Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

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Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

Beitragvon Girl-Soccer » 9. September 2010 22:40

"(...) Martina hatte es in ihrer Kindheit nicht leicht. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie 10 war. (...)"

Diese fragwürdige Schlussfolgerung habe ich gestern nebenbei mitbekommen, als der Fernseher lief.
Meine spontane Reaktion war, zu hinterfragen, ob dies eine logische Schlussfolgerung sei.
Mein nächster Gedanke war, ob eine solch doppelt allgemeine Folgerung nicht auch zu selbst erfüllenden Prophezeiungen führen kann oder gar häufig führt.

Zur Diskussion würde ich gerne bringen,
ob für euch eine solche Schlussfolgerung realistisch ist,
ob ihr denkt, dass dies zu selbst erfüllenden Prophezeiungen führen kann oder führt
und was ihr denkt, was man anders machen kann.

Auf eine angeregte Diskussion würde ich mich freuen.

Liebe Grüße von Girl-Soccer
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Re: Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

Beitragvon tarsshaft » 10. September 2010 12:11

Hallo Girl-Soccer!

zunächst meine allerkürzeste antwort dazu: nein, das ist keine logische schlussfolgerung für mich. sie ist viel zu pauschal. die möglichkeiten, wie eine scheidung/trennung der eltern ablaufen kann, sind unbegrenzt – ebenso wie die reaktionsmöglichkeiten der betroffenen kinder.

es steht sicher außer frage, dass eine trennung/scheidung für alle beteiligten eine schwere situation darstellt. ich lasse es an dieser stelle einmal bewusst bei der oberflächlichen beschreibung „situation“ und „schwer“. weiter steht außer frage, dass jeder mensch individuell ist, folglich verkraftet bzw. verarbeitet er bestimmte situationen und ereignisse individuell.

ich bin ein erwachsenes scheidungskind, war 8 jahre alt, als meine mutter meinen vater wegen eines anderen mannes verließ und mit meinem jüngeren bruder und mir in eine neue stadt und mit diesem mann zusammenzog. es gab vieles, was mir in dieser neuen situation als kind große angst gemacht hat. hätten sich meine eltern nicht getrennt, so dachte ich lange, wäre meine kindheit weniger angstbesetzt gewesen. lange verurteilte ich eine mutter dafür, dass sie mich dieser angstbesetzten situation ausgesetzt hatte, die aus mir ein ebenso angstbesetztes kind gemacht hatte. heute weiß ich, dass meine mutter bereits VOR der trennung eine sehr ängstliche frau war und ich folglich so oder so mit einer überängstlichen mutter aufgewachsen wäre – scheidung oder nicht.

als erwachsene frau habe ich jahrelang die scheidung meiner eltern als basis für all meine probleme im erwachsenenleben gesehen. allen voran meine eigenen beziehungsprobleme sowie meine ständig wiederkehrenden trennungs- und verlustängste führte ich auf meine traumatischen erlebnisse in der kindheit zurück, die durch die scheidung/trennung entstanden waren. so hatte ich stets eine für mich und auch für meine partner plausible erklärung zur hand, warum ich so oder so reagierte. dabei vergaß ich vollkommen, mein eigenes verhalten zu hinterfragen, sah ich mich doch als opfer der umstände. nach vielen jahren des aufarbeitens wurde mir allmählich klar, dass ich mich bislang immer hinter dem pauschal-grund „scheidung“ versteckt hatte, ohne eigenverantwortlich mein handeln zu reflektieren. ich handelte nicht erwachsen. als erwachsene frau habe ich verantwortung für mein leben und mein tun. sicher: die trennung/scheidung und all die damit verbundenen, teilweise auch traumatischen erlebnisse haben mich geprägt. einen einfluss auf mein heutiges handeln haben sie aber nur dann, wenn ich dies im heute zulasse. die begründung „ich bin eben ein scheidungskind“ lasse ich nicht mehr gelten. es ist sicher so, dass es manche von uns leichter haben als andere. ob scheidung oder nicht. dennoch gilt für uns alle, dass wir als erwachsene für unser handeln verantwortlich sind. und wenn wir glauben, dass die scheidung/trennung unserer eltern der grund für unsere heutigen probleme ist, dann müssen wir uns eben auf den weg machen und diese probleme lösen – ob nun gemeinsam mit einem therapeuten, in einer selbsthilfegruppe oder ähnlichem. ich sage bewusst „müssen“, denn wir haben das recht und die pflicht, unser erwachsenes leben zu gestalten. meine mutter, mein vater und mein bruder haben sich zum beispiel für „verdrängung“ entschieden. das konnte ich lange nicht verstehen, weil ich es eben anders mache. verstehen kann ich es heute noch nicht, aber ich habe gelernt, es zu akzeptieren.

Lg tarsshaft
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Re: Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

Beitragvon Ansa » 10. September 2010 13:20

Liebe Girl Soccer,

Das ist ein spannendes Thema, und man hört das häufig. In der Schule „ach so, sie ist ein Scheidungskind – sagen sie das doch gleich“, später „ach so, Du bist ein Scheidungskind......“ so als würde das alles erklären. Oder anders, damit wird erklärt, weil es so einfach scheint.

Am Ende glaub ich, ist da soviel dran wie am Bild der Mutter die stillt. Gute Mütter stillen.... und selbst in der Uni zanken sich Kommilitoninnen (ohne Kinder) darüber, dass das nachhaltig Kinder schädigen kann..... oder nicht? Mal offen, es ist schnuppe, ob da jemand sein Baby stillt oder nicht, es gibt auch so was wie Adoptiveltern oder Frauen, die nicht stillen können, und deren Kinder sind beileibe nicht traumatisiert. Man weiß heute, durch vielschichtige Untersuchungen, das es auf andere Dinge ankommt. Aber das Gerücht, das fehlendes Stillen schädlich für ein Kind ist, hält sich hartnäckig.

Zur Generation meiner Eltern war es üblich, nicht zu stillen, es gab nämlich zum ersten Mal Milchprodukte um dies zu ersetzen. Da müsste eine ganze Generation Kinder schwer geschädigt sein?

Gehen wir ein wenig in die Geschichte, dann erfahren wir, das es, zumindest in den Kriegszeiten durchaus üblich war, das Frauen ihre Kinder allein erzogen, das Väter nicht wieder kamen, das es Ersatzväter gab.... noch als ich Kind war, starb in einer bekannten Familie die Mutter bei der Geburt des Kindes und ihre Schwester zog zu dem Schwager um das Baby zu versorgen, selbstredend wurde dann geheiratet, zum Wohle des Kindes, damit dies in geordneten Verhältnissen aufwuchs. Die Frau, daran erinnere ich mich, liebte aber ihre Kinder (die sie danach bekam) anders als das Kind ihrer Schwester, denn im Gegensatz zu ihr, war die Liebe zwischen ihrem Mann und ihr nie sooo groß, wie die zu ihrer Schwester.

Es gab Zeiten, das war es üblich, das „andere“ Frauen die Kinder groß zogen. Denn man starb relativ viel im Kindbett...... dann gab es Zeiten, in denen zogen wohlgestellte Eltern ihre Kinder nicht mal selbst auf, dafür gab es Personal. Solche Familien gibt es heute noch..... Internate, Nannies und wenn die Kinder sich benehmen können, dann nimmt man sie mal dazu.

Also, Kinder wuchsen zu allen Zeiten mal mehr, mal weniger in nicht klassischen Familiensituationen auf.

Aber hat man der Generation meiner Eltern (das sind die Kriegskinder) bescheinigt, das sie nicht in der Lage sind ein glückliches Leben zu führen? Oder das sie einen schlechten Start hatten? Ich frag mich manchmal, warum tut man das heute?

Klar ist, eine Scheidung, Trennung oder auch der Tod eines Elternteils (das sind andere Vorrausetzungen), aber die Folgen durch Zweiteltern sind ja die gleichen; ist für die beteiligten Kinder immer traumatisch. Nichts erschüttert sie so sehr, als wenn ihre, so sicher geglaubte Welt aus den Fugen gerät und zerspringt.

Und dann kommt es darauf an, wie die Großen damit umgehen. Sind Eltern emotional selbst so betroffen, das sie an nichts mehr denken können – ist der Schaden für die Kinder, die in solchen Momenten sich selbst überlassen werden, viel größer, weil sie weder aufgefangen werden, noch gehalten. Aber man muss auch die betroffenen Eltern sehen, nicht als Eltern, sondern als Mann und Frau. Wie schwer ist es, so etwas zu verwinden und nicht die Zeit zu haben, auf sich zu seheh, weil Kinder zu versorgen sind? Wie oft konnte ich selbst nicht sauer sein, nicht toben, nicht weinen, weil ich meine Kinder schützen musste? Wie oft michzusammen reißen, um den Vater nicht einfach um den Pfeiler zu hauen und statt dessen dabei zu helfen, das Verhältnis zwischen Papa und Kind zu stabilisieren, das hat ja am Ende auch etwas mit mir gemacht.

Zanken sich die Eltern, um etwas anderes, als das, was sie vorgeben (ich glaube, das ist bei Trennungen oft so, das man sich um Kinder zankt, aber eigentlich eine andere Ebene meint) ist der Schaden für die Kinder weitaus größer, als würden die Eltern die Paarebene von der Elternebene trennen und sachlich miteinander zum Wohl der Kinder handeln. Mein Ex zum Beipsiel kämpft immer noch um Macht, nicht über die Kinder, nein - über mich und er findet immer neue Ansaätze doch mal zu versuchen, einen Fuß in unsere Tür zu bekommen.

Nur das können die Wenigsten, die Ebenen trennen......... die Wenigsten sind in der Lage, eigene Verletzungen hintenan zu stellen, eigenes Versagen zu verschieben und sich darauf zu konzentrieren, „was machen wir jetzt aus dieser Situation“ Wie schwer so etwas Menschen fällt, erlebst Du hier täglich, sie schauen nach hinten, suchen Gründe für ihr jetziges Leben in der Vergangenheit, aber sie vergessen oft dabei, nach vorn zu schauen, auf das was ist und auf das was sie möchten........ Vergangenheit ist wichtig, meine ich, ganz bestimmt, aber wichtiger ist eben, wie will ich meine Zukunft gestalten und was kann ich dazu tun?

Kommen in eine Trennungssituation also Hass, negatives Verhalten, Streit der Partner, Schlechtreden eines Elternteils, Verlust durch Abwendung oder Verhinderung, dann sind die Folgen tatsächlich schwer abzusehen und wenn dann niemand da ist, der einem betroffenen Kind Halt bietet, kann so etwas das Leben schwer beeinträchtigen. Es fehlt an Vorbildern für das gemeinsame Leben zwischen Erwachsenen, es fehlt oft genug an Positionserfahrungen der Kinder (die zu Partnern gemacht werden, ohne die notwendige Reife zu haben).

Trotzdem wissen wir, das Kinder all das auch in „intakten“ Familien erleben können.... Ich bin in so einer Familie groß geworden, nach außen hin Vorbild, nach innen faul. Bei meinem Exmann war das ähnlich...... und bei vielen Freunden erfahre ich heute, das es auch in die Richtung ging. „Ach hätten die sich bloß scheiden lassen“ höre ich hin und wieder.

Aber ich glaube auch daran, das die selbsterfüllenden Prophezeiungen durch solchen Glauben entstehen und Einfluss auf das Leben der Betroffenen nehmen. Da geht die erste Beziehung schief und jemand sagt „na klar, bist ja auch ein Trennungskind“ und schon hat man einen Grund – anstatt zu sehen, das man einfach nicht zusammen passte? An dem an sich fest hält, und nicht mehr über eigene Anteile nachdenkt. Man kann ja nicht....... jetzt nicht und später nicht?

Das ist nicht bei allen so, aber durchaus bei manchen. Andere haben durch Beeinflussung der Eltern ein hässliches Männer- oder Frauenbild mitbekommen, da wird es dann schwerer. Aber selbst solche Bilder werden in "intakten" Familien entwickelt.

Aber am Ende glaube ich, es kommt darauf an, was man daraus macht. Gehen Eltern mit einer Trennung sicher und gut um, erleben die Kinder eine Chance, etwas besser zu machen, sie gewinnen Freunde (die neuen Partner), sie haben mehrere Erwachsene, die sie im besten Fall mögen und die für sie da sind. Und sie lernen auch, das man etwas ändern darf, wenn es schief liegt. Ich glaube, draus erwachsen Chancen.

Jeder Mensch lernt sein Leben lang, wenn ich für mich erkannt habe, das ich etwas nicht so will wie es ist, dann kann ich daran arbeiten. Ich kann es langsam dahin gestalten, wie ich es möchte..... und eines Tages habe ich es dahin verändert und kann es leben. Unabhängig von dem, was ich gelernt habe.

Liebe Grüße
Ansa
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

Beitragvon Buecherfalke » 12. September 2010 14:54

Hallo ihr drei, ich muss mich euch doch glatt anschließen, ein interessantes Diskussionsthema :lesen:

Ist es nicht so, dass man als Scheidungskind, wenn man von vornerein von aller Welt bemitleidet wird, auch glaubt, dass man arm dran ist? Logisch, die Scheidung ist nicht das Gelbe vom Ei, doch besser, man geht getrennte Wege, statt sich überspielt gesagt, von morgens bis abends auf der Pelle zu hocken und zu zanken? Möglicherweise noch im Beisein und auf dem Rücken der Kinder?

Das es auch schlechte Seiten der Scheidung gibt,das müssen wir nicht ausführen, deshalb existiert das Forum doch überhaupt. Doch nicht alle sind mit der Scheidung schlecht dran. Verstehen sich die Kinder mit beiden Elternteilen nach wie vor gut, kann das auch durchaus seine Vorteile haben, wie doppeltes Taschengeld, immer ein offenes Ohr, mehr Zeit usw.

Grüße an alle, Bücherfalke
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Re: Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

Beitragvon Tamara22 » 1. Oktober 2010 09:42

HI,

in dem Satz oben steht doch Miriam hatte es in ihrer KINDHEIT nicht leicht, es sagt nichts über die Zukunft aus, keine Prognosen sondern einfach nur der Hinweis, die Kindheit war nicht so einfach, was angesichts einer Scheidung sicher auch stimmt. Da könnte auch stehen, nicht so leicht, ihr Vater/Mutter war krank, Alkoholiker, arbeitslos, gestorben....
oder ähnliches, was die Kindheit beeinflussen hätte können.

Ich glaube hier werden zwei Sachen vermischt, das ist in meinen Augen die Opfergeschichte und einfach eine prägende Vergangenheit.
Ein Kind das im Wachstum ist, wertvorstellungen ausbildet, lernt, abschaut, sich und sein Ich entwickelt, wird natürlich beeinflusst von dem was es erlebt. es hat noch nicht die Reife sich der "Opferrolle" zu entledigen, sondern es erlebt einfach etwas. Später als Erwachsener kann man sicher lernen mit Dingen anders umzugehen, aber das Kind kann es nicht.
Diese Prognosen helfen keinem was, aber das wegreden von schlimmen Kindheitserfahrungen, als das beeinflusst das Kind schon nicht so in der Zukunft ist halt auch gern eine willkommene Ausrede und auch das war es schon immer. Eltern die ihre Kinder schlagen denken das, Eltern die sich streiten, trinken...oder sie haben die Hoffnung, dass das Kind nicht allzusehr davon geschädigt wird, wenn sie sich darüber überhaupt Gedanken machen und machen können...
Was ich sagen will, würden die Erwachsenen die Verantwortung übernehmen völlig, für das was sie tun, im Hinblick auf Kinder, die sie in die welt gesetzt haben, dann könnten Kinder anders aufwachsen. Dann würden sie keine Opfer, sondern Individuen, die Fehler sehen und den Umgang damit. Dann könnten Sie daraus wachsen. Da aber in meinen Augen in der NAtur der Eltern liegt, das Beste für das Kind zu hoffen, verdrängen sie gern, das was nicht gut ist. Das ist ein Selbsterhaltngstrieb, der meistens greift. Und das ist vielleicht auch gut so denn ich glaube viele Eltern würden an der Last der Schuld kaputt gehen....

ICh saß mal neben einer Mutter die meinte, man wüßte doch heute, dass Kinder nach spätestens 2 Jahren die Scheidung verkraftet haben, darüber gäbe es doch studien...
So ein Quatsch, in den Studien sitzen vielleicht auch Kinder die ihre ELtern lieben und ihnen nicht die volle Verantwortung übergeben, da habt ihr einfach Mist gebaut und da sitzen Eltern, die sie nicht voll übernehmen und sagen, es ist eigentlich ganz glimpflich abgelaufen.
Es gibt keine Realität ausser die, die jeder für sich abbildet...folglich wird es auch nie eine allgemeingültige Aussage darüber geben was nun stimmt.

EInes nur sehe ich für mich als gegeben an. Kinder sind nie aktiv an diesem Prozess, sondern aufgrund ihere Entwicklung immer der passive Teil. Ich nenne es nicht Opfer und ach nicht Täter, aber die Kinder haben keine Wahl und können so auch keine Verantowrtung übernehmen, mit ihnen und ihrem Leben wird etwas getan, das sich ihrer Kintrolle entzieht. Und das ist das Schlimme und das ist es was niemand sich wünscht und das ist es was NArben hinterläßt...
Tami
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Re: Scheidung = negatives Schicksal ? Diskussion, bitte!

Beitragvon Girl-Soccer » 1. Oktober 2010 10:56

Hey

So, jetzt kommt endlich auch mal meine Meinung.

Aber erst mal entschuldige ich mich, dass ich zur Zeit etwas stiller bin.
Bei mir geht's jetzt langsam auf's Abi zu und mein Leben hat sich auch sonst noch mal um 180° gedreht.
Zum Positiven. Und trotzdem habe ich zur Zeit nicht viel Zeit.

Also.

tarsshaft, ich bewundere deine Ansicht.
Und ich sage, du hast Recht.
Als Erwachsener muss man lernen, die Opferrolle abzulegen.
Zum Wohl anderer und vor allem zum Wohl seiner selbst.
Schwierig ist aber wohl der Punkt, mit welchem Alter man fähig ist, damit anzufangen.
Mit 8 Jahren ist man das sicher nicht.
Ich persönlich wurde es mit 15/16/17 und habe es mittlerweile hinter mir.
Soweit, dass ich nicht möchte, dass ich durch meinen "Scheidungskind-Status" Vorteile oder Mitleid erlange.
(Wobei ich gegen Vorteile eigentlich doch gar nichts habe.... aber gegen Mitleid.)
Dann stellt sich wieder die Frage, wer es einem sagt, dass man aus der Opferrolle austreten muss.
Es gibt leider keinen Email-Dienst, der einem im richtigen Alter eine Email mit der Nachricht:
"Sie müssen nun beginnen, aus der Opferrolle auszutreten! Hier eine Anleitung!" schickt.
Aber die Idee gefällt mir :D

Ansa, du hast Recht.
Nicht nur in Scheidungsfamilien können Kinder Schaden nehmen.
Aber doch gehören sie zu den wenigen Klischeemotiven, denen man sofort etwas negatives beiwohnen lässt.
Ich glaube, auch gerade dieses Klischee-Denken, macht es vielen (erwachsenen) Scheidungskindern
sehr einfach, sich in die Opferrolle zu stellen und zu sagen: "Nö, kann ich doch nix dafür, bin doch Scheidungskind!"
Denn jeder Mensch verhält sich zu einem Stück weit unbewusst so, wie man es von ihm erwartet.
Doch wenn man das ablegt, können sich Welten öffnen.
Aber wie bringt man einer Gesellschaft bei, dass Scheidung kein Schicksal ist?

Doch ich finde, wir sollten nicht nur auf die aktive Seite des (erwachsenen) Scheidungskindes blicken.
Denn noch nicht erwachsene Scheidungskinder sind zu oben geschildertem einfach noch nicht in der Lage,
da muss ich Tamara recht geben.
Es sind auch die Eltern, die ihr Verhalten von dem Klischee-Denken unserer Gesellschaft nicht abhängig machen dürfen.
Scheidung als Entschuldigung geht nämlich auch in der Kindeserziehung überhaupt nicht.
Man kann sich nicht der Verantwortung entziehen, nur weil man es selber gerade nicht leicht hat.
Dann ist man doch zumindest dafür verantwortlich, dass sich jemand anderes darum kümmert,
worum man sich selbst gerade nicht genug kümmern kann.

So, das war's erst mal von meiner Seite aus,
denn ich muss auch schon wieder los.

Liebe Grüße von Girl-Soccer, die heute keine Schule hat.
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