verbunden sind. So war das (soweit ich weiss) noch nie Thema in unserem Forum, obwohl wir alle davon betroffen sind.

Das Thema ist für mich nicht nur hier im Forum aktuell (Simone), auch in meiner Vergangenheit gab es Abschiede und in meinem Freundeskreis ist das Thema auch gerade aktuell.

Mich regt vor allem deine These, dass Abschiedserfahrungen Modell für potenzielle Abschiede sind zum nachdenken an. Da muss ich bei mir noch einiges aufarbeiten.

LG
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Re: Abschiede

Beitragvon Muckelmaus » 6. März 2009 00:40

Hallo alle miteinander!

Abschiede habe ich auch erleben müssen oder dürfen.

Da wäre der Abschied von meiner Ehe, unseren gemeinsamen Wünschen, unserer gemeinsamen Zukunft und unserem gemeinsamen Weg. All das gab es plötzlich nicht mehr und trotzdem tauchten keine schlechten Gefühle auf. Mag es daran liegen, dass wir uns fair getrennt haben, ohne Streitereien um Unterhalt oder Sorgerecht oder oder oder?
Mein Exmann hat vor kurzem gesagt, es läge daran, dass wir uns trennten, bevor wir gelernt haben, uns zu hassen. Ich glaube, da liegt der Schlüssel. Wir lieben uns schon lange nicht mehr, aber wir mögen uns immer noch.

Aber es gab auch Abschiede, die schmerzlich waren.
Da war der Tod meiner Mutter, die nur 50 Jahre wurde. Wenn ich an sie denke, werde ich auch heute - 14 Jahre nach ihrem Tod - noch traurig. Denn auch wenn der Tod eine Erlösung von ihrer schweren Krebserkrankung war, so hatte sie nicht das Leben, dass ich mir für sie gewünscht hätte. Die Alkoholsucht, mein Vater, der sie verließ, als sie mit mir schwanger war, eine dominante Mutter, der sie nichts recht machen konnte, die mir aber eine wunderbare Oma war. All das war sicher nicht leicht für sie. Aber der Krebs gab ihr keine neue Chance mehr.
Da war der Tod meiner Großeltern. Sie waren mein Auffangnetz, als ich noch ein Kind war und meine Mutter trank. Sie waren es, die mich erzogen haben in all der Hilflosigkeit bzgl. der Sucht meiner Mutter. Vorallem der Tod meines Opas hat mich getroffen und mir den Boden unter den Füssen genommen. Er war nicht nur mein Opa - er war mein bester Freund. Er war die Seele, die mich immer wieder in die richtige Richtung lenkte, mich zum Lachen brachte, mir die Welt und vor allem sein Köln gezeigt und erklärt hat. Er war derjenige, der mir Kölsch beibrachte, obwohl ich noch nicht einmal hochdeutsch lesen und schreiben konnte.

Von diesen Menschen, aber auch von meiner ersten Ehe habe ich in Frieden und Liebe Abschied nehmen können, weil es keinen Grund für etwas anderes gab.
Es gibt sehr viele wunderbare und positive Erinnerungen an meine erste Ehe. Es gab Erlebnisse, für die ich meinem Exmann heute noch dankbar bin und die ich ihm nie vergessen werde.
Ich würde mir wünschen, dass Paare, die sich trennen, sich auch noch einmal an all das positive ihrer gemeinsamen Zeit erinnern und es für sich noch einmal hervorheben. Das macht das Abschiednehmen - vielleicht nicht in Liebe - aber in Ruhe und Frieden leichter.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 6. März 2009 09:01

Hallo Ihr zwei und alle,

danke, dass Ihr geschrieben habt. Schön, dass du etwas damit anfangen konntest, was ich geschrieben habe, Bärchen.

So viele gelungene Abschiede, Muckel, das ist sehr schön. Kannst du fühlen und beschreiben, was dazu beigetragen hat und was deine Fähigkeiten sind, die die Abschiede haben so gelingen lassen?

Liebe Grüßé von Gerda
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Re: Abschiede

Beitragvon MarliJo » 6. März 2009 09:27

Liebe Gerda !

Auch ich finde deine Gedanken zum Thema Abschied sehr treffend und wunderbar formuliert.
Vielen Dank dafür !
Eigene Gedanken dazu sicher dann später.

Liebe Grüße
MarliJo
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Re: Abschiede

Beitragvon Ansa » 6. März 2009 09:50

Ihr Lieben,

Abschiede gehören zum Leben, wie das geboren werden. Ich erinnere mich an einen Einschulungsgottesdienst, zu dem die Kinder viele Bilder gemalt haben, was alles für sie zum Leben dazu gehört, was Leben und Kirche für sie ausmacht. Es waren auch Bilder vom Sterben dabei, von Beerdigungen, vom Tod. Es war sehr spannend, zu beobachten, wie unterschiedliche die Menschen damit umgingen. Die Kinder nahmen`s gelassen, die Älteren hingegen meinten "was gehört denn das hierher....." und ich sagte "das einzige was wir wissen, wenn wir geboren werden, ist, das wir eines Tages sterben müssen" darauf entspann sich dann eine Diskussion.

Ich bin jetzt gleich beim letztendlichen Abschied, der für den Betroffenen sicher ein Entgültigkeit hat und für die Angehörigen auch und doch liegt in ihm ein Neubeginn, nichts wird mehr so sein, wie es einmal war. Das Leben geht weiter und verändert sich, man muss (darauf kommt es in diesem Fall an) Wege finden, um weiter zu leben.

Dieses muss betrifft uns auch, wenn es um eine Scheidung geht. Sie mag durchaus eine einseitige Willenserklärung sein, etwas, das wir vielleicht nicht wollen, nie wollten und doch leben müssen.... manchmal ungefragt, manchmal aber eben auch auslösend und entschieden. Es ist ein muss, das uns da begegnet, ob wir es wollen oder nicht. Nur hier können wir noch etwas verändern und selbst handeln. Insoweit ist dieses MUSS lebendig, wenn auch nicht leichter.

Als unsere Ehe damals auseinander brach, da verlor ich nicht nur die Gegenwart, sondern auch meine Zukunft. All die Pläne, die Wünsche und Hoffnungen, all das, was einmal "uns" ausmachte, und auf das ich hinlebte, all das war verloren..... bei mir war es, durch das Verhalten meines Exmannes auch so, das ich meine Vergangenheit verlor, denn am Ende war nichts so, wie es ausgesehen hatte. Ich hab meine Zeit gebraucht und ich hab um manches getrauert.... um dsa Zuhause, das ich meinen Kindern so gern erhalten hätte. Um ein Häuschen in Schweden, von dem ich träumte und das mir allein unerreichbar schien. Um meinen Habicht, von dem ich mich trennen musste und der mir soviel bedeutet hat. Von einer Familie, die plötzlich und unerwartet, Position gegen mich bezog. "Mit einer Frau wie Dir muss mein armer Sohn ja fremdgehen" sagte mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter sagte "ach weißt Du, wenn Du zu blöd bist, um zu sehen, dass Dein Mann woanders nascht und ihn nicht halten kannst..... musste sehen, wo Du bleibst." Als ich darum bat, doch eine Basis zu finden, weil wir Berührungspunkte haben würden, wegen der Kinder, warfen sie mir Erpressung vor und Enkelentzug.... Es war eine sehr dunkle Zeit, in der ich Morgens aufwachte und nur dachte "hoffentlich, hoffentlich ist dieser Tag bald zu Ende." Ich weiß bis heute nicht, wie ich manche dieser Tage überlebt habe....

Aber irgendwann kam mein Überlebenswille wieder hervor und ich begriff, das mir da ein Geschenk begegnet war. Dies, was da so leer vor mir lag, dies war mein Leben..... meins und endlich konnte ich darüber bestimmen. Ich ganz allein durfte die Weichen stellen und schauen, was ich damit anfangen wollte. Keine Kompromisse mehr..... keine BAN Beziehung (besser als nichts) mehr, keine Einordnung in Systeme die mir nicht nahe sind (vermutlich hab ich deshalb so schwierige Schwiegereltern bekommen ,) ) Sondern einfach etwas ganz kostbares, mein Ich, das ich wieder fand und mein Leben, das ich nun gestalten durfte und konnte.

Irgendwann hab ich meinem Exmann sogar gesagt "Ach Danke, Danke das Du mich verlassen hast" ich hab das ganz ernst gemeint, er vermutlich nicht verstanden, denn ich hab ja ihn verlassen.... er zog zu einer anderen und ich hab ihn verlassen. Man kann die Dinge schon sehr seltsam betrachten.... :blabla:

Und als ich alles verloren glaubte, was ich je erhofft hatte, als ich den Wunsch es zu haben aufgegeben habe, da hab ich es geschenkt bekommen. Ich erinnere mich, das ich gebetet habe, einen Gefährten zu finden, der genauso ist, wie ich ihn mir wünsche und das ich dachte, ich weiß nicht wirklich was ich brauche, aber Du Gott, Du weißt es, also verlasse ich mich auf Dich..... und dann traf ich meinen Liebsten. Seitdem geistert durch unsere Beziehung manchmal "wie war es bloss für Dich, so vom Stern geschubst zu werden und vor meine Füße zu plumpsen?" Und dann kichern wir, er sagt "ich hab Dich auch lieb" und ich bin demütig meinem Leben gegenüber..... selbst mein Traum vom Haus in Schweden habe ich geschenkt bekommen..... noch gestern habe ich zu meiner Tochter gesagt, "dieser Ort, dieser Hügel dort, der hat etwas magisches, ich kann das nicht erklären, aber als ich dort ankam, wusste ich, hier will ich nie wieder weg...."

Abschied ist ein neuer Anfang, es kommt bloß darauf an, was man daraus macht..... ich habe mir das alles nicht gewünscht, ich wollte so gern meine Ehe erhalten und doch weiß ich, hätte ich es getan, wäre ich unglücklich geworden.... so betrachte ich Abschiede heute anders als früher. Ich achte darauf, das möglichst immer alles gesagt ist, zumindest ansatzweise. Ich achte darauf, das meine Kinder immer wissen, das ich sie liebe..... Ich bin gläubig, da rede ich nicht oft drüber und ich geh auch nicht in die Kirche..... mein Bild von Gott ist einfach mein Bild.... und doch habe ich gelernt, das nach langer Dunkelheit immer etwas Gutes kommt, daran glaube ich ganz fest. Vermutlich handle ich auch so, das etwas Gutes kommen muss.... insoweit bedingt sich das eine durch das andere oder wie mein Opa sagte "hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott dabei."

Abschiede sind Lernstationen, Grenzerfahrungen und doch, sind sie der Beginn von etwas Neuem. Es kommt einfach darauf an, was wir daraus machen. Und jeder darf sich soviel Zeit dafür nehmen, wie er braucht.

Liebe Grüße an Euch
Niana
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Re: Abschiede

Beitragvon Muckelmaus » 6. März 2009 10:43

Guten Morgen ihr Lieben!

@ Gerda
In der vergangenen Nacht hatte ich Zeit zum Nachdenken. Da Felix momentan zahnt (die Backenzähnchen drängen nach draußen), konnte er nicht richtig schlafen. Ich habe ihn dann aus seinem Bettchen genommen und bin mit ihm ins dunkle Wohnzimmer. Dort habe ich dann mit ihm auf dem Sofa gesessen und während er sich einkuschelte und wieder einschlief, schaute ich ihn an und dachte nach - über andere Abschiede in meinem Leben, bei denen nicht alles gesagt werden konnte z. B.
Ich dachte an meine kleine Luisa, die nie wirklich leben durfte. Hatte ich ihr all meine Liebe mit auf ihren neuen Weg gegeben? Konnte ich sie fühlen lassen, wie sehr ich sie (immer noch) liebe und vermisse? Ich habe ihr damals einen Brief geschrieben, der heute in meinem Tagebuch liegt. Darin habe ich von all meinen Wünschen, Gedanken und Träumen für sie geschrieben. Für mich war dieser Brief an sie ein Abschied und der Neubeginn in ein Leben ohne mein kleines Mädchen. Wie oft habe ich in den letzten Monaten, seit Felix bei uns ist, an sie gedacht? Sie wäre jetzt eine große Schwester ... Aber es durfte nicht sein.
Ich bin - ähnlich wie Niana - ein gläubiger Mensch, auch wenn ich nur selten in die Kirche gehe. Mein Opa hat mir ein eigenes Bild von Gott mit auf den Weg gegeben und dieses Bild habe ich versucht, meinen Kindern zu vermitteln. Aber ich bin mir sicher, dass es eben dieser Gott ist, der nun seine schützende Hand über mein kleines Mädchen hält, so wie er es auch getan hätte, wäre sie noch bei uns und das ist es, was mir Trost gibt - auch heute noch.

Ich dachte aber auch an die Beziehung, die ich führte, bevor ich meinen Mann kennenlernte.
Es war keine Beziehung, wie man sie sich wünscht. Sie war geprägt von Gewalt, Einschüchterung und Unterdrückung und rückblickend frage ich mich immer noch, wie ich das alles habe zulassen können. Wo war ich und warum habe ich die Gefahren für mich nicht gesehen? Diese Beziehung war der Grund, warum ich meine Mädels bei ihrem Vater ließ - um sie zu schützen. Aber damals konnte mich niemand verstehen. Man sah in mir eine schlechte und egoistische Mutter, die nur auf ihren Vorteil und ihr Vergnügen, auf ein Leben ohne Verantwortung für Kinder bedacht war. Meine Narben, blauen Flecke, die Risse in meiner Seele sah niemand und ich sprach auch nicht darüber. Ich schämte mich viel zu sehr. Wenn heute eine Frau sagt, ihr Mann solle sie nur einmal schlagen, dann würde sie sofort gehen - nein, daran glaube ich nicht mehr. Viel zu viele Frauen stehen diese Situation viel zu lange - manchmal ihr ganzes Leben lang - durch. Ich habe hier im Forum noch nie darüber gesprochen und es fällt mir auch immer noch sehr schwer. Auch in meinem privaten Umfeld wissen nur wenige davon, weil in mir immer die Angst steckt, dass man mich nicht versteht, weil ich mich selbst nicht verstehe, was diesen Punkt in meinem Leben anbelangt.
Diese Beziehung ist für mich noch nicht komplett aufgearbeitet, dass weiß ich. Aber ich bin im Moment auch (noch) nicht bereit dazu. Ich weiß nicht warum. Nur, irgendwann wird dieser Punkt kommen, an dem ich mich auch davon verabschieden kann. Vielleicht ist dazu eine Therapie nötig, vielleicht auch nicht - das weiß ich noch nicht. Vielleicht sind die Narben für einen Abschied noch immer zu frisch .....

Du fragst, wie es zu den gelungenen Abschieden kam in meinem Leben.
Zu meiner ersten Ehe kann ich nur sagen, dass wir gemeinsam eine lange Zeit um unsere Ehe gerungen haben und sie wieder auf stabile Beine stellen wollten. Aber irgendwann - ich weiß noch genau - es war ein sonniger Morgen im Juni - stellten wir fest, es geht einfach nicht. In einem ruhigen, aufrichtigen Gespräch beschlossen wir, uns zu trennen. Es war keine Trennung im Streit und mit Wut. Wir konnten uns in die Augen sehen und das ist so geblieben. Wir konnten unsere Ehe beenden, ohne Bitterkeit im Herzen.
Wenn du nach meiner Mama und nach meinen Großeltern fragst, so denke ich, liegt es u. a. an der Therapie, die ich gemacht habe. Ich habe mit vielen Tränen und Rückschlägen erkannt, dass zwar vieles in meiner Kindheit falsch lief, aber letztendlich habe ich ganz allein die Verantwortung für mein Leben und ich kann bestimmen, wie es sich entwickeln soll. Ich habe gelernt, dass es zwar falsch von meinen Großeltern war, mich unter Druck zu setzen und mir die Schuld an einem möglichen Rückfall meiner Mutter zu geben. Aber sie taten es nicht, um mir zu schaden. Sie wollten mich schützen und waren dabei doch selbst so unendlich hilflos.
So konnte ich meinen Frieden machen mit ihnen und mit meiner Vergangenheit.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 6. März 2009 11:51

Liebe Muckel und alle

dein Abschied von Luisa berührt mich. Und es berührt mich auch, dass dein Abschied immer noch andauert. Denn jetzt, wo du Felix hast, siehst du an ihm auch noch einmal all das, was du mit Luisa nicht erleben konntest, und mußt es noch mal neu verabschieden.

Eine Freundin, deren Kind am Tag vor der Geburt gestorben ist, hat ein Jahr später wieder ein Kind bekommen. Sie machte es so, dass sie zwei Tagebücher schrieb - eines über das Neugeborene und eines mit Briefen an das tote Kind. Darin schrieb sie von ihren Gefühle für ihn, der das alles nicht erleben konnte und mit dem sie das alles auch nciht erleben konnte. Ich glaube, so ein Kind wie Luisa, das vergißt man nie und es hat verdient, dass es im Herzen immer weiter leben darf. So geht es mir auch mit Lilly, meiner Enkeltochter, die mir genauso lieb und wichtig ist, wie alle lebenden Enkel.

Ich verabschiede mich gerade von Sophia, meiner Katze. Sie ist seit Sonntag nicht mehr nach Hause gekommen. Ich nehme an, dass sie überfahren wurde oder vom Fuchs geholt wurde. Ich bin darüber sehr traurig und ich vermisse sie sehr. Sie war so furchtbar scheu und ängstlich, als ich sie bekam. Es hat sehr lange gebraucht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Aber dann hat sie in den letzten wochen immer auf meinem Bett gelegen, hat zwar peinlich genau darauf geachtet, dass sie mich nicht berührte, aber sie war da und suchte meine Nähe. Mir hat ihre Anwesenheit einfach nur gut getan. Ich glaube, die Scheu und hohe Verletzlichkeit, die sie ahtte, hat mich mit ihr mich verbunden fühlen lassen. Diese Seite kenne ich bei mir auch und da hat sie mir gut getan. Überall, wo ich bin, wo sie sonst auftauchte, vermisse ich sie. Ich kann es noch gar nicht glauben, und mein Herz tut mir weh. Ich weiß, das ist das Leben, das ist die Natur. Ich spüre meine Verbindung mit ihr und spreche mit ihr im Herzen. Das tut mir gut. Und ich über, sie in Liebe gehen zu lassen und auch mein schmerzendes Herz mit dieser Liebe zu besänftigen.

LG
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Re: Abschiede

Beitragvon Ansa » 6. März 2009 12:19

Ihr Lieben,

Abschiede von ungeborenen Kindern sind sooo ganz besonders schwer, finde ich. Ich habe zwischen nach meinen beiden Großen drei Kinder verloren, zwar früh, aber jedes von ihnen habe ich mir gewünscht, jedes war willkommen und um jedes habe ich geweint. Sehr allein geweint, derweil, "darüber spricht man nicht". Sie haben nicht oder kaum gelebt und mit dieser Trauer können viele Menschen nicht umgehen. Was hab ich nicht alles gehört.... "ach, Du hast doch schon zwei, kümmere Dich um die" und "die waren doch nicht lebendig" war allerhand dabei. Manchmal war ich fassungslos, was i´ch zu hören bekam und mit jedem verlorenen Kind wurde ich stiller. Wir begehen ja bei uns in der Familie den Totensonntag festlich, indem wir für jeden, den wir kannten, eine Kerze anzünden und jeder etwas zu ihm und über ihn sagen darf, woran wir uns erinnern, was wir vermissen und was uns heute noch freut.... für diese Kinder zünde ich meine Kerze (heute nur noch eine) immer schweigend an. Mir fehlen da die Worte.... es ist immer noch wie ein klitzekleines Stückchen eigenen Sterbens, sie haben etwas von mir mitgenommen und mir etwas hier gelassen. Es gibt keinen Platz für sie in dieser Welt, nur in mir selbst.

Und als ich dann mit meiner Jüngsten schwanger wurde, da stellten die Ärzte bei meinem Exmann und mir einen genetischen Defekt fest, es gab nur drei Möglichkeiten, entweder das Kind ist gesund, oder ich verliere es früh, oder es überlebt die Geburt nicht. Ich war am Anfang des 5. Monats und alle wollten Untersuchungen noch und nöcher.... ich hab mich damals geweigert und bei mir gedacht, egal wie es ausgehen mag, diese Zeit in mir, die soll es spüren, als angenommen, als geliebt und als erwünscht. Ich war sehr einsam mit meiner Entscheidung. Ich hab keine Kraft mehr gehabt, für andere Menschen, außer für meine Kinder. Ich dachte, mein Mann ist erwachsen und wird es schon schaffen, so eine kurze Zeit, mal ohne mich..... ich habe mich geirrt. Meine Familie war böse mit mir, weil ich so gar kein Verständnis hatte für andere, kleine Probleme. Meine Schwiegermutter fand mich egosistisch und weltfremd, "lass wegmachen..... so`n Quatsch." Niemand hat meine Entscheidung geachtet, nur mein allerliebster Freund, der hat mich verstanden.... und getröstet. Ich hab Albträume gehabt. Als meine Jüngste dann gesund geboren wurde, war dies einer der glücklichsten Momente meines Lebens. Ich war so dankbar. Und doch, all meine eigene Unsicherheit, meine Angst, mein Durcheiandersein, das spüre ich heute noch in diesem Kind.

Man wirft mir vor, sie stände mir näher als die anderen und man macht mir Vorwürfe für mein unendliches Verständnis, das ich ihr gegenüber habe. Aber ich kann gar nicht anders.... manchmal hab ich ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber. Ich weiß, das ist nicht gut, aber sie ist mein Schwachpunkt. Nur wenn ich heute erkläre, wie es damals war, dann zucken allen mit den Schultern und sagen "nu aber hör mal, das war vor 12 Jahren....." Für mich aber war es der Hauch der Einsamkeit und manchmal spüre ich ihn immer noch. All ihre Unsicherheit sehe ich als Folge meines Tuns... oder, wenigstens als Auslöser dafür. Ich hab ein schlechtes Gewissen, keines meiner Kinder habe ich soooo sehr gewollt, wie dieses. Um keines habe ich so sehr geweint und, so sehr ich alle meine Töchter liebe, sie steht mir auf eine besondere Weise nahe. Und ich weiß, das sollte nicht so sein.

Sehr viel später habe ich nocheinmal ein Kind verloren, ich habe sehr getrauert, aber es gab keinen Vater und zum ersten Mal war ich darüber froh, dass es sich so entwickelt hat. Zum ersten Mal begriff ich den Zwiespalt, in dem Frauen manchmal stehen, wenn sie Entscheidungen treffen müssen. Mit half die Natur, ich musste nichts entscheiden, und doch, ich war sooo nahe dran. Am Ende fügt sich alles so, wie es sein soll oder eher so, wie ich es annehmen kann? Ich weiß es nicht.

Trauer und Verlust haben so viele Seiten.... und auch Raum für Tiere ist da. Was habe ich, mit 19 um meinen Wellensittich geweint....

Irgendwie passt dieser Thread zum Wetter draußen, grau und trüb und ein langsamer unendlich scheinender leiser Regen.... Trennungswetter. Oder doch Frühlingsregen?

Euch liebe Grüße
Niana

P.S. Gerda, vielleicht kommt sie ja noch wieder und wenn nicht, sie hat ein Zuhause gefunden und Vertrauen gewinnen können, das wird sie mitnehmen.... etwas von ihr wird bleiben. :umarmen:
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Re: Abschiede

Beitragvon Muckelmaus » 6. März 2009 12:40

Ihr Lieben!

@ Niana
Ja, das Thema passt zu dem Wetter - trüb, grau, ständiger Regen ....

Eine Freundin von mir hat zwei Kinder verloren, bevor sie endlich ihr zweites Kind im Arm halten konnte. Auch bei ihr konnten nur sehr wenige Menschen verstehen, warum sie trauerte. War sie doch erst in 10. oder 11. Schwangerschaftswoche gewesen. Auch sie war erschüttert darüber, wie manche Menschen reagierten. War es deren eigene Hilflosigkeit der Trauer gegenüber? Ich vermag es nicht zu beurteilen.

Als wir Luisa verloren, trauerte mein Mann so ganz anders als ich. Während ich meine Trauer nach außen trug, grub er sich damit ein und es ist uns beiden recht schwer gefallen, den Weg des anderen zu aktzeptieren. Aber irgendwann hatten wir verstanden, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Trauerweg gehen muß, um Abschied nehmen zu können.

@ Gerda
Es stimmt, was du sagst, mein Abschied von Luisa hält immer noch an - jeden Tag ein wenig, mit jedem kleinen Entwicklungsschritt, den Felix macht.
Am Abend vor Felix 1. Geburtstag im letzten Oktober habe ich eine Kerze angezündet - für Luisa. Wäre das doch ihr errechneter Geburtstermin gewesen. Sie wäre 4 Jahre alt geworden. Ich habe im dunklen Zimmer gesessen, ganz allein mit dieser Kerze und habe an sie gedacht. Ich habe mich gefragt, wie sie wohl aussehen würde, ob sie ein glückliches Kind wäre, ob es ihr bei und mit uns gut ginge. Ich habe darüber nachgedacht, was sie wohl zu ihrem kleinen Bruder gesagt hätte. Es war wieder einmal ein kleines Stück Abschied. Ein Abschied, der mich wohl ein Leben lang begleiten wird.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 6. März 2009 12:46

Hallo Muckelmaus,

gibt es etwas, was du mitgenommen hast von Luisa?

Auf meinem Friedhof hier gibt es eine stelle, da kann man ein kleines Marmortäfelchen anbringen lassen z. B. mit dem Namen des früh verlorenen Kindes und dem Datum. Diese stelle ist eine Art 4 oder 5 m hohes Denkmal, da steht oben drauf (sinngemäß, den genauen Wortlaut kenne ich gerade nicht)"du bist eine Melodie, die nur in mir geklungen hat". Da muß ich immer weinen vor Berührung. Und da werde ich auch ein Täfelchen für Lilly anbringen lassen. Geklungen hat sie auch in mir, aber natürlich anders, als wäre sie in mir gewachsen.

LG
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Re: Abschiede

Beitragvon Muckelmaus » 6. März 2009 12:54

Liebe Gerda!

Es gibt einige materielle Dinge, die ich von Luisa habe. Da wäre der kleine Strampler z. B., den ich gekauft habe, nachdem der Frauenarzt mir sagte, es würde ein kleines Mädchen.
Ich habe diesen Strampler in einem Fachgeschäft für Kinderbekleidung gesehen und ihn spontan gekauft, weil ich mich so sehr gefreut habe, noch ein Mädchen zu bekommen. Er war sündhaft teuer, aber das war mir egal. Natürlich ist er rosa und ganz auf kleine Damen zugeschnitten. Aber selbst wenn er das alles nicht wäre, Felix hätte ihn nie getragen.
Aber ich habe auch andere Dinge von Luisa in meinem Herzen. Sie hat mich gelehrt, dass man lieben kann auf eine unendliche Entfernung, ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen in diesem Leben. Sie hat mir gezeigt, dass es nicht selbstverständlich ist, Kinder zu haben und sie begleiten zu dürfen auf ihrem Weg. Sie hat mich gelehrt, meine Mädels und auch Felix mit anderen Augen zu betrachten und ihnen ganz nah zu sein.
Dieser kleine Mensch, den ich nur einige, wenige Wochen in mir tragen durfte, hat mich die Weisheiten meines ganz persönlichen Lebens gelehrt.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 6. März 2009 12:55

Hallo Niana,

danke sehr für diesen schönen Gedanken. Der tröstet und heilt
Niana hat geschrieben:sie hat ein Zuhause gefunden und Vertrauen gewinnen können, das wird sie mitnehmen.... etwas von ihr wird bleiben.


Ja, es ist schrecklich, wie wenig sensibel andere Menschen dafür oft sind bei Fehl - oder Totgeburten. Da gibt es leider auch keine Rituale in unserer Kultur verankert, um damit angemessen umzugehen. Das ist einfach ein TAbu - es passiert zwar total oft, aber es DARF NICHT darüber gesprochen werden. Und ich glaube, das ist das Zweitschlimmste an einer Fehlgeburt und vielleicht noch schmerzhafter.

Ach, Niana, es ist doch egal, was die anderen sagen wegen deiner JÜngsten und deiner hohen Akzeptanzfähigkeit. Es geht ja nur sie und dich etwas an. Und dass Ihr zusammen seid und zusammen lebt, und es immer wieder gut hinkriegt, das ist doch das Allerwichtigste, oder?

Mir haben auch sämtliche Menschen eingeredet, meine Tochter sei nihct in Ordnung und wie ich für sie sorge. Aber manchmal wissen wir Eltern und Kinder eben als Einzige, was wir voneinander und miteinander brauchen.

LG
Gerda
"Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“

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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 6. März 2009 12:59

Liebe Muckel,

das finde ich etwas ganz Besonders, was du da schreibst, etwas ganz Wertvolles:
Muckelmaus hat geschrieben:Sie hat mich gelehrt, dass man lieben kann auf eine unendliche Entfernung, ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen in diesem Leben. Sie hat mir gezeigt, dass es nicht selbstverständlich ist, Kinder zu haben und sie begleiten zu dürfen auf ihrem Weg. Sie hat mich gelehrt, meine Mädels und auch Felix mit anderen Augen zu betrachten und ihnen ganz nah zu sein.
Dieser kleine Mensch, den ich nur einige, wenige Wochen in mir tragen durfte, hat mich die Weisheiten meines ganz persönlichen Lebens gelehrt.

Auch davon fühle ich mich sehr berührt. Das ist sehr wichtig, was du da fühlst, finde ich. Und ich glaube sofort, dass man von den Luisas und Lillys lernen kann, dass man lieben kann auf eine unendliche Entfernung und ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen in diesem Leben. Die unendliche Entfernung scheint mit Liebe zu verbinden sein? Danke, dass du es geschrieben hast.

LG
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Re: Abschiede

Beitragvon Yvaine » 6. März 2009 14:15

Hallo ihr Lieben,

oh, ich lese Geschichten, die treiben mir die Tränen in die Augen. Von verlorenen kleinen Sonnenstrahlen (ich selbst hab ja noch keine, möchte aber mindestens 2), kleinen Schmusern.

Abschiede sind immer schwer, im Guten (Wenn jemand im hohen Alter friedlich entschläft und dankbar ist für die Zeit und freudig für das was kommen mag) und im Argen (Scheidung,Trennung).

Auch ich habe mich gerade verabschiedet. Von meinem ersten eigenen zu Hause. Von meinem ersten "selbstgesuchten" Freundeskreis. Ich sag euch, ich stand an diesem Umzugslaster und hab geheult... Es war gut, zu sehen, dass die anderen Lächeln, um mich lieb zu verabschieden. Dass sie an mich denken werden. Doch dann kam eine Freundin, die ich noch nicht so lange kannte(Ich hab erstmal meine Taschentücherpackung an sie weitergegeben). Gerade mal ein halbes Jahr dauerte unsere kurze, aber intensive und wertvolle Freundschaft. Ein halbes Jahr ist für diese Freundschaft etwa ein ganzes Leben an Zeit zu kurz. Ich weiß, nur weil ich gegangen bin ist die Freundschaft nicht zu Ende, aber immerhin sieht man sich erstmal nichtmehr dauernd (und wir haben uns im Schnitt wohl mindestens jeden zweiten Tag gesehen und geknuddelt.) Nur mit allen anderen dort, hatte ich so viel Zeit und war mit allen an den Punkt, dass wir uns richtig kannten. Da war ALLER Grundstein gelegt... Aber Sie. Das war anders. Irgendwie sind wir verbunden.

Immer wenn ich jetzt Photos und Videos "von damals" (denn der Abschnitt ist abgeschlossen, es gibt kein zurück und das muss so sein) anschaue, habe ich Tränen in den Augen oder fang gleich wieder richtig an.
Meine Freunde fehlen mir. Ich bin hier noch recht allein und ich vermisse diese Menschen, die mir durch Zufall oder Fügung, nur weil sie da waren und ich da war und die Chemie gestimmt hat, so sehr ans Herz gewachsen sind. Oder, nein, nicht ans Herz, ins Herz.
Dort sind sie jetzt und dort trage ich sie mit mir.

Abschiede. Ich bin nicht gut in Abschieden. Ich kann nicht gehen lassen. Am liebsten hätte ich immer alle, die mir wichtig sind, um mich.
Das macht mir meine Fernbeziehung nicht einfacher. Ständiges "Wiedersehen" und nach 2 Tagen wieder "Verabschieden". Stundenlange Telefonate, bei denen sich jedes Mal das Auflegen wie ein Abschied anfühlt und man am liebsten gleich wieder anrufen würde, um zumindest die Stimme wieder um sich zu haben.

Soviel zu meinen Abschieden. Schniefige Grüße mit einem Kloß im Hals (manchmal ist man eben doch wieder das kleine Mädchen),
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