Jeden Tag aufs Neue

Hier ist Platz für Gedichte und Gedanken.

Jeden Tag aufs Neue

Beitragvon ACN » 15. September 2009 20:35

Hallöchen,

ich hatte vor einiger zeit schon mal meinen gedanken freien Lauf gelassen und muss zugeben,es tat gut.Natürlich bin ich neugierig auf die Meinungen eurerseits,muss aber nicht sein.
Jeden Tag aufs Neue muss ich kämpfen und Kraft aufbauen.und jeden Tag aufs Neue kommen diese gedanken wieder.Ich vermisse meine Tochter unwahrscheinlich und das schlimmste ist,das es ihr nicht gut geht und ich keine hilfen bekomme.
heute hatte ich wieder mal ein bisschen zeit um meine gedanken aufzuschreiben.ich möchte euch dran teilhaben lassen,weils einfach gut tut mit menschen etwas zu teilen,die diese situation kennen,als mutter,vater oder auch als kind.
meine gedanken beschreiben mein empfinden am tag des auszuges meiner tochter.


Immer wieder hörte ich die Schritte,Treppe rauf,Treppe runter,Treppe rauf,Treppe runter.Es ging mir so schlecht und ich sass einfach nur da,ohne ein Blick auf das zu haben,was vor sich ging.Doch es ging mir auch noch gut,denn noch war immer noch was da von ihr.....dann der entscheidende Satz....."Ich bin dann fertig,tschüss".Die Tür fiel zu,ich hörte noch die Schritte im Flur,die Haustür,die Autotür,das Motorgeräusch,wegfahren....STILLE.
Ich stand auf von meinem Platz auf der Couch.Ging den kleinen Flur entlang zur Treppe.Drehte mich um und schaute voller Angst hinauf.Mein Bein hat sich noch nie so schwer angefühlt.Ich ging die Stufen hinauf,immer mit dem Blick nach oben,mit der Angst davor,nichts mehr zu sehen,was mir bekannt war.Die Treppe oben,Blieb ich erstmal nur so stehen.Ich musste mich nur nach links drehen,doch ich hatte so Angst.Ich tat es aber dennoch.Ich drehte mich nach links wie ein Baumstamm ganz steif.Nur meine Augen bewegten sich.....nach rechts,links,unten,oben,links,rechts........die Leere,die ich dort sah.....die ja abzusehen war,jedoch jegliche Vorstellungskraft übertraf......schlich sich über meine Augen in mein Herz und blieb dort bis heute.ich ging in ihr Zimmer.Der Teppich in blau voller Krümmel,kleine Holzspäne,Heftzwecken und ein paar kleine Legoteilchen.Die Wände so kahl,nur ein Bild blieb hängen,selbstgemalt von ihr.Alles war weg.....alles......Ihr Bett,ihr Schrank,ihre Barbies,Puppen,Kisten,Taschen......und das allerschlimmste......es roch nicht mehr nach ihr.Es war,als ob er alles rausgerissen hat in einer Stunde.Ich spürte wie sich mein Brustkorb sank,zuvor war er wie aufgebläht,weil mir der Atem so stockte vor Furcht.Meine Arme liess ich sinken,zuvor hatte ich meine Hände selbst gehalten wie eine Mutter es bei ihrem Kind tut.Ich trat in die hinterste Ecke,die ich ihr noch umbauen wollte zu einer Umkleideecke,lehnte mich an die Wand,meine Knie waren ganz weich,das leere Zimmer sog die Kraft aus mir heraus.Ich sank zu Boden.Ich weinte ganz leise.....obwohl ich schreien wollte.Ich wimmerte und weinte.....wie lang weiss ich nicht.Irgenwann schaute ich aus dem Fenster.Man sah nur Baumkronen.Wie selten ich doch mit ihr in diesem Zimmer war und was gespielt habe.Immer nur zum Wäsche einräumen,aufräumen,wecken und ins Bett bringen.Wie gern würd ich jetzt hier sitzen und mit ihr spielen.Ich starrte aus dem Fenster vom Boden aus ohne etwas anzusehen.Doch auf einmal...da......da sah ich ein Vogelnest.Ob sie es wusste?Bestimmt nicht.Warum hab ich nicht mit ihr mal aus dem Fenster geschaut? Bei den Vögeln wird das Kind bestimmt nicht aus dem Nest ausziehen mit dem Vater.......




Ich betrat das Zimmer so selten wie möglich.Immer wieder sog es mir die Kraft aus,die ich doch für die anderen zwei brauchte.Nur wenn ich ganz allein war,tat ich es hin und wieder.ich hatte das Gefühl,es tun zu müssen,um bei ihr zu sein.Dann kam der Tag an dem alles aufgeteilt wurde.Alles Hab und Gut musste ja geteilt werden.Er hat fast alles mitgenommen.Was mich eigentlich nicht sonderlich störte,ich bin nicht stark materiell eingestellt.Er nahm unter anderem auch das komplette Schlafzimmer mit.Mit Teppich.Dieser Raum war so natürlich nicht nutzbar.Ich hatte noch ne Matraze.....auf die ich schlief.Da Neo alle zwei Nächte Kruppanfälle hatte,musste ich oben schlafen,um ihn zu hören.Ich musste in Ayleens Zimmer schlafen.Schlafen kann man gar nicht sagen....denn zum Schlafen kam ich gar nicht.Alpträume bestimmten meine Nächte.Woher die Kraft kam,die ich ja täglich brauchte......ich weiss es nicht.Die Leere in dem Zimmer sog mir ja schon in ein paar Minuten die Kraft aus meinem Leib....kaum vorstellbar,was eine ganze Nacht anstellte......


LG jenny
Die Liebe einer Mutter teilt sich nicht zwischen den Kindern....sie vervielfältigt sich!!
Benutzeravatar
ACN
Eintagsfliege
Eintagsfliege
 
Beiträge: 5
Registriert: 23. Juli 2009 19:58
Wohnort: 45699 Herten Disteln

Re: Jeden Tag aufs Neue

Beitragvon flitzpfeife » 29. September 2009 13:56

Dazu fällt mir gar nichts mehr ein, ich habe noch nie in meinem Leben so etwas herzzereissendes gelesen....................es tut so weh wenn man einen Menschen weggeben muss und ihn dann vermisst. Ich kann ein Lied davon singen. Ich drücke dir die Daumen, dass der Schmerz bald etwas nachlässt und ihr euch wieder in die Arme schließen könnt.
flitzpfeife
Forumslehrling
Forumslehrling
 
Beiträge: 14
Registriert: 25. August 2009 18:26


Zurück zu Poesie

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron