Wenn man stark sein muß ...

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 2. Dezember 2009 12:45

Liebe Ansa!

Außer mit einer Betreuerin habe ich leider mit niemandem in der Klinik sprechen können. Sie sagte mir, das sei eine Entscheidung gewesen, die gestern gemeinsam mit dem Chef- und Oberarzt gefällt wurde. Als ich ihr sagte, dass ich mich doch übergangen fühle als Mutter bei dieser Entscheidung und das ich zumindest erwartet hätte, dass man zuerst mich in Kenntniss setzt und mir die Gründe erläutert, sagte sie mir, es wäre häufig der Fall, dass solche Entscheidungen von jetzt auf gleich kämen. Alles andere solle ich bitte morgen mit der behandelnden Psychologin klären, sie könne mir sicher all meine Fragen beantworten. Ich bin mir auch sicher, dass sie das kann. Aber da muß ich wohl bis morgen warten.

Wenn ich natürlich jetzt klar stelle, dass ich diese Entscheidung für verfrüht halte, bringe ich mein Kind entgültig gegen mich auf. Ich kann also nur hoffen, dass ich die Gründe für diese plötzliche Entscheidung nachvollziehen kann.
Ich denke mal, unser Mittelchen weiß, dass ich mit dieser Entscheidung nicht so ganz einverstanden bin, denn ich habe ihre Freude nicht geteilt, so sehr ich das aus ihrer Sicht heraus auch verstehe.

Ich habe nach dem Besuch mit meinem Exmann telefoniert und ihm die Neuigkeiten mitgeteilt. Er war ebenso erstaunt wie ich. Als ich ihm sagte, dass ich mich etwas überrumpelt fühle, sagte er mir, ich solle Vertrauen in die Klinik haben. Dort wisse man schon, was man tue. Hmmmm - das kann ich nicht mehr ganz so sehen. Er ist jedenfalls ganz relaxt und meinte, ich solle den Dingen ihren Lauf lassen.

Was die Heimatschule dazu sagt, weiß ich bisher auch nicht. Ich weiß nur, dass sich die Psychologin mit der Klinikschule in Verbindung gesetzt hat und man die Entscheidung von deren Seite aus ebenfalls trägt.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 4. Dezember 2009 07:50

Liebe Muckel,

Das was bei Dir passiert, geht mir gar nicht aus dem Kopf und je mehr ich darüber nachdenke, auch mitunter darüber, was ich sagen würde, hätte ich in der sozialen Beratung eine Klientin mit Deinem Problem, desto mehr komme ich dazu, das mir das notwendige Vertrauen in die Klinik so langsam abhanden kommen würde und das würde ich wohl dort auch ganz deutlich machen.

Ich bleib für mich dabei, das ist eine Sache zwischen Eltern und Klinik und nicht zwischen Kind, hier noch einer Schutzbefohlenen und Klinik. Da können keine Entscheidungen unabhängig von den Eltern getroffen werden, zumindest nicht solche von so hoher Tragweite.

Aber gut, ich glaube ja, ihr müsst damit umgehen, für Euch? Bleibt denn die Unterstützung für Euch mit Elterngruppe und Gesprächen vorhanden? Werden die Gespräche mehr? Weil ich mir denke, der Bedarf ist da höher bzw. größer?

Ich sehe das ja bei mir im Gegenzug, da geht es nicht nur um meine Tochter sondern um uns als Familie...... und die wird in den ganzen Prozess einbezogen. Ich kann dort anrufen und sagen, das und das ist hier zu Hause los (mein Mittelchen dreht zunehmend am Rad) und ich weiß nicht was ich tun soll.... aber sie muss was tun, bevor meine Tocher wieder heim kommt. Da nimmt man mich ernst und wir werden am Montan darüber sprechen. Man nimmt "uns" ernst, denn wir sind das System mit dem Fehler - wenn man das so nennen will. Die Klinik gegen die wir uns entschieden haben, wollte nur unsere Tochter behandeln und uns so nebenbei in Gesprächen mitbetreuen, aber wir, so sagte man uns, seien eben nicht das Problem. So unterschiedlich sind da die Ansätze.

Aber das hilft Euch nicht wirklich..... ich wünsche Dir so, dass das Gespräch mit der Psychologin Neues ergeben hat und Du nun sicherer bist, indem was passiert?

Fühl Dich gedrückt
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 4. Dezember 2009 08:18

Guten Morgen liebe Ansa!

Gestern habe ich tatsächlich endlich mit der Psychologin sprechen können, die meine Aufregung so gar nicht verstand. Sie begrüsste mich schon mit den Worten "Frau xy, warum sind sie denn so verwirrt?" Ich erklärte ihr, dass ich diese plötzliche Entscheidung nicht nachvollziehen könne, dass ich mich als Mutter bei der Entscheidungsfindung überrumpelt und übergangen fühle und auch dass ich den Eindruck hätte, unser Mittelchen sei noch nicht soweit, in die Heimatschule zurück zu gehen. Außerdem sagte ich ihr, dass ich doch erwartet hätte, dass man diese Entscheidung zunächst einmal mit uns Eltern bespricht und unsere Meinung anhört, bevor man das Kind in Kenntnis setzt. Zur Antwort bekam ich folgendendes:. Im Elterngespräch am Montag hätten wir doch mit unserem Kind bereits ausführlich über dessen Idee des tagesklinischen Aufenthaltes gesprochen und sie (die Psychologin) habe das ins Gespräch mit der Chef- und Oberärztin getragen. Dort habe man dann ausführlich darüber gesprochen, ob unser Mittelchen zurück in die Heimatschule kann oder nicht. Außerdem habe sie ein langes Gespräch mit der Klinikschule gehabt, die eine Rückführung in die Heimatschule zum jetztigen Zeitpunkt ebenfalls befürwortet. (So ganz nebenbei erzählte sie mir dann, dass die Klassenlehrerin der Klinikschule bereits seit Mitte November engen Kontakt zur Klassenlehrerin der Heimatschule hält. (Warum erfährt man das nicht als Eltern?) Ferner habe man unserem Kind die Entscheidung zuerst mitgeteilt, da sie ja die Patientin sei und nicht wir. (Ah ja!? Mein Hinweis auf ihre Minderjährigkeit wurde nicht weiter beachtet). Ich fragte, was geschehen würde, wenn unser Mittelchen die Schule weiterhin verweigern würde bzw. wieder damit beginnen würde. Ja, das würde man entscheiden, wenn es so käme. (Es gibt also keinen "Plan B".) Dann fragte ich, was geschehen würde, wenn unser Mittelchen irgendwann einmal nach der Schule nicht in der Klinik auftauchen sollte. In diesem Falle werde ich angerufen, man wird sie suchen und dann überlegen, welche Schritte man geht, um das in Zukunft zu verhindern. Die Psychologin erklärte mir auch noch, sie würden ab sofort in unser Mittelchen ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit setzen, denn das sei Vorraussetzung für einen reibungslosen tagesklinischen Aufenthalt.
Ganz ehrlich? Schlauer oder ruhiger war ich nach dem Gespräch auch nicht. Ganz im Gegensatz zu meinem Mann und meinem Exmann, die mir beide wie siamesische Zwillinge erklären, ich solle mir nicht so viele Gedanken machen, die Klinik wisse schon, was sie tue und ich soll den Dingen ruhig mal ihren Lauf lassen. Mein Exmann konnte, im Gegensatz zu mir, auch all das nachvollziehen, was die Psychologin mir erklärt hatte. Er hat weder Zweifel, noch Bedenken oder Ängste. Für mich bedeutet das, dass ich hier mit meinen Gedanken so ziemlich allein da stehe.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Volker » 4. Dezember 2009 22:42

Hallo Muckel,

aus der Sicht eines Vaters kann ich es recht gut nachvollziehen, dass dich der Gang der Entscheidungen etwas "überrollt" hat. Du darfst allerdings nicht unterschätzen, dass die selbstverletztenden Handlungen deiner Tochter auch im Zusammenhang stehen mit (unbewußten??) Aggressionen und Ängsten (und damit Aggressionshemmungen) deiner Tochter, die mit dem Erwachsenwerden zusammenhängen, mit der Selbstwerdung und dem Umgang mit Freiheit.
Ich denke, die Arbeit der Ärzte im KH entspricht gewissen Mindeststandards, ansonsten arbeitet sa ja auch niemand. Darüber hinaus, bildet sich jede Ärztin und jeder Arzt ja auch je nach eigener Persönlichkeit fort. Bring doch mal den Erfahrungs- und Weiterbildungshintergrund der Chefärztin in Erfahrung!!!

Ich denke, deine Tochter ist in guten Händen und ich finde es wichtig, dass deine Tochter mit den Ärzten eigene Entscheidungen trifft. Das erfordert Mut und Begleitung, ein tolles Übungsfeld, wie ich finde.
Kannst du deiner Tochter vertrauen?
Es würde ihr vielleicht helfen bei der Wahl ihrer Entscheidungen.
Volker

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 5. Dezember 2009 07:53

Guten Morgen alle miteinander!

Seit gestern Abend ist unser Mittelchen also wieder zu Hause. Sie ist überglücklich und ich sehe mich in meinen Befürchtungen bereits jetzt bestätigt.

Sie erzählte mir, sie habe noch ein Gespräch mit der Psychologin gehabt und die habe ihr erklärt, wie von Montag an ihr Tagesablauf sein würde. Ok, das ist nachvollziehbar und richtig so.
Nein, ich sollte anders beginnen.
Bei meinem Telefonat mit der Psychologin am vergangenen Donnerstag fragte ich nach dem Tagesablauf und auch danach, wie die Ferien, die ja bald kommen, geregelt seien. Sie erklärte mir, dass unser Mittelchen in den Ferien jeden Tag (abgesehen von den Weihnachtstagen, Silvester und Neujahr) pünktlich um halb neun zu erscheinen und bis 18.00 Uhr zu bleiben hätte. Da schwante mir ja schon etwas. Jedenfalls hüpfte unser Mittelchen gestern Abend glücklich vor uns her, als wir die Klinik verließen und sagte mir, sie freue sich, dass sie dort endlich nicht mehr schlafen müsse und das bald Ferien seien und sie dann dort nicht hin müsse. Ich war total geschockt. Man hatte also mit meinem Kind nicht über die Ferien gesprochen. Sie erzählte weiter, dass sie ja dann zu ihrer Cousine nach Thüringen fahren könne (ihre Cousine hat sie über Silvester oder in den darauffolgenden Ferien zu sich eingeladen). Ganz ruhig versuchte ich ihr zu erklären, dass daraus wohl Silvester nichts würde und auch warum. Unser Kind brach in Tränen aus, warf die Topfpflanze, die sie in der Hand hatte auf die Strasse und brüllte, dann sei ja alles umsonst gewesen. Ich fragte sie, ob der Besuch bei ihrer Cousine der Grund gewesen sei, warum sie hätte tagesklinisch werden wollen. Das bejahte sie mir. Mir bestätigte das, dass sie all die Gründe, die sie der Psychologin und uns Eltern als Begründung genannt hatte (verpasster Schulstoff, weiter Schulweg) nur vorgeschoben waren, weil sie ja im ersten Moment vernünftig klingen. Als sie sich ein wenig beruhigt hatte, sagte sie mir, in den Ferien würde sie auf gar keinen Fall in die Klinik fahren, das sähe sie ja gar nicht ein. Ich versuchte ihr zu erklären, dass dies mit Sicherheit Konsequenzen für sie hätte. Aber das wischte sie vom Tisch und meinte, es sei ihr egal. Sie würde einfach jede Mitarbeit in der Klinik verweigern und dann würde man sie dort sozusagen "rausschmeissen" aus der Behandlung und sie habe endlich wieder ihre Ruhe.
Später am Abend gab mir mein Mann dann zu, dass er das nicht erwartet habe und ich mich meinen Befürchtungen wohl recht hätte. Er meinte, man solle der Klinik diese Geschichte erzählen und schauen, wie sie reagieren.
Mit meinem Exmann habe ich leider noch nicht sprechen können.

@ Volker
Beantwortet das deine Frage nach dem Vertrauen in meine Tochter?

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Volker » 5. Dezember 2009 10:17

Hallo Muckel,

was in der Klinik nun auch deutlich wird, ist, wie deine Tochter ihre Interessen durch Manipulation durchzusetzten versucht.
Entweder durch Verschweigen oder durch "wüten". Ich sehe es so, dass deine Tochter versäumt mitzuteilen, was ihr wichtig ist (Besuch in Thüringen) und sich dadurch unnötig in Konflikte bringt. Ich sehe es so, dass es durchaus Verhandlungsspielraum geben könnte, wenn sie es anspräche: Sylvester ist dieses Jahr ein Donnerstag, was bedeutet, dass sie ein verlängertes WE in Thüringen verbringen darf, wenn sie mitarbeitet.

LG
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 5. Dezember 2009 12:29

Guten Morgen Ihr Lieben,

*ups* das sind ja tolle Neuigkeiten, die mich schlicht umhauen....

Die zentrale Frage in der Kindererziehung und auch im Umgang mit jungen Menschen ist für mich ja immer "was lernt mein Gegenüber aus meinem Verhalten? Daraus folgt ihr Handeln und in Folge auch ihr weiteres planen und vorgehen. Was also lernt sie, wenn sie nun aus Vorspiegelung falscher Motive (Schule, Freunde etc.) ihr eigenes Motiv (Urlaub in Thüringen) manipulativ durchgesetzt hat - und sie darf nun fahren?

Meiner Meinung dazu ist ganz klar, sie hat alle Beteiligten gelinkt und es wäre gleichsam eine Belohnung wenn sie unter Berücksichtigung all dieser Tatsachen fahren dürfte - egal ob das in den Plan passt oder nicht. Weder hat sie irgendwem vertraut noch ein Ziel erreicht, das sie in der Klinik erarbeiten sollte, ganz im Gegenteil, sie hat dort die Menschen ebenso manipuliert wie sie das zu Hause mit Mama macht. Nur das Mama jetzt offensichtlich aufmerksamer ist und erkennt, was da passiert? Ich würde sie in gar keinem Fall fahren lassen und das würde ich ihr auch klar sagen, SO NICHT! Geht gar nicht!

Gleich eines vorab, ihr Verhalten beruht zum Teil ganz sicher auf unbewussten Handlungen, sie hat einfach im Alltag erfahren und erlernt, das sie ihre Ziele auf Umwegen erreichen kann - von daher ist das (auch wenn es weh tut) ein Zusammenspiel aller Beteiligten.... sie handelt aber auch, das haben wir jetzt gesehen, sehr zielgerichtet....... clever, aber unfair und am Ende hat das auch böse Folgen für sie selbst, denn wenn man das jetzt nicht unterbricht, dann wird sich das fortsetzen, wenn sie erwachsen ist und sie selbst wird irgendwann darunter leiden.

Vermutlich würde ich das was ich jetzt erfahren habe auch unbedingt in einem Krisengespräch so schnell als möglich in der Klinik kund tun und besprechen, denn es geht ja um mehr. Auch die dort Beteiligten müssen erfahren, wie expliziet sie auf ein Ziel hingearbeitet hat, das nicht offen gemacht worden ist, denn DAS ist wohl die Problemlage um die es geht? Und die daraus resultierenden Folgen würde ich in jedem Fall mittragen, auch wenn das bedeuten würde, das sie wieder aufgenommen wird.

Verantwortung für sich selbst ist das eine, Vertrauensvorschuß etwas, das ich meinen Kindern ein ums andere Mal immer wieder gewähre, aber den hätte sie in so einem Fall doch verspielt. Und das muss sie erfahren, am eigenen Leib sozusagen - sie muss ihre Verantwortung übernehmen und die Folge das sie nun nicht fahren darf, die ist mehr als logisch. Was dazu gehört, haben wir ja oft besprochen. Festigkeit, kein Vorwurf, kein Schimpfen, schlicht So nicht und höchstens "schade, das Du so gehandelt hast", damit die Folgen auch bei ihr bleiben.

Im Übrigen ist es in "unserer" Klinik so, das, egal was für Wochentage, die Kinder am 26. Dez. Abends wieder da sein müssen, was mich nicht besonders erfreut hat, weil es auch mein Weihnachten sprengt...... und zwischen Weihnachten und Sylvester ist dort Alltag, das müsste man hinterfragen? Da geht es um Vollbelegung und dergleichen, es könnte also gut sein, das auch für Vergnügungsfahrten keine Zeit bleibt. Klinikaufenthalte kosten auch. Das ist ja keine Erholung.

Liebe Muckel, fühl Dich mal ganz doll gedrückt, ich reich Dir erst mal eine schöne Tasse heißen Kakao rüber und dann tief durchatmen..... mag sein, das ich hier Dinge schrieb, die Dir weh tun, aber ich denke, an so einem Verhalten haben viele ihren Anteil und wir vergessen dabei immer etwas ganz wichtiges, auch das betreffende Kind hat seinen Anteil und kann entscheiden, wie und warum es so handelt, wie es handelt. Nun muss sie lernen, wie die Folgen ihres Handelns sind und auch, dass das "alte" nicht mehr funktioniert, weil Du Dein Verhalten dringend verändern musst. Ich glaube aber auch, dass Du das erkannt hast und mehr wahr nimmst, als noch vor einigen Wochen, das ist ein guter Anfang. Überlege Dir was Dein Ziel ist, was soll sie lernen...... und was lernt sie aus Deinem Verhalten? Frag Dich das immer wieder, das macht Dein Handeln dann leichter, auch wenn es unbequem ist.

Dir ganz liebe Grüße
Ansa
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Volker » 5. Dezember 2009 13:02

Hallo Ansa, Hallo Muckel,

ich schalt mich jetzt nochmal kur dazwischen, wenns recht ist *g*.

Ich habe das mit dem Termin so gemeint, dass es immer eine Möglichkeit gibt, sobald die Dinge auf dem Tisch liegen. Insofern gebe ich Ansa recht, dass es fatal wäre, sie in diesem Fall fahren zu lassen.
Absolut notwendig - glaube ich - hingegen ein Gespräch bei dem dieser Vertrauensverlust deutlich wird und aben auch die Alternative, dass durch offenlegen der Wünsche gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet werden kann. So wie deine Tochter handelt, sind alle drumherum nur Statisten, bzw. Schachfiguren ... In der Realität sind aber alle Menschen mit Gefühlen, die auch enttäuschbar und verletztlich sind.
Ich denke, deine Tochter sollte es auch schaffen sich selbst klar zu werden, dass ihr eigenes Handeln auf Misstrauen basiert hat.
Auf einem Weg wie es Ansa gerade beschrieben hat, kann Vertrauen wieder wachsen.
Volker

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 5. Dezember 2009 13:21

Ihr Lieben!

Danke für eure Antworten :umarmen:

Spätestens seit letztem Donnerstag weiß sie, dass auch Mama sich verändert hat. Ich rief sie - wie immer - abends an und hatte ein fröhliches Kind am Telefon. Das kippte dann, als sie mich fragte, wer denn nun mit dem Auto käme, um sie abzuholen am Freitag. Ich sagte ihr, dass mein Mann und ich mit der Bahn kämen, da kein Auto zur Verfügung stünde. Dann solle ich doch mal die Oma fragen, die mache das ganz sicher. Ich sagte ihr, dass ich das nicht tun würde, weil ich das der Oma nicht zumuten wolle - abends im dunklen, evtl. Regen und sie ist nicht mehr die Jüngste. Nein, sagt mein Mittelchen, sie führe auf keinen Fall mit dem Gepäck in der Bahn, ich solle Oma bitten. Ich sagte ihr noch einmal, ich würde das nicht tun und würde nun auch nicht weiter mit ihr darüber diskutieren. Sie habe die Wahl, entweder Bahn mit Mama oder dort bleiben. Zur Antwort bekam ich, es sei ihr sche.... egal, ob ich diskutieren wolle oder nicht, sie wolle das jetzt aber. Darauf hin wünschte ich ihr ganz ruhig noch einen schönen Abend, verabschiedete mich und legte den Hörer auf. Mein Mann meinte, ich habe ganz genau das richtige getan und gestern Abend fuhr sie mit uns problemlos Bahn.

@ Ansa
Selbstverständlich wird sie nicht nach Thüringen fahren. Das wäre ja noch schöner.
Am Montag werde ich - sobald sie in der Schule ist - versuchen, die Psychologin zu erreichen und ihr das alles erzählen. Mal hören, was sie dazu sagt.
Einen erneuten stationären Aufenthalt lehnt mein Töchterchen übrigens strikt ab. Auch dafür hat sie sich ja schon eine Strategie zurecht gelegt - totale Verweigerung der Mitarbeit, in der Hoffnung, dass die Klinik aufgibt. Also genau so, wie sie es sich auch für die Weihnachtsferien überlegt hat.
Eigentlich erschreckt mich an der ganzen Sache am meisten, dass sie nicht nur uns Eltern, sondern auch die Fachleute in der Klinik so hat übers Ohr hauen können.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon MarliJo » 5. Dezember 2009 14:01

Guten Morgen Muckel !

Das vieles, von dem was passiert, in dir Unverständniss auslöst, kann ich gut verstehen.
In der Klinik scheint es im Zusammenspiel unter den Ärzten und Betreuern keinen "roten Faden" zu geben, der Vertauenserweckend auf dich wirkt und möglicher weise "nutzt" deine Tochter diese Lücken, um ihre Interessen einzufordern.
Mir kommt es auch so vor, das in diesem Dreieck -Klinik, Tochter, Mutter- die jeweiligen Vorstellungen nicht deffiniert sind, so dass am Ende auch wenig zusammenläuft. Auch diesen "Schwachpunkt" mag deine Tochter wahrnehmen und findet darin Wege, um scheibchenweise an ihr Ziel zu gelangen ? Von außen betrachtet sieht es für mich so aus, als befindest du dich mit deiner Tochter in einem Tauziehen um die jeweiligen Interessen.
So sehr ich deine Sorge um deine Tochter verstehen kann und deinen Ärger, dass deine Tochter sich so "geschickt" aus der Affäre gezogen hat, so sehr finde ich den Gedanken, denn Volker eingebracht hat, bedenkenswert.
Es ist eben eine Frage GEGENSEITIGEN Vertrauens. Selbst dann - und das ist sicher das Schwierige daran - wenn deine Tochter dein Vertrauen mißbraucht hat. Klar, du fühlst dich natürlich bastätigt darin, weil deine Tochter in Bezug auf den Besuch der Cousine schon wieder auf ihre Art
den Willen durchzusetzen versucht. Also gewährst du ihr diesen Wunsch (erstmal) nicht und so nimmt das Tauziehen seinen Lauf.
Vern´mutlcih wird deine Tochter es spüren, dass du ihr nicht vertraust und ihr eigene Entscheidungen nicht mehr (oder momentan nicht) zutraust. Lässt sie eigene Erfahrungen aus Sorge um ihr Wohl nicht machen ?

Das kenne ich auch aus meiner Jugend.
Ich erinnere mich zurück und sehe (aus heutiger Perspektive) meine Mutter, die mir verdammt wenig zugetraut hat, die mir immer gasagt hat, was "richtig" und was "falsch" ist aus ihrer Sicht(sie tut es noch heute !) und wie schlecht ich damit zurecht kam. Mit 15 hatte ich meine 1. Freundin, mit 16/17 meine 2. - beide Male hat sie mir diese Beziehungen nicht zugetraut und schlecht gemacht. Also verfolgte ich meine Interessen hinter ihrem Rücken.Kletterte nachts zum Beispiel aus dem Fenster, um ein paar Stunden bei meiner Freundin zu sein. Von MEINEM KOnfirmationsgeld kaufte ich mir eine tragbare Hifi-Anlage,.. sie hat ein Mordstheater gemacht wie ich dazu käme so etwas ohne zu Fragen, einfach zu kaufen. Der ausersehnte und ausgedachte Urlaub mit meiner 3. Freundin (da war ich fast 19) war auch nicht richtig, weil meine Freundin erst 17 (und damit minderjährig) war. Gemacht haben wir es trotzdem, denn ICH wollte meinen Willen. Danach übrigens bin ich ausgezogen.
Ich könnte noch einige Beispiele nennen, wo ich mit <dem nicht zutrauen seitens meiner Mutter< zu kämpfen hatte. Letztlich hat es mich dazu bewogen, "mein Ding" allein zu machen, ohne gegenseitiges Vertauen, ohne Aussprache und ohne gemeinsame Basis.Und um ein Ziel zu erreichen, habe ich sie auch oft genug hinter das Licht geführt, habe "Lücken im System" genutzt. Manchmal hat es geklappt, manchmal bin ich auf die Klappe gefallen,.... nur richtig hat sich dieser Weg nicht wirklich angefühlt.
Denn letztlich war dieses Verhalten (m)eine "Notlösung" , um Unannehmlichkeiten mit meiner Mutter aus dem Weg zu gehen. Heute denke ichm dass dieses unehrliche Herumlawieren/agieren schon sehr dadurch bedingt wirde durch mangelndes gegeseitiges Vertrauen.

Vergleichsweise harmlos mit der Situation, in der sich deine Tochter und du befindet, ich weiß.
Doch vielleicht hast du den Mut, und bist auf diese Weise stark, deiner Tochter trotz ihren Verfehlungen zu vertrauen und ihr das auch zu zeigen ?!
Was nützt es deiner Tochter, wenn du Recht hast in deinen Befürchtungen und Mutmaßungen ? Sie wird wieder versuchen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen,...irgendwie.
Vielleicht kannst du ihr diesen Besuch bei der Cousine gewähren und knüppfst das gleichzeitig an Zugeständnisse von ihrer Seite, zum Beispiel, dass sie sich an die sonstigen Vorgaben der Klinik hält ?
Ein Ganz oder garnicht scheint mir in der momentanen Situation nicht möglich, von daher ist ein Kompromiss wohl unumgänglich. Einer wo deine Tochter sieht, dass es ein gegegnseitiges Nehmen und Geben ist und auch sie zur Mitarbeit gefordert ist. Aber dazu braucht sie vielleicht eine Vorschuss an Ver - und Zutrauen ?

Im übrigen sehe ich es so, dass du einen, mit deiner Tochter ausgehandelten Kompromiss auch ohne Einwilligung der Klinik darstellen und gehen kannst, wenn dies die Therapeuten in der Klinik auch ohne deine Zustimmung tun. Vielleicht enttseht am Ende daruas ja eine produktivere Zusammenarbeit ?

Dir und euch alles Gute
MarliJo
MarliJo
 

Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 5. Dezember 2009 14:35

Liebe Muckel,

das hast Du genau richtig gemacht, ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen und sie eben doch per Bahn abholen. Sie hatte da die Wahl (wenn auch eine etwas verquere), dort bleiben oder Bahn fahren und sie hat sich am Ende entschieden.

Sie die Wahl haben lassen, ist etwas, das Dir, wenn Du es Dir bewusst machst, sehr helfen kann. Auch das ist von Dreikurs..... nicht das Kind wählen lassen, was es will.... sondern Alternativen bieten, die aber Grenzen setzen. Kleine Kinder, die sich nicht anziehen wollen, kann man also fragen "willst Du den blauen oder den roten Pullover anziehen" (was willst Du anziehen und die mögliche Alternative "nichts" umgeht man so sehr klug); das Kind kann wählen und wird das zumeist tun.... so nimmt man unglaublich viel Streitpotential aus den alltäglichen Verrichtungen. Wir haben das ausprobiert mit einem Kind das jeden Abend ein Wahnsinnstheater beim Zähneputzen machte. Auf unseren Tipp fragte es die Mama "soll ich Dir die Zähne putzen oder willst Du das allein tun (sind die Kinder noch recht klein, sollte man immer, das, was man selbst am liebsten hätte, als letztes in die Frage stellen) und zu ihrer Überraschung antwortete ihr Kind "allein" ging ins Bad und putzte sich die Zähne.... Das ist auch so geblieben, sagte sie neulich erst.

Was bei den Kleinen funktioniert geht auch bei den Großen. "willst Du vor oder nach den Hausaufgaben für mich einkaufen gehen?" Die Alternative "kein Bock" ist so umgangen..... und man hat eine feste Absprache auf die man sich berufen kann. Ich kann mir vorstellen, das es bei Euch in vielen Situationen ganz hilfreich sein kann, so zu handeln, denn es lässt der Tocher immer eine eigene Wahl und Handlunsgalternative. Geht das schief, kündige ich Folgen auch an.... "Wenn Du zu spät kommst, kann ich mich nicht auf Dich verlassen und Du musst nächstes Mal zu Hause bleiben." Da sie wissen, das ich meine was ich sage, funzt das gewöhnlich ganz gut. Dir und Euch wird da schon das Richtige einfallen.

Und - sie hat ein Recht auf toben, weinen und kreischen (wenn das auch eher kleinkindhaft ist) aber in ihrem Zimmer. Notfalls - stehen lassen und weg gehen "schade das Du traurig bist, kann ich gut verstehen." Sonst nichts mehr..... zumeist hören sie dann ganz fix damit auf. Mein Mittelchen steht ja grad neben sich, der Streitpartner fehlt - wenn sie nun auf mich los geht, in ihrer Not - lasse ich sie stehen udn verschwinde in mein Zimmer. Aus die Maus. Findet sie reichlich blöd, aber grad geht das, weil sie nicht über ihre kleine Schwester herfallen kann, wie das bei Euch mit Kleinfelix geht, musst Du sehen... und für Euch passend zurecht finden.

Dir noch einmal liebe Grüße
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 5. Dezember 2009 15:09

Hallo alle miteinander!

Puh - da hatte ich ja einiges zu lesen :)

@ MarliJo
Ich kann ihr die Fahrt nach Thüringen schon allein deshalb nicht gestatten, weil es sich zeitlich - zumindest bisher - gar nicht lohnen würde und die Klinik nicht mitspielt. Unser Mittelchen hat - wie ich ja schon schrieb - in den Ferien jeden Tag in der Klinik zu sein, außer an den Weihnachtsfeiertagen und Silvester bzw. Neujahr. Das würde bedeuten, sie fährt am Silvestermorgen hier los und muß am Neujahrsabend schon wieder hier sein. Da ist ja fast länger im Zug, als das sie bei ihrer Cousine ist.
Über die Fahrt nach Thüringen habe ich mit der Psychologin gesprochen. Sie weiß also davon und sagte mir gleich, das ginge nicht. Jetzt überlege ich schon die ganze Zeit, ob sie unserem Kind evtl. absichtlich nichts davon gesagt hat, dass sie auch in den Ferien zur Klinik muß, weil sie ihr Spiel durchschaut hat oder ob sie tatsächlich ebenso auf das Spiel hereingefallen ist, wie wir auch. Die Absicht der Psychologin könnte ja sein, dass sie sich sagt, ich lasse dich mal machen und du wirst die Konsequenz deines Handelns schon spüren, in dem du nicht nach Thüringen fahren kannst. Wie gesagt, es ist nur eine Überlegung.
Vertrauen habe ich im Moment recht wenig in mein Kind, das stimmt. Das liegt wohl an solchen Dingen, wie ich sie oben beschrieben habe. Es fällt mir - zugegeben - auch schwer Vertrauen in sie zu setzen. Da ist die Schule, die mit der Kündigung des Schulvertrages droht, wenn sie nicht regelmässig zur Schule geht. Da ist die Klinik, die erwartet, dass sie ab sofort regelmässig jeden Tag dort erscheint. Aber ich kenne mein Kind und ich weiß, wie sie reagiert, wenn sie keine Lust mehr hat oder aber der Druck zu groß wird. Sie wird wieder ihre Verweigerungshaltung einnehmen und ich kann sie weder zur Schule, noch in die Klinik prügeln. Nur, was geschieht dann? Ich weiß, ich sollte versuchen, abzuwarten, ob es wirklich soweit kommt. Aber meine Gedanken kreisen nun mal und ich könnte mich täuschen. Wenn ich mir dann aber mein Kind und sein Verhalten anschaue, zweifle ich wieder, ob das alles in den nächsten Wochen gut geht.

@ Ansa
Aber wie soll ich ihr die Wahl lassen, ob sie zur Schule bzw. in die Klinik fährt oder nicht? Welche Alternativen habe ich ihr anzubieten? Wo soll ich die Grenze setzen? In einen stationären Aufenthalt bekomme ich sie nie wieder. So gut kenne ich mein Kind.

Liebe Grüße
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 5. Dezember 2009 15:33

Liebe Muckel,

das die Psychologin sie hat ausprobieren lassen wollen, was passiert - das ist denkbar - ebenso wie, das sie das nicht so übersehen hat. Da würde ich sie doch drauf ansprechen, glaube ich. Es ist ja vieles, was nun besprochen werden muss. Ich kann mir zum Beispiel so gar nicht vorstellen, das innerhalb der Klinik nicht über Ferien gesprochen worden ist? Das ist doch ein Thema, das alles Kinder (und die Eltern) brennend interessiert?

Die Wahl zwischen zur Schule gehen und nicht; die sollst Du ihr ja nicht lassen, in keinem Fall! Ihre Wahl ist zwischen "gehst Du allein oder soll ich Dich begleiten?" Andere Alternativen gibt es ja nicht. Außer man zeichnet ihr mal auf, was passiert, wenn sie nicht geht? Dann nämlich kommt am Ende die Polizei und fährt sie und..... vorher gibt es Bußgelder für die Eltern, die natürlich das Buget der ganzen Familie belasten und Einsparungen für sie (in erster Linie - da sie die Verursacherin ist) bedeuten. Nicht damit drohen, sondern das einfach mal ganz klar aufzeigen...... sachlich und ohne Vorwürfe, nach der Art "weißt Du eigentlich was passiert, wenn.....?"

Ich habe erst neulich eine ähnliche Diskussion mit meinem Mittelchen geführt, da ging es darum, ob sie es schafft auf die Oberstufe übernommen zu werden oder nicht (letztes Jahr war ja ihr Hauptschulabschluss gefährdet, also sind unsere Diskussionen da sehr bedeutsam) und was sie tun wolle, falls sie das nicht schafft. Da sagte sie das sie das nicht wisse und dann erst mal ein Jahr zu Hause bummeln wolle.... um sich zu überlegen, was sie tun könnte. Und ich habe ganz sachlich und ruhig und deutlich gesagt, "Ein Jahr bummeln ohne Nichts zu tun gibt es bei uns in der Familie nicht! Die Alternativen sind Schule, Ausbildung (notfalls über Papa und seine Kollegen) oder wenn sie nichts fände, dann müsse sie jobben gehen und sich ihren Unterhalt verdienen. Ich stehe grade für Schule und Ausbildung, aber wer bummeln wolle - der könne das nur nur, wenn er für sich selbst sorgen würde. Punkt!" "Oh," sagte sie, aber da machen doch viele.... die sind dann arbeitslos und sitzen zu Hause." "Ja," hab ich gesagt, "möglich, aber bei uns nicht!" Und dann sagte sie, das sie sich unter den Umständen dann mal lieber doch antrengen wolle und nun schreibt sie eine zwei nach der anderen. Sie weiß aber auch ganz bestimmt und sicher, das ich meine, was ich sage... Dies ist meine/unsere Familie und manche Grundregelen stelle ich bzw. stellen wir hier als Eltern auf. Mein Job ist Studium, Haushalt und emotionaler Halt für alle, der Job meines Liebsten ist klar - und der Job der Kinder ist ihre Schule.... die hat Vorrang. Auch Deine Tochter hat einen Job, den sie bislang nicht sehr ernst genommen hat und nun muss sie lernen, das es Folgen haben kann.... wenn Dein Mann nicht arbeiten geht, verdient er kein Geld - wenn sie nicht arbeitet, kann es manche Vergünstigungen nicht geben?

Gute Noten heißt bei uns zum Beipiel auch unbefristeter Zugang zum Internet bzw. PC. Wer da aber schlecht ist, bekommt seine Zeiten zugeteilt..... und kontrolliert. Oder so wie heute, sie will zum Nikolausmarkt und ihr Taschengeld ist alle - sie bekommt 10,- € für ihr Vergnügen, aber auch mit den Worten einer leichten Anerkennung..... "da ich mich momentan so sehr auf Dich verlassen kann, möchte ich, das Du Dir einen schönen Abend machen kannst......" das setzt sie schon in die richtigen Bezüge.

Und die Wahl zwischen ich gehe in die Klinik oder nicht darf sie auch nicht haben, auch hier soll sie erst mal den Vertrauensvorschuß haben und ihr macht ihr deutlich "ich freue michauf heute Abend, pass auf Dich auf" und wenn sie sich davon schleicht, darf sie wählen zwischen, "gehst Du allein oder soll Dich jemand begleiten?" Und die Folge des Begleitens wäre dann, das keiner für sie Zeit hat, wenn sie mal shoppen will oder sonst was möchte, denn die Zeit die für sie bestimmt ist, die ist ja für die Begleitung drauf gegangen.

Stationäre Aufenthalte sind ja nicht nur freiwillig.... aber ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen oder schwarz sehen, sondern erst einmal davon ausgehen, das man sich auf sie verlassen kann..... und dann sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Ihr die Wahl überlassen. Ritzt sie sich denn noch weiter oder hat sie aufgehört damit?

Dir liebe Grüße
Ansa *imBackwahn*
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon MarliJo » 5. Dezember 2009 17:43

Hallo Muckel !

Ok, wenn das mit der Reise nach Thüringen allein schon aus technischen und zeitlichen Gründen schwierig ist, ist es vieleicht ein Gedanke, ihr diese Reise zu einem späteren Zeitpunkt zu gewähren - Zeugnissferien oder so ?
Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum, das Fehlverhalten (so sie es denn überhaupt selbst so sehen kann) noch zu belohnen. Es geht mir darum, ihr zu zeigen, >ich traue dir dieses oder jenes zu und erlaube es, wenn... <. Dieses "wenn" kann zum Beispiel sein, das sie dieses Freiraum NUR bekommt, WENN sie regelmäßig in die Schule geht oder auch den Klinikaufenthalt ernst nimmt. Eben ein gegenseitiges Geben und nehmen.
Alternativen aufzeigen, wie sie Ansa beschrieb, finde ich sehr gut. Nicht ganz oder gar nicht sondern entwedeer oder im positiven Sinne. Also, schaffst du das alleine oder sollen wir dir helfen ? Aber klar machen, dass Das, was IHR Job ist (Schule, Klinik momentan,...) eben auch zu erfüllen ist. Kannst du ihr bei allen Widrigkeiten das Gefühl geben, dass sie ihren Weg schafft ?

Liebe Grüße
MArliJo
MarliJo
 

Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 5. Dezember 2009 19:49

Hallo ihr Lieben alle!

@ MarliJo
Unser Mittelchen wußte von Anfang an, dass sie die Reise auch durchaus in den Oster- oder Sommerferien antreten kann, wenn es über Silvester nicht klappen sollte. Aber sie war und ist so darauf fixiert über den Jahreswechsel zu fahren, dass alles andere für sie nicht im Raum steht.

Allerdings bin ich gerade so richtig über meinen eigenen Schatten gesprungen und ob es richtig war, darüber muß ich noch mal nachdenken.
Unser Kind hat eine Freundin hier zu Besuch im Moment - ein Mädchen aus ihrer Klasse der Heimatschule. Sie sitzen im Zimmer und man hört nur Gelächter (schön ist das :) ). Jedenfalls haben sich die Beiden überlegt, dass unser Mittelchen doch von Sonntag auf Montag bei der Freundin übernachten könnte und dann von dort aus zum ersten Mal wieder zur Schule geht. So hätte sie Begleitung und müsse den Abend vorher nicht allein verbringen. Also stand mein Mittelchen vor mir und fragte, ob ich ihr die Übernachtung bei ihrer Freundin erlauben würde und begründete mir das dann auch mit o. g. Gründen. Irgendwie fühlte ich mich an die Situation im letzten Elterngespräch erinnert. Also bat ich mir Bedenkzeit aus. Schließlich muß unser Kind ja in der Klinik anrufen, wenn sie sich auf den Weg zur Schule macht usw. Aber was mir viel mehr auf der Seele lag war, dass ich abwog, ob da nicht vielleicht irgendwo ein Hintertürchen sei, dass sie sich als Schlupfloch offen hält. Halt genau so, wie mit der Idee des tagesklinischen Aufenthalts. Mein Mann meinte, ich solle sie gehen lassen. Die Klinik würde sich ganz sicher melden, wenn das Kind nicht anruft, um zu sagen, dass es nun zur Schule geht. Abgesehen davon weiß ja mittlerweile auch die Heimatschule, dass unser Mittelchen am Montag wieder da ist. Außerdem könne ich immer noch in der Klinik anrufen und nachfragen, ob sie sich gemeldet habe.
Unser Mittelchen hat dann also - in meinem Beisein - die Telefonnummer der Klinik in ihr Handy gespeichert und ich habe ihr verdeutlicht, was ich von ihr erwarte und auch, wie schwer es mir fällt, ihr die Übernachtung zu gestatten. Sie sagte mir, sie wisse das und hat sich bei mir bedankt.
Hinterher ist mir aufgefallen, dass sie nicht wütend wurde, als ich nicht sofort "Ja" sagte zu ihrer Idee. Das wäre vor dem Klinikaufenthalt mit Sicherheit anders gewesen. Ob das nun tatsächlich eine Veränderung ist oder aber nur die Freude darüber, der Klinik ein Stück weit entkommen zu sein, bleibt abzuwarten.

Liebe Grüße
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
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