Das Thema Lügen

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Das Thema Lügen

Beitragvon Muckelmaus » 17. März 2009 09:50

Hallo ihr Lieben!

War es in Niana´s Kühlschrankräuber-Threat, in dem die Frage aufkam, warum die Kinder nicht die Wahrheit sagen? Ich glaub ja, bin mir aber nicht ganz sicher. Jedenfalls haben wir uns doch gefragt, warum die Kinder lügen.
Meine Große lieferte mir vor ein paar Tagen eine Erklärung auf diese Frage, über die ich immer noch nachdenke.

Ich hatte sie beim Flunkern erwischt und ich sagte ihr, dass ich ein solches Verhalten (also die Lügerei) nicht aktzeptieren könne und wolle. Als sich die Wogen ein wenig geglätten hatten, fragte ich sie, warum sie gelogen hatte. Sie erklärte mir, dass man sich ja nie 100%ig sicher sein könne, dass Eltern nicht doch - wie sie es nannte - den Aufstand proben, wenn man die Wahrheit sagen würde. Also würde man zunächst einmal lügen und hätte ja dann Zeit, sich auf den Ärger einzustellen, bis man mit seiner Lüge auffliegt. Man könne sich also darauf vorbereiten und wisse, was einen erwartet.

Dabei habe ich immer versucht, meinen Kindern zu vermitteln, dass der Ärger nicht annäherend so groß wird, wenn man gleich die Wahrheit sagt und zu dem steht, was man getan hat. Entweder habe ich das meinen Kindern nicht gut genug vermitteln können oder meine Große hat sich da ihre eigene Theorie zurecht gelegt.

Liebe Grüße
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
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Re: Das Thema Lügen

Beitragvon Yvaine » 17. März 2009 13:38

Hallo Muckel,

nur kurz: Ich finde aus meinem Standpunkt die Theorie nicht schlecht. Kommt mir bekannt vor, sagen wir es mal so.

Ich habe frueher geflunkter:
a) in der Hoffnung, dass es nicht auffliegt.
b) in der Hoffnung, dass mir bis wenn es auffliegt eine bessere Ausrede / Erklaerung eingefallen ist.
c) in der Hoffnung, dass es leichter ist, als die Wahrheit zu sagen und weniger weh tut.

Komisch, nicht?

Nachdenkliche Gruesse,
Yvaine
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Re: Das Thema Lügen

Beitragvon Muckelmaus » 17. März 2009 14:04

Liebe Yvaine!

Ja, diese Aussage regt irgendwie zum Nachdenken an, oder?

Warum habe ich früher geflunkert?
Klar, in der Hoffnung, dass ich damit nicht auffalle, wobei ich wußte, dass meine Mama mich in der Luft zerrissen hätte, sobald sie dahinter gekommen wäre.
Es war natürlich - wie meine Große schon sagte - immer die Unsicherheit dabei, dass es doch riesigen Ärger gäbe, wenn ich gleich die Wahrheit sage.

Was also trieb uns an und heute unsere Kinder? Tatsächlich die Angst davor, mit der Wahrheit jede Menge Ärger zu bekommen? Das hieße ja, dass sie lieber lügen und noch mehr Ärger in Kauf nehmen oder sehe ich da etwas falsch?

Ebenfalls nachdenkliche Grüße
Muckel

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Re: Das Thema Lügen

Beitragvon Ansa » 17. März 2009 14:48

Oha, welch ein Thema :oah: Also ich hab früher aus reinem Überlebenswillen gelogen, aber auch, bis sich die Balken bogen. Bei meinen Eltern gab es nur das, entweder mit der Lüge durchkommen oder entweder verhauen zu werden oder in den Keller gesperrt werden. Beides fand ich schrecklich..... Kam ich allerdings mit meiner Lüge durch, ging passiert mir nichts.

Meien Eltern waren da nicht ungeschickt, sie versprachen mit tatsächlich Straffreiheit, für den Fall der Wahrheit. Aber sie waren nicht klug genug, das dann auch zu tun. Also, hab ich die Wahrheit gesagt und wurde doch verhauen.... na ja, das ist mir auch nur zwei mal passiert. Danach glaubte ich ihnen nicht, zudem war mir klar "Die lügen mich an" und mir war nicht mehr klar, warum ich das nicht auch tun sollte..... am Ende war ich recht geschickt und log mich häufig aus der Patsche, aber gefallen hat es mir, komischerweise, nie. Ich fühlte mich zum Lügen eher gezwungen, als das ich es gern tat.

Mein Exmann trug die Wahrheit als, beinahe einzigen Wert, wie eine Fahne vor sich hin. "Wir sind eine Familie und müssen daher zueinander ehrlich sein, bei anderen ist das nicht so wichtig, aber hier unter uns....." Na ja, was Wahrheit in seinen Augen bedeutet, ist ja hinlänglich bekannt. *seuftz*

Bei meinen Kindern hält sich das, abgesehen von den Küchenschrankräubereien, sehr in Grenzen. Zum einen weiß ich recht gut, wann die Wahrheit schräg wird, zum anderen, sie wollen auch die Wahrheit von mir hören und vorgelebt bekommen und das ist der Punkt um den ihre eigene Wahrheit sich bewegt. Sie wissen, wenn sie Ehrlichkeit haben wollen müssen sie diese auch geben. Und angelogen werden ist schon blöd....

Mütter können dies nämlich, als Erziehungsmittel, auch gut nutzen. Sie können das Verhalten der Kinder damit spiegeln und dann freundlich fragen "Und gefällt Dir das nicht? Ach komisch, ich dachte, Du magst es gern. Vorhin hast Du doch selbst gelogen.... na ja, wenn es Dir nicht gefällt, dann lassen wir das doch lieber Beide, oder?" Je nachdem wie alt die Kinder sind, kann man das unterschiedlich handhaben, kleine Kinder leben ja noch in magischen Phasen, da würde ich das nicht als Lüge bezeichnen, aber es gibt Geschichten die man erzählen kann um ihnen deutlich zu machen, worum es gehen kann.

Größere kann ich ja mal "fehl" rufen, also zum Essen rufen, auch wenn es noch nicht fertig ist und dann trocken sagen "hey, ich hab gedacht, ich lüg auch mal mit...." und noch Größere kann man auch mal so richtig auflaufen lassen. Aber dabei muss man immer ruhig und sachlich bleiben.

Ach ja, und man muss natürlich ein gutes Vorbild sein. Wer sein Kind am Telefon sagen lässt, "ne, die Mama ist grad nicht da" und daneben steht, der kann Wahrheit nicht vermitteln. Nicht, wenn die Kinder klein sind und noch kein moralisches Wissen vorhanden ist. Wer selbst lügt..... hat verspielt. Grade bei solchen Dingen ist die Vorbildfunktion unerlässlich. Meiner Meinung nach.

Mir hat es damals geholfen, das ich meinen Kindern vor einigen Jahren versprochen habe, das ich ihnen immer die Wahrheit sage und sie nie belüge, daran halte ich mich und sie halten sich daran, weil sie wissen, das uns das Wichtig ist. Grad letzte Woche hab ich eine von ihnen gefragt "weißt Du noch, als ich Euch das versprochen habe?" Und sie nickte und ich sagte "das gilt auch heute noch....."

Euch liebe Grüße
Niana
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Das Thema Lügen

Beitragvon Girl-Soccer » 18. März 2009 12:33

hey

also da muss ich doch echt mal so sagen:
warum war und bin ich immer so brav?
ich komme nicht einmal in situationen in denen man in versuchung kommen könnte zu lügen oder zu flunkern...
ich bin sowieso strikt gegen sowas.
ich bin da total hart erzogen worden... so quasi: "egal was du tust, lügen ist schlimmer!"
und nach einer ganz dummen erfahrung vor 4 jahren (grrrr...) hab ich nicht mal einen gedanken daran verschwendet noch mal eine unwahrheit aus meinem mund kommen zu lassen...
wahrheit schafft vertrauen
lügen schaffen misstrauen
meine meinung: macht das euren kindern klar und haltet euch selbst dran. es bringt auch nichts, seine kinder zum "schutz" mal ein wenig anzulügen.
wie niana auch schon erwähnt hat: lügen tut nicht gut. man hat so lange ein schlechtes gewissen, bis es auffliegt oder man es zugibt. so geht es mir zu mindest. ich kriege z.b. die sache von vor 4 jahren immer noch nicht aus dem kopf und überlege, wie ich das klären könnte...

grüßle von einer girl-soccer, die ihre lügenaktionen an einer hand mit 5 fingern locker abzählen könnte.
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