Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Hier wollen wir zusammen nach Lösungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien für Teenager ergeben

Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 17. Juli 2012 19:31

Hallo ihr Lieben!

Heute Vormittag kam der Anruf, vor dem ich mich schon längere Zeit tief in mir gefürchtet habe.

Einige von euch wissen sicher noch um die Problematik mit unserer Ältesten. Für alle anderen fasse ich (ich hoffe kurz) noch mal zusammen.
Seit 3 Jahren lebt sie nun auf ihren Wunsch hin bei Papa. Mittlerweile ist sie 19 Jahre alt, damit volljährig. Nach dem Abschluss der Realschule entschied sie sich für ein Berufskolleg in Köln. Dort wurde sie auch angenommen. Prima - dachten wir - sie weiß, was sie möchte und wie es weitergehen soll für sie.
Dann - Anfang des vergangenen Jahres - kam die Geschichte mit dem angeblichen sexuellen Übergriff. Die Geschichte kam auf, weil mein Exmann herausfand, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Wochen nicht in der Schule war. Mein Exmann ist mit ihr nicht nur zur Polizei gegangen und hat Anzeige erstattet, sondern er hat sie auch durch die anschließende Therapie begleitet. Ich habe diese Geschichte ja von Anfang nicht wirklich geglaubt, weil mir zu vieles daran nicht stimmig war. Aber es war nur ein Bauchgefühl von mir. In den folgenden Monaten ging sie nicht zur Schule, was wir aber alle wussten. Sie entschloss sich, nach den Sommerferien wieder in die Schule zu gehen.
Niemand von uns bekam ihr Halbjahreszeugnis im letzten Februar zu sehen. Sie weigerte sich und begründete das damit, dass sie ja volljährig sei und daher nicht mehr verpflichtet, uns Eltern ihr Zeugnis zu zeigen.
Nun bekam mein Exmann vor ein paar Wochen einen Brief der Familienkasse, in welchem er aufgefordert wurde, für das jetzt vergangene Schuljahr nachzuweisen, dass unsere Tochter die Schule besucht hat. Zu diesem Zwecke hatte man dem Schreiben ein Formular beigefügt, welches die Schule bitte ausfüllen solle. Mein Exmann gab dieses Formular also unserer Tochter, damit sie es im Schulsekreteriat abgeben und ausfüllen lassen soll. Ein paar Tage später erzählt sie ihm, sie habe das Formular wegwerfen müssen, da ihr Mitschüler Limonade in den Rucksack gekippt hätten. Meinem Exmann kam das seltsam vor, da der Rucksack völlig normal aussah. Er fuhr selbst in die Schule und fragte nach einer Schulbescheinigung, bekam aber die Antwort, dass müsse unsere Tochter selbst regeln, da sie volljährig sei.
Letzte Woche Montag gibt unsere Tochter meinem Exmann eine Schulbescheinigung und das Zeugnis. Beide kamen meinem Exmann komisch vor, da das Papier zu dünn war und er den Eindruck hatte, beides sei auf einem alten Drucker ausgedruckt worden. Das Zeugnis nahm unsere Tochter wieder an sich.
Mein Exmann ist dann mit der Schulbescheinigung noch mal in die Schule gefahren und hat dort gefragt, ob die Bescheinigungen, die man dort ausstellen würden, so aussehen würde, wie die, die er hatte. Dies wurde verneint und ihm wurde ein Formular gezeigt, wie es die Schule ausstellt.
Gestern Abend nun hat mein Exmann unsere Tochter zur Rede gestellt und ja, sie hat sowohl die Schulbescheinigung, als auch das Zeugnis gefälscht. Heraus kam außerdem, dass sie seit Monaten nicht mehr zur Schule geht und anscheinend dort auch nicht mehr angemeldet ist.
Immer wieder hat sie uns erzählt, sie würde regelmäßig zur Schule gehen und wir müssten uns keine Sorgen machen und nun das. Nicht nur, dass sie zwei Urkunden gefälscht hat, nein - sie hat auch noch von ihrem Vater und ihrer Oma Geld geben lassen für Fahrkarten, die sie ja gar nicht brauchte.

Über Monate hinweg hat sie uns alle belogen und betrogen, fälscht Urkunden, nimmt Geld an, welches ihr nicht zusteht und auf die Frage meines Exmannes, wie sie dazu käme, sich so zu verhalten, sagte sie ihm, das sei ihr leicht gefallen, da wir ihr alle (ich zitiere) sche..... egal seien.

Nun frage ich mich die ganze Zeit schon, wie ich darauf reagieren soll, ob ich überhaupt reagieren soll und wie ich für mich damit umgehen soll.

Nachdenkliche Grüße
Muckel

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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa » 17. Juli 2012 19:55

Oha Muckelmaus,

das haut mich aber doch um.....

Als erstes, weil, damit kenne ich mich aus, unterhaltspflichtige Kinder haben auch Pflichten und eine davon ist, einer Ausbildung zügig nachzugehen und die damit verbundenen Zeugnisse darzulegen. Eltern dürfen nämlich ihre Unterhaltszahlungen bei Zuwiederhandlung einstellen. Okay, darum müsste man sich vermutlich streiten, eventuell auch vor Gericht - aber die Möglichkeiten existieren.

Wer zahlt ihr denn was wie? Du? Oder Ihr gemeinsam, oder nur ihr Vater?

Und, was tut sie in der Zwischenzeit? Oder, was hat sie getan?

Am Ende bedeutet das ja auch, dass das Kindergeld zurück gezahlt werden muss und das ist, auf`s Jahr gerechnet ne Menge..... da würde ich sie schon in die Pflicht nehmen.

Und, es gilt heraus zu finden, was mit ihr los ist. Das ihr ihr "sch...egal" seid? Vermag ich so nicht ganz zu glauben, das kann auch im Streit mit ihrem Vater gefallen sein, in einer emotional hochgeladenen Situation.

Aber, ich rette mich mal zu Dreikurs, der da sagt "nimm Dein Kind ernst in allem was es tut." Okay, was wäre da logisch? Wenn ihr ihr egal seid? Logisch wäre, ihr deutlich zu signalisieren, das sie Dir/Euch nicht egal ist, das nie sein wird - das Ihr das nicht wollt, aber, wenn sie darauf besteht, würdet Ihr ihr helfen und Euch zurück ziehen. Sie muss lernen, das sie diese Dinge für sich tut, nicht für Euch. Mir scheint, das hat sie so nicht verstanden? Weißt Du, wie ihre Pläne aussehen?

Ansonsten würde ich die Reissleine ziehen und sie finanziell stoppen, bei mir gäbe es nur noch ein ausreichendes Taschengeld und ansonsten nix mehr, bis die Dinge beglichen sind. Mein Mittelchen hat mal angefragt, was ich tun würde, wenn sie ein Jahr chillen würde und ich hab gesagt, dann gäbe es keinen Unterhalt von uns, Du darfst chillen, aber das musst Du Dir selbst finanzieren. Sie weiß um die Pflicht, zügig ihrer Ausbildung nachzugehen und hat auch erlebt, das wir, als sie sitzen blieb, kein Aufhebens davon gmacht haben und gesagt haben, "okay, machs nächstes Mal besser, einmal daneben liegen, darf auch sein." Notfalls überlegen ob es unter ihren Besitztümern etwas gibt, das man verkaufen könnte? Um die Schulden zu begleichen?

Und, ich würde ihr sagen, das ich ihr soo gern vertrauen würde, das aber nun nicht mehr kann und dabei darauf achten, das ich einen Punkt finde, an dem das wieder möglich ist. Sie soll in keinem Fall lernen, das die Reaktionen endlich sind und das alles nie mehr gut werden wird. Aber erst mal ist Stress angesagt. Natürlich nicht jedes Mal sagen das man ihr nicht glaubt, aber misstrauisch sein, das ist okay.

Und ich glaube, ich wäre mir so unsicher, das ich in unsere Beratungsstelle gehen würde und dort um Hilfe bäte, wenigstens für mich selbst, wenn sie bereit ist, mitzukommen, umso besser....

Menno, wie geht es Dir damit? Ich glaub ich hätte den ganzen Tag geheult? Und, was sagt Dein Exmann dazu?

Fühl Dich gedrückt
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 17. Juli 2012 20:34

Liebe Ansa!

Ehrlich gesagt, weiß ich seit dem Telefonat heute früh gar nicht, wie ich mich damit fühle. Ich schwanke zwischen Wut, Enttäuschung, der Frage, wie viel Schuld ich daran habe und und und. Eigentlich konnte ich noch gar keinen klaren Gedanken fassen und habe das Gefühl, neben mir selbst zu stehen. Mir scheint, dass ich dies alles erst einmal für mich ein wenig verdauen und verarbeiten muss, nur finde ich gerade noch keinen Weg dahin.

Unterhalt - ja, das ist so eine Sache. Dadurch, dass ich recht wenig verdiene, brauche ich ihr keinen Unterhalt zahlen und mein Exmann leistet seinen Teil ja in Naturalunterhalt an sie. Von ihm gabs 90 Euro Taschengeld, das Geld für die Monatskarte für Bahn und Bus und - aber da bin ich nicht ganz sicher - entweder noch Klamottengeld oder aber die Handyrechnung. Natürlich zahlt er die Miete, die Lebensmittel usw.
Das Taschengeld und alles weitere hat er ihr gestern Abend wohl komplett gestrichen und ihr gesagt, er habe keine Lust darauf, sie weiterhin durchzufüttern, während sie daheim sitzt und gar nichts tut. Bis her geht sie einen Abend in der Woche in einer benachbarten Tanzschule kellnern. Aber das ist auch schon alles, was sie in den letzten Monaten getan hat.
Außerdem hat mein Exmann ihr wohl noch gesagt, dass er ab September monatliches Kostgeld von ihr erwartet und - falls er das Kindergeld tatsächlich zurück zahlen muss - will er diese Summe auf Heller und Pfennig von ihr wieder sehen. Darauf hin hat sie ihm wohl gesagt, von ihm sehe sie nichts, wenn er Geld wolle, solle er zusehen, woher er es bekommt.

Er wollte ihr auch den gemeinsamen Urlaub mit Schwester, seiner Lebensgefährtin und der Oma in Portugal streichen, aber dagegen hat sich die Oma ausgesprochen, die im übrigen auch schon über die ganze Geschichte informiert ist. Schließlich ist sie ja genau so betroffen, wie mein Exmann auch. Sie hat ihm gesagt, dass Konsequenzen aus dem Verhalten unserer Tochter gezogen werden müssten, aber er zusehen solle, dass er da nicht allzu hart sei, damit er das Band zwischen sich und unserer Ältesten nicht komplett kappen würde. Sie meinte, sonst würden wir Eltern Gefahr laufen, dass uns unser Kind vielleicht komplett abrutscht. Also hat mein Exmann unser Tochter gesagt, dass sie mit in den Urlaub dürfe, habe sie nur der Oma zu verdanken, er hätte sie lieber daheim gelassen, um sie für ihr Verhalten nicht auch noch zu belohnen.

Ich denke ebenfalls, dass dieses "sche....egal" in ihrer Wut kam und es innerlich in ihr ganz, ganz anders aussieht. Es wird eher so sein, dass sie zum einen wütend ist auf Papa, zum anderen wird sie Angst haben, ob der Papa seine Konsequenzen wahr macht und wie es dann für sie weiter geht. Denn es scheint von ihrer Seite aus keinerlei Pläne zu geben, in Richtung Schule, Ausbildung usw. Außerdem wird sie sicher darüber nachdenken, wie sie mit möglichst heiler Haut aus der ganzen Geschichte heraus kommt.

Ihr wird bewusst sein, dass mein Exmann mit mir gesprochen hat. Daher wird sie sich sicher auch in der nächsten Zeit nicht bei uns melden und ich weiß im Moment nicht, ob es richtig ist, wenn ich mich bei ihr melde. Ich weiß aber nicht, ob ihr bewusst ist, dass der Papa mit Oma gesprochen hat und dass er vor hat, auch dem Rest der Familie von ihrem Tun zu berichten. Dazu muss man wissen, dass unsere Älteste ja nicht nur uns so einiges unwahre erzählt hat, sondern auch ihrer Patentante und mehreren anderen Familienmitgliedern auch.
Ich selbst habe vor kurzem noch mit ihrer Patentante und auch einer anderen Tante gesprochen und beide versicherten mir, dass doch bei unserer Tochter alles prima wäre und das sie stabil sei. Spätestens seit heute wissen wir ja, dass es nicht so ist.

Ach ich weiß auch nicht ... mir geht so vieles durch den Kopf ...

Muckel

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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa » 18. Juli 2012 06:20

Liebe Muckel,

lass Dich mal drücken, mir ginge es ähnlich. Ich würde mich vermutlich total im Kreis drehen und mir lauter wilde Fragen stellen..... und auf die Frage nach Deiner Schuld? Ich glaube, Du hast keine..... sie ist 19 - sie will erwachsen sein - und sie hat sich, völlig freiwillig, im Bewusstsein Unrecht zu tun, auch dazu entschieden.

Vielleicht wart Ihr all die Jahre zu nachlässig oder zu sanft mit ihr, das ist möglich, aber das ist kein Grund so zu handeln. Du hast schon recht, das ist kein "normaler kleiner" Ladendiebstahl, den Kinder und Jugendliche in der Zeit des Erwachsenwerdens so begehen. Urkundenfäkschung ist schon happig, möglicherweise hat das auch durch die Schule Konsequenzen?

Okay, dann hat Dein Exmann schon Konsequenzen aufgezeigt und die sind in Ordnung. Kinder müssen spüren, das jetzt echt eine Grenze erreicht ist, die man besser nicht testet. Und, er soll sich überlegen, wie er handeln wird, wenn sie ihren Beitrag verweigert.

Hat sie die ganze Zeit daheim herum gesessen und fern gesehen? Oder zieht sie mit Freunden durch die Gegend, weißt Du, wie sie ihre Tage verbringt, wenn sie angeblich in der Schule ist? Das meinte ich mit "was tut sie?" Ist sie noch schulpflichtig? Dann würde ich sie glatt nötigen, wieder was zu machen, sonst bekommt ihr Ärger?

Und all die anderen Folgen sind mehr als richtig, ein Lob an die Oma, sie ist klug..... im Grunde braucht sie jetzt Eure Hilfe, aber nicht ohne Gegenleistung. Vielleicht war das ganze ein Hilferuf? Vielleicht auch nicht, das ist etwas, das Du entscheiden könntest, derweil Du sie kennst. Und wenn das Umfeld auf sie wütend ist, zu Recht.... solange die Folgen angemessen sind, ist das völlig okay.

Was kannst Du tun? Ich glaube, das Schlimmste in solchen Situationen ist für das betroffene Kind, ihm gar keinen Vorwurf zumachen, aber deutlich zu sagen "Ich bin so enttäuscht von Dir. Nie hab ich mir vorgestellt, das Du so etwas tun würdest. Ehrlich, das hab ich Dir nicht beigebracht." Und dabei würde ich es belassen..... keine Vorwürfe, sondern klare Ich Botschaften und sie darf spüren, das Du traurig bis. Aber wichtig ist auch, das sie weiß, das Du sie liebst. Vielleicht schreibst Du ihr ein sms, einfach kurz, So was in der Art "ich bin für Dich da und hab Dich lieb...."

Meine Tochter hat mit 13 mal in Gruppe großen Unfug angestellt, heute sagt sie, "DAS war das Schlimmst an der Sache, Dich enttäuscht zu haben, also, so was will ich nie mehr fühlen....." Und mehr, als das ich nicht wüsste, was ich jetzt machen soll, weil ich weiß, das sie weiß, das gehört sich nicht und dasich total enttäuscht bin," hab ich dazu nie gesagt.

Schau mal was passiert, wir sind für Dich da
Ansa
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 18. Juli 2012 07:36

Guten Morgen liebe Ansa!

Wir waren sicherlich zu nachlässig oder zu sanft mit ihr - da kann ich dir wohl nur recht geben.
Schließlich ahnten wir beide - mein Exmann und auch ich - schon länger, dass irgendetwas im Busch ist. Aber weder er noch ich haben sie darauf angesprochen, all die Monate nicht. Es waren halt immer nur Vermutungen, aber nie etwas wirklich greifbares. Er sagte gestern noch zu mir, dass er anscheinend viel zu lange schützend vor ihr gestanden habe. Ganz Unrecht hat er damit nicht, denn jedesmal, wenn ich ihn auf irgendeine Ungereimtheit oder eine seltsame Situation ansprach, hat er sie auch vor mir verteidigt. Aber auch ich habe ja ihr gegenüber geschwiegen, weil ich Angst hatte, dass die - ja eh nur sehr dünne - Verbindung zwischen ihr und mir komplett reißt. Vielleicht war das mein Fehler - ich weiß es nicht.

Was die Urkundenfälschung angeht, so hat sie noch Glück im Unglück. Die Schule sagte meinem Exmann, man würde dort jetzt so tun, als habe man diese "Schulbescheinigung" niemals gesehen.

Tja - was hat unsere Tochter den ganzen Tag gemacht? Sie war jedenfalls weder in der Schule, noch scheint sie sich aktiv um einen Ausbildungsplatz bemüht zu haben. So wie es aussieht, hat sie den ganzen Tag daheim verbracht, mit Fernsehen, Computer, lesen.

Immer deutlicher spüre ich in mir, dass mich die Tatsache, dass sie ihre Oma - diese liebevolle, herzenswarme und gütige Frau - hintergangen und belogen hat, eigentlich mehr schockiert, als die Urkundenfälschung und die Lügerei uns Eltern gegenüber.
Wahrscheinlich war sie in ihrem Lügen-Kartenhaus mittlerweile so gefangen, dass sie selbst vor der Oma keinen Halt mehr machen konnte oder wollte.
Ich denke aber auch, dass die Urkundenfälschung keinen kriminellen Hintergrund im eigentlich Sinne hat, sondern aus der Verzweiflung heraus entstand, als der Brief der Familienkasse kam, mit der Aufforderung den Schulbesuch nachzuweisen. Da wurde ihr die Luft dünn und in ihrer Angst, alles käme heraus, fand sie diesen Weg.

Ich habe natürlich gestern lange mit meinem Mann über all die Geschehnisse gesprochen. Auch er war schockiert über das ganze Ausmaß. Er sagte aber auch, dass er ein wenig erleichtert und froh sei, denn jetzt habe sie die Chance erhalten, ihr Verhalten zu überdenken und zu verändern.

Mal sehen, wie der heutige Tag wird, meine Nacht war jedenfalls sehr unruhig.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 18. Juli 2012 13:20

Liebe Maxi1

Danke für dein klares Statement, was ich absolut verstehen und nachvollziehen kann.

Wenn ich ehrlich bin, dann bewundere ich meinen Exmann ein Stück weit dafür, dass er unsere Tochter nicht raus geworfen, sondern da anscheinend irgendwie noch ein Stück weit Ruhe bewahrt hat. Ich kann nicht sagen, wie ich reagiert hätte an seiner Stelle.

Was ich aber nicht glaube ist, dass kriminelle Energie hinter dem Tun unserer Tochter steckt. Ich glaube eher, dass ihr die Luft dünn wurde in ihrem Lügengebilde und sie daher das erste tat, das ihr einfiel, ohne darüber nachzudenken, dass sie da gerade eine Urkundenfälschung begeht. Dies war ihr in dem Moment sicherlich nicht bewusst. Ihr war auch nicht klar, dass sie ihren Papa in einen riesigen Schlamassel geritten hätte, wäre diese "Schulbescheinigung" tatsächlich zur Familienkasse gelangt und man hätte dort misstrauisch reagiert.
Sie war einzig und allein damit beschäftigt, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. An weiterreichende Folgen hat sie nicht gedacht.
Das alles soll keine Entschuldigung meinerseits für ihr Verhalten sein, lediglich der Versuch einer Erklärung und zu meinem besseren Verständnis der ganzen Situation.

Es geht im Moment auch nicht mehr darum, ihr die Steine weg zu räumen, die sie sich selbst durch ihre Lügen in den Weg gelegt hat. Im Moment geht es nur darum, sie die Konsequenzen ihres Handels spüren zu lassen und für meinen Exmann den evtl. Schaden abzumildern, der ja mit der Familienkasse durchaus jetzt entstehen kann. Immerhin kann er nicht nachweisen, dass unsere Tochter im letzten Jahr in der Schule war.

Tja - der Urlaub ... der liegt mir auch ein wenig im Magen. Einerseits hat sie es ganz sicher nicht verdient, dass sie mit darf. Andererseits verbringt sie so 2 Wochen mit den Menschen auf engstem Raum, denen sie am meisten weh getan hat - ihrem Papa und ihrer Oma. Sie ist diejenige, die ihnen in die Augen schauen muss, die Enttäuschung darin sehen muss und sie muss für sich einen Weg finden, damit umzugehen. Vielleicht ist es aus diesem Blickwinkel sogar ein wenig heilsam für sie, dass sie beginnt umzudenken.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa » 18. Juli 2012 13:44

Moin Ihr Lieben,

@ Maxi, das sind Gedanken, die ich total gut nachvollziehen kann und dann kommt die heutige Gesetzeslage hinzu. Man kann sein Kind eben nicht so einfach auf die Strasse setzen - früher ging das mal, aber heute ist es keine Lösung.

Was würde passieren? Sie stände auf der Straße - ginge zur Arge, die erzählen ihr als Erstes, das sie erst ein Anrecht auf eine eigene Wohnung hat, wenn sie 26 ist, bis dahin müssen Kinder von ALGII Empfängern zu Hause bleiben, es sei denn, die Differenzen sind dauerhaft zerrüttet und unzumutbar.

Ich hab das ja bei meiner Ziehtochter so gemacht, ihre Mutter ist Messi, die Wohnverhältnisse zwar sauber, aber voll.... Badewanne zum duschen nicht nutzbar, weil bis unter die Decke als Lagerraum benutzt. Im Kinderzimmer an freiem Platz vorhanden, eine Fläche von der Größe eines Handtuches. Und trotzdem hat die Arge gesagt "nö - kein Grund!" Also hätte man klagen müssen und bis dahin wäre sie wo? Wohnheim für Obdachlose? Das will ja aber auch niemand. Weil irgendwie klar ist, das sie das eher runter zieht als das es ihr nutzt. Und bei allem ist ja ein Erziehungsgedanke dabei, noch. Meine Ziehtochter ist dann bei uns untergekommen, hat Bafög beantragt und war in der Lage sich eine kleine Wohung zu nehmen, als das Bafög auslief beantragte sie Hartz IV und hat es bekommen, Weil sie die Wohung schon hatte - bestehende Wohnverhältnisse sind dann okay. Neue nicht.

Also, so einfach ist das eben leider nicht, deshalb denke ich an solche Vorschläge auch eher nicht, weil sie meistens undurchführbar sind. Kinder nach dem 18. Lebensjahr stehen auch mehr oder weniger relativ hilflos da..... unter 18 greift sofort das JuA, darüber wird es schwer.

das nur nebenbei
Ansa
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa » 18. Juli 2012 14:32

Liebe Muckel,

und doch, da hat Maxi recht, sie hat sich, ganz allein und freiwillig für diesen Weg entschieden, das sie die Konsequenzen zu tragen hat, ist nur folgerichtig. Es mag gut sein, das sie durch diese Katastrophe "wach" wird, es bleibt einfach zu hoffen.

Und, ich hätte sie nicht mitgenommen, in den Urlaub, nach dem 1. Schock, obwohl der Gedanke, mit den Menschen zusammen zu sein, die ihr so nahe sind, durchaus etwas heilsames hat. ,) Aber, und vielleicht kannst Du das auch mit ihrem Vater besprechen, ich würde ihr sehr deutlich machen, das ich jetzt nochmal helfe, weil sie mir so wichtig ist, das ich aber, würde sie sich nicht zusammen reißen und grade laufen (ich schreib das jetzt mal so) ich ihr meine Unterstützung entziehen würde und sie tatsächlich darauf hinweisen, das ich sie dann auf die Straße setzt.....

Überreagieren und wilde Worte in der Wut finden, das kenne ich von meinem Mittelchen auch, sie vergreift sich dann in Ton und Wort und Sprache - und ich weiß eigentlich genau, das ich sie besser ein bisschen räuchern lasse um dann später ein gemeinsames Gespräch zu führen, in Ruhe. Unter möglicher Einsicht, denn die braucht auch ihre Zeit. Das darf man nicht überbewerten, aber doch thematisieren.

Ich frag meine Kinder immer gern selbst "okay, also, was glaubst Du könntest Du tun, um das wieder grade zu ziehen." Es ist sehr erstaunlich, was da für Antworten kommen, ganz oft sind sie, na ja, vielleicht unvorhersehbar, aber immer möglich. Sie einzubeziehen lässt sie wachsen und, eigens vorgeschlagene Wiedergutmachung ist ein ganz anderer Weg zu einem besseren Miteinander.

Da meine Große ja ab September ein Jahr eine Bibelschule besuchen wird, habe ich das Kindergeldthema grad selbst. Die Bibelschule ist nicht förderwürdig, gefördert wird nur, eine gradlinige Ausbildung, d. h. ginge sie jetzt ins Studium, passend zur Ausbildung, bekämen wir Kindergeld, für die Bibelschule nicht. So hat sie, um uns zu einer Zusagen zu bewegen von sich aus angeboten, auf die Höhe des Kinderrgeldes zu verzichten, das fand ich schon fair. Aber ich weiß eben auch, das Kinder die nichts tun, kein Kindergeld bekommen und mit Rückzahlungsforderungen sind die Ämter fix..... sie bekäme Kindergeld, wäre sie Arbeitslos gemeldet (vielleicht sollte sie das schleunigst tun um den Schaden zu begrenzen) und dann ist ja auch noch die Frage, ist sie noch schulpflichtig oder nicht?

Fühl Dich einfach gedrückt, das ist so schwer.... und ich wünsche Euch eine gute Lösung.
Ansa
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 18. Juli 2012 14:51

Ihr Lieben!

Im Moment scheint es nicht so zu sein, als wäre mein Exmann nicht gewillt, ihr irgendwie aus dieser Misere zu helfen. Dazu scheint er mir zu wütend, zu enttäuscht. Ich sehe für mich selbst wenig Spielraum, da die Verbindung zwischen ihr und mir ja eh nur sehr, sehr dünn ist und den finanziellen Schlamassel, der da wohl noch kommt, kann ich nicht aufhalten.

Natürlich kann ich ihr deutlich machen, dass ich ebenfalls sehr enttäuscht von ihr bin und ja, ich kann ihr auch sagen, dass ich ihr eine Tür offen halte und sie begleite, so lange sie versucht, den Schaden wieder gut zu machen, wieder Vertrauen zu schaffen. Aber so wie ich unsere Tochter kenne wird sie diese Hilfe ausschlagen, weil sie uns alle als ihre Gegner sieht und so gar nicht einsehen will/kann, dass sie diejenige war, die all diesen Ärger verursacht hat.

Maxi und Ansa - ihr habt beide recht, wenn ihr sagt, dass sie sich ganz allein und freiwillig zu diesem Weg entschlossen hat. Niemand hat ihr da die Pistole auf die Brust gesetzt. Und doch glaube ich, dass sie über die Folgen nicht nachgedacht hat im festen Glauben daran, dass es nicht auffallen wird.

Momentan fühle ich mich wie ein Tiger im Käfig, der ständig im Kreis rennt und doch keinen Weg nach draußen findet.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa » 18. Juli 2012 15:09

Liebe Muckelmaus,

und genau das muss sie aushalten. Es stehen viele Menschen, sogar vor Gericht, und beteuern, das sie das, was da passiert ist, nicht gewollt haben. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, Unachtsamkeit oder Unüberlegtheit auch nicht. Und, es ist eine Chance erwachsen zu werden, indem sie nun dafür grade stehen muss.

Da kann ich Deinem Exmann nur wünschen, das er nicht in finanzielle Not gerät, wenn er das Kindergeld zurück zahlen muss...... aber die Folgen, die darf sie spüren, auch durchaus durch Einsparungen. Zumindest wäre das für mich eine Möglichkeit, nicht die Markenjeans sondern eine Secondhand und die Differenz in die Widergutmachungskasse..... alt genug, um zu verstehen, was da passiert ist, ist sie allemal. Das könnte man mit vielen Dingen mache, aber es dürfte keine Pfennigfuchserei werden.

Und, einsehen, das sie das verursacht hat, das muss sie.... vermutlich laufen solche Phasen eben auch in Prozessen ab, da würde ich auch nicht nachgeben, sie hat`s verursacht und sie macht`s wieder gut. Notfalls durch jobben..... wenn nicht, soll sie eine Lösung suchen bzw. finden. Und solange sie Euch als Gegner sieht - das könnte, nach allem was Du über sie geschrieben hast, vermutlich problematisch werden, sind die Möglichkeiten einer Einigung auch gering. Helfen würde da eine gleichaltrige Freundin, die ihr den Kopf wäscht.... jemand, dem sie wirklich vertraut. Oder jemand ganz neutrales?

Und die Gefühle ihres Vaters halte ich für ganz gesund..... und richtig.

Liebe Grüße
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon miau » 18. Juli 2012 18:06

Hallo Muckel,

bei euch ist ja ne Menge los. :(

Ich frage mich gerade: Warum? Warum waren solche Schritte nötig? Was steckt dahinter, dass die älteste auf die schiefe Bahn geraten ist? Es muss einen guten Grund geben, dass sie ihren Weg abgebrochen hat. Und sich dann noch genötigt sah (weil in die Enge getrieben) Papiere zu fälschen. Sowas tut man aus einer inneren Not heraus und nicht weil man gerne mal betrügen (ausprobieren) will. Dazu ist sie zu alt.

Den Urlaub, gut den mag sie nicht verdient haben, was auf die Sichtweise ankommt. Ein Tapetenwechsel ist immer gut, mal fern der Heimat das Ganze neu zu betrachten. Mit ein bisschen Abstand zum Alltag kann man sich wieder einander annähern, diese Chance sehe ich.

Wie du deine Mutter-Tochter-Beziehung beschreibst, das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich meine hier den Zustand, dass man zu viele Zugeständnisse macht, damit die Beziehung nicht ganz auseinanderbricht. Das war damals auch der Grund, warum sie genau diesen Mann, der heute der Vater ihres Sohnes ist, gefunden hat und mit ihm eine Familie gegründet hat. Was mir gerade auffällt: es mischen zu viele Verwandte mit, nicht nur die Eltern. Wie kommt sich so ein junger Mensch vor, über den alle möglichen Verwandten "Bescheid" wissen? Und zuvor, als sie mal jemanden von ihnen gebraucht hätte, keiner da war???

Ich kenne die Gründe nicht und wenn sie befragt würde, wird sie sie auch nicht nennen können. Weil sie zu lange zurück liegen und weil die ganze Situation zu verfahren ist. Ich weiß nur, was ich heute tun würde: Rollenspiele durchführen, denn da wird auch die eigenen Position beleuchtet und vielleicht hat ja die Misere sogar mehr mit der Schule selbst zu tun???

viele Grüße Micha
miau
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 18. Juli 2012 20:27

Nabend ihr Lieben alle!

Zunächst mal Danke für euren Zuspruch, euer Zuhören, eure Geduld und eure Gedanken. Das alles hilft mir gerade sehr, meine Gefühle und Gedanken zu sortieren und ein wenig zu lenken.

@ miau
Ja, bei uns ist im Moment eine Menge los. Da gebe ich dir recht.
Wir - mein Exmann und ich - sind uns darüber einig, dass es einen Grund gibt, der sie zu solchen Schritten zwang. Wir sind uns sicher, dass sie das alles - die monatelange Lügerei, die Urkundenfälschung und auch das Erschleichen von Geld - nicht einfach aus Lust und Laune getan hat, weil es gerade so praktisch und lustig erschien. Allerdings kennen wir (bisher) den wahren Grund nicht und ob sie uns Eltern genau den nennen würde, sofern sie es denn selbst weiß, ist mehr als nur fraglich.
Ich sehe im Moment meine Tochter als dringend hilfe- und therapiebedürftig an. Wir Eltern können ihr aber die Hilfestellung, die sie jetzt braucht, kaum geben, da wir ihr durch diese lange Lügerei, nicht mehr so vertrauen können, wie wir es müssten. Sie selbst sieht uns jetzt ganz sicher auch nicht als die richtigen Ansprechpartner an und so bleibt nur zu hoffen, dass wir ihr den Weg zu einem Fachmann aufzeigen können.
Wir verurteilen unsere Tochter nicht. Wir sind - und ich denke, dass steht uns (vor allem aber meinem Exmann) zu - geschockt, verwirrt, enttäuscht und wütend. Ja, wir haben geahnt, dass irgendwas in Schieflage ist und man kann uns Eltern auch vorwerfen, nicht früher eingegriffen zu haben. Aber wie hätten wir eingreifen sollen, wenn wir nur eine Ahnung haben? Wir hätten auch völlig falsch liegen können. Oder aber, sie hätte uns weitere Lügen aufgetischt. Nie hätten wir uns sicher sein können, dass wir zum Kern der Sache durchgedrungen sind. Kannst du dir das Gefühl vorstellen, das entsteht, wenn dein eigenes Kind dir etwas erzählt und du sofort das Gefühl hast, alles in Frage zu stellen? Du suchst förmlich nach dem Widerspruch in dem, was sie sagt. Das tut so unendlich weh. Aber du kannst ihr nicht nachweisen, dass sie gelogen hat. Gleichzeitig weißt du aber auch nicht, dass es der Wahrheit entspricht.

Du fragst danach, warum so viele Verwandte in diese Geschichte involviert werden. Weil sie auch diese belogen hat. Sie hat niemandem geschont - ihre Oma nicht, ihre Patentante nicht, andere Tanten oder Onkel nicht. Und ich denke, sie alle haben ein Recht darauf zu wissen, dass sie belogen wurden.
Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass es niemanden in der Familie geben wird, der sie dafür hassen oder verachten wird. Natürlich wird es auch da Enttäuschungen geben. Aber es werden auch helfende Hände da sein.
Du fragst, warum niemand für sie da war, als sie jemanden gebraucht hätte. Immer war jemand für sie da - egal wer. Es gab genügend Hände zum Helfen, Ohren zum Zuhören. Das gilt nicht nur für uns Eltern, sondern für alle in der Familie. Aber alle, die sich ihr zugewandt haben, sind belogen worden.
Vor noch nicht mal einem Monat war ich dabei, wie sie ihrer Tante von Schulerlebnissen der vorangegangenen Woche erzählte und sie um Rat fragte, den sie auch bekam. Allerdings haben diese Erlebnisse niemals stattgefunden - wie wir jetzt wissen.

@ Ansa
Natürlich muss sie die Konsequenzen aushalten, auch wenn sie sich keine Gedanken über die Folgen ihres Handelns gemacht hat. Nur so hat sie eine wirkliche Chance, daraus zu lernen. Anders sehe ich da keinen Weg.
Sie wird sicherlich rebellieren, sich auflehnen - egal, wie der weitere Weg nun aussieht. Sie wird gegen uns ankämpfen und alles, was nun passiert als Ungerechtigkeit empfinden.
Ich bin sicher, vor uns allen liegt ein langer, steiniger und schwerer Weg.

Liebe Grüße
Muckel

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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa » 19. Juli 2012 06:59

Guten Morgen Muckel,

*ups* also, wenn sie noch dazu Geschichten erfindet und um Rat für ausgedachte Dinge fragt, das ist wirklich ne Spur zu hart. Weißt, zu sagen, in der Schule ist alles okay, oder sich Ereignisse auszudenken, da gehört schon eine Menge Energie und Täuschungspotential dazu.

*seuftz* ich hätte es so gern gesehen, das mein Mittelchen auch zu einem Facjmann geht, selbst ihr Arzt hat sie schon mehrfach überwiesen, aber sie will nicht.....eher wird sie den Arzt wechseln. Da wünsche ich Euch in jedem Fall mehr Glück. Vielleicht ist eine Beratungsstelle aber ein guter Anlaufpunkt für Euch als Eltern, dort weiß man Bescheid um Möglichkeiten und kann Euch neutral beraten.

Es ist auch verdammt schwer, wenn man so ein Gefühl hat.... daraus zu schließen, das was man Kind mir da erzählt, stimmt nicht. Wenn es nämlich doch stimmt, dann ist das Problem weitaus größer. Bis zu einer Beweislage ist also immer die Unschuldvermutung die richtige Wahl.... das sie jetzt kein Vertrauen mehr hat, erst einmal, das ist wiederum okay und auch damit muss sie umgehen, bis sie sich es wieder verdient hat. Mir scheint, sie hat trotz allem Glück mit Euch, weil ihr nach Gründen sucht und ihr helfen wollt und damit auch zu ihr steht, das macht ihr gut. Wut, Ärger, Enttäuschung und all das, ist völlig okay und richtig.

Wie geht es denn Dir jetzt, ein bisschen später? Und Deinem Mann, der ja auch so lange für sie da war?
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon miau » 19. Juli 2012 10:21

Hallo Muckel,

puuh, deine Wut ist riesengroß und ... Hilflosigkeit macht sich breit. Neue Bestrafungen führen zu neuen Entgleisungen. Gerade jetzt braucht sie jemanden (dich) der ihr trotz allem beisteht und ihr signalisiert: ja ich verstehe dich, warum du so gehandelt hast (handeln musstest). Oder: Ich verstehe es nicht, und trotzdem bin ich für dich da.

Ich lese nur von Verwandten. Was ist mit Freunden? einem Freund?

Stichwort: therapie. Wenn so etwas vorkommt, dann ist die Tochter der Symptomträger, aber in Wirklichkeit sind alle Familienmitglieder von dieser Auffälligkeit betroffen. Die anderen können sich halt mehr anpassen. Wenn Hilfe, dann eine Familientherapie. Jetzt stell dir mal vor: sie geht alleine in Therapie, verliert das Symptom, dann wird es sozusagen befreit und dann ... geht es zum nächsten über. Es findet sich sicher jemand, der dann, wer weiß wie auch immer, auffälliges Verhalten zeigt. Das ist ein lauter Hilferuf.

Ich weíß nicht, ob du es schon bemerkt hast, aber ich würde an die Thematik ganz anders rangehen. Sie muss sich schrecklich alleine (alleingelassen) fühlen, niemanden dazugehörig, auf sich gestellt, überflüssig. Mir geht es um ihre Position, die in den Vordergrund zu stellen, denn dazu ist ja auch das Symptom da.

Was sie zeigt ist ein Extrem. Doch dazu gibt es auch noch ein anderes Extrem: totale Angepasstheit, niemals auffallen, sich ducken. So jemanden gibt es in der Familie auch und dort gehört eigentlich der Anfang gemacht mit dem "aufräumen". Wenn es extremes Verhalten gibt, gibt es keine Zwischentöne. Ich kenne die Gründe nicht, warum du dich so rausnimmst und sie so vorsichtig behandeltst. Ich denke, dass sie alt genug ist, dass ihr mal Klartext miteinander redet, nicht über die Entgleisungen, sondern über eure Beziehung. Auch nicht daheim, sondern irgendwo draußen, wo man sich benehmen muss. Du als Mutter und sie als Tochter. Nimmt eine Tochter in dem Alter zu viel vom Papa gerät sie auf die schiefe Bahn. Sie braucht in erster Linie dich als Mutter, energetisch meine ich. Das ist nicht so. Und auch nicht über dritte wie den Vater oder die Oma etc., sondern nur ihr zwei. Ist denn so eine Begegnung nicht möglich? Die Chance ist da, ergreife sie.

viele Grüße Micha
miau
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Re: Wut, Enttäuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus » 19. Juli 2012 11:02

Guten Morgen alle miteinander!

@ miau
Ja, ich bin wütend über das, was geschehen ist. Aber viel mehr noch bin ich enttäuscht. Niemand in der Familie, weder wir als Eltern, noch andere Familienmitglieder haben ihr ein solches Verhalten vorgelebt.
Was mich hier ein wenig stört ist, dass es heißt, es sei ein großer Hilferuf ihrerseits. Das mag sein, kann aber auch falsch sein.
Ich habe in den letzten zwei Tagen viel nachgedacht, mich im Kreis gedreht, wieder von vorn begonnen, mir hier und im privaten Umfeld Rat geholt. Gestern Abend noch hatte ich ein Gespräch mit meinem Exmann.
Als unser Mittelchen von der ganzen Geschichte erfuhr war ihre erste Reaktion folgende: "Meine Schwester braucht keine Hilfe vom Therapeuten. Sie braucht einen Tritt in den Hintern. Die ist einfach nur faul." Hmmmm - das saß erst mal bei mir, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Das war nicht mein Mittelchen, das immer Verständnis zeigt, hinterfragt, durchleuchtet. Für sie war die Angelegenheit damit erledigt.
Es gab einige Menschen, die mir geraten haben, meinen Exmann davon zu überzeugen, einen Betreuer für unsere Älteste bestellen zu lassen und sie in ein Wohnheim für junge Erwachsene zu geben. Andere raten zur Familientherapie.
Kaum jemand fragt nach uns Eltern. Wie gehen wir mit dem Wissen um? Wie fühlen wir uns damit? Sehen wir einen Punkt, ab dem es schief gelaufen ist? Wie schaffen wir es, das alles zu verarbeiten?
Versteh mich nicht falsch - natürlich soll alles getan werden, um unsere Älteste wieder in die Spur zu bringen. Aber muss es tatsächlich so weit gehen, dass eine Familientherapie her muss, Rollenspiele, Betreuer? Was, wenn unser Mittelchen mit seiner Einschätzung recht hätte? Dann wären wir weit übers Ziel hinaus geschossen.
Mittlerweile bin ich der Auffassung, dass wir uns mit einer Entscheidung, wie es für uns alle und vor allem für sie weitergehen soll, Zeit lassen sollen und müssen. Auch wir Eltern haben ein Recht darauf, das Geschehene für uns, mit unseren Partnern und auch mit den Geschwistern zu verarbeiten. So lange die Emotionen noch so hoch kochen, ist keine vernünftige, tragfähige Entscheidung möglich.
Ja, unsere Älteste wird sich im Moment allein fühlen. Aber wer trägt dafür die Verantwortung? Niemand hat sie gezwungen, all diese Lügen zu erzählen, Dokumente zu fälschen, Geld zu nehmen.
Du fragst nach Freunden. Da gibt es für sie keine. Sie ist ein Stubenhocker, der nie bzw. nur sehr selten nach draußen geht. Lieber sitzt sie am PC, vor dem Fernseher oder liest. Das war schon von klein auf so. Wurde sie zu einem Kindergeburtstag eingeladen, sie ging nicht hin. Auf dem Spielplatz spielte sie allein. Angebote gab es mehr als genug, aber annehmen muss sie sie schon selbst.

Warum ich mich so zurücknehme? Weil es sich für mich als Mensch und auch als Mutter momentan nicht stimmig anfühlt, sie zu halten. Das mag sich ändern, aber im Moment würde es mir nicht gut tun und ich muss an mich und zwei andere Kinder denken. Vielleicht ist das egoistisch, vielleicht auch nicht.

miau hat geschrieben: Nimmt eine Tochter in dem Alter zu viel vom Papa gerät sie auf die schiefe Bahn.


Diesen Satz verstehe ich, wenn ich ehrlich bin, so gar nicht.

@ Ansa
Wie es mir mittlerweile geht, hast du ja eigentlich weiter oben schon gelesen. Ich versuche, das Geschehene für mich zu sortieren. Gestern Abend, während des Gespräches mit meinem Exmann sagte er zu mir:"Hey, du machst dir ja mehr Gedanken über all das als ich. Warte doch erst mal die nächsten Wochen ab, wie es sich entwickelt. Hör auf, dir über ungelegte Eier Gedanken zu machen." Da wurde mir erst einmal bewusst, wie sehr ich gedanklich, emotional doch in dieser Geschichte gefangen bin im Moment.
Er selbst möchte - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - nichts von einem Betreuer wissen und zum Thema Therapie sagte er:"Sie hat einen Therapeuten. Wenn sie dort nicht mehr hingeht, so kann ich sie nicht zwingen."
Er will unserer Tochter, sich selbst, mir und der Familie nun Raum und Zeit geben, zu verarbeiten, zu verändern und erst einmal abwarten, was geschieht. Die Konsequenzen aus ihrem Verhalten hat er ihr aufgezeigt, seine Enttäuschung und seine Wut auch. Er schaut ihr natürlich auf die Finger, erwartet, dass sie sich entweder um eine Ausbildungsstelle, einen Schulplatz oder Job bemüht.

Ob das der Weg ist, kann ich auch nicht sagen.

Liebe Grüße
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
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