Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Der Treffpunk für Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Hier können Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht werden.

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa » 11. April 2013 07:54

Guten Morgen Ihr Lieben,

ich sehe, es wird irgendwie "unversöhnlich".... ich empfinde auch oft Mitgefühl, wenn ich mitunter so lese, das manche ihr ganzes Leben mit den Scheidungen ihrer Eltern zu tun haben und das die Gefühle aus der Kindheit das Heute weitgehend mitbestimmen und vieles ausbremsen. Da ist etwas schief gelaufen, da sind Kinder nicht beachtet und wahr genommen worden und das war nicht richtig.

Aber und das halte ich im Heute für Lebensnotwendig, ein Kind darf nicht erleben, das alle möglichen Probleme auf die Trennung ausgerichtet werden - das ist ein Zuviel, ein "ich halt mich fest an vergangenen Tagen" - ich tu mich schwer, es auszudrücken, weil ich niemanden verletzen will. Jedes Kind hat Probleme damit, wenn ein Geschwister geboren wird, auch die aus intakten Familien. Jedes Kind muss sich seine Position neu verifizieren und hat damit Probleme und Fragen.

Trennungskinder haben da sicher die ein oder andere Position mehr zu klären, vor allem, weil ein Elternteil ja nun eine neue Familie hat. Aber, wenn diese Familie klug handelt, hat das Kind nicht nur eine, sondern 2 Familien und das ist eine ganz individuelle Sache und ein sehr individuelle Erleben.

Ich kenne Kinder, die sind von ihrer alleinerziehenden Mama zu Papa und seiner neuen Familie gezogen, weil es eben dort Geschwister gab und Mama war so klug, sie gehen zu lassen.... es gibt keine allegemeingültigen Aussagen, was richtig ist und was nicht.

Aber, Kinder lernen aus den Folgen, sie lernen aus dem Verhalten der Erwachsenen und sie reagieren darauf. Und sie sind keine handlungsunfähigen Wesen, es sei denn, man hat sie dazu gemacht, sie überhört und übergangen. Das aber sehe ich hier bei Maxi nicht. Da wurde einbezogen, sich Mühe gegeben, versucht etwas gemeinsam zu tun. Und, es liegt gar nicht in Maxis Hand das zu verändern, wenn es ausgeschlagen wird. Ich mein, wenn ich mir alle Mühe gebe und nur Schulterzucken ernte? Dann kann ich mir natürlich Gedanken machen - aber die können durchaus falsch sein?

Ich kenne ein junges Mädchen, deren Stiefmutter (grässliches Wort) sich alle Mühe gegeben hat, ihr gerecht zu werden, Gespräche, Miteinbeziehung, "ich bin immer für Dich da", Verständnis für viele unverständliche Dinge, Nachsicht - kurz, so wie man sich vorstellt, das ein Kind sich die Dinge wünscht. Das Mädchen aber zuckte nur mit den Schultern, lächelte vielsagend und hielt sich raus..... jeder dachte nach, was da wohl falsch lief..... irgendetwas musste ja sein? Dann kam die Stiefmutter bei einem Unfall ums Leben und das Mädchen fiel völlig in sich zusammen. Am Ende einer langen bitteren Zeit sagte sie folgendes "Sie hat alles richtig gemacht und ich habe sie geliebt, ich hab nur damals beschlossen, das ich sie einfach nicht mögen würde und irgendwann bin ich über dies "ich find Dich blöd" nicht mehr drüber weg gekommen. Ich wünschte mir, ich hätte ihr ein einziges Mal sagen können, wieviel sie mir bedeutet hat, was hätten wir es schön haben können, wäre ich nicht so unendlich blöd gewesen?" Und sie weinte......

Was ich damit sagen will ist, auch Kinder haben ihren Anteil an dem, was um sie herum passiert. Sie tragen und wir Eltern versuchen auch, ihnen das beizubringen, Verantwortung für sich. Grade Teenager, die über alles und jeden nachdenken, sind da durchaus aufgerufen die Hand zu nehmen, die sich ihnen bietet. Es darf nicht für alles Verständnis geben. Wir müssen Hilflosigkeit erkennen und deuten, aber wir müssen nicht alles gut heißen, das macht uns unglaubwürdig.

Was hab ich gestern gehört? Ein Mädchen, 14, hat den Konfirmandenunterricht verweigert und feiert am Konfirmationstag eine Nichtkonfimandenparty. Alle sind eingeladen und irgendwie findet es niemand gut, aber Geschenke für die erste große Entscheidung ihres Lebens sind erwünscht. Ich glaub es hackt, was hat sie entschieden ohne sich mit dem Thema auseinander zu setzen? Nichts aber auch gar nichts würd ich machen.... außer einen Brief schreiben und ihr mitteilen, wie ich das sehe. Meine Tochter zog gleich einen Vergleich "ich könnt ja eine -ich bin nicht schwanger- Party werfen, ich wünsch mir nen Thermomix?" :dampf: Hier sind Eltern wie Kind gefragt und eine erste große Lebensentscheidung beinhaltet auch Konflikte. Find ich. Aber es macht deutlich, das Kinder mitentscheiden.... was lernt sie, wenn alle ihre seltsame Party gut finden?

Ich verliere die Belange eines Scheidungskindes ganz sicher nicht aus den Augen, aber dies Erleben muss eingebettet sein ins Leben. Traumatische Erlebnisse müssen verarbeitet werden und eines Tages in den Alltag münden. Ich hab meine Kinder stets liebevoll begleitet und doch eingefordert, das sie Papas Freundin gegenüber höflich zu sein haben. Ich war da ganz klar, Kinder brauchen Halt und Erwartungen, man darf ihnen nicht erlauben, ganz in eine eigene Welt abzutauchen, sie verlieren sich.

Ich habe viele viele Male ein Problem, das auftauchte auf die Trennung geschoben, bis ich erkannte, das auch Probleme auch einfach dazu gehören, zum Leben, Manche Verhaltensweisen haben überhaupt nichts mit der Trennung zu tun, etwa wenn Maxis Tochter sich weigert, mehr als ihren eigenen Teller vom Tisch zu räumen. Aber wenn ich glaube, es habe damit zu tun, werde ich unweigerlich falsche Signale setzen, etwas bestätigen das nicht der Realtität entspricht und dann? Jedes kleine Kind muss erleben das in anderen Haushalten andere Regeln herrschen, bei Oma darf es Dinge tun, die zu Hause streng verboten sind - das gehört doch zum Leben dazu? Wie soll es sonst eines Tages wählen dürfen, wie es selbst leben will? Geht es aber um Trennungsfamilien wird da sofort ein anderes Signal daraus? Ist das immer richtig?

Sie müssen etwas wichtiges und schweres lernen: Ich allein trage die Vaeratnwortung für mein Leben und ich muss nach vorn schauen, wenn ich nach vorn gehen will. Man fällt auf die Nase, wenn man beim Vorwärtsgehen rückwärts schaut.

Da sehe ich auch einen Teil Verantwortung, wenn wir hier einem Kind sagen "Sprich mit Deinen Eltern, sag Ihnen......" dann verlangen wir genau DAS. Wir verlangen nicht, lass Dich fallen, alle sind garstig zu Dir. Wie sagte neulich meine Große "ja, aber wenn Du verletzt bist, hat das einfach was mit Dir zu tun, das war ja nicht meine Absicht und deshalb kann ich nichts dafür." Oh, ich hab sie für diesen Satz gehasst - einen Moment lang, ich weiß aber auch zu gut, das sie irgendwo Recht hat.... und das ist mein Part, den muss ich für mich auflösen. Und dann können wir wieder miteinander reden.

Wichtig ist, das jedes Kind ganz individuell ist und individuell reagiert, das eine braucht unendliches Verständnis, das andere durchaus eine klare Ansage und dazwischen liegen alle Farben von grau. Wir sollten hier gemeinsam heraus finden wie wir helfen können und worum es speziell geht. Nicht pauschal, mein Empfinden ist ein ganz anderes als das von jedem Einzelnen und - es ist nicht besser oder schlechter, nur anders. Finden wir doch lieber eine Lösung, für Maxi und ihre Tochter, nicht für uns.

Alles Liebe
Ansa

P.S. doch doch Maxi, es verändert sich sehr viel durch ein weiteres Kind, das ist ein langsamer und normaler Prozess, auch wenn es nicht so aussieht, es ist doch alles in Bewegung. Aber das ist gut so und richtig.
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Muckelmaus » 11. April 2013 09:57

Guten Morgen ihr Lieben!

Oh je - da bekommt Maxi´s Threat eine ganz andere Richtung als ich wollte :(

Es liegt und lag mir mit meinem Post gestern fern, jemanden anzugreifen oder verletzten zu wollen. Das war ganz sicher nicht meine Absicht und sollte ich das getan haben, so tut es mir leid.

Ich wollte damit lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich es persönlich für falsch halte, wenn ich mein Leben im Gestern verbringe und immer wieder neu hinterfrage, was geschehen ist. Selbstverständlich ist eine Trennung für jedes Kind ein traumatisches, dramatisches Erlebnis. Aber ich kann nicht auf ewig daran festhalten. Nach vorn muss ich doch schauen, Lehren für mich daraus ziehen, um es besser, anders machen zu können. Ich muss das Erlebte für mich verarbeiten und meinen Weg suchen. Wenn ich aber ständig an der Trennung festhalte, komme ich nicht voran in meinem Leben und auch mit und in mir selbst nicht.
Natürlich braucht jedes Kind dafür seinen eigenen, ganz individuellen Weg. Aber irgendwann muss der Punkt erreicht werden, an welchem damit abgeschlossen werden kann, damit das Leben in die eigenen Hände genommen werden kann.

Im weitestesten Sinne bin auch ich ein Trennungskind, wenn ich auch nicht im klassischen Sinne.
Mein Vater verließ meine Mutter, als sie mit mir schwanger war. Er kümmerte sich nie um mich und starb, als ich 4 Jahre alt war. Meine Mutter wurde alkoholabhängig und diese Abhängigkeit prägte meine gesamte Kindheit. Für mich gab es all die Freuden anderer Kinder oder Jugendlicher nicht. Mein Leben wurde durch den Alkoholismus meiner Mutter bestimmt.
Lange Zeit habe ich alles, was in meinem Leben falsch lief, nicht stimmig schien, auf meine Mutter und ihre Erkrankung geschoben. Das war die perfekte Erklärung für alles und herrlich einfach. Jeder schien Verständnis für mich zu haben.
Aber irgendwann - viele Tränen, Gespräche und Therapiestunden später - musste ich erkennen, dass es mein Leben war über das nur ich zu bestimmen hatte. Ich hatte die Wahl, weiterhin meine Mutter für alles verantwortlich zu machen oder mein Leben und damit die Verantwortung für mich selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden, der sicherlich schwieriger zu gehen ist. Ich trage meiner Mutter ihre Alkoholsucht nicht nach. Es wird Gründe gegeben haben, die sie haben so krank werden lassen. Ich weiß auch, dass sie mich geliebt hat, auch wenn der Alkohol zunächst viel zerstört hat. Ich habe gelernt nach vorn zu schauen und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Auf diese Weise geht es mir besser und ich kann freier atmen.
Nichts anderes habe ich versucht, meinen Mädels zu vermitteln. Sie haben keine alkoholkranke Mutter oder einen gewalttätigen Vater. Sie haben geschieden Eltern und müssen nun damit leben und ich glaube, das können sie beide sehr gut. Sie können das aber nur, weil wir sie ihren Weg haben finden lassen und im Hintergrund abgewartet haben, was sie brauchen.
Mir ist bewusst, dass es Eltern gibt, die ihren Kindern nicht die Hilfestellung geben, die sie benötigen und das der Weg dadurch ungleich schwerer wird. Aber auch mit dieser Hürde ist er machbar. Es braucht den Willen und die Kraft ....

Liebe Grüße
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der Nähe von Köln

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 » 11. April 2013 13:21

Wenn es ihr egal ist wie ich mich fühle, kann es eigentlich doch auch mir egal sein, wie sie sich fühlt?


Liebe Maxi, du bist erwachsen und weißt es besser...das ist der Unterschied und du stellst dich mit ihr auf eine Stufe, wie du mir so ich dir?

Ich führe mein Leben nicht im Gestern, sondern in mir, mit mir und mit anderen aus mir heraus...immer im jetzt.
Und das Erleben in der Vergangenheit, damit meine ich die Gesamtheit meines Erlebens, nicht nur einzelne Situationen, haben mich bewegt und zu der werden lassen, die ich heute bin.
Das Blatt ist nicht weiß, ich bin kein unbeschriftetes Blatt und ich möchte gerne mit mir und dem was dort gezeichnet ist umgehen und leben können und da wird der Blick immer wieder hinfallen, wenn ich in mir suche, nach Erfahrungen und Antworten und ich werde nach Aussen schauen und suchen und ich werde von aussen drauf schauen lassen um Antworten zu finden...das alles sind Möglichkeiten, das Leben geht aber immer nach vorn.

Familie ist für mich dann real und lebendig, wenn das dazugehören gefühlt und natürlich so ist, ganz egal wie ich mich verhalte. Meine Kinder müssen nicht erst etwas geben oder richtig machen oder so machen wie ich es möchte damit sie Teil von Familie sind, sonder sie sind es einfach, aus Ihnen und mir und noch anderen besteht unsere Familie.
Und um diesen Kern herum gibt es andere, die dazugehören dürfen, weil sie eingeladen sind, da haben wir eine Wahl, wer an unserem Leben Anteil nehemn darf und bei wem wir Anteil nehmen wollen...

Wie kommt es, dass ihr das Gefühl habt, dass bei vielen Scheidungskindern die Vergangenheit eine "zu große" Rolle spielt? Woran macht ihr das fest, das würde mich wirklich interessieren? Und wer setzt da den Maßstab?

Komme ich zurecht und benehme mich normal und passend darf ich ein bischen im Vergangenen wühlen aber wehe es macht was mit mir, das nicht angenehm für die anderen ist, dann soll ich das doch bitte lassen und wirklich mal nach vorne schauen, nur so funktioniert das?
Ich heute als Erwachsene habe mein Leben in meinen Händen darüber bin ich mir sehr bewußt, weil ich es fühle, mit allen Facetten, auch denen die sich weniger gut anfühlen, es ist real spürbar für mich. Und dazu gehört alles, weit über meine Lebensspanne hinaus...ich bin das Kind meiner Eltern und ein Teil von mir lebt in meinen Kindern weiter, ich exsitiere nicht unabhängig davon, weil das alles verbunden ist und ich werde das nicht aussperren und verleugnen, weil nicht alles "gut" war...

Heute und das ist ein riesen Schritt für mich in die für mich richtige Richtung schaue ich hin, anstatt weg...und zwar wieder und wieder und gebe damit mir und dem Leben und den Menschen um mich herum immer wieder eine neue Chance sich zu zeigen und mich zu zeigen...das ist eine achtungsvolle Form von "das Blatt für das jetzt, für einen Augenblick, wieder weiß machen".
Also ist meine Frage wirklich als solche gemeint, wie ist das für euch mit dem zuviel an Vergangenheit, woran macht ihr das fest?

Tami
Change it, love it or leave it.
Tamara22
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 1509
Registriert: 5. Oktober 2004 12:57
Wohnort: Frankfurt

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 » 11. April 2013 13:23

PS: @ Maxi
Du zweifelst ob deiner Stieftochter geholfen sein wird...wer soll das beurteilen, du oder sie...ob etwas hilft?
Weißt du da etwas aus deiner Sicht heraus oder hast du sie gefragt?
Change it, love it or leave it.
Tamara22
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 1509
Registriert: 5. Oktober 2004 12:57
Wohnort: Frankfurt

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa » 11. April 2013 14:19

Moin,

ich glaub, das ist ein ganz ganz schwieriges Thema, was der eine sich wünscht kann durchaus etwas ganz anderes sein, als der Nächste?

Ich hab grade über diesen Fall (ich nenn das jetzt mal so) mit meiner einen Tochter gesprochen und die sagte etwas ganz Spannendes, "wenn sie so zickt - (das waren nicht meine Worte) dann würde ich sie ernst nehmen und ihr sagen "okay, wenn Du nicht mitmachen möchtest, kann ich das verstehen, ich mag nicht immer und immer fragen, ist das okay für Dich?" Und dann würde ich sie nicht mit einbeziehen, ich würde sie und ihr Verhalten ernst nehmen - mit 14 ist sie nicht mehr klein. Sie meinte auch, das nicht beachtende Verhalten wäre Unsicherheit, aber so manches anderes? Kein "wie geht`s Dir" oder "schön das es Dir gut geht" einfach unverschämt. Sie muss ja keine Freudensprünge los lassen, aber doch ein Mindestmass an Höflichkeit zeigen. Sagt mein Kind. Aber es sagt auch, "Vorsicht, man weiß ja nicht was die Mutter sagt, vielleicht so`n Mist wie "jetzt braucht der Papa Dich nicht mehr, er hat ja jetzt ein neues Kind." Das sollte man prüfen. Und - da hat sie, glaub ich, gar nicht so unrecht? Und sie sagte auch "Der Vater sollte mal mit seiner Tochter ein ernstes Wort reden, aber husch..."

Ich frag öfter mal meine Töchter, weil ich es sehr spannend finde, wie sie das Ganze sehen, als Trennungskinder. Und wir wissen, das manche Väter das ernste Wort scheuen - aus Furcht, ihr Kind zu verlieren - aber am Ende verlieren sie es genau durch das nicht drüber reden.... und die Partnerinnen können das nicht auffangen - leider.

Was soll man als Partnerin des Vaters denn noch tun, als immer da sein, die Hand reichen und schlucken? Jahrelang? Geb ich irgendwem das Recht mich jahrelang schlecht zu behandeln, das zu verstehen und zu akzeptieren? Was lernt so ein Kind, wenn ich das zulasse? Doch nicht, das ich ne Nette bin, sondern eher "ph, mit der kann ich`s machen....." Das ist ein ganz schmaler schwieriger Grad. Bei meinen Kids würde sich jemand, der sich duckt ud schluckt weder Achtung noch Respekt erarbeiten sondern genau das Gegenteil.

Zudem, da hat eine Mutter grade ein Baby bekommen, eine, vielleicht, nicht so einfache Geburt, eine geteilte Familie, ich finde auch sie hat ein Recht auf Schonung und Verständnis. Es geht nicht nur um eine Seite. Und hier darf und muss auch Platz sein für "oh mein Gott, ich bin so wütend" gell, besser hier, als daheim der Tochter gegenüber? Sie darf verletzt sein, das ist okay, hier muss Raum dafür sein, wir sind doch nicht nur Trennungskinder sondern auch Mütter? Welch großartiges Ereigniss, Leben zu schenken? Welch Rausch an Gefühlen und dann so etwas? Das schmerzt doch.... wie würde es denn uns gehen, damit? Ich wäre verletzt, ich bin doch kein Übermensch.

Natürlich gibt es keinen Maßstab wer Gefühle fest setzt, aber eindeutige Trends - in intakten Ehen würde um ein zweites Kind gar kein Aufhebens gemacht, klar gäbe es da auch Probleme, aber die würden vom Tisch gefegt "nun ist aber gut, Du bist schon groß, sei vernünftig." Nicht, das es besser ist, aber mitunter ist es Richtungsweisend und damit gut. Das Kind hat keine Wahl - die aber hat es in Trennungsfamilien, es hat zumindest die Wahl alles doof zu finden und ein Außen, das es durchaus darin bestärkt. In einer Intakten Familie wäre das wohl doch anders? Nur mal drüber nachdenken?

Und, warum manche Menschen daran so lange knabbern? Ich kann mir vorstellen, das ein Mitgrund auch ist, das die meisten Betroffenen genau da suchen.... und eine schnelle Erklärung zur Hand haben, die sich einfach anbietet? Da nehme ich mich nicht aus, ich hab so manches Problem meiner Kinder auf die Trennung geschoben - nur war`s die gar nicht und es ist meine Aufgabe, als Erwachsene, das zu erkennen, mein Kind kann das vielleicht erst Jahre später oder nie? Den Asperger Autismus mit all seinen emotionalen Problemen - der passte so schön als Trennungsfolge - ich bin nie darauf gekommen, zu überlegen, ob wir DAS nicht auch ohne Trennung erlebt hätten? Hätten wir und dann hätten wir an anderer Stelle gesucht.

Lasst uns miteinander reden, nur so kommen wir weiter und lernen von einander.

Ansa
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Yvaine » 11. April 2013 22:53

Liebe Maxi, aber auch liebe Ansa, Muckel, TT und Tami,

Ist es zu spät, mich noch ins Gespräch einzuklinken? Habe die letzten Tage still mitverfolgt und keine Zeit gehabt.
Ich finde diesen Thread jedoch unheimlich wichtig und gut, sozusagen für die Völkerverständigung.

Lasst es mich wissen, wenn eine sechste Meinung (die etwas Brücken bildend sein kann) erwünscht ist.

Liebe Grüße,
Yvaine
Benutzeravatar
Yvaine
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 424
Registriert: 16. November 2007 22:21

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa » 12. April 2013 07:48

Liebe Yvaine,

für mich ist eine solche Diskussion ganz wichtig.... von daher, her mit Deinen Gedanken ,) , wir müssen uns auch gar nicht einigen, find ich, sondern nur verstehen. Ich fand die Einsichten zu "was hätte ich mir gewünscht" z.B. sehr wertvoll und bin froh, das sie im Thread stehen.

Aber ich find auch das die absolute Hingabe an Trennungskinder, die ich oft beobachte, falsche Zeichen setzt, denn am Ende hindert sie ein Kind durchaus am nach vorn sehen und am verarbeiten.

Seh ich doch hier, wie oft hören meine Kinder aus ihrem Umfeld, "ach ja, ist auch besonders schwer, Scheidungskind......" sie erhalten so unendlich viel Nachsicht - die, ich bin ehrlich, oft ganz und gar unangebracht ist. Das ist egal ob sie ihre Hausaufgaben nicht machen oder alterstypischen Blödsinn anstellen. Zuviel Nachsicht ist ungesund.

Da fällt mir ein, ich hab meine Jüngste gefragt, "was würdest Du tun, wenn da einer den Tisch für Dich nicht mitdeckt?" Zuckt sie die Schultern und antwortet "ich würd sagen, oh schön, das Du den Tisch für Papa und mich gedeckt hast, magst Du Dir nicht auch nen Teller nehmen?" :D Die haben etwas gelernt...... glaub ich. Oder anders, den Satz hätte ich mich kaum getraut zu sagen. ,)

Liebe Grüße
Ansa
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Muckelmaus » 12. April 2013 12:45

Hallo ihr Lieben und ein Hallo an Yvaine!

Maxi - du hast es in deinem letzten Post auf den Punkt gebracht.

Ganz liebe Grüße
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der Nähe von Köln

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Bolz » 12. April 2013 13:45

Hallo Ihr,

auch ich habe mich in Eure Post eingelesen und finde fast alle haben irgendwo wichtige und richtige Dinge gesagt und ich fände es schade, wenn hier jemand mit seiner Meinung hinter dem Berg hält, nur weil das jemandem grade nicht passt. Ist doch viel besser wenn jemand was Krasses schreibt und darauf die heftige Reaktion eines anderen Schreiberlings direkt erfährt, als wenn diese Gedanken gar nicht ausgesprochen werden. Ich finde auch eine krasse Meinung gehört dazu und man kann daraus viel lernen wie andere das Leben wahrnehmen, auch wenn man das für sich nicht teilen kann oder will.

Ganz besonders wichtig finde ich aber immer, dass jeder als ein Teil des Ganzen wahrgenommen wird. Natürlich nur ihm Rahmen seiner ( echten ) Möglichkeiten, aber dort vollständig. Keiner kann immer nur Nachgeben, keiner kann immer nur eine Ausnahme beanspruchen und keiner muss seinen Kummer gegen den des anderen aufwiegen. Hier im Forum und auch in jeder Familie.

Zu Maxi: dass bei allem was ich über Deine Bemühungen gegenüber Deiner Wochenendtochter gelesen habe empfinde ich echten Respekt und Hochachtung über Deine immer wiederkehrenden Bemühungen um dieses Mädchen. Spätestens bei den Reaktionen um Deine Fehlgeburt hätten sicher viele das Handtuch geschmissen. Das Du schlimm getroffen bist kann ich mehr als verstehen. Da die Tochter sich ja hier selbst nicht äußert kann man nur vermuten, was sie zu diesem anhaltenden Verhalten treibt und besonders den Satz von Ansas Tochter sollte man bedenken, wer weiß was sie alles zur Geburt des neuen Geschwisters gehört hat und von wem. Das kann nur sie beantworten. Trotz allem bin ich Deiner Meinung, dass jeder zu einer gelingenden Familie beizutragen hat und mit 14 kann das die Tochter auch wenn sie will. Ich glaube nicht, dass das zuviel verlangt ist und es gibt dazu ja auch keine Alternative oder zumindest wüßte ich nicht, wie diese aussehen sollte, außer, dass Du das Feld räumst. Gab es von Dir eigentlich schon mal die Option, dass Du die Reißleine ziehst und sagst "ich will so nicht mehr " ? Ich habe bei Deinen Beschreibungen manchmal das Gefühl, dass die Tochter irgendwie gar nicht richtig mitbekommt, dass sie Dich verletzt, eher so was wie ein Wettkampf wann sie das Fass zum Überlaufen bringt. So als wenn sie Dich so lange trietzen will bis Du sie ablehnst weil sie sich sicher ist oder gesagt bekommen hat, dass Du sie ablehnst ? Das ist mein Gedanke dabei...

Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute für Euch 4
Bolz
Bolz
Schnelltipper
Schnelltipper
 
Beiträge: 166
Registriert: 11. September 2009 08:02

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa » 12. April 2013 18:39

Liebe Maxi,

Du bist müde und erschöpft und das zu Recht, vielleicht ist es eine gute Idee, zumindest den Urlaub als Thema ein wenig zu verschieben? Ich weiß nicht, wann bei Euch Ferien sind, aber solche Dinge kann man ja durchaus später entscheiden?

Ansonsten stelle ich mir in meinem Leben immer wieder die Frage "was lernt mein Gegenüber durch mein Verhalten?" Und Eure Gegenüber, Kindsmutter und auch Tochter lernen einfach die falschen Dinge - vielleicht aber drehen sie manches auch einfach so, das der Papa schlecht aussieht, weil es, zumindest Mama so besser gefällt? Eure Absichten, keinen Stress für die Tochter zu erzeugen und alles ruhig angehen zu lassen sind ehrenhaft, richtig und gut, was aber davon ankommt, entscheidet in dem Fall die Mutter und sie trägt es an die Tochter weiter.

Bei mir war das ja nicht unähnlich, mein Exmann tanzte mir solange auf der Nase herum bis ich platzte, etwa "ich bringe die Kinder zwischen 14 und 19 Uhr nach Hause (Pfingstmontag)" "Könntest Du das ein bisschen einschränken, weil wir auch etwas .........." weiter kam ich nicht, weil er mich schon anbrüllte, was mir einfallen würde, über seine Zeit bestimmen zu wollen? Aha, er bestimmt nicht über meine Zeit, ich also über seine, interressant. Wie oft haben wir stundenlang gewartet und uns das gefallen lassen.... bis ich eines Tages, vor dem besagten Montag sagte "okay, ich sehe ein, das Du das nicht planen kannst, wir sind ab 18 Uhr zu Hause!" Dafür gesorgt, das die Kinder keinen Schlüssel haben und 5 Minuten vor 18 Uhr rollten wir auf den Hof. Er stand seit 15 Uhr mit den Kindern vor der Tür, alle total gestresst (was mit auch wirklich leid getan hat) und er sauer "warum kommst Du erst jetzt?" und ich freundlich "ich bin doch sogar ein wenig eher hier, ich hab gesagt, wir sind um 18 Uhr zu Hause, schade, das Du mir nicht zugehört hast." Es war das letzte Mal, das er sich so benahm - leider lassen sich manche Dinge nicht ohne Streit lösen. Nachgeben jedenfalls hatt mir viele viele Tage vermiest und mir das Gefühl gegeben, fremdbestimmt zu leben. Nur wenn Papa keinen Streit will - lässt sich manches nicht lösen.

Du kämpfst natürlich zu einem gewissen Teil genau deshalb auf verlorenem Posten, ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich schrieb "Papa müsste mit seiner Tochter mal reden" - wir können Papa, den ich auch verstehen kann in seiner Angst, seine Tochter zu verschrecken, nicht ändern und daher sind manche Dinge einfach so wie sie sind, leider.

Aber eines würde ich in keinem Fall ausprobieren - das Papa allein mit ihr weg fährt - was würde sie daraus lernen? Willst Du, wollt Ihr das wirklich? Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. :nein:

Und, auch mich beschlich schon der Gedanke, das es um einen Manchtkampf geht um "gemocht werden" um "ich bin einfach SO lange garstig zu Dir bis Du das tust, was..... " Tja, was auch immer sie erwartet aus welchen Gründen. Das kann man entschärfen, wenn Du wieder ein wenig erholt bist. Du kannst aus solche Sätze sagen (ganz ruhig und sachlich) "weißte was, Du kannst Dich hier noch so eklig benehmen, es wird nichts daran ändern, das ich Dich gern hab und Du zu uns gehörst." Und ansonsten nichts mehr, raus gehen, stehen lassen.... Ob so etwas nützen würde, kannst wohl auch nur Du erkennen.

Das Mädchen aus meinem Beispiel wo es zu dem tödlichen Unfall kam, das war genau so ein Fall.... aus dem niemand raus kam und leider ist es so, das die Aufgabe, jemanden da raus zu holen eben doch bei uns Großen liegt. :umarmen: Einen Machtkampf kann man nicht gewinnen, nur eine Entziehung daraus ist möglich - das ist schon so wie meine Tochter sagte "okay, wenn sie nur die Schultern zuckt, nimm sie ernst - sag ihr, "schade, ich mag nicht immer wieder fragen, ich möchte Dich respektieren, ich mach das jetzt alleine und wenn Du irgendwann magst, sag etwas und wir machen es wieder anders." Und das dann auch tun, aber hinsehen und wenn Du Unbehagen feststellst, anbieten, die Dinge zu besprechen...

Aber erst einmal brauchst Du Ruhe und Kraft - nimm Dir Zeit für Dich und Deine Süße - besinne Dich auf Dich und zieh Dich ruhig einfach zurück, wenn Du einen Ort dafür hast.

Alles Liebe
Ansa
Sei zärtlich mit den Kindern, mitfühlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmütig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon sonnenschein2 » 12. April 2013 20:36

Hallo Ihr Lieben,
ich habe bislang nur still mitgelesen. Es gab viel Ansätze, jede Antwort spiegelt die Erfahrungen von euch alle wieder. Alle Meinungen und Antworten sind sehr wertvoll. Aber ich möchte auch zu Bedenken geben, dass es in Familien keine Patentlösungen gibt. Familie ist in Bewegung, so wie das Leben selbst. Wir können in unzähligen Erziehungsratgebern Tipps und Gedanken dazu nachlesen.
Ich habe mir eine eigene Meinung im Laufe der Jahre gebildet. Ich schreibe es hier ganz frei heraus, denn es sind meine Gedanken.
Wir leben ja auch in einer Patchwork Familie, wie ihr wisst. Zu Beginn habe ich auch sehr viele Wünsche, Erwartungen und auch Ansprüche gehabt. Es hat mich traurig gemacht, dass ich keinerlei Wertschätzung von den Kindern meines Partners bekommen habe, und sie waren schon erheblich älter als die Tochter von Maxis Mann. Irgendwann habe ich dann aufgehört zu kämpfen und mir Gedanken zu machen und mich zu bemühen. Ich habe begonnen in einem gewissen Umfang mein Leben zu leben. So zu leben, dass es mir gut tut. Ich habe mich zurückgezogen, wenn die Kinder da waren und habe etwas mit meinen Kindern unternommen. Ich habe gedacht, das wars und wir stehen vor dem Aus.
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bekomme zurückgespiegelt, dass es genau richtig war Ihnen die Zeit zu geben, die sie brauchten. Jeder Mensch braucht die Zeit, die er braucht. Es gibt keinen Zeitrahmen, den man festlegen kann. Und ich kann auch nicht verallgemeinern, dass alle Pubertierenden aufmucken und Grenzen austesten möchten. Manche ziehen sich auch in sich selbst zurück und werden still....Es gibt so viele Varianten.
Ich haben gelernt, dass ich keinen Zwang ausüben kann. Ich kann mit etwas wünschen, aber das ist auch schon alles. Ich kann Regeln aufstellen, zum Tischdecken, aufräumen ect. Aber ich kann keine Regeln aufstellen, ob jemand einen anderen Menschen mag oder nicht.
Ich könnte aber, und ich glaube, das würde ich mittlerweile auch, mich mit einer 14jährigen auseinander setzen. Ich würde sie zum Gespräch bitten und ihr all das sagen, was du, liebe Maxi, hier geschrieben hast. Deine Gefühle und wie sie auf dich wirkt. Denn es geht um dich und um dein KInd.
Ich möchte noch mehr zu den Gedanken von Tami und TT schreiben, ich kann euch sehr nachfühlen. Aber das kann ich nicht mehr heute...

Fühlt euch alle ganz lieb bedacht
Sonnenschein2
sonnenschein2
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 1325
Registriert: 24. Juli 2006 17:45
Wohnort: NRW

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Bolz » 15. April 2013 11:09

Hi Maxi,

ich muss grade noch was aufschreiben. Ich habe nochmal über das was Du geschrieben hast nachgedacht und dabei stellte sich für mich die Frage die ich nicht beantworten konnte : Warum kommt sie zu Euch ?
Also ich meine plant Ihr die Wochenenden und dann ist sie einfach "da" ? Oder möchte sie zu Euch kommen, oder drängt ihr sie und sie kommt weil sie "muss" ? Irgendwie liegt in der Antwort dazu für mich dazu das Verständnis, warum sie sich so verhält und auch die Möglichkeit, die Situation zu verbessern.

Also z.B. wenn sie nur kommt, weil sie muss und ihr sie drängt die Termine einzuhalten, dann würde ich mit ihr sprechen, dass ihr Verhalten mich sehr verletzt und ihr anbieten selbst zu entscheiden, ob sie noch kommen möchte. Wenn sie aber eigentlich erkennen lässt, dass sie sich selbst um die Treffen bemüht, dann hätte mal einen guten Ansatzpunkt sie zu fragen, warum sie sich abweisend zeigt. Fast immer möchten einem andere mit trotzigem Verhalten etwas mitteilen, was sie so nicht zu sagen vermögen. Ich persönlich hab da so eine echte Macke mit, andere um Hilfe zu bitten. Für mich ist es irgendwie nicht mehr das Gleiche wenn andere was für mich tun, wenn ich sie darum gebeten habe. Es fühlt sich dann für mich an als tun sie das dann nur aus Verpflichtung und das mag ich dann auch nicht mehr. Frage ich aber nicht, dann weiß ja keiner dass ich Hilfe brauche und es klappt auch nicht. Ist immer eine Zwickmühle und obwohl ich es weiß das es doof ist, mache ich es immer wieder so und wundere mich dann, dass niemand meine "stummen Zeichen" deuten kann :rolleyes:
So in etwa stelle ich mir die Situation Deiner Wochenendtochter vor, eigentlich will sie ja gemocht werden, aber sich nett verhalten dass sie jemand mag kann sie auch nicht. Schwierig...

Und dann ist da ja auch noch die Frage ob und was Du eigentlich wilst. Wenn Du Deine wahre Meinung und Wünsche im Bezug auf die Tochter äußern könntest, ganz egal was Du darfst alles frei wünschen und aussprechen, niemand erfährt es und wäre beleidigt. Was genau würdest Du dann wollen ? Das könnte schon sehr weiter helfen...

Lg
Bolz
Bolz
Schnelltipper
Schnelltipper
 
Beiträge: 166
Registriert: 11. September 2009 08:02

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Muckelmaus » 16. April 2013 12:47

Liebe Maxi!

Hat sich denn, seit das Baby da ist, irgendwas verändert, was das Kommen und Bleiben deiner Stieftochter betrifft? Ich meine, kommt sie seltener oder bleibt vielleicht nicht mehr so lange?
Wenn ja, hätte man da doch einen Ansatzpunkt für ein Gespräch, in dem man sie fragt, warum sich da was verändert hat. Evtl. rückt sie mit der Sprache raus und ihr könnte gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Fühl dich lieb gedrückt
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel Lärm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lässt das Haus stumm zurück, dass Du denkst, du wirst verrückt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beiträge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der Nähe von Köln

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Berentson1300 » 18. April 2013 15:05

Liebe Maxi,
auch erstmal herzlichen Glückwunsch zum Baby!
Ich selbst habe vor ein paar Monaten eine kleine Schwester bekommen und habe mich von Anfang an darüber gefreut. Ich bin aber auch in einem Alter, in dem Mann die Scheidung der Eltern vollkommen akzeptieren kann und auch dass neue Partnerschaften entstehen.
Kurz bevor meine Schwester auf die Welt kam, erlebte eine Freundin die gleiche Situation. Ihr Vater bekam mit seiner Freundin ein Baby. Die kleine Schwester meiner Freundin war zu dem Zeitpunkt 12 und sie fand das sehr schrecklich. Obwohl sie auch schon immer damit leben konnte, dass die Eltern getrennt sind und neue Partner haben. Erstmal hat sich ihre Haltung auch nicht verändert, als das Baby da war, mittlerweile, ein Jahr später, mag sie das Baby auch. Sie beschäftigt sich zwar nicht ausgiebig mit ihr aber dennoch hat sie die ganze Situation akzeptiert.
Vielleicht bekommt ihr eure ja auch dazu, wenn sie merkt wie toll so ein kleines Kind sein kann.
Viel Erfolg wünsche ich!
Berentson1300
Eintagsfliege
Eintagsfliege
 
Beiträge: 1
Registriert: 28. Dezember 2012 13:29

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Yvaine » 20. April 2013 00:24

Liebes Forum,

nun, da ich endlich zum Schreiben komme, ist schon vieles gesagt, dem ich zustimmen will. Vielleicht ist dieser Post überflüssig, vielleicht aber auch gut, weil er den einen oder anderen in seinen Gedanken bestätigt (brauchen wir das nicht alle immer wieder?) oder neue Impulse gibt.

Ich bin auch ein erwachsenes Scheidungskind (auch wenn ich mich an vielen Tag mehr wie ein Kind fühle). Und ich weiß, dass ich ein großes Päckchen mitbekommen habe, von damals. Dennoch denke ich, dass ich nicht immer davon ausgehen darf, dass alle immer und überall darauf Rücksicht nehmen, ihren Alltag darauf ausrichten oder meine Probleme vor ihre Routine stellen. Denn wenn jemand z.B. einen Alkoholiker als Vater hatte, lasst dann noch Misshandlungen im Spiel sein, dann hat er ein mindestens ebenso schweres Päckchen auf dem Buckel. Und ich kann es nicht nachempfinden - denn in meinem Alltag gibt es den Vater nicht. Same same, but different (aus der Sicht des Päckchens).

Wenn sich mein Gegenüber nun entscheidet, das immerzu zu Berücksichtigen und in den Vordergrund aller Umstände und Entscheidungen zu stellen, fühle ich mich dann vielleicht geborgen (ist mir noch nicht passiert. Muss auch nicht.). Wenn sich jemand entscheidet, mir ins Gesicht zu sagen "Die Scheidung der Eltern ist keine Entschuldigung für alles / Begründung für alle Missstände oder Charakterschwächen", dann muss ich demjenigen (mit intakten Eltern und heiler Welt) zwar innerlich recht geben (und das tue ich aus tiefstem Herzen), dennoch muss diese Person dann damit leben, dass dieses Thema für mich mit ihr gestorben ist. Da ist keine Vetrauensebene mehr da, wenn so mit der Tür (auch wenn es die Wahrheit ist) ins Haus (in dem Falle das Kartenhaus meiner Emotionen) gefallen wird.

Ich finde, dass man Maxis Stieftochter nicht anhand des Alters beurteilen kann. Manche Mädels hatte mit 14 schon 4 Männer, andere spielen noch mit der Barbie, sind mehr Kleinkind als erwachsen. Und zwischen diesem Schwarz und Weiß gibt es ungefähr 50.000 Schattierungen voller Grau.

So - das war jetzt alles sehr wirr. Ich nehme an, ich kann meinen Kopf nochmal irgendwann sortieren. Aber es war mir wichtig nochmal zu sagen, dass jeder sein Päckchen hat. Und für jeden ist sein Päckchen immer mit eins der schwersten (abgesehen von "Die Freundin meiner Mutter hat Krebs, o.ä.") - und jeder will immer, dass die Anderen seine Welt im Hinblick auf das Päckchen sehen, hat überspitzte Erwartungen und wird enttäuscht. Maxi hat Erwartungen, die im Moment enttäuscht werden. Und Conny hat auch Erwartungen, die Enttäuscht werden. Das wichtigste, aber auch schwierigste ist mMn nun die Kommunikationsebene her zu stellen, auf der beide ihre Erwartungen darstellen können, ohne den anderen durch "unter Druck setzen" zu vergraulen. Das ist schwierig. Ich hoffe, mir fällt noch was dazu ein.

Liebe Grüße, Yvaine
Benutzeravatar
Yvaine
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 424
Registriert: 16. November 2007 22:21

VorherigeNächste

Zurück zu Alleinerziehend & Patchworkfamilien

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste

cron