Abschiede

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Re: Abschiede

Beitragvon Muckelmaus » 6. März 2009 14:41

Du hast recht @ Yvaine - auch das sind Abschiede, die sehr schwer sein können. Man vermisst geliebte Menschen, die man nicht mehr um sich hat. Da helfen auch keine Telefonate, Briefe oder E-Mails. Das persönliche fehlt einfach.

@ Gerda
Die Liebe überwindet diese unendliche Entfernung.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Abschiede

Beitragvon Tamara22 » 7. März 2009 08:48

Guten Morgen ihr Lieben,

ich hatte nur endlich Ruhe um die Beitrgäe hier zu lesen, das passt ja auch nicht in jeden Tag.
Abscheid ist ein bestimmendes Thema in meinem Leben, ich glaube dazu hatte ich auc schon vor längerre Zeit einmal etwas geschrieben und es ist schön, dass du liebe Gerda hier Platz dafür geschaffen hast. Ich mag gern in Ruhe noch mehr dazu schreiben für den Moment nur ein kleiner Erinnerungsfunken an meinen Niko, der auch nicht auf der Erde angekommen ist mich aber damit beschenkt hat, das ich ihn fast 4 Monate bei mir haben durfte... Er macht das Leben auf einmal einzigartig und wertvoll und ich glaube dass ich das im Bezug auf Abschiede gelernt habe. Sie tun weh, ja und sie hinterlassen Spuren, zum Glück, denn was ich für mich daraus lerne ist, dass das Leben so wertvoll ist und jeder Moment einzigartig und selbst wenn ich "nur" durch Schmerz daran erinnert werde, so habe ich es wenigstens erinnert.
Die Erinnerng bleibt klingt immer ein wenig platt, aber es ist für mich so. Ein Abschied ist ein Beginn, der Beginn von Erinnerung. So gesehen liegen diese zwei Seiten wieder sehr nah beieinander. Und auch die Abschiede die ersehnt werden, weil damit Schmerzen beendet werden können bilden diesen Anfang. Ich finde das tröstlich und schön und ...ja.

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Re: Abschiede

Beitragvon Muckelmaus » 7. März 2009 09:12

Guten Morgen ihr Lieben!

Hier herrscht noch weitgehend Ruhe, daher will ich die Zeit nutzen.

Mich persönlich tröstet es, wenn ich lese, dass es hier Menschen gibt, die meinen Schmerz um Luisa verstehen können, weil sie ihn für sich selbst auch empfinden, da sie das gleiche erlebt haben. Als unsere Luisa damals starb, habe ich oft ähnliche Sätze gehört, wie Niana auch und sie schmerzten noch mehr.

Mir ist aber noch ein Abschied in meinem Leben eingefallen, dem ich völlig ohnmächtig gegenüberstand und für den es einfach keine sinnvolle Erklärung gibt.
Eine Cousine meines Exmannes und ich, wir waren zeitgleich mit unseren Ältesten schwanger und sogar der errechnete Entbindungstermin war der gleiche.Wir haben oft beieinander gesessen und gewettet, welche von uns zuerst ihr Baby im Arm halten darf. Sie war es. Ihr kleiner Mann wurde 5 Tage vor meiner Ältesten geboren.
Aber es ist nun schon 10 Jahre her, dass wir ihn gehen lassen mussten.
Er war 6 Jahre alt, als er starb. Beim Spielen im eigenen Kinderzimmer gab es einen schrecklichen Unfall und er starb an dessen Folgen noch in seinem Kinderzimmer. Sein kleiner Bruder fand ihn tot. Er hatte sich beim Klettern in der Hängematte erhangen und schaffte es nicht mehr, sich daraus zu befreien.
Das ist für mich ein Abschied, dessen Sinn ich nicht greifen kann. Dieser kleine Junge hatte sein Leben doch eigentlich noch vor sich, hatte noch gar nicht alles erlebt und musste schon gehen.
Auf der Beisetzung fühlte ich mich fast "schuldig", wenn ich seiner Mama in die Augen sah. Wußte ich doch mein Mädchen gesund und munter zu Hause. Den Schmerz, die Fassungslosigkeit, das Unverständnis in ihren Augen werde ich nie vergessen.
Aber eines hat mich dieser schreckliche Tod gelehrt. Es ist nicht selbstverständlich, gesunde Kinder zu haben. Wir sollten Gott dafür danken, aber wachsam sein, dass es jederzeit anders kommen kann. Wieviele Kinder werden gesund und munter geboren, aber durch Unfälle oder Krankheiten, sind sie plötzlich tot oder behindert?

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Abschiede

Beitragvon Tamara22 » 9. März 2009 07:54

Guten Morgen,

liebe Muckel ich glaube zu verstehen was du meinst. Manche Dinge sind so unfassbar schlimm, dass man einfach darin keinen Sinn finden kann. Und ich glaube das muß man auch nicht.
Meine Mutter leitet eine Gruppe für trauernde Eltern und was da mmer sehr im Vordergrund steht ist die Erlaubnis zu trauern. Klingt komisch aber unsere Gesellschaft möchter gern möglchst schnell wieder einen Normalzustand und der beinhaltet dass man darüber hinwegken muß. Diese Eltern verlieren ein für mich sehr wichtiges Recht....die Würde des Menschen ist unantastbar. Niemand, absolut niemand hat das Recht den SChmerz und die Gefühle dieser Eltern zu beschränken oder abzuwerten. Aber das geschieht. Es geschieht m Kleinen bei freunden, Verwandten, die einfach auch aus Unsicherheit und auch Unsensibilität Gefühle verletzen und es geschieht im Großen, bei Arbeitsplätzen, im Alltag, im Weiterleben...wie es geht dir immer noch nicht besser, es ist doch schon 1 Jahr her. Du solltest wirklich nach vorne schauen und so weiter.

Da knüpfe ich wieder bei dem an, was ich schon schrieb. Die Erinnerung ist für mich ein wesentlicher Bestandteil des Leben uns wird nach einem Abscheid umso wichtiger. Und diese Eltern brauchen die Erinerung und die Erlaubnis dazu und das Interesse daran, denn so leben diese kleinen Menschen weiter. Sie SIND UND WAREN DA!!!! Was meint ihr wie oft diese ELtern danach gefragt werden, wie war das damals, erzähl mal??? Na ihr könnt es euch denken...(es gibt sehr wenige Ausnahmen)
Da braucht es anerkannte Feiertage damit Trauer gesellschaftsfähig wird, da kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr merkt, dass mich dieses Thema sehr bewegt, zum einen weil ich meinen Niko nun auch nicht bei mir haben kann, nicht lebendig, zum anderen weil ich durch meinen Beruf auch viel damit zu tun hatte.

Und mal als kleine Idee, würden die Menschen die Erinnerng schätzen od er schätzen lernen, dann könnten auch Abschiede anderer Art anders erlebt werden. Dazu gehören auch Trennungen und Scheidungen. Ic bin davon überzeugt dass die gemeinsame Erinnerung z.B. wie war es als ein Kind auf die Welt kam, oder als wie das erste Mal...oder damals als wir... Das braucht Mut und Menschen die diese Erinnerungen ebenfalls achten und mittragen und daran erinnern. Das kann kein Anwalt kein Gericht und kein Jugendamt, leider.
Und es hat damit zu tun sich an seine Liebe im Inneren zu erinnern und das macht es vermutlich in manchen Lebenssituationen so schwer...

Alles Liebe Tami
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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 9. März 2009 11:00

Liebe Tami und alle,

ich finde das sehr schön und sehr wichtig, was du zum Trauern schreibst. Verena Kast hat in ihrem Werk über Trauern geschrieben, wir brauchen eine "abschiedliche GEsellschaft". Eben eine Kultur, die Trauern mit einbezieht in das gesamte Leben, nicht nur als "krankhaftes Übel", das man hinter sich bringen muß, wenn jemand gestorben ist, so wie Fieber bei einer Grippe. Trauer als Grundemotion muß erlernt werden und eingeübt werden, auszudrücken. Eine Fähigkeit zu trauern muß eingeübt werden. Sonst sind keine Abschiede möglich. Trauer ist das Geschenk der Evolution an uns, damit wir all die Abschiede, die das leben täglich bietet, zu vollziehen.

Trauer wird so oft mit Depression verwechselt, dem Zustand von Schwere und Verzweiflung. Sogar in psychologischen TEsts wird Trauer damit gleichgesetzt, obwohl es etwas vollkommen unterschiedliches ist. Depression ist in fast allen Fällen die lebensverhindernde Folge von nicht ausgedrückter Trauer. Wer depressiv ist, leidet an Unlebendigkeit. Wer trauert, ist sehr lebendig. Ihc habe mal einen Film gesehen über die Klagefrauen von Mani in Griechenland. Sie gehen in den Abschiedsschmerz ganz tief rein. Sie tun das aber nur in einer gorßne Gruppe, inder ganzen Dorfgemeinschaft. Diese Gruppe hält die Trauernden, während sie in den Trauerschmerz hineingehen. Sie brechen manchmal zusammen vor lauter Schmerz, aber sie werden gehalten. Dabei komponieren und texten sie den Trauergesang aus dem STegreif. Sie singen so etwas, wie "ach du mein Goldschatz, mein Herz, du hast mich verlassen. Es tut so weh. Es ist so grausam, die Leere in meinem Herzen zu fühlen. Du warst so ein gutes Kind, so hübsch, so zart......" Das geht bis zu 1,5 oder 2 Stunden, ohne abzusetzen, bis alles ausgedrückt ist und nichts mehr da ist. Dann kommt der/die nächste Angehörige. Das ist eine ritualisierte Form, Trauer auszudrücken, die vollkommen lebendig und befreiend ist.

Das Gegenteil ist es bei uns. So wie du schreibst. Es gibt bei uns eine völlige Unkenntnis darüber, was Trauernde brauchen und die Menschen, die nicht betroffen sind, haben sehr große Angst, darüber zu sprechen, die Trauernden anzusprechen. Sie haben Angst vor diesen Gefühlen. Sie haben Angst davor, Gefühle anzurühren und dann nicht wissen, wie damit umzugehen.

Ich habe einen Freund, dessen Sohn ist mit 16 durch Schnüffeln an Feuerzeuggas gestorben, ein schrecklicher Unfall, denn normalerweise passiert das gar nicht. Der Freund und seine Frau haben unendlich getrauert und sind fast selbst gestorben vor Schmerzen, kann man sich ja vorstellen. Nach einem Jahr erzählte er mir, dass es für ihn und seine Frau am schlimmsten ist, dass die gesamte Verwandtschaft so tut, als hätte es das nicht gegeben. Bei Familienfeiern würde über alle gesprochen, aber nicht über ihr gestorbenes Kind. Damit würde er ein zweites Mal sterben.

Wenn ich meine Scheidung ansehe, dann fühle ich das da ähnlich. Mein Exmann hat in den 17 Jahren seit der Trennung vielleicht 5 mal mit mir gesprochen! das war zu einer Zeit, als meine Tochter bei ihm gelebt hatte und suizidal war. Er fühlte sich heillos davon überfordert und hat dannn ein paar mal mit mir gesprochen. Das wars. Wir haben drei Kinder und 7 Enkelkinder zusammen!
Für mich ist es total schwer, dass wir nie diese gemeinsamen erinnerungen besprechen oder mal sagen, "sieh mal der xEnkel, der sieht so aus wie ySohn´, als er in den Kindergarten kam. " Das ist für mich so traurig. Und es ist für mich sehr traurig gewesen, dass es nie Raum zum Trauern gegeben hat , sondern dass mein Exmann einen Gerichtsprozess nach dem anderen gegen mich geführt hat. Gekämpft, gnadenlos. Ich glaube heute, dass er damit seine Trauer niedergekämpft hat. Es ist für mich schrecklcih gewesen, dass wir nie gemeinsam getrauert haben darüber. Meine Tochter sagte mal, als sie 12 war, "Papa geht es viel schlechter, als dir, weil der kann nicht weinen". Wie klug von ihr!

Weil mir Trauer und der Raum für Trauern so wichtig ist, ist mir hier im Forum auch ein Tonfall wichtig, der Schutz gibt für diese Gefühle. Ich habe immer große Sorge, dass Trauer abgewehrt wird durch schwierigen Tonfall und mir kommt es so wertvoll vor, wenn feinfühlig geschrieben wird. Denn in den Trauergefühlen sind wir alle sehr verletzlich. Das gehört jetzt nicht mehr so zum Thema sondern mehr in den Thread mit den Wünschen und Erwartungen ans Forum, kam mir aber dann doch in den Sinn, als ich gerade schrieb.

Liebe Grüße
Gerda
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Re: Abschiede

Beitragvon kaktusbluete » 9. März 2009 12:43

Hallo zusammen,

ich finde das Thema sehr interessant und mich berührt es sehr, was ihr dazu schreibt.
Ich hatte auch schon einige Abschiede in meinem Leben, das schlimmste ist es für mich geliebte Menschen durch den Tod zu verlieren. Als meine Oma letztes Jahr gestorben ist, war das so furchtbar für mich. Ich bin eigentlich bei ihr die ersten Lebensjahre aufgewachsen und sie war der absolute Mittelpunkt in meinem Leben. Das hat mit der Zeit nachgelassen, aber ich dachte immer, wenn meine Oma stirbt, dann überlebe ich das nicht, dann stirbt auch ein Teil von mir - und so war es dann auch. Leider mache ich dann dicht, ich lass es überhaupt nicht an mich ran, will es nicht wahrhaben. Ich könnte aus dem Stegreif nicht mal das genaue Datum sagen, ich war auch noch nicht auf dem Friedhof. Als wir die Wohnung ausgeräumt haben, hab ich das ausgeblendet, was wir da machen. Ich dachte immer, sie kommt gleich wieder ins Zimmer. Jetzt viele Monate später hab ich mir erlaubt nachzudenken, dass sie tatsächlich nicht mehr da ist und da hab ich fast eine Nacht nur geweint. Ich denke, es ist nicht gut, solche Sachen zu verdrängen, aber ich bin da wirklich gut drin. Etwas, das mir weh tut, mich unangenehm berührt - das kann ich total wegschieben und mich gedanklich nicht näher darauf einlassen, wenn ich das nicht will. Ich mache da zu und blocke ab und wenn jemand fragt sag ich es geht mir gut... Vielleicht kann ich es lernen, anders damit umzugehen... Alles rauslassen bis gar nichts mehr da ist und gehalten zu werden - den Gedanken finde ich schön, Gerda.

Bald steht auch ein anderer Abschied an, ein Abschied von einer Familie die mehr meine ist als meine leiblichen Eltern. Eine Mama zu der ich zu jeder Tages- und Nachtzeit kommen kann, die immer für mich da ist und mir schon so oft geholfen hat, ein Papa, der mir "die Welt erklärt" und eine Freundin, die meine kleine Chaos-Schwester ist und die mir schon so sehr fehlt, wenn sie nur 2 Wochen im Urlaub ist. Ich kann da einfach kommen und fühle mich wie zu Hause, ich beteilige mich an der Hausarbeit, sitze unten mit den Eltern oder bin oben bei meiner Freundin - das ist der Ort an dem ich mich immer willkommen fühle und geborgen. Und jetzt werden sie umziehen über 500 km weit weg. Das beschäftigt mich gerade sehr, ich weiß gar nicht, was ich dann machen soll. Klar wird der Kontakt nicht abbrechen, aber es ist nicht das selbe... Ich schieb das in Gedanken auch noch weit weg, ist ja noch lang bis Juli. Nutze die Zeit bis dahin. Sie meinen ich soll doch mitkommen, sie würden sich freuen. Aber das würde (zu allem anderen) ein Abschied von ganz arg vielen anderen lieben Menschen bedeuten...
Gerade ist in meinem Inneren so viel los...

Kaktusblüte
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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 9. März 2009 13:34

Liebe Kaktusblüte,

es gibt einen ganz feinen aber wichtigen Unterschied in dem, was ich schrieb und MEINTE und dem, wie du es für dich formuliert hast.
kaktusbluete hat geschrieben:Alles rauslassen bis gar nichts mehr da ist und gehalten zu werden


Bei Trauer oder auch anderen Gefühlen sprechen wir schnell von "Rauslassen". Das aber wäre fatal. Denn es sind ja Anteile von uns, Energien. Es geht nicht um rauslassen im Sinne von, "dann ist es endlich weg", sondern um "ausdrücken". Es geht nicht darum, das die Trauer weggeht, sondern nur darum, dass sie ausgedrückt wird. Also dass wir darüber sprechen, weinen, und dass auch ein Gegenüber das hört. Wenn diese Bedingungen gegeben sind, dann bekommt die Trauer eine Umwandlungskraft im Innern. Dann entsteht aus der Energie, die "traurig" heißt und weh tut, eine andere Energie. und die ist z. B., dass ich nicht mehr den Schmerz im Vordergrund fühle, sondern plötzlich sehe, wie ich die Zukunft möchte, wenn der verabschiedete Mensch nicht da ist. Trauer ist also eine sehr kostbare Seelenkraft. Sie birgt die Fähigkeit, etwas in deiner Seele zu verwandeln in eine neue Energie, neuen Lebensmut, neue Lebensfreude für neue Lebenssituationen. Und sie ist auch eine Form der WErtschätzung von dem, was Dir wichtig ist. Sie zeigt, diese Menschen liebe ich und meine Tränen sind Tränen der Liebe.

Bezogen auf deine liebevolle nährende Wahlfamilie bedeutet das, dass sich, wenn du die Angst vor dem Wegzug und die Trauer, die damit verbunden ist, mutig anschaust und auch ausdrückst, in deinem Innern etwas wandeln wird. So kann etwas Neues in dir entstehen.z. B. eine neue Kontaktmöglichkeit.. Verabschiedung und den damit verbundenen Schmerz wirst du nicht vermeiden können. er gehört zum Leben dazu und immer wieder gibt es neue Abschiede, denen man sich stellen muß. Vielleicht ziehst du nicht mit der Familie weg, aber vielleicht richtest du dich ein auf einen regelmäßigen Telefon - und Email kontakt und darauf, recht häufig dorthin zu fahren für ein paar Tage. Wenn Trauer ausgedrückt wird, dann verleiht das der Seele die Kraft, etwas zu wandeln. Dann wird es möglich, die Verbundenheit auf eine andere Ebene zu stellen und dann dort weiter zu leben.

Ich z. B. war unglaublich traurig, als eine befreundete Familie wegzog. Und ich weiß mittlerweile, dass jeder größere Abschied alle anderen unerledigten Abschiede mit ans Tageslicht bringt. Ich weinte sehr und hatte das Gefühl, der Schmerz bringt mich um. Ich habe sie dann bald besucht. Fünf Tage lang. dann merkte ich, dass es total schön war, sie nun so zu besuchen. Wir hatten mehr Zeit füreinander, als im Alltag, wo wir uns für ein paar Stunden gesehen hatten. Wir teilten durch das Besuchen über einen längeren Zeitraum andere Erfahrungen, als vorher und das war sehr verbindend. Ich lernte sie noch besser kennen als vorher und ich lernte eine neue Umgebung kennen und neue andere Menschen.

Liebe Grüße von
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Re: Abschiede

Beitragvon kaktusbluete » 9. März 2009 13:57

Hallo Gerda,

Danke für den Hinweis! Ich glaube, das ist auch etwas, das ich noch lernen muss. Ich denke immer, ich muss es rauslassen, und dann ist gut d.h. wenn ich ganz viel weine und darüber spreche, dann ist die Traurigkeit weg. Aber das geht ja so nicht, das wird mich wohl immer begleiten und mich wahrscheinlich auch immer wieder beschäftigen.
Mir gefällt der Gedanke, dass man durch die Trauer etwas umwandeln kann. Es ist nicht alles schlecht, nur weil die geliebte Person nicht mehr da ist, es ist dann eben anders.

Ist ein Abschied nicht auch ein Verlust? Und werden die Verluste nicht von Mal zu Mal schlimmer und tun mehr weh? Oder ist das nur, wenn man einen Verlust (den vorhergehenden) nicht aufgearbeitet hat? :rolleyes:

Ja ich hab das mit meiner besten Freundin auch schon erlebt, die weit weggezogen ist, am Anfang konnten wir es nicht einmal ertragen uns zu schreiben oder zu telefonieren, es hat zu sehr wehgetan, dass es nicht mehr so persönlich ist. Dann hab ich sie besucht und wir hatten auch die Möglichkeit die Zeit ganz intensiv miteinander zu verbringen, das hat uns wieder sehr nahe gebracht und seitdem haben wir jede Woche ein "Telefondate" und sind ständig in Kontakt. Ich bin immer wieder traurig, weil ich sie hier in meinem Alltag vermisse und doch weiß ich, dass sie immer für mich da ist, wenn ich sie brauche. Es wird wohl noch einige solche Abschiede geben in meinem Leben und manchmal hat es auch etwas positives, so dass man z.B. neue Leute kennenlernt...

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Re: Abschiede

Beitragvon Gerda » 9. März 2009 14:03

kaktusbluete hat geschrieben:Ist ein Abschied nicht auch ein Verlust? Und werden die Verluste nicht von Mal zu Mal schlimmer und tun mehr weh? Oder ist das nur, wenn man einen Verlust (den vorhergehenden) nicht aufgearbeitet hat?
Offenbar ist das so. Wenn man vorhergehende Verluste nicht aufgearbeitet hat und angemessen betrauert hat, dann kommen bei neuen Verlusten die anderen immer auch noch ins Bewußtsein. Oft gehen die Verluste bis in die Kindheit. Wenn man als Kind sehr schwere Verluste hatte, z. B. Scheidung oder Tod eines Elternteils, dann kommen diese Verluste auch in aktuellen Abschieden immer wieder hoch und müssen erneut betrauert werden.

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