Wenn man stark sein muß ...

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 5. Dezember 2009 21:30

Liebe Muckel,

auch das hast Du gut und richtig gemacht, Vertrauensvorschuss - und sie ist damit am Zug und darf zeigen, das man sich auf sie verlassen kann. Mit einer Freundin zur Schule zu gehen ist sicher auch ein anderer Anreiz als allein von zu Hause aus, eine gute Idee.

Und das sie gelassen blieb, als Du nachdenken wolltest - vielleicht hat sie mehr gelernt, als wir denken? Das wird sich in den nächsten Wochen sicher zeigen. Ansonsten würde ich abwarten was passiert und ihr nicht hinterher telefonieren. Zeig ihr, das Du bereit bist, ihr zu vertrauen. Und sag ihr, das dies ein langer Weg ist, für Euch alle. Ansonsten, einen schönen zweiten Advent.

Liebe Grüße
Ansa
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon MarliJo » 6. Dezember 2009 13:21

Hallo Muckel,

finde es gut, dass du über deinen Schatten springen konntest. Ich wünsche dir, dass deine Tochter es erkennt, dass du einerseits bereit warst/bist ihr einen gewissen Freiraum zu geben und andererseits ihr Selbstverantwortung abverlangst. Wenn sie das schaft, beides in eine gesunde Balance zu bringen, ist glaube ich viel gewonnen und es wird sicher ihr Selbstvertrauen stärken.
Wenn ich mich noch einmal auf ein Beispiel aus meiner Jugend beziehen darf, so kann ich sagen, dass der Satz meines Vaters >pass auf, was du tust< mir viel eingängiger war, als der Satz meiner Mutter >Nein, ich will nicht das du bei deiner Freundin schläfst, nachher bringst du mir noch ein Kind nach Haus!< Hinter Letzterem steckt sicher eine "berechtigte" Sorge, doch regt eine solche Aussage nicht an, Selbstverantwortlich zu handeln, sondern eher dazu, Schlupflöcher zu suchen, um dem "Reiz des Verbotenen" nachzugehen.

Schön auch, dass die Bitte deiner Tochter und deine Erlaubniss euch auch scheinbar kaum Kraft gekostet hat. Es ging ohne "Tauziehen" ab, wenn ich es richtig herausgelesen habe. Toll!

Liebe Grüße
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 7. Dezember 2009 14:26

Hallo Ihr Beiden!

Danke für euren Zuspruch. Das hat mir gut getan. Ich habe doch arg an meiner Entscheidung gezweifelt. Aber bisher sieht es so aus, als wäre sie doch richtig gewesen.
Heute früh hat unser Mittelchen auch hier angerufen und gesagt, sie habe bereits in der Klinik angerufen und sei nun auf dem Weg zur Schule und gerade rief sie mich noch einmal an um mir zu sagen, dass sie jetzt unterwegs in die Klinik sei. Ach ja - in der Schule sei es nicht so schlimm gewesen, wie sie dachte.

Hoffen wir also, dass es so bleibt.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 8. Dezember 2009 08:27

Liebe Muckel,

ich hoffe, Euer zweiter Morgen läuft genauso gut wie der gestrige...... Manchmal ist es einfach so, das wir, trotz unserer Zweifel, arge Probleme haben, uns und unserem Kind zu vertrauen. Dabei ist das am Ende soooo wichtig und der Punkt, an dem Teenies wachsen können und an dem wir sehen, wir können sie wieder ein Stück weit los lassen.

Dir ganz liebe Grüße und einen guten Tag
Ansa
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 8. Dezember 2009 08:45

Liebe Ansa!

Bis hierher verlief der Morgen genau so ruhig, wie der gestrige auch (auch wenn man sie nicht wirklich vergleichen kann). Unser Mittelchen hat eben in der Klinik angerufen, sich zur Schule abgemeldet und ist dann los gegangen.

Gestern rief sie mich dann noch nach "Feierabend" an, um mir zu sagen, sie sei auf dem Weg nach Hause und erzählte mir gleich noch, wie es in der Schule so war. Ihre Klassenlehrerin (unterrichtet u. a. Englisch) erwartet von ihr, dass sie bis nächste Woche allen Stoff nachgearbeitet hat, damit sie die Klassenarbeit mitschreiben kann. Wie soll sie das denn schaffen, wenn sie abends auch noch Hausaufgaben machen muß und auch für andere Fächer nacharbeiten soll? Ich habe die Klassenlehrerin angerufen und ihr gesagt, dass das Kind das in so kurzer Zeit nicht schaffen kann, weil ja nachmittags in der Klinik alle Therapien usw. weiter laufen. Das hat sie dann zum Nachdenken gebracht. Sie ging nämlich davon aus, dass unser Mittelchen in der Klinik nur zur schulischen Betreuung (Hausaufgaben usw.) wäre. Die Klassenlehrerin schlug dann ein Treffen vor, bei dem überlegt werden soll, wie wir dem Kind jetzt Unterstützung zukommen lassen können.

Jedenfalls kam unser Mittelchen sehr ausgeglichen nach Hause und sprudelte nur so über beim Erzählen von der Schule, der Klinik usw.
Leider musste ich ihre gute Laune dann bremsen, weil ich ihr sagen musste, dass einer der heißgeliebten Hasen tot ist. Mein Mann fand ihn gestern Nachmittag tot im Käfig. Ich hatte viele Tränen befürchtet. Die kamen zwar auch, aber alles in allem blieb sie ruhiger, als ich dachte.

Nun warten wir also die nächsten Tage und Wochen ab. Aber eines ist mir jetzt schon klar. Fürs Kind werden es stressige und lange Tage werden, weil sie bis recht spät abends noch lernen muss.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 8. Dezember 2009 08:57

Liebe Muckel,

das finde ich doch recht schön, das die Lehrerin darauf eingehen kann und ihr gemeinsam überlegen wollt, wie es nun weiter gehen kann. Ich hoffe, das meine Tochter wenigstens in den Hauptfächern den Anschluß behalten kann, denn da arbeitet die Klinik bereits jetzt mit den Lehrern zusammen. Ansonsten hab ich gesagt, wenn sie nun ein Thema verpasst, werden wir das sicher überstehen.....

Und die stressigen Tage? Schau, das war nun ihre Entscheidung - es hat ja seine Gründe, weshalb in einer Klinik keine Vollbeschulung stattfindet - wieder nach Hause zu wollen. Bloß kein Mitleid - sondern, aber auch nur wenn sie von allein mault - trocken sagen "ja ich weiß, das ist schwer, aber es sind dir Folgen Deiner Entscheidung. Du schaffst das schon." Und dann sehen, wie sie reagiert oder auch fragen, was ihr helfen würde? Notfalls muss das ein oder andre am Wochenende gemacht werden und vielleicht sollten ihre Lehrer über ihre Tagesabläufe informiert werden?

Ich weiß nicht viel über ihren Leistungsstand, aber ich halte es dann so, das ich von meinen Mädchen keine Höchstleistungen erwarte, sondern ihnen vermittle "in solchen Zeiten reicht mit eine Vier, das ist Dein Job, alles andere kann man nachholen......." um den Druck heraus zu nehmen. Wäre das ein Ansatz für Euch?

Dir noch einmal liebe Grüße
Ansa
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 8. Dezember 2009 14:06

Liebe Ansa!

Klar, es war ihre Entscheidung und die Konsequenzen daraus muß sie nun tragen. Das kann und wird ihr niemand abnehmen. Mit ihrer Schwester hat sie gestern Abend noch über Mathe gesessen und die Klassenlehrerin weiß ja nun, dass unser Kind nicht nur für Hausaufgaben in die Klinik fährt. Ich werde der Klassenlehrerin aber auch noch mal sagen, dass das Kind auch in den Ferien von morgens bis abends in der Klinik ist, so dass auch dann recht wenig Zeit bleibt, das Verpasste nachzuholen und ich werde sie bitten, das auch mit den Fachlehrern zu besprechen. Ich denke da kann ich ansonsten nichts tun, außer meinem Mittelchen Hilfe und Unterstützung anbieten.

Ich habe ihr gestern Abend noch gesagt, dass sie schauen soll, wie sie mit den schulischen Dingen zurecht kommt. Schafft sie den Anschluß und damit die Versetzung im nächsten Sommer - wunderbar. Wenn nicht, ist das kein Beinbruch und damit nicht schlimm für uns. Den Druck macht sie sich selbst, weil sie unbedingt in der Klasse bleiben möchte.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa » 11. Dezember 2009 18:52

Liebe Muckel,

nun ist Eure erste Woche ja vorbei.... magst Du berichten, wie es war und ob sich die Dinge so fügen, das alle gut damit umgehen können?

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße
Ansa
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 11. Dezember 2009 19:15

Hallo ihr Lieben und vor allem Ansa!

Ja, die erste Woche ist nun vorbei und unser Mittelchen befindet sich im Moment auf dem Weg von der Klinik nach Hause. Es ist wirklich ein langer Tag, den sie da hat. Aber das wollte sie ja so.

Sie selbst fügt sich reibungslos in ihren neuen Tagesablauf ein, ruft morgens in der Klinik an, fährt nach der Schule sofort dorthin und meldet sich bei mir, wenn sie sich auf den Heimweg macht. Klar, sie stöhnt ein wenig, wenn sie abends noch Hausaufgaben machen und lernen muß. Aber nun ja ....
Aus der Schule berichtet sie, dass alles ruhig sei, ihre Klassenkameraden sie in Ruhe ließen und die Lehrer ihr keinen Druck machen. So langsam findet sie wieder in den Schulstoff, aber bis sie entgültig alles aufgeholt hat, wird es noch eine kleine Weile dauern. Sie findet z. B. Hilfe in Mathe bei ihrer Schwester und fürs Vokabeln abhören bin ich da. Über die Klinik regt sie sich auch nicht mehr auf und fügt sich anscheinend auch dort jetzt besser ein. Näheres werde ich am Montag beim nächsten Elterngespräch erfahren.
Auch ich werde langsam ruhiger, merke ich doch, dass unser Kind ausgeglichen, fröhlich und ruhig ist. Einzig gegen eine Hilfe vom Jugendamt wehrt sie sich strikt. Sie möchte nach dem tagesklinischen Aufenthalt das Thema auf sich beruhen lassen und verspricht mir immer wieder, dass weitere Hilfe nicht nötig sei, da sie ab jetzt regelmässig zur Schule ginge und sich auch nicht mehr selbst verletzte. Aber darüber werde ich am Montag erst einmal mit der Therapeutin sprechen.

Gestern kam sie mit der Neuigkeit nach Hause, dass es sein könne, dass sie mit dem Ende der kommenden Woche aus der tagesklinischen Therapie entlassen würde. Das habe ihr die Therapeutin gesagt. Ich bin zunächst gar nicht weiter darauf eingegangen, weil unser Mittelchen mir sagte, darüber werde die Therapeutin mir am Montag näheres sagen. Also warte ich nun erst einmal ab. So langsam gewöhne ich mich an diese spontanen Entscheidungen der Klinik :)

Nun wünsche ich euch allen einen ruhigen 3. Advent und werde am Montag dann vom Elterngespräch berichten.
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 15. Dezember 2009 09:05

Guten Morgen alle miteinander!

Hier geht es mal wieder drunter und drüber und die Ereignisse überschlagen sich.
Aber mal das positive zu erst. Klein-Felix hat ab kommenden Sommer einen Kindergartenplatz und den auch noch in meinem Wunschkindergarten. Darüber bin ich sehr froh.

Aber nun zu den wichtigen Dingen.
Unser Mittelchen wird am kommenden Freitag aus der tagesklinischen Behandlung in die ambulante hier vor Ort entlassen. Die Therapeutin sagte mir gestern im Elterngespräch, dass Erfahrungswerte zeigen, dass Schulverweigerungshaltungen oftmals dann im Griff seien. Hoffen wir also das beste ...
Da unser Kind aber nach wie vor jede Hilfe vom Jugendamt verweigert, sollen wir es erst einmal dabei belassen. Gleichzeitig sollen wir ihr aber klar machen, dass das Jugendamt und auch die Klinik sofort eingeschaltet werden, wenn sie wieder nicht zur Schule will und defintiv nicht krank ist. Allerdings bleibt hier vor Ort eine engmaschige therapeutische bestehen.
Unser Mittelchen selbst geht regelmässig zur Schule, ist ruhig und ausgeglichen. Sie versucht, verpassten Stoff nachzuholen und gleichzeitig aktuellen zu begreifen. Aber sie "meckert" nicht, sondern ist bemüht.
Ich selbst hoffe, dass es so bleibt und so langsam kehrt in mir ein wenig Ruhe ein.

Allerdings habe ich meinen Kindern gestern Abend - nach Absprache mit der Therapeutin - sagen müssen, dass ihr Opa sehr schwer erkrankt im Krankenhaus ist und niemand kann sagen, ob er das Krankenhaus wieder lebend verlässt. Unser Mittelchen hat sehr geweint, weil sie Angst um das Leben von Opa hat. Unsere Große reagierte sichtbar kaum und schimpfte stattdessen mit ihrer Schwester, weil sie weinte. Sie meinte, warum sie jetzt jammern sollte, ändern würde das an der Situation auch nichts und helfen würde es dem Opa auch nicht. Daraufhin entbrannte ein riesiger Streit zwischen den Mädchen. Unser Mittelchen warf ihrer Schwester vor, sie sei eiskalt und eine (Zitat) blöde Schlampe. Die Antwort lautete, dass sie selbst eine Psychopatin und verweichlicht sei. Ich hab dann eingegriffen und ihnen gesagt, dass dieser Streit Opa auch nicht helfen würde und sie lieber schauen sollen, wie sie der Oma jetzt ein wenig Stütze geben könnten.

hr seht, es ist schon wieder eine Menge los bei uns.
Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Bine40 » 17. Dezember 2009 10:25

Hallo meine liebe, starke Muckel!

Lese immer still mit, bin sehr davon berührt, mit wieviel Fingerspitzengefühl du diese schwierige Phase
mit deiner Tochter meisterst.

Dagegen ist meine pubertierende Hexe doch harmlos, sie ist zwar ne Zeit nicht zur Schule gegangen, hat das Rauchen
und den Alkohol ausprobiert, sind nachts nicht nach Hause gekommen, aber wir haben sie dann doch wieder
runterholen können mit engen Grenzen und der Aussicht, wenns läuft, kommen alte Privilegien wieder.

Ich finde es so schwer und erschöpfend, diesen Wesen mitzuteilen, wenn sie auf dem Holzweg sind, wenn sie
mehr Hormone als Blut im Körper haben.
Auch habe ich das Gefühl, dass sie heute noch zeitintensiver sind als früher, die Verschnaufpausen für Mamas
sind kürzer geworden, die Gedanken kreisen oft nur noch um diese Sorgen.

Daher finde ich es sehr bewundertswert, dass du soviel Vertrauen in sie steckst, ihr aber auch die Richtung
vorgibst ohne belehrend zu wirken.
Und die Beschimpfungen zwischen den Geschwistern hast du auch toll gelöst, so kann sich jede überlegen, ob ein
solcher Streit überhaupt was bringt.

Bei uns in Stadt gibt es auch noch etwas, was dir evtl. noch helfen kann, vielleicht gibt es was ähnliches ja
bei euch auch. Es gibt einen Verein mit Träger der kath. Kirche, der sich um Schulverweigerer kümmert,
der ganz eng mit den Eltern und der Schule zusammenarbeit, die Kinder -wenns gar nicht mehr geht-
in einem Betrieb unterbringt und sie auch pychologisch begleitet, versäumten Schulstoff nacharbeitet.
Aber ihr habt ja auch schon einen guten Weg eingeschlagen.

Ganz liebe Grüße

Bine
Wenn Gott Dir eine Tür zuschlägt, öffnet er Dir ein Fenster.
Bine40
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus » 18. Dezember 2009 09:17

Liebe Bine!

Danke dir für deine Antwort :umarmen:

Ob es Fingerspitzengefühl ist, kann ich nicht sagen. Mein Bauch hat eigentlich etwas anderes gesagt. Eigentlich war es mein Mann, der mich ermutigte, sie gehen zu lassen. Ich versuche halt zu verstehen, was in ihr vorgeht. Ob ich damit immer richtig liege, kann ich nicht sagen. Aber seit sie aus der vollstationären Behandlung entlassen ist, spürt man Veränderungen -meist kleine und ihr selbst wahrscheinlich nicht einmal bewußt. Sie ist ausgeglichener, weniger aufbrausend, kompromissbereiter. Das lässt mich ruhiger werden.

Am Dienstag bin ich mit ihr ins Krankenhaus zu ihrem Opa gefahren. Lange hatte sie überlegt, ob sie ihn auf der Intensivstation wirklich sehen wolle oder ob sie draußen bleiben und nur die Oma mal fest drücken sollte. Sie überlegte, ob sie den Opa nicht lieber in Erinnerung behalten will, wie sie ihn kennt oder ob sie sich - sollte er versterben - ärgert, dass sie nicht noch einmal bei ihm war. Ich habe ihr die Entscheidung überlassen und ihr - egal, wie sie sich entscheidet - meine Unterstützung und Hilfe angeboten. Schließlich hat sie ihren ganzen Mut zusammen genommen und ist zu ihrem Opa gegangen. Sie blieb dort ca. 15 Minuten und sagte mir hinterher, sie sei erleichtert, dass sie bei ihm gewesen sei. Der Opa habe das sicher gespürt und so schlimm habe das alles gar nicht auf sie gewirkt. Du mußt wissen, dass im Krankenhaus im Moment eine ganze Menge Apparatemedizin ihren Dienst tut, damit es dem Opa hoffentlich wieder besser geht.

Uns bleibt also nichts als Hoffen und Bangen.

Liebe Grüße
Muckel

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