Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 19. September 2009 18:01

Hallo M'Jo,

wie schön, von Dir zu lesen. Deine Antwort macht Mut. ich bin zur Zeit tatsächlich entmutigt. Habe neue Schüler bekommen und das führt mich dazu, bzw. komme nicht umhin die "Spiele" der Schüler am eigenen Leib zu erfahren... Jeder spielt halt das, was er am Besten kennt. Ich bin entsetzt über die persönlichen Erfahrungen, wütend über das Niveau der Bildungsdiskussion und traurig, dass manches so ist, wie es ist.
Was bringts, wenn ich nach meinen Regeln spiele, die aber manchmal nicht verstanden werden, Angst machen oder auch Hass erzeugen.
Ich glaube wesentlich ist das Weitermachen... es fällt mir schwer!
Volker

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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon MarliJo » 20. September 2009 23:28

Lieber Volker !

So wie ich dich einschätze, ist DEIN Bestreben als Lehrer, bei deinen Schülern auf bewusste Selbstregulierung zu setzen, statt auf Gehorsam.
Ein guter Ansatz, doch auch einer, der sicher einiges an Geduld und Wachsamkeit erfordert, um dieses Ziel im Ansatz zu erreichen.
Ich würde sagen, dass die Fähigkeit zur bewussten Selbstregulierung, Einsicht und Verstehen voraussetzt - sich selbst bewusst sein,.. und am Ende die Gabe, "schiefe" Dinge ändern zu wollen und zu können.
Das ist schon für Erwachsene so oft ein beschwerlicher Weg, gerade wenn es in der Erziehung daran gehapert hat, das nötige Selbstvertrauen für Selbstwahrnehmung mitbekommen zu haben.
Gehorsam anzuerziehen ist da schienbar doch der vermeintliche leichtere Weg.

Der Schulalltag ist sicher voller Konflikte und auch Ängsten und wenn du versuchst, bei deinen Schülern ein Gespür dafür zu schaffen, dass Konflikte (Angst ist ja auch ein innerer Konklikt) sachlich und mit Rück-Sicht angegangen werden sollten, statt mit verbaler und körperlicher Gewalt, so finde ich das gut.
Nur, denke ich, wirst du immer nur einen Teil deiner Schüler erreichen oder auch nicht in jeder Situation.
Das "Spielen" , wie du schreibst , ist dann eben auch eine Art der Selbsterfahrung deiner Schüler.

Bei meinen Kindern stosse ich in diesem kleinen Rahmen auch oft genug an MEINE Grenzen und behelfe mir in schwierigen Situationen, in denen mir die Zeit und Geduld oder das Verständnis fehlt , der schlichten Aufforderung nach Gehorsam.
Oft genug empfinde ich diese "Gangart" als unbefridigend und meine Kinder in gewisser Weise auch. Das bedeutet nicht gleich eine "Disziplin MIT Tränen", aber eine von mir eingeforderte Disziplin.
Doch ich glaube, es wäre naiv, zu glauben, Elteren/Lehrer könnten ihren Sprösslingen immer eine "bewusste Selbstregulierung" abverlangen. Vorsätze sind das eine, Alltag ist anders. Kompromisse unabänderbar.
Von daher ist Erziehung zur "Disziplin ohne Tränen" eine Gratwanderung,..denke ich.

Bleib trotzdem deinem Weg treu, Volker.
Ich hoffe, ich konnte deinen Gedanken ein wenig folgen?!

Viele Grüße
MarliJo
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 24. September 2009 14:36

Hallo Marli Jo,

ich danke Dir. JA, es ist so, dass ich sicher nicht alle Schülerinnen und Schüler erreichen kann. Was den Umgang mit Konflikten betrifft, da beschäftigt mich in meinem Arbeitsfeld oft der folgende Fall: Der Versuch, das Bemühen um eine offene, ehrliche und einigermaßen "gerechte" Lösung eines Konfliktes wird oft "missbraucht" um dann doch eigene oft schlagkräftige "Lösungen" weiterhin zu legitimieren, bzw. ist das Ablehnen und Entwerten einer Gewaltfreien Alternative oft der Aufhänger für neue Attacken. Ich nenne dieses Verhalten mal Despotismus. Ich kann es vor mir selbst nicht legitimieren, Despoten freie Hand zu lassen. Da sehe ich Handlungsbedarf, notfalls lautstark und spürbar...

"Angst", wie du es nennst ist kein Konflikt. Die Unterdrückung von Ängsten, ja das mag zu Konflikten führen, zur Ausbildugn falscher Selbstbilder und Überzeugungen, die in der Tat Schaden anrichten. Ist es nicht auch Liebe jemanden kraftvoll daran zu hindern, Schaden anzurichten???
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Ansa » 24. September 2009 15:09

Hallo Ihr Beiden,

ab das ist ja am Ende genau das, was Dreikurs mit seiner Aussage "Handeln statt reden" einfordert. Kinder brauchen neben einer Orientierung, die aber oft bereits schon sehr in sich geschlossen ist, wenn sie in die Schule kommen, auch Grenzen und Disziplin.

Das sind aber Eigenschaften die kaum mehr gefordert werden, sie entsprechen unserem Bild vom "freien" Kind nicht mehr, das dieses etwas tun soll, was es nicht will. Aber ich denke, genau das muss es lernen, immer wieder, regelmässig, in kleinen Schritten. Ansonsten kann aus ihm kein wertvolles Mitglied einer funktionierenden Gemeinschaft werden. Grenzenlose Freiheit ist grenzenlose Verlassenheit und am Ende folgt der grenzenlose Schrei nach Hilfe.

Ich versuche meinen Töchtern vieles zu vermitteln, Eigenständigkeit, Selbstbestimmung, Verantwortung und allerlei was mir wichtig scheint, es scheitert dann an solchen Punkten, wie etwa, das sie wissen ich komme Abends nicht heim, sie essen, lassen alles stehen und liegen und wenn ich dann vor "der von ihnen gedachten Zeit" komme, sieht es in meiner Küche aus, wie nach einem Bombenangriff. "Das sei nun mal ihre Sache" sagen sie, "sie hätten es schon noch gemacht, später......" Und da ziehe ich meine Grenze "Meine Küche wird erst aufgeräumt, bevor Freizeit ist, mit ihrer Küche können sie das dann halten wie sei wollen." Ich bekomme eine Krise betrete ich derartige Räume.....

Mein Mittelchen ist ein absoluter Faulpelz, wenn jemand ihr Zimmer sieht, dann denkt er sicher an Verwahrlosung oder an Vermüllung...... aufräumen will sie nicht, das wäre ihr Zimmer, da könne sie leben, wie sie wolle.... und auch da muss sie lernen, "noch ist das meine Wohung und ich bin für deren Erhalt zuständig, von daher räumst Du diese Woche auf. Punkt, vorher gibt`s nichts anderes." Da kann sie toben und schreien, mir egal. Und dies "noch ist das meine Wohnung" müssen sie dringend lernen, schon allein wenn sie später in der Ausbildung sind und ihr Chef mal was fordert, das sie blöd finden oder worauf sie keine Lust haben? Da ist es gut, wenn sie so was können - nicht wie einer meiner Azubis, der den Papierkorb leeren sollte. "Ne Chef, wieso macht das nicht ihre Frau? Zu Hause macht das meine Mutter - Nö! Ich mache das nicht, hat nichts mit Elektrik zu tun." SO geht`s dann eben auch nicht. Immerhin war es ja der Büropapierkorb in den er eben alte Prospekte geworfen hatte.

Und ja, meine Kinder tricksen mich auch oft genug aus. Ich denke sie müssen das tun um ihre Grenzen zu testen, zu finden und um mich zu überprüfen, wie ernst meint sie, was sie sagt.

In der Schule sehe ich jedenfalls, das die Lehrer viel zu wenig Möglichkeiten haben, logische Folgen anzuwenden und zu nutzen. Ich kenne zuviele Eltern die das nicht dulden, die Stress machen, wenn es um einfache Dinge wie 3 cm Rand ziehen geht oder um zu oft vergessene Unterschriftszettel. Die Lehrerin meiner Jüngsten jedenfalls nimmt das betreffende Kind nicht mit, wenn der Zettel zu spät kommt. Das probieren sie vielleicht einmal, aber dann, wenn die Klasse auf Ausflug geht und sie hinterher sehen, dann wissen sie genau, wofür der Zettel wirklich ist. Auch grenzwertig, trotzdem - es könnt ja auch sein, das manche Eltern den Zettel nicht unterschreiben? Aber alles kann eine Schule nicht leisten.

Gewaltfreiheit ist jedenfalls wichtig, notfalls auch mit Fest halten, das verhindert Schlimmeres. Bei uns an den Schulen gibt es Streitschlichter, an die können sich alle wenden, die sich Hilfe wünschen. Und wer ausfallend war, muss das wieder gut machen.

Mir scheint es scheitert viel an einer nicht erlernten Selbstbeherrschung.... viel zu oft wird Kindern nicht zugestanden, ihren Frust auszuhalten und leben zu dürfen. Da werden sie abgelenkt und getröstet, mit Leckerlies und "schau mal hier" oder "ach komm, dann bekommst ein Eis und alles ist wieder gut." Dabei wäre es soooo wichtig, könnten sie das lernen. Meine Christiane sagt dann immer "Du musst weinen? Das mach mal, wenn Du dann fertig bist, kommst spielen, ja? Brauchst ein Taschentuch?" Sie leitet einen Kindergarten nach Dreikurs und sagt, es geht hier um das Ernst nehmen der Gefühle, da haben Kinder ein recht drauf, auch auf Trost, aber in erster Linie auf das Ausweinen und Aushalten......" Wo dürfen Kinder das heute noch wirklich?

Liebe Grüße
Ansa
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 23. Oktober 2009 13:32

Mhhh,
danke Ansa für deine Gedanken. Ich sehe es so, dass Lehrer in der Schule erstmal oft nicht wissen, was logische Konsequenzen sind und sie insofern auch nicht umsetzen können. Darüber hinaus sind die Schulgesetze auf eine oberflächliche Disziplin ausgerichtet. Ordnungsmaßnahmen und Strafen sind aus einer Zeit, die heute nicht mehr passt.

Nach einer anstrengenden Schulwoche mit zahlreichen Erfahrungen möchte ich drei GEdanken einfach mal so darstellen:
1) Eine ausreichend gefestigte Persönlichkeit in der Lehrerrolle ist hilfreich, die einerseits die Impulse der Kinder wahrnimmt, gleichzeitig erkennt, dass Fehlverhalten oft ein Angebot darstellen, gestaltpsychologisch gesprochen, etwas wieder "heil" zu machen und ebenso gleichzeitig sicherstellen, dass niemand ernsthaft Schaden nimmt.
2) Wenn die genannten Gleichzeitigkeiten innerlich präsent bleiben, dann kann ein Erwachsener auch erwachsen handeln ind integere Entscheidungen treffen.
3) "Aushalten" bedeutet dann eben auch sich nicht in den Konflikt verwickeln lassen, sondern den Konflikt wahrzunehmen, die zugewiesene Rolle zu erkennen um schließlich eine andere Wahlmöglichkeit aufzuzeigen, eine Handlungsalternative die im besten Fall gewaltfrei und liebevoll ist. Wenn eine Person zu Schaden kommt wird es ebenso wichtig sein, auf eine erwachsene Art die Verantwortung dafür aufzuzeigen ebenso wie die Konsequenzen.
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Ansa » 23. Oktober 2009 14:30

Lieber Volker,

dem was Du schreibst kann ich nur beipflichten, nur eine in sich ruhende Persönlichkeit kann sich auf andere einlassen und sie leiten oder führen.... es geht ja darum, Kindern und Jugendlichen den Weg zu weisen, sie zubegleiten und zu führen. Das Wort mag veraltet sein, aber es zeigt deutlich die Stellung der Lehrenden auf, auch die der Eltern.

Wobei ein Großteil der Probleme, glaube ich zumindest, daher kommt, das Eltern diese Rolle ablehnen. Sie wollen Freunde ihrer Kinder sein, Partner womöglich noch.... kleine Kinder aber brauchen andere Dinge, sie brauchen eben Führung.

Ansonsten stimme ich Dir auch zu, viele Lehrer wissen nicht um "logische" Konsequenzen. Da hab ich große Vorteile, denn durch unsere regelmässigen Treffen mit Eltern, Erziehern und Lehrern erfahre ich auch immer wieder "neue" Folgen. Die mitunter so erfolgreich sind, das wir Großen dabei durchaus unseren Spaß haben. Das Erste was wir wissen ist ja, man soll Kinder ernst nehmen.

Ich erzähle Dir ein Beispiel, eine Lehrerin erzählt von einem Kind. Der Junge ist 7, verweigert sich, stört den Unterricht, macht die Arbeitsblätter nicht, spielt, redet, läuft hin und her. Alle Versuche ihn dazu zu bringen sein Blatt zu bearbeiten haben nicht geholfen. Die Lehrerin ist ratlos..... wir überlegen im Kreis was zu tun wäre. Der Vorschlag, "gib ihm nächstes Mal einfach kein Blatt - und sag ganz trocken "brauchst ja keines, weil Du es eh nicht machst!" 4 Wochen später, die Lehrerin berichtet wie es war. Was denkst Du? Was denken andere darüber?

Nein, das Kind hat sich nicht gefreut, es hat nicht gejubelt und geglaubt "gewonnen." Es war zu Tode empört, DAS wollte es nicht..... nicht mitmachen? Nein, in keinem Fall, jetzt konnte es nicht mehr stören, es war an den Rand gestellt und nicht mehr zugehörig. Es war sprachlos.... und fing an zu stammeln "ja aber, ne aber, also, das geht doch nicht, ich muss doch ein Blatt haben, sonst kann ich nicht lernen......" Und als er dann, nach nochmaliger Verweigerung und dem Argument, ein Blatt das nicht bearbeitet wird, weißt, das kann ich ja wem anderes geben, nochmal bat, es zu bekommen, setzte er sich hin und arbeitete es fleissig, still und konzentriert ab. Danach war Ruhe - die Angst ausgeschlossen zu werden war größer.

Oder ein anderes Kind, egal was war, es saß nicht still. Fiel jemandem etwas runter, sauste es hin, hob die Dinge auf, tobte um den Tisch, rannte durch die Klasse, brachte alle zum Wahnsinn. Bearbeitete seinen Zettel auch nicht, weil es eben nicht still sitzen konnte. Wir haben vorgeschlagen, dem Kind ein Stehpult zu geben und siehe da - plötzlich ging alles besser. Das Kind stand, trat wohl mit den Füßen, aber sprang nicht mehr auf und raste nicht mehr durch die Klasse - aber und das sehe ich wohl - das geht nur mit sehr engagierten Lehrkräften, mit solchen, die hinsehen und die fördern statt zu begrenzen, die Möglichkeiten bieten, statt Gehorsam zu verlangen. Oft sind ja grade diese Kinder auch besonders begabt.

Alles Schimpfen, alles vor die Tür setzen, alles erklären hatte nicht geholfen - aber das ernst nehmen des Benehmens "Du brauchst nicht" brachte eine Änderung.

Solcher Beispiele gibt es viele, vielleicht - müsste es praktisch bezogene Weiterbildungen geben? Vielleicht ließen sich auch logische Folgen für größere Kinder und für Jugendliche finden? Vielleicht ist eine logische Folge nur dann logisch, wenn sie ohne Fehlerbetonung kommt, ohne "Siehste" und ohne lächerliche oder demütigende Worte. Die Wortwahl und die Stimmlage ist da ein nächtiges Instrument, dem sich eben auch Lehrer nicht immer bewusst sind. Der gleiche Satz kann ernst und teilnehmend klingen, wenn er sachlich gesprochen wird und spöttisch und belustigend (herabsetzend) wenn er eben anders betont wird. Kinder spüren das....

Ein spannendes Thema. Ich hab grad ein Seminar über "Bildungsprozesse - gestalten und verstehen" belegt, hochspannend, besonders die neuen Kenntnisse der Wissenschaft und der Stand der Praxis, tieftraurig - wie hoch die Diskrepanz ist. Und hoffnungsvoll weil solches Wissen in unserem Studium vermittelt wird und Perspektiven eröffnet.

Dir und Euch liebe Grüße
Ansa
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 6. November 2009 15:21

Hallo,

Bildung braucht als erstes Beziehung. Ohne eine Beziehung findet gar nix statt. Gehorsam ist eine "FunktioN", die mit Angst erzeugt wird. Sie ist im Grunde beziehungslos... JOachim Bauer hat in seinem Buch "Lob der Schule" diese wichtige Erkenntnis (mal wieder?!!) aktuell gemacht.

Ich bin im Moment aber noch mit einer anderen Form der Beziehungslosigkeit beschäftigt und die hat mit dem Medium zu tun, welches ich gerade verwende. Computer verändern unsere Gehirnstrukturen und unser Beziehungserleben. Wir MEnschen benötigen leibhaftiges Feedback.. Wieviele suchen das mittels Computer? Wie viele finden dort Erfüllung? Und wieviele bleiben leer?
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon MarliJo » 6. November 2009 19:18

Hallo Volker,

darin gebe ich dir Recht, dass Bildung eine (gute) Beziehung braucht und auch darin, dass ohne Beziehung gar nichts läuft. Auch sehe ich es so, dass Gehorsam eine "Funktion" ist. Wenn Gehorsam aber durch ANgst erzeugt wird, dann ist da etwas nicht in Ordnung.
Gehorsam findet meiner Meinung nach auch aus Liebe und Anerkennung statt.
Das Hören wollen meiner Kinder findet auf einer Ebene des Vertrauens statt und ganz freiwillig. Das nicht Hören und ausführen wollen ihrer Aufgaben findet auf der gleichen Ebene statt und berührt das Vertrauensverhältnis nicht - selbst dann nicht wenn sie ihre Aufgaben wider Willen erledigen müssen. Angst ist da nicht die treibende Kraft. Das wäre auch fatal. denn es würde die gesunde Eltern-Kind Beziehung zerstören.

Schüler-Lehrer-Verhältnis sollte auf der gleichen Basis von gegenseitiger Anerkennung und Achtung erfolgen (Liebe sicher eher weniger ,) ), meine ich. Wenn Kinder,Schüler,Soldaten ..., nur aus Angst Gehorsam zeigen, stimmt die Beziehung wzischen Autoritätsperson und Erziehungs/Bildung/Aufgaben-Empfänger ansich nicht.

Zu deinem "Computer-Absatz" später.

Viele Grüße
MarliJo
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 6. November 2009 22:22

Hallo Marli Jo,

wenn du von deinen Erfahrungen berichtest, dann ist spürbar, dass zwischen euch ein Vertrauenverhältnis existiert. Grenzen können überschritten werden und bei deinen Beschreibungen wird deutlich, dass diese Grenzen bekannt sind.
ich spreche von "Gehorsam" und meine dies als Produkt aus Strenge und Furcht. Was du als Gehorsam beschreibs,t klingt für ganz anders. Als liebevolles Anerkennen der gegenseitigen Rollen und Positionen und das Spielen damit. Genauso wie du es benennst.

Meinst du nicht, dass gegenseitige Anerkennung ein liebevoller Akt ist??

Schwierigkeiten, die ich im Alltag in der Schule vorfinde, berühren jene Realität, wenn Kinder auf "Gehorsam" getrimmt sind und plötzlich keine Saktionen mehr fürchten .... dann müssen die Grenzen liebvoll und klar gesetzt werden ... *g*
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 5. Januar 2010 11:20

Frohes Neues allerseits!!!

ich möchte den Faden mal wieder aufnehmen und die Beziehungsqualität im Dunstkreis der "disziplin ohne tränen" etwas ausführen...

Beziehung besteht doch größtenteils auch aus der beiderseitigen Anerkennung dessen, was gerade "tatsächlich" ist. Da komme ich mit meinen vorgefassten Urteilen einem anderen gegenüber und der /die seiner bzw. ihrerseits kommt mit vorgefassten Urteilen auf mich zu... Alleine diese gegeneitigen Vorurteile stellen doch schon einen "Barriere" udn auch einen "Schutz" dar, den ich erst mal erkennen kann um dann den Blick zu öffnen für das was "ist"... wenn das geschieht, dann kann es sein, dass ich die Handlung meines Gegenübers als etwas erkenne, was ich auch bin, gerade in Punkten, wo mein Gegenüber gerade etwas tut, was meinen Werten und Überzeugungen im Grunde entgegensteht... wo ich erkennen kann--- moment mal, ich kann ja genauso sein in so einer Situation, mein Sein unterscheidet sich ja gar nicht vom anderen... Wenn das gelingt, dann kommuniziert sich diese Selbsterkenntnis auf bestimmten Ebenen und es findet VEränderung statt...


Insofern verstehe ich "Diziplin ohne Tränen" tatsächlich auch als ein inneres Ringen, was sich oft auch im äußeren Ringen um Erkenntnis und gegenseitiges Erkennen zeigt und zeigen muss. Dazu braucht es Grenzen und an diesen Grenzen findet ein Ringen um Wahrnehmung statt.
Es ist dann auch eine Frage der Beziehung inwieweit ich einen Mensch auch mit seinem Unbewußten konfrontieren kann, will oder muss... für meine eigene Entwicklung und für die Entwicklung des Anderen... Manchmal wird es gut für den eigenen Fortschritt Konfrontation zu wagen... Manchmal wird es nötig sein, mit Energie hauszuhalten....

Das Leben in seiner Lebendigkeit drängt jedenfalls in Richtung "Entwicklung"
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon MarliJo » 3. Februar 2010 01:19

Hallo Volker,

mit einiger Verspätung knüpfe ich mal mit an und nehme deine Gedanken als Vorlage ,)

Ganz gewiss ist es so, das das Leben in seiner Lebendigkeit IMMER nach Entwicklung strebt - eigentlich von Geburt an.
Jedoch erfährt Entwicklung in seiner positiv gemeinten Bedeutung oft eine Hemmung, die durch innere oder äußere Einflüsse hervorgerufen wird, die wir nicht im Sinne einer Vorwärtsbewegung im Stande sind/waren, zu steuern. Es wirkt so, als trete man auf der Stelle.
Wir suchen nach inneren und äußeren Grenzen und nach Auswegen.
In diesem Moment scheint keine Veränderung mehr stattzufinden und dort beginnt das Ringen um Erkenntnis und Erkennen.
Doch,...Selbsterkenntnis ist nur ein kleiner Anfang zur Selbstdisziplin und der Weg zur bewussten Wahrnehmung (m)einer Veränderunng dauert mitunter.
Das Aushalten, dass man nicht jede schwierige Situation (zeitnah oder überhaupt) ent-wickeln kann UND muss im Sinne von schnellem Vorwärtskommen, ist eine Disziplin, die vielen von uns (mich eingeschossen), im Heute oftmals fehlt.
Ich glaube, Eigenentwicklung findet zumeist unbewusst statt und bedarf nicht der andauernden (Selbst)kontrolle, sondern oftmals mehr Geduld mit meinem Gegenüber oder mit mir selbst.
Ich verstehe "Disziplin ohne Tränen" dann als gelungen, wenn es möglich ist, sich auf das "Risiko" (Selbst)Entwickung einzulassen zu können.DIe Veränderung/der Fortschritt kommt dann zwangsläufig.
Schön, wenn man es immer so leben könnte und auch den eigenen Kindern so vermitteln könnte - aber da wären wir wieder bei den Grenzen...

MarliJo
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Re: Dreikurskonferenz: "Disziplin ohne Tränen"

Beitragvon Volker » 7. Februar 2010 13:43

Hallo Marli Jo,

danke für deine Antwort. Ja, das Leben drängt immer nach Entwicklung. Und es stellt sich bei der Frage nach den Grenzen, genauso die Frage der Konsequenzen, und nach dem "Wie" der Umsetzung. Während Dreikurs ja in erster Linie die Grenzsetzung durch "hierarchischen" Gehrosam kritisiert und durch "logische" Konsequenzen zu ersetzten sucht, meint er auch eher die Tränen der "Entwürdigung", der "Beschämung" und der "Herabsetzung". Manchmal bedeutet Grenzziehung aber auch "Tränen der Erkenntnis" zum FLießen zu bringen, bzw. alle möglichen Anderen Gefühle. Was man lernen kann bei klarer, wertschätzender und stabiler Grenzziehung: Kontakt.

Liebe Grüße
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